EU-Schulz zur Arbeitslosigkeit: Deutschland darf keine jungen Spanier holen

Martin Schulz spricht sich gegen das Anwerben von jungen Spaniern für den deutschen Arbeitsmarkt aus. Dies würde die Situation in Spanien selbst nur verschlimmern. Ohne gut ausgebildete junge Arbeitskräfte könne die Wirtschaft Spaniens gar nicht mehr auf die Beine kommen.

5.000 junge Spanier will Ursula von der Leyen nach Deutschland holen. Hier sollen die Arbeitslosen endlich einen Job finden. Doch EU-Parlaments-Präsident Schulz hält überhaupt nichts von dieser übereilten Aktion. Die Spanier sollen in ihrem Land bleiben.

Am Dienstag wurde in Paris über das massive Problem der Jugendarbeitslosigkeit in Europa gesprochen. Finanzminister Schäuble warnte sogar einem Auseinanderbrechen der EU (hier). Allein in Spanien ist jeder zweite Jugendliche ohne Arbeit. Die Rezession im Land ist groß, viele junge Spanier sind sehr gut ausgebildet, finden aber keine Arbeit. Aber die Idee der Arbeitsministerin von der Leyen, junge Spanier nach Deutschland zu holen, ist nicht durchdacht genug, sagte Martin Schulz im DLF:

„Und was mich ein bisschen ärgert, ist, dass die Vorstellung, man könne mit dem Einladen von jungen Spanierinnen und Spaniern nach Deutschland, dass die dort Arbeit finden, das dauerhafte Problem lösen in Spanien. Ganz im Gegenteil: Wenn also Leute hingehen und Überlegungen anstellen, mehrere Tausend solcher Arbeits- oder Ausbildungsplätze für die Spanierinnen und Spanier in Deutschland zur Verfügung zu stellen (…)dann hat man ja, dann verstärkt man ja eines der größten Probleme, nämlich den Verlust der richtig gut qualifizierten Leute in einem Land, das dauerhaft, wenn es wirtschaftlich wieder auf die Füße kommen soll, genau diese jungen Leute braucht.“

Von der Leyens Plan sei „völlig kontraproduktiv“, so Schulz (mehr hier). Vielmehr sollte man versuchen, die Mittelmeerunion zu stärken. Gerade für die Peripherie-Staaten wären die nordafrikanischen Länder sehr gute Handelspartner. Man müsse diese nur stabilisieren. In Spaniens Fall wäre auch ein Freihandel der EU mit Lateinamerika „von größter Bedeutung“. Dies könnte der Wirtschaft des Landes helfen. Allerdings nur, wenn dann auch die entsprechend gut ausgebildeten Arbeitskräfte in Spanien vorzufinden wären, so Schulz. Denn, wenn die Wirtschaft sich dann erhole, „dann sitzen die gut qualifizierten Ingenieure (…) in Deutschland, würden aber in Spanien gebraucht.“

In diesem Zusammenhang kritisierte Martin Schulz auch die Rettungspolitik der EU. Diese sei letztlich auch Schuld an der hohen Jugendarbeitslosigkeit. Doch zur Bekämpfung dieser sei die nicht wirklich bereit:

700 Milliarden sind Garantien für das Bankensicherungssystem, sechs Milliarden für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, das ist weniger als ein Prozent. Ich will es mal so zusammenfassen: Wenn wir nicht begreifen, dass unsere junge Generation mindestens so systemrelevant ist wie Banken, dann weiß ich nicht, wie lange dieser Langmut noch anhält.“

Kommentare

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  1. Für die Mitte sagt:

    Man kann das so sehen. Auf der anderen Seite können Spanier in Deutschland aber auch Berufserfahrung sammeln, die ihnen für einen Neustart in der Heimat neue Ideen bringen. Staatlich-universitäre Allgemeinbildung reicht in der Regel nicht für innovatives Potential. Dazu braucht es auch Berufserfahrung in der mittelständischen Wirtschaft.

  2. 11 sagt:

    Ausnahmsweise hat der Schukz mal recht.Für uns wäre es nur eine Drückung der
    Löhne und für Spanien wäre es ein „Braindrain“.

  3. Margrit Steer sagt:

    Wenn ich diesen Schulz nicht gerade mag, aber hier hat er Reht.
    Deutschland muß endlich mal aufhören mit seinem Gutmenschen-Getue.
    Wir nehmen den anderen Ländern die Leute weg und tun dann noch so, als wären soooo gut

  4. müller sagt:

    Es war immer absehbar, dass der süden nicht die rahmenbedingungen einhalten konnte, die ihm von der eu aufgebürdet wurden…. Jetzt will deutschland nicht die verantwortung übernehmen für sein 20 global player, denen wir alle alles verdanken. Da ist von vorne bi hinten absurd, hat auch mit der idee eines gemeinsamen europa weng zu tun, wenn alle lidl dreck essen sollen. Dieses oppurtunistenland. Wirklih peinlih wie deutschlan seine macht und entscheidungsgewalt nur noch einer liste von betrügerkonzernen überlässt, die sih sowieso dumm und dämlih verdienen, nur weil sie zu viel einfluss auf steuergelder un arbeitspolitik haben. Es lebe das neue sklavenzeitalter.

  5. Hans von Atzigen sagt:

    Der Denkansatz ist denn wohl richtig. Umsetzbar ist solches den wohl kaum. Da gibt es zufiele die den Multikultiwahn um jeden denkbaren Preis erzwingen wollen. Konkret die Schaffung einer Europäischen Einheitskultur mit dem Ziel, Aufbau eines Europäischen Einheitsstaates, eines Europäischen Imperiums. Dem Kontinent drohen nicht mehr die Klassischen Kriege sondern die Flächendeckende innere Zerfleischung ohne klassische Grenzen. Eine Atomisierung des Konfliktpotentials dessen Grundursache der Wirtschaftliche Niedergang ist. Soooo Irre waren auch die Kommunisten im untergegangenen Ostblock nicht. Dies war eine fundamentale Ursache und Voraussetzung für die erstaunlich friedliche Auflösung des Ostblockes. Ohne Selbstverantwortung der Kulturen und Nationen ist eine Friedliche Welt nicht erreichbar. Dem Gebilde EU fehlt eine wesentliches Element Verantwortung. Das Gebilde EU hat im alles entscheidenden, im Bereich der Wirtschaft jämmerlich desaströs versagt.

  6. Leopold sagt:

    Das widerspricht ja auch dem EU-System. Man darf die Leute nicht nach Deutschland holen, sondern muss immer neues deutsches Steuerzahlergeld nach Spanien schicken!

  7. Sissy sagt:

    Weiss denn der Schulz nicht, dass es in Europa Freizügigkeit für Arbeitnehmer gibt? Was der Mann laufend für einen Stuss von sich gibt, das ist schon Ahnungslosigkeit pur. So einer ist EU-Parlamentspräsident! Wie gross mag das Unvermögen des übrigen Fussvolkes in der EU dann erst sein?

  8. Hülsensack sagt:

    Aber, aber, Herr Schulz
    Wenn die Stammtischpolitiker die Fragen aufwefen, werden die als Ausländerfeinde abgestempelt, obwohl die oft auf das von ihnen angeführte Problem des Abzugs von Fachkräften in diesen Ländern hinweissen.
    Mir schwant, daß Politiker doch sehr lange bedürfen, um auf solche Erkenntnisse zu stoßen. Liegt das an den zu wenig benutzten Gehirnwindungen für das tägliche Leben, weil man sich im Politikerhimmel um den Lebensunterhalt weniger sorgen muß?

  9. rundertischdgf sagt:

    Auch ein blindes Huhn findet manchmal ein Korn. In diesem Fall muß man Schulz zustimmen. Es ist äußerst dämlich, wenn die Jugendarbeitslosigkeit aus den anderen EU Ländern nach Deutschland importiert wird. Wenn man die Geschichte von Schwäbisch Hall liest, daß sich dort allein 15 000 Portugiesen als „Fachkräfte “ beworben haben, dann muß man von der Leyen und Kumpanen sagen, seid ihr nicht mehr ganz dicht in der Birne.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/05/29/welche-fachkrafte-braucht-deutschland/

  10. winter sagt:

    Spanien braucht noch lange und struktrurelle Reformen, bis sich dort etwas tut. Die jungen Spanier sehen die Dinge anders. Wer sagt denn, dass Geld, das nach Sopanien fließt, dort auch sinnvoll verwandt wird. Wieviel Milliarden sind dort bereits hingeflossen und was haben sie mit den EU Hilfsgeldern gemacht?
    Eine veritable Wirtschaftskrise!
    Sind die griechische Hilfs-Milliiarden beim Volk angekommen?
    Schulz, was weiß der Mann eigentlich vom Leben, von der europäischen Situation, von den tatsächlcihen Lösungen? Aber er führt das große Wort. Allen nach dem Mund reden, das kann er, politisch richtig denken und handeln, das machen andere.