Landwirtschaft: Monsanto drängt auf EU-Zulassung für Genmais

Die EU-Kommission will eine umstrittene genmanipulierte Mais-Sorte für den Import in die EU zulassen. Doch SmartStax, so der Name der Pflanze, wurde nie einer korrekten Risiko-Untersuchung unterzogen. Hersteller Monsanto setzt trotz gegenteiliger Behauptungen alles daran, den europäischen Markt für seine Gen-Produkte zu öffnen.

Die EU-Kommission und die Repräsentanten der EU-Mitgliedsländer berieten am Montag über die Zulassung von SmartStax, einem gentechnisch veränderten Mais für Futter- und Lebensmittel. Bei einer Abstimmung darüber fand sich weder eine ausreichende Mehrheit für noch gegen die Erlaubnis, den Genmais zur Verarbeitung in Lebens- und Futtermitteln in die Europäische Union zu importieren. Kommt bei einem weiteren Votum in einigen Wochen ebenfalls keine qualifizierte Mehrheit gegen die Einführung des Saatgutes zustande, wird die Kommission selbständig eine Zulassung beschließen.

Der gentechnisch veränderte Mais SmartStax der Firmen Monsanto und Dow AgroSciences produziert sechs verschiedene Insektengifte. Einer der sechs Giftstoffe ist künstlich aus verschiedenen Insektengiften synthetisiert. In der Natur finden sich keine entsprechenden Varianten des Gifts. Außerdem ist das Saatgut gegen zwei Unkrautvernichtungsmittel resistent. Um diese Eigenschaften zu entwickeln wurden insgesamt vier andere genmanipulierte Mais-Sorten miteinander gekreuzt. SmartStax ist das Ergebnis dieser Kreuzungen. Christop Then von der Gentechnik-kritischen Organisation TestBiotech bezeichnet die Pflanze deshalb ironisch als „Krone der Schöpfung“. Die ständige Steigerung der Giftstoff-Intensität bei genveränderten Organismen (GVOs) sei nichts anderes als ein „Wettrüsten auf den Äckern“.

Im Jahr 2010 hatte die zuständige Europäische Lebensmittelbehörde EFSA ein positives Urteil für die Marktzulassung von SmartStax gegeben. Die damalige Risikobewertung sei jedoch mangelhaft gewesen und stützte sich in erster Linie auf die Dossiers des Herstellers Monsanto, so Then. Diese genügten nicht den üblichen wissenschaftlichen Standards. Auch wurden keine Untersuchungen über mögliche Kombinationswirkungen der Insektengifte mit den Rückständen der Unkrautvernichtungsmittel durchgeführt.

In der Folge wurde der Mais zwar nicht zugelassen. Testbiotech machte im Dezember 2012 aber auf Hinweise aufmerksam, wonach der Mais illegal auf den EU-Markt gelangt. Angebaut wird er vorwiegend in den USA, weil sich dort die Schädlinge zunehmend an den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen anpassen, die lediglich einzelne Giftstoffe produzieren. „Statt die illegalen Importe zu stoppen, will die Kommission jetzt offensichtlich die Flucht nach vorn antreten und den Mais legalisieren“, sagt Then. „Das ist ein gravierender Verstoß gegen die Interessen der Verbraucher. EU-Kommissar Tonio Borg sollte sich Gedanken darüber machen, vor welchen Karren er sich da spannen lässt“, so Then weiter.

Bundes-Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat sich in Brüssel bei der Abstimmung über die Zulassung des Gentechnik-Mais enthalten. Angeblich will sie damit die Zulassung von Gentechnik-Pflanzen bremsen. Tatsächlich kommt dies im Zuge des Gesetzgebungsprozesses in der EU aber einer Ja-Stimme gleich. Da die gestrige Abstimmung nämlich kein Ergebnis brachte, kommt es in etwa einem Monat erneut zu einem Votum. Wenn sich neuerlich keine qualifizierte Mehrheit ergibt, dann darf die Kommission selbständig entscheiden. Und die wird sich kaum gegen ihren eigenen Vorschlag richten, wonach SmartStax zugelassen werden soll. Denn die Kommission stützt sich bei ihrer Entscheidung auf eben jene Bewertung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, in der keine Bedenken gegen die Maissorten geäußert wurden.

„Mir ist kein Fall bekannt, bei dem die Kommission die Zulassung einer genveränderten Sorte verhindert hätte“, so Testbiotech-Geschäftsführer Then dazu im Gespräch mit den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Derzeit seien mehr als 50 genmanipulierte Pflanzen zum Import in die EU zugelassen. GVOs finden ihren Weg in europäisches Essen also auch dann, wenn wie momentan nur sehr geringe Mengen in der EU selbst angebaut werden.

Auf eine Zulassung für den Anbau in Europa wartet trotzdem ein ganzes Dutzend neuer GVO-Sorten. Was wir erleben ist also alles andere als eine Änderung der Firmenpolitik von Monsanto. Den Kampf um die öffentliche Meinung in den europäischen Ländern hat das Unternehmen vielleicht verloren. Der Kampf um die Zulassung gentechnisch veränderter Lebensmittel geht jedoch weiter – und verlagert sich zusehends in bürokratische Hinterzimmer.

Kommentare

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  1. S. sagt:

    Ich dachte, dass genmanipulierte Lebensmittel – sowie die Einfuhr – in der EU verboten sind. Muss ich mich wohl getäscht haben. 🙂

  2. Ariovist sagt:

    Es geht weniger um die Frage einer möglichen Schädigung des Konsumenten durch gentechnisch veränderte Lebensmittel, sondern um die Patente! Das Patentamt in München wird jetzt von Patentanmeldungen für Lebensmittel überschwemmt: Die Folge ist, dass wir diese Lebensmittel nur auf Grund von Lizenzen konsumieren können, das heißt zusätzlich Lizengebühren bezahlen müssen: Ein Milliardengeschäft!!! Dazu kommt, dass genmanimultiertes Saatgut ein Hybrid ist, d.h. sich selbst nicht vermehren kann. Die Folge ist, dass der Bauer immer wieder neues Saatgut von Monsanto kaufen muß und dadurch in eine totale Abhängigkeit kommt! ASuch die Herbizide muß er von der Monsantotochter Syngenta in Basel kaufen, weil es nur bei diesem Saatgut wirkt. Kissinger soll gesagt haben, dass die USA keine Soldaten mehr beötigen, die Eroberung erfolge über das Hybridsaatgut! Nicht ohne grund haben die USA den überfallenen Irakern als Erstes deren Saatgut abgenommen! Empfehle das Buch „Saatgut der Zerstörung“ und als Ergänzung den „Economic hitman“!

    • timerunner sagt:

      Guter Artikel und wirklich guter Kommentar!
      Beide zeigen den US-amerikanischen Sozial-Darwinismus in seiner ungeschminkten Form: Im Kampf um die Weltherrschaft sind alle Mittel erlaubt und am besten versklavt man die zukünftigen Sklaven-Massen natürlich über völlig degenerierte Nahrung. Damit kann man auch wunderbar den Rest ihrer natürlichen Widerstandskraft brechen, während man sie dafür mit dem Wohlwollen ihrer nie gewählten Volksvertreter auch noch kräftig abzockt.
      Wer sagt da, dass Kapitalismus nicht glänzend funktioniert?

  3. B.Kampf sagt:

    Am 31.5.2013 hat SPIEGEL ONLINE noch gemeldet:

    Monsanto gibt Kampf für Gentechnik in Europa auf

    ( http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/monsanto-stoppt-kampf-fuer-gentechnik-in-europa-a-903055.html )

  4. willi53 sagt:

    und unsere ilse aigner enthält sich der stimme !!

  5. Hülsensack sagt:

    Monsanto sorgt für das Menschen-KO.
    Betrachte man nur die Reisbauern in Asien, welche schon im Großteil an deren Tropf hängen.
    Aber die Menschenmasse lernt sowieso nicht aus den Fehlern der Vergangenheit, somit wird sie auch diesen Ausverkauf erst feststellen, wenn sie am Hungertuch nagt.

  6. Lynn sagt:

    Das kommt davon, wenn man den – von keinem Volk Europas legitimierten! – Fuchs zum „Aufpassen“ in den Hühnerstall lässt…