Schweiz: Langwieriger Netzausbau verändert die Preise

Der zögerliche Ausbau der Mobilfunknetze in der Schweiz führt zu Veränderungen auf dem Markt. Geschwindigkeits-Tarife für die Kunden sind die Folge. Wem das mobile Internet zu langsam ist, der kann nur gegen Aufpreis in einen schnelleren Tarif wechseln.

Der Ausbau der Schweizerischen Mobilfunknetze geht nur schleppend voran. Insgesamt wollen die Mobilfunkbetreiber in den nächsten Jahren etwa 8.000 neue Antennen aufstellen. Der Grund: der Datenverkehr auf mobilen Endgeräten explodiert. Allein die Swisscom verzeichnete letztes Jahr bei den mobilen Daten einen Zuwachs von 85 Prozent, berichtet das Magazin Schweiz am Sonntag.

Die Betreiber rechnen auch in Zukunft mit anhaltenden Wachstumsraten.  „Der Datenverkehr entwickelt sich vermutlich bei allen Anbietern ähnlich stark“, sagte Carsten Roetz, Pressesprecher von Swisscom, den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. „Zwei Drittel der bei uns verkauften Geräte sind Smartphones. Bei den Bestandskunden insgesamt liegt der Anteil der Smartphones bei etwa 50 Prozent.“ Es gibt also noch Wachstumspotenzial.

Ein anderer Grund für die Datenexplosion sei die zunehmende Nutzung des mobilen Internets. Das liege an der günstigen Preisentwicklung in den vergangenen Jahren. „Die Datenmengen sind ständig gestiegen, beispielsweise auch wegen der Handykameras, die in den vergangenen Jahren eine immer größere Auflösung bieten“, so Roetz.

Ein Ausbau der Netze geht mit dieser Entwicklung einher. „Aber es geht nicht nur um die Aufstellung von Antennen, sondern auch um die Netzoptimierung“, sagte Roetz. Dies ist auch dringend erforderlich, denn die Netzqualität in der Schweiz lässt im Vergleich zu Österreich zu wünschen übrig.  „Wir waren bei der Netzqualität in den letzten Jahren immer vorne. In den städtischen Bereichen stoßen wir jedoch an die Grenzen der Physik“, so Roetz. „Die Aufstellung neuer Antennen ist nicht einfach. Die Strahlengrenzwerte sind hierzulande sehr streng und die Bewilligungsverfahren sehr komplex.“ Schweiz hinkt in dieser Entwicklung anderen EU-Staaten hinterher.

Dabei wird das Datenvolumen in den nächsten Jahren weiter rasant zunehmen. „Ein Ende des Wachstums ist nicht in Reichweite. Der Trend geht sogar zum Zweit- oder Drittgerät.“ Wer bereits ein Smartphone besitzt neigt auch dazu, sich ein Tablet zu kaufen. Diese Entwicklung wird zu Veränderungen bei den Preisen für mobiles Internet führen.

Die Steuerung des mobilen Internets durch Datentarife durch hält Roetz jedoch für „den falschen Ansatz: „Der Kunde weiss nicht, wie viel ein Megabyte ist. Anbieter müssen weg von der Abrechnung nach Datenvolumen.“ Bei Swisscom steuert man daher „über die Geschwindigkeit.“ Der Kunde erhält eine Flatrate. Die Tarife unterscheiden sich lediglich im Preis und in der Geschwindigkeit. „Die Flatrate entspricht dem Kundenbedürfnis, sie ist ein notwendiges Übel“, so Roetz.

Swisscom taufte die mobilen Geschwindigkeits-Tarife Infinity: „Innerhalb von acht Monaten ist ein Drittel unserer Kunden bereits auf Infinity migriert.“ Bei Swisscom sei der durchschnittliche Umsatz pro Kunde pro Monat (APO) jedoch erst einmal zurückgegangen. „Die Kunden haben sich optimiert.“ Steigende Preise für das mobile Internet erwartet Roetz aufgrund des Wettbewerbs zwischen den Anbietern und verschiedenen Technologien nicht. Im Gegenteil: „Die Preise für mobiles Internet werden auch in Zukunft sinken“, sagte Roetz.

Als erstes Unternehmen wollte die Deutsche Telekom die Flatrate für das Internet abschaffen (mehr hier). Für die anderen Anbieter in der Schweiz könne Roetz eine „Drossel des Internets, so wie die Deutsche Telekom das vorhat, naturgemäß nicht ausschließen. Swisscom hat aber eindeutig nicht vor, das Internet zu drosseln“.

Kommentare

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  1. sina sagt:

    Für Unternehmen führt kein Weg daran vorbei, Websites und Landingpages auch für den mobilen Zugang über Smartphones, Tablets usw. nutzerfreundlich zu gestalten.
    Interessante Informationen finden sich unter:
    http://real-estate-blog.ch/2013/08/05/immobilienmarketing-in-der-schweiz-teil-responsive-design-wird-immer-bedeutender/

  2. ratlos sagt:

    Der Autor, Heiko Schrang, frischt unser Gedächtnis bezüglich des “Suizids” Möllemann vor 10 Jahren auf. Sehr interessant: http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/163/moellemann-das-mysterium-um-seinen-tod.php