Freihandels-Zone zwischen EU und USA birgt Kosten für Deutschland

Ein umfangreiches Freihandelsabkommen mit den USA würde extrem negative Auswirkungen auf den deutschen Export haben. Das Außenhandels-Volumen mit Großbritannien und Ländern der Eurozone würde um durchschnittlich 30 Prozent zurückgehen.

Die neue Freihandels-Zone zwischen der EU und den USA wird sowohl auf dem G8-Treffen als auch bei Obamas Besuch in Berlin ein Thema sein. Angela Merkel hat sich bisher äußerst positiv zum Freihandelsabkommen geäußert. Sie geht von einem Wachstumsschub aus. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt jedoch, dass sehr wohl eine große Gefahr für die deutsche Wirtschaft besteht. Vor allem die Exporteure wären von negativen Auswirkungen betroffen.

In ihrer wöchentlichen Videobotschaft sprach die Bundeskanzlerin am Wochenende über die positiven Folgen einer Freihandels-Zone:

„Ich bin eine große Befürworterin eines solchen Freihandelsabkommens. Unsere Erfahrungen sind, dass überall dort, wo wir solche Abkommen haben, Wachstum entsteht, Handel und Wandel beflügelt werden. (…) Deshalb können wir vielleicht auch sehr bald mit den Verhandlungen beginnen.“

Aus diesem Grund will Merkel bei den Verhandlungen „so wenig wie möglich ausklammern“. Die Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt allerdings, dass es die Folgen eines solchen Abkommen den deutschen Export nicht so positiv ausfallen würden, wie Merkel es prognostiziert.

Die Studie zieht das jeweilige Handelsvolumen der einzelnen Staaten aus dem Jahr 2010 heran und berechnet, wie sich dieses Volumen bei einer umfassenden Liberalisierung verändern würde.

So hätten beispielsweise die Exporte zwischen den USA und Deutschland aus dem Jahr 2010 bei einer umfassenden Liberalisierung leicht zulegt. Für den Handel mit den EU-Ländern sieht dies jedoch ganz anders aus. Großbritannien weise „relativ niedrige natürliche Handelsbarrieren (Sprache, Kultur) mit den USA“ auf, so die Studie. Der Handel zwischen Großbritannien und den USA würde bei einem umfangreichen Freihandelsabkommen demnach stark ausgeweitet werden. Dies hätte natürlich negative Folgen für den Handel zwischen Deutschland und Großbritannien. Das Handelsvolumen des deutschen Exports nach Großbritannien wäre um mehr als 40 Prozent zurückgegangen.

Doch auch das Handelsvolumen mit Frankreich und Italien hätte bei einer umfassenden Liberalisierung jeweils um mehr als 23 Prozent abgenommen. Bei Ländern wie Griechenland (-29,94%), Portugal (-29,90%) und Spanien (-33.71%) wären die Effekte ebenfalls „beträchtlich“, heißt es in der Studie. Beim Handel mit den BRICS-Staaten wäre das Handelsvolumen immerhin insgesamt um etwa zehn Prozent gefallen.

Zusätzlich zu der Problematik des sinkenden Exports ergeben sich jedoch auch grundsätzlich Folgen für die Lebensmittel-Industrie und den Verbraucherschutz. Landwirtschaftsministerin Aigner sagte vergangenen Freitag im DLF, dass der Export von Hormon-Fleisch aus den USA durchaus in Betracht gezogen wird. Eine Entwicklung, die von dem Grünen-Europaabgeordneten Martin Häusler stark kritisiert wird. Hieraus ergäben sich für den Verbraucherschutz und die Landwirtschaft deutlich mehr Nachteile als Vorteile, so Häusler:

„Der gesamte Bereich Nahrung und Agrar sollte aus den Verhandlungen komplett ausgeklammert werden. Zur Debatte stehen in dem Abkommen zwei völlig verschiedene landwirtschaftliche Modelle, die nicht mit einander gekoppelt werden können. (…)

Der europäische Verbraucher möchte keine mit Chlor behandelten Hähnchen, keine mit Hormoneinsatz produzierten Steaks und kein gentechnisch verändertes Brotgetreide. All das aber droht, wenn die USA sich durchsetzen und die EU keine ebenso entschiedene Haltung dagegen zu setzen versteht. Eine Kennzeichnungspflicht alleine, wie sie Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner vorschlägt, reicht keinesfalls aus, um die gewünschte Transparenz herzustellen.“

Kommentare

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  1. aytekin sagt:

    Tja, bedeutet das auch, dass ich mir deutsche Autos zum halben Preis aus USA besorgen kann, und auch 2 mal Zoll gespart wird? Na da schlage ich dann aber gleich zu, endlich den Slk zum Golf Preis…

  2. hugin sagt:

    FREIHANDELSZONE – EUROPAS SARGNAGEL
    Die Freihandelszone wird mit ähnlichen Lügen wie beim EURO von der „Atlantikbrücke“
    Angela Merkel und den anderen Lakaien beschlossen werden. Die Folgen: sinkender Lebensstandard, ein Heer von Arbeitslosen, Gentechnik und vielen anderen Nachteilen.

  3. rundertischdgf sagt:

    Auch unserer Gesprächskreis diskutiert sehr kritisch über die geplante Freihandelszone. Seehofer hatte sich bereits zum politischen Aschermittwoch mit dieser Forderung weit aus dem Fenster gelegt.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/06/19/freihandelszone-zwischen-eu-und-usa/

  4. kathi sagt:

    Amerikanische Produkte werden von China und andere Staaten schon lang nicht mehr so gekauft wie früher.Amerika hat den super dummen Abnehmer Europa gefunden.Alles was made in Europe ist ,wird langsam ruiniert.Biologische Landwirtschaft,Demokratie,Vielfalt,Wasser,jobs,Arbeitsbedingungen,Renten,Datenschutz,Internet
    Wir werden in Europa the american dream erleben.Schauen Sie den kulturellen
    Vielfalt beide Ländern.Kluge europäische Politiker hätten gewusst was man mit Zähnen und Füssen verteidigen sollte.Kluge amerikanoeuropäische Lobbysten verteidigen ihre eigene Tasche

    • Hülsensack sagt:

      „Alles was made in Europe ist ,wird langsam ruiniert.“
      Die Geschichte wiederholt sich. Auch Produkte aus dem aufstrebenden Deutschland der Dreissiger hat man schon im freien Amerika verpöhnt, weil man nicht mit daran verdiehnen konnte.

  5. Hülsensack sagt:

    Irgendwie wird man es doch schaffen, die deutsche Wirtschaft, welche sicher WIEDER vielen ein Dorn im Auge ist, in die Knie zu zwingen. Dann rollt der Rubel für die Profiteure auch wieder in die gewünschte Richtung und man verdiehnt wieder an den Wirtschaften, welche vorher aus der Reihe tanzten.
    Und die Deutschen braucht man ja dann wohl nur an den Schuldkult erinnern, dann läuft es auch in die gewünschte Richtung. Mrkelchen kennt sich ja wirtschaftlich besser aus, wie die „blöden Bürger“ in unserem Land.

  6. My10Cent sagt:

    Das Freihandelsabkommen ist alternativlos. 😉

    Den Export-Quark kann ja nun niemand mehr hören, wenn man seinen „Kunden“ die Ware auf Pump liefert und nie Kohle sieht, ist es doch immer noch besser gar nichts zu machen und in aller Ruhe ein Bierchen zu trinken.