Ungenutzte Export-Potentiale bei Österreichischen Dienstleistern

Regulierungen in vielen Auslandsmärkten hemmen die österreichischen Exporte, so das WIFO. Die Handelspolitik sei daher gefordert, eine Deregulierung herbeizuführen. Die höchsten Exportpotentiale für österreichische Dienstleistungsunternehmen liegen im außereuropäischen Raum.

Nur 2,9 Prozent der österreichischen Unternehmen sind am Export von Dienstleistungen beteiligt, so eine Analyse des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO). Und der Großteil des Auslandsumsatzes wird von wenigen großen Exporteuren erwirtschaftet. So decken die führenden 50 Unternehmen fast die Hälfte der Gesamtexporte ab. Die Potentiale für den Ausbau der Exporte sind enorm.

Bei den exportierenden Dienstleistern handelt sich etwa um wissensbasierte, Bau- oder Handelsunternehmen oder um technologische Dienstleister, sagte Elisabeth Christen vom WIFO den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Exportunternehmen sind meist größer und produktiver als nicht exportierende Unternehmen. Dieser Zusammenhang ist vor allem daraus zu erklären, dass sich produktive und große Dienstleistungsunternehmen eher für eine Exporttätigkeit entscheiden. Hinzu kommt, dass Erstexporteure von den neuen Erfahrungen beim Export profitieren können.

Effizienz und Unternehmensgröße seien auch entscheidende Faktoren sowohl für die Wahl und die Anzahl der Exportmärkte als auch für die Überlebensrate und die Vertiefung von Exportbeziehungen, so die WIFO-Analyse. Überleben und Vertiefung seien zudem wichtige Voraussetzungen für die Verwirklichung von Lerneffekten der Erstexporteure und das Gesamtwachstum des Dienstleistungsexports.

Die Daten zeigen vor allem die Schwierigkeit des Überlebens von Exportbeziehungen im ersten Jahr. Rund 30 Prozent der Erstexporteure scheiden nach dem ersten Jahr des Exports wieder aus dem Auslandsmarkt aus. Im zweiten Jahr reduziert sich die Wahrscheinlichkeit des Marktaustritts auf 10 Prozent.

Die Produktivität der österreichischen Dienstleister hat sich schlechter entwickelt als in den europäischen Vergleichsländern, insbesondere in den Niederlanden, Dänemark und Norwegen. Das Potential für effizienzsteigernde Maßnahmen in Österreich ist somit insgesamt beträchtlich. Eine Anhebung der Produktivität würde auch zu erhöhten Exporten führen.

Für die Wahl der Exportmärkte und vor allem für die Höhe der Exporte spielen auch geographische Merkmale, die Marktgröße und regulatorische Hemmnisse eine wesentliche Rolle. Auf handelspolitischer Ebene könnte eine Deregulierung der Dienstleistungssektoren in besonders restriktiven Märkten das Exportpotential der österreichischen Unternehmen deutlich erhöhen, so die WIFO-Analyse.

Zu den restriktivsten Ländern zählten derzeit Griechenland, Polen und die Türkei. In Griechenland sei das Potential aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung kaum zu verwirklichen, sagte Christen.

Schon eine Absenkung der Regulierungen auf das durchschnittliche Niveau könnte für die Türkei und Polen die größten Potentiale für österreichische Dienstleistungsexporteure ergeben, so das WIFO. Weitere Wachstumspotentiale von circa 4 Prozent würde die Deregulierung von Dienstleistungsbranchen in der Slowakei und in Tschechien bringen, die bereits wichtige Zielmärkte österreichischer Dienstleistungsunternehmen sind.

Auf Basis der mittelfristigen Prognosen des Internationalen Währungsfonds bis 2015 ergeben die Simulationen die höchsten Exportpotentiale für österreichische Dienstleistungsunternehmen im außereuropäischen Raum, darunter Australien, Brasilien und Neuseeland, aber auch in den Schwellenländern, wie Russland, der Türkei und der Ukraine.

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