EU-Richtlinie: Regierung will Interessen deutscher Autobauer durchsetzen

Deutschland will die neue EU-Abgas-Regelung für Fahrzeuge aufweichen. Regierungsmitglieder forderten hierfür die Zustimmung anderer EU-Länder. Ansonsten würden deutsche Autohersteller die Produktion in den Ländern reduzieren oder stoppen, lautet die Warnung.

Die Bundesregierung versucht, die Interessen der heimischen Auto-Lobby durchzusetzen: Regierungsmitglieder setzten vor allem Krisenländer massiv unter Druck, um die neuen Abgas-Regelungen der EU aufzuweichen, heißt es einem Bericht des Guardian zufolge. Die meisten EU-Länder stehen jedoch hinter den höheren Emissions-Standards.

Ein EU-Diplomat sagte dem Guardian, dass Berlin vor allem in Portugal Überzeugungsarbeit geleistet habe.  Lissabon sei an den 78 Milliarden Euro schweren  Bailout durch die EU erinnert worden. Deutschland hat sich maßgeblich an der Rettung Portugals beteiligt.

Dabei kommt die Aufforderung aus Regierungskreisen einer Warnung der Auto-Lobby gleich: Sollte sich der Rest Europas nicht seine Meinung zugunsten Deutschlands beugen, würden deutsche Autobauer die Produktion in den betroffenen Ländern zurückfahren oder  einstellen. Das will die Regierung verhindern. Aus dem engsten Kreise von Bundeskanzlerin Merkel heißt es, man dürfe in der Krise „keine Arbeitsplätze aus Europa heraus treiben”.

In der kommenden Woche will die EU die verschärften Emissionsgrenzen für Fahrzeuge beschließen. Deutschland versucht diesen Beschluss „auf der höchsten Ebene“ zu kippen, sagte ein Insider dem Guardian. Deutschland sei „ganz wild darauf, die eigenen Interessen durchzusetzen. Sogar Ländern, die sich in der Regel für Deutschland aussprechen, geht das zu weit.“

Die Grenze für Kohlenstoffdioxid-Emissionen soll ab 2020 für Neufahrzeuge bei 95 Gramm pro Kilometer liegen. Vor allem Hersteller von Luxus-Limousinen und großen Karosserien, wie BMW und Daimler, wären dadurch benachteiligt. Derzeit liegen die Zielvorgaben der EU bei 130 g/km. Der durchschnittliche Ausstoß von CO2 betrug für 2012 bereits 132,2 g/km.

Autobauer in Deutschland hingegen haben einen durchschnittlichen Co2-Ausstoß von 147 g/Km. Die deutsche Auto-Industrie hinkt also dem Rest Europas in dieser Hinsicht hinterher. Lobbyisten versuchen daher, die Spielregeln zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Durch eine Aufweichung oder Abschaffung dieser Grenze könnten weiterhin teure und leistungsfähige Modelle zum Verkauf angeboten werden. Kostspielige Investitionen in die Entwicklung sparsamerer Motoren könnten aufgeschoben werden.

Allerdings steckt der Automobilmarkt in Europa jetzt schon in der stärksten Krise seit 20 Jahren. Die Menschen kaufen weniger Neufahrzeuge mehr. Die Werksauslastung liegt nur noch bei etwa 58 Prozent. Der Druck auf die Branche wächst. Weitere Werksschließungen werden erwartet.

Kommentare

Dieser Artikel hat 4 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. poncho sagt:

    Wie wäre es mal mit den Interessen der DEUTSCHEN, die den ganzen Kram hier bezahlen, u.a. auch Sie, Fr. Merkel?!

    Aber wer heute noch (CDU) wählt, muss eh lobotomiert sein, weil er nicht verstanden hat, dass die Marionetten ausgetauscht werden und die Puppenspieler bleiben. Es ist völlig irrelevant wo man sein Kreuz macht. Man bekommt immer das, was man NICHT gewählt. 20 Jahre Wahlerfahrun haben mich das geöehrt. manche brauchen allerdings länger, um das zu begreifen.

    > http://www.trend.infopartisan.net/trd0909/t5490909.html

  2. Leopold sagt:

    Die Interessen deutscher Autobauer gehen leider in die falsche Richtung. Und das Ergenis wird sein, dass der deutsche Steuerzahler die Automobilindustrie immer wieder retten muss, obwohl er sich diese Fahrzeuge doch gar nicht leisten kann! Also nicht mit Arbeitsplatzverlust drohen, sondern Flexibilitiät zeigen und sich mit der Zukunft der Elektofahrzeuge und generell sparsamerer Autos auseinandersetzen!

  3. Bernhard sagt:

    Es ist bedauerlich, wenn Laien einen Bericht schreiben, der technologiegetrieben ist.

    „Vor allem Hersteller von Luxus-Limousinen und großen Karosserien, wie BMW und Daimler, wären dadurch benachteiligt“

    Was ist dagegen zu sagen? Beginnt auch bei dem Mittelstand eine Neiddebatte? Wo ist in dieser Aufstellung AUDI? Hat der Artikelschreiber eine einseitige Sichtweise? Immerhin sorgen allein BMW und Daimler für mehrere hunderttausend Arbeitsplätze in Deutschland! Mehrere hunderttausend Arbeitsplätze sind mehrere hunderttausend Familien, die dadurch leben, dass auch teure Fahrzeuge produziert werden.

    Will man in diesem Artikel vergessen, dass BMW 1er, SMART, A und B- Klasse gebaut werden, wobei die kleinen von den großen leben? Es hat nichts mit Lobbyismus zu tun, wenn sich die Bundesregierung für die betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten der Mittel- und Oberklasseprodukte einsetzt. VW baut neues Werk in China und Mexiko, Daimler verstärkt die Aktivitäten in China und Russland … dieser Prozess kann fortgesetzt werden, weil es vielleicht besser ist, die Fahrzeuge aus anderen Ländern zu importieren. Und wenn dann tausende mittelständische Zuliefererbetriebe hier den Geist aufgeben, dann beginnt beim DMN das große Jaulen!

  4. Thomas Arends sagt:

    Klasse,
    da gibt es Lösungen – bis zu 48% Sprit einsparen http://bit.ly/181p3Zk und die werden ignoriert.

    Automobilindustrie und Frau Merkel scheinbar nicht interessiert.

    5-10% sind jederzeit erzielbar – einfach den Reifendruck erhöhen.
    Folge – weniger Verschleiß, als ein Add on obenauf.
    Nun denn.