Gefahr für Unternehmen: Europäische Banken leihen sich kein Geld mehr

Die EU-Banken leihen sich kein Geld mehr. Der Druck auf die europäischen Unternehmen wächst - die Banken horten das Geld, statt es zu verleihen. Die einzigen, die das Gebäude noch vor dem Einsturz bewahren, sind die Einlagen der Sparer. Beobachter sagen: Wenn die Sparer jetzt die Panik bekommen, ist das Spiel aus.

Die europäischen Banken verweigern die gegenseitige Kreditvergabe. Das Vertrauen ist dahin. Das Kreditvolumen zwischen EU-Banken ist seit 2008 von 34,5 Prozent auf 22,5 Prozent gesunken. Daten von Reuters zufolge ist die Kreditvergabe zwischen den Banken auf den Stand von vor 15 Jahren zurückgefallen.

Die südeuropäischen Banken haben sich auf ihre nationalen Finanzmärkte zurückgezogen. Kredite nach Griechenland haben innerhalb eines Jahres um satte zwei Drittel abgenommen (68%). Auch Auswirkungen auf Deutschland sind zu spüren. Die Kreditvergabe an deutsche Banken ist um 11,2 Prozent zurückgegangen, das entspricht knapp 30 Milliarden Euro, die aus dem deutschen Finanzmarkt abgezogen wurden.

Die Kreditinstitute wollen ihr Eigenkapital aufstocken und sich auf sichere Geschäfte konzentrieren. „Das Vertrauen an Banken innerhalb der Eurozone hat abgenommen. Wenn Banken weiterhin Schwierigkeiten haben, können sie keine Kredite mehr an die Realwirtschaft vergeben“, sagte Tony Stringer, Fitch-Analytiker mit dem Fachgebiet der Staatsschulden.

Der Bail-in des zyprischen Bankensektors wird maßgeblich für die Vertrauenskrise verantwortlich gemacht. Die Sparer wurden mit einer Zwangsabgabe maßgeblich an der Sanierung des Bankensektors beteiligt. Nun will die EU dieses Musterbeispiel in geltendes Recht umsetzen (mehr hier). Es gibt also bald de facto keine sicheren Geldanlagen mehr auf den Finanzmärkten, wenn Sparer, die ihr Geld bei Pleitebanken angelegt haben, zur Kasse gebeten werden.

Die Situation könne „jederzeit“ eskalieren, sagte Karl Whelan, Ökonom am University College in Dublin. „Wir verlassen uns nur noch darauf, dass es keine Panik bei den Sparern gibt“. Besonders in Spanien gebe es akute Gefahr, dass Spareinlagen abgezogen werden. Die Bilanzen der spanischen Banken sind voller fauler Kredite. Steigt die Anzahl der Kreditausfälle infolge der Rezession, könnte es eng werden für die Banken. Spanien sei der „offensichtliche Auslöser“ für eine  Kettenreaktion, sagte Whelan.

EZB agiert planlos

Die Europäische Zentralbank will von diesem Trend nichts wissen und hat eine ganz eigene Interpretation der Geschehnisse: Die Banken seien eher darauf bedacht, sichere Kredite zu vergeben und Kleinkunden-Depots zu finanzieren. Der Abzug des Geldes aus dem Interbankensektor sei notwendig, um Schulden abzubauen. „Insgesamt zeichnet sich ein stärkeres, widerstandsfähigeres Bankensystem ab“, sagte ein Sprecher der EZB. Andererseits hat EZB-Chef Draghi noch am Donnersteag gesagt, die EZB sei auch zu „unkonventionellen Aktionen“ bereit, um den Banken zu helfen. Ein glatter Widerspruch.

Experten sehen das ganz anders: „Einige Banken leiden unter chronischem Liquiditätsmangel“, sagte Lena Komileva vom Marktforschungs-Dienstleister G+ Economics. Die Geldschwemme der EZB sei „keine Lösung für gescheiterte Märkte und unterfinanzierte Banken“. Auch der historisch tiefe EZB-Leitzins verfehlt durch die Interbankenkrise seine intendierte Wirkung, die Kreditvergabe an die Wirtschaft zu erleichtern.

Kommentare

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  1. guantanamera sagt:

    Wenn ich Bank wäre, würde ich mir auch kein Geld leihen. Als Bank hat man Geld zu verleihen und nicht Geld zu leihen.

  2. wolfbier sagt:

    Ich würde einer Club-Med Bank auch kein Geld leihen.
    Wenn die Pläne einer Bankenunion mit gemeinsamer Einlagensicherung Realität sind, ist es auch in Deutschland an der Zeit, seine Konten zu räumen.
    Wenn das alle jetzt schon machen würden, wäre der EU-Spuk vorbei.
    Aber der deutsche Idiot wählt im September den Enteignungsblock CDUCSUROTGRÜNGELB und schaufelt sich sein eigenes Grab.

  3. timerunner sagt:

    Offenbar wissen die Bankster genau, was sie von ihren Berufskollegen zu halten haben und entziehen ihnen folgerichtig das Vertrauen. Denn so gut wie jede größere Bank ist vollgepumpt mit Staatsanleihen südlicher Länder, weil die eine hohe Rendite für all das billige Geld versprachen, das die EZB in die Banken geschüttet hat. Nun aber kracht es gewaltig im Gebälk der EU-Südländer und die butterweiche Matratze des Staates – die Rettung mit Steuergeldern, da „Too big to fail“ – gibt es in Zukunft nicht mehr, weil auch der Staat ganz einfach kein Geld mehr hat. Daher haben alle Angst vor einem Lehmann-Wiedergänger und versuchen panisch eine „Ansteckung“ mit einer Lehmannitis zu vermeiden, von der womöglich das Nachbarinstitut schon betroffen ist.
    Bezüglich der faulen Staatsanleihen und anderer faulen Kredite geht es aber offenbar allen Banken sehr ähnlich. Wenn das gegenseitige Misstrauen schon derartig stark ist, dass der Interbankenhandel – eine wesentliche Vorstufe für die Zirkulation des Geldes in die Realwirtschaft – praktisch zusammenbricht, ist das System offenbar schon kaputter, als wir bisher angenommen haben. Es wird dann nicht mehr imstande sein, Störungen von innen (größere Fehlspekulationen, polit.-wirtschaftliche Fehlentscheidungen etc.) oder von außen (Kriege, Versorgungskrisen, Bankrotte der Schwellenländer) auszugleichen. Jede größere Erschütterung wird dann das Ende bedeuten.

  4. Wolfgang sagt:

    Banken jammern auf hohem Niveau.

    Sie erhalten fast kostenlos Geld von der EZB und den Kunden und möchten dieses gegen hohe Zinsen und beste Sicherheiten ausleihen. Aber niemand will es.

    Es ist klar, dass in einer Phase fallender Konjunktur die Nachfrage nach Kredit fällt.

  5. Raus aus Deutschland sagt:

    Das Problem sehe ich darin, das die Politiker sich nicht einfach vor das Volk stellen können und sagen das sie einen Fehler gemacht haben.

    Darum wird es solange weiter gehen bis alles zusammen bricht. Dafür werden die Politiker einen Schuldigen finden.

    Wir werden einen Zusammenbruch sehen der aber notwendig ist um daraus etwas Neues auf zu bauen.

    Das Geld des Volkes ist praktisch schon weg, Otto Normalverbraucher weiß es nur noch nicht.

    Taktik ist die übliche:
    Alles abstreiten, Gegner lächerlich machen und das dicke Ende kommt dann.

    Wichtig ist für JEDEN hier „Eigensicherungsmaßnahmen“ zu treffen.
    Selbst von denen die hier lesen werden dies nur 1% tatsächlich umsetzen.

    Das Chaos ist damit vorprogrammiert.