EU: Wachsende Kluft zwischen Norden und Süden

Die Bürger im Süden Europas nehmen Deutschland innerhalb der EU als zu dominant wahr. Der von Berlin geforderte strenge Sparkurs wird abgelehnt, denn er schade der Wirtschaft ihrer Länder.

Immer mehr Europäer kritisieren, dass Deutschland in der EU zu dominant sei. Vor allem Spanier und Italiener lehnen die von Deutschland ausgehenden Forderungen nach fiskalischer Strenge im Kampf gegen die Eurokrise ab. Auch in Großbritannien und Frankreich sagen mehr als die Hälfte der Bürger, dass mehr deutscher Einfluss in der EU zu ihrem Nachteil wäre.

So sagen 88 Prozent der Spanier und 82 Prozent der Italiener, dass Deutschlands Einfluss in der EU zu stark geworden sei. Ende 2011 sagten dies nur 67 beziehungsweise 53 Prozent. Auch mehr als die Hälfte der Franzosen (56 Prozent) vertritt diese Ansicht, so eine Umfrage von Harris für die FT.

Die Umfrage bestätigt zwei Trends in der EU, die im Verlauf der Eurokrise immer offensichtlicher geworden sind. Deutschlands steigenden Status als herausragendes EU-Mitglied und eine wachsende Kluft zwischen den geplagten Südländern und den reicheren Staaten im Norden, die einer Reihe von Bailouts garantiert haben.

Diese wachsende Kluft wird auch in den aktuellen Verhandlungen über ein gemeinsames System zur Bankenrettung deutlich. Während die Südeuropäer wollen, dass die europäischen Steuerzahler die Banken retten, sind die Nordeuropäer dafür, dass auch die Kontoinhaber an Bankenrettungen beteiligt werden.

Mehr als drei Viertel der Spanier sagen, eine zunehmend deutsche EU wäre schlecht für Spanien, so die Harris-Umfrage. Auch 70 Prozent der Italiener und Briten teilen diese Ansicht. Zudem sagen 73 Prozent der Spanier und 56 Prozent der Italiener, dass Deutschlands Weg falsch sei, ihnen harte Sparmaßnahmen aufzuzwingen, wenn die Wirtschaft kaum wachse.

In einem anderen Punkt stimmen viele Südeuropäer mit Berlin überein, dass nämlich die wichtigste Antwort der Südländer auf die wirtschaftliche Krise in einer erhöhten Wettbewerbsfähigkeit liegen müsse. Dem stimmen immerhin 38 Prozent der Spanier, 41 Prozent der Italiener und 44 Prozent der Franzosen zu.

In ihrem eigenen Land wurde Kanzlerin Angela Merkel allerdings deutlich besser beurteilt. Circa 40 Prozent der Deutschen sagen, Merkel mache einen guten Job. In Frankreich und Großbritannien sind nur jeweils 13 Prozent der Bürger mit der Arbeit ihrer Führer François Hollande beziehungsweise David Cameron zufrieden. Bei den Spaniern sagen sogar fast drei Viertel, dass ihr Premier Mariano Rajoy schlechte Arbeit leiste.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist, dass die Bürger in der gesamten EU die Abgabe von immer mehr Kompetenzen nach Brüssel ablehnen, die nationalen Haushalte zu beaufsichtigen. Zwei Drittel der Briten sagten, ihr Land solle nicht noch mehr Macht an Brüssel über das britische Budget abgeben. In Frankreich sagten dies 58 Prozent. Am stärksten war der Widerstand in Deutschland: Hier sagten 69 Prozent der Bürger, die EU solle sich weniger in die nationalen Haushalte einmischen.

Kommentare

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  1. Stefan Wehmeier sagt:

    In der (noch) bestehenden Realität wurde … der zweite Schritt („Währungsunion“) vor dem ersten (freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform) gemacht, sodass sich die wirtschaftlichen Unterschiede innerhalb der „Europäischen Währungsunion“ nicht nur nicht angleichen konnten, sondern aufgrund der Zinsumverteilung zwischen den Mitgliedsstaaten noch vergrößern mussten! Die schwächeren Volkswirtschaften trieb der Euro in die Zinssklaverei und an den Rand des Staatsbankrotts, während sich vor allem die deutsche Volkswirtschaft auf Kosten aller europäischen Zinsverlierer einigermaßen über Wasser halten konnte. Als kaum zu vermeidende Gegenreaktion wurden die deutschen Steuerzahler von der hohen Politik zwangsverpflichtet, für „Hilfskredite“ an die Not leidenden Mitgliedsstaaten zu bürgen.

    Gewählte „Spitzenpolitiker“ und studierte „Wirtschaftsexperten“ kennen nicht einmal mehr die einfachsten Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, die mit der Erstveröffentlichung von „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ (Silvio Gesell, 1916) abgeschlossen war. Die heute „Verantwortlichen“ haben längst vergessen, dass durch Zins und Zinseszins automatisch ansteigende Geldvermögen von wenigen Multimillionären, Milliardären und Konzernen eine spiegelbildliche Verschuldung von Mittelstand und Staat erzwingen, und dass dieser Verschuldungszwang niemals durch eine „gesetzliche Schuldenbremse“ aufzuhalten ist, solange alle Geldersparnisse nicht auch ohne Urzins (Liquiditätsverzichtsprämie) mittel- bis langfristig verliehen und in neue Sachkapitalien – und damit in Arbeitsplätze – investiert werden können. Der Aberglaube „Schuldenbremse“ zeigt in aller Deutlichkeit, dass die hohe Politik über keinerlei Bewusstsein verfügt, sondern seit jeher vom kollektiv Unbewussten gesteuert wird:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/04/krieg-oder-frieden.html

  2. T.Körner sagt:

    Deutscher einfluss zu groß in der EU . Na da wird es doch mal zeit das die Briten und Franzosen in Deutschland einmaschieren und alles übernehmen ,ach brauchen die ja gar nicht die sind ja noch nicht abgezogen . Aber die Russen müssen wir zurück holen denn die sind ja weg

  3. alacran sagt:

    Mit dem Euro haben wir uns dank unserer alternativlosen Politstrategen einen Ring durch die Nase ziehen lassen, werden nun damit vorgeführt und müssen uns anhören wir wären dominant, wenn wir uns nicht in jede Manege zerren lassen! Das schlimmste ist, dass weder hier noch dort die Dumpfbacken begreifen, dass die Steuerzahler und Sparer ausgeplündert werden um Bankster vom Schlage der Anglo-Irish Bank „out of the arse zu bailen“! Kein Wunder, dass sie vermutlich
    fröhlich gesungen haben: Deutschland, Deutschland über Alles, über Alles in der Welt, wenn es stets mit Geld von Sparern Bankster über Wasserhält! Von der Levante bis Gibraltar, von Sizilien bis zur See, Deutschland zahlt für ganz Europa, Doofen tut das ja nicht weh!

  4. ratlos sagt:

    Möllemann – war es Selbstmord, ein Unfall oder steckt da mehr dahinter. Ein sehr informativer Artikel zu den Hintergründen vom Autor Heiko Schrang: http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/163/moellemann-das-mysterium-um-seinen-tod.php

  5. Hülsensack sagt:

    Nicht neu in der Politik von Europa, daß Deutschland zu dominant eingeschätzt wird. Gab es schon mal vor gut siebzig Jahren. Dann hat man es so geregelt, daß alle Schuld bis heut an Deutschland hängt. Aber gern hält man auch heut wieder die Hände auf, um von diesem dominanten Staat, diese gefüllt zu bekommen.

  6. Gerdi sagt:

    Merkel zu dominant?
    Das betrifft doch nur die, die versuchen, Deutschland in die Kasse zu greifen und sich zu bedienen. Dominant ist da noch sehr rücksichtsvoll. Kindern klopft man auf diese Hand!

  7. Matthes sagt:

    Diese Selbstdarstellung Merkels ist unseriös. Der normale Deutsche merkt keinen Unterschied mehr zu den Völkern der Südländer. Ihm geht es weder besser noch schlechter. Nur dass die deutsche Politik zulässt, diesem Bürger Geld wegzunehmen und zur „Rettung“ in die Südländer zu transferieren. Das Geld wird nicht den Gewinnern dieses Euro, den Wirtschaftsbossen, Bankern und Politikern weggenommen, sondern dem kleinen Steuerzahler, der sich nicht wehren kann. Der Süden profitiert davon, dass die deutsche Politik Deutschland ausblutet!

  8. Leopold sagt:

    Dominant?
    Solange diese Staaten von unserem Geld leben hat Deutschland das Recht, dominant zu sein. Wenn diese Staaten wieder auf eigenen Füßen stehen können dürfen sie tun und lassen was nie wollen. Nur eben nicht mit unserem Geld!

  9. Schleswig sagt:

    Dann sollen sie aus den Euro aussteigen. So geht es auf jeden Fall nicht weiter.