Niederlande: Steuerschuldner dürfen nicht ins Flugzeug

Niederländer werden am Amsterdamer Flughafen bei der Passkontrolle auf Steuerschulden überprüft. Wer unbeglichene Steuerschulden hat, muss an Ort und Stelle zahlen. Sonst wird ihm die Ausreise nicht gestattet. Zudem drohen ihm sofort sieben Tage Haft.

Die niederländische Polizei, das Finanzministerium und die Bußgeldbehörde machen gemeinsam Jagd auf Steuersünder. Wer mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen will, steht vor der Wahl: Entweder er zahlt seine Steuern nach oder er muss zuhause bleiben.

Niederländischen Fluggästen werden bei der Passkontrolle mit der nationalen Verkehrs- und Steuersünderkartei überprüft, berichtet Die Presse. Wenn dabei festgestellt wird, dass jemand unbeglichene Steuerschulden hat, dann muss er diese an Ort und Stelle bezahlen. Sonst wird ihm der Flug in den Urlaub verwehrt.

Dasselbe gilt für Verkehrssünder mit offenen Strafzetteln. Wenn sie nicht sofort das Bußgeld entrichten, wird ihnen die Ausreise nicht gestattet. „Die meisten bezahlen dann sofort. Schließlich wollen sie in den Urlaub fliegen“, sagt Jos Pieters, Kommandant der Grenzpolizei.

Manche Niederländer müssten „nur kleine Beträge, so zwischen 100 und 300 Euro, begleichen“, sagte Pieters. Doch auch Leute, deren Steuerschuld bei 10.000 Euro liegt, müssen auf der Stelle den gesamten Betrag bezahlen, oder ihr Flugzeug hebt ohne sie ab.

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat der niederländische Staat circa eine halbe Million Euro auf dem Flughafen abkassiert. „Das ist rund ein Viertel mehr als zur gleichen Zeit im vorigen Jahr“, so Steuereintreiber Pieters. Im vergangenen Jahr habe man 1,2 Millionen Euro von Steuer- und Bußgeldsündern auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol eingetrieben.

Im letzten Jahr mussten circa 700 Niederländer auf ihren Urlaub verzichten, weil sie die noch ausstehenden Steuerschulden oder Bußgeldbescheide bei der Ausreise nicht sofort bezahlen konnten. Dieses Jahr werden es deutlich mehr sein. Denn das Kontrollsystem wurde perfektioniert und aktualisiert, sodass auch ganz aktuelle Bußgeldbescheide schon erfasst werden können.

Die Flucht vor dem niederländischen Fiskus mit dem Flugzeug ist nicht mehr möglich. Es kann sogar passieren, dass man direkt auf dem Amsterdamer Flughafen verhaftet wird. Denn aufgrund einer Gesetzesänderung darf die Grenzpolizei säumige Steuer- oder Bußgeldbezahler bis zu sieben Tage lang festhalten, wenn diese nicht bezahlen wollen oder können.

Kommentare

Dieser Artikel hat 12 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. johan sterk sagt:

    Gute geschaefte fuer Flughafen Koeln/Bonn und Duesseldorf!

  2. c-nes sagt:

    naja, gut für die deutschen Flughäfen, dann fliegen die Niederländer halt über Köln…

  3. poncho sagt:

    Warum die Mogelpackung Demokratie ein Fluch und kein Segen und schon gar nicht freiheitlich ist:

    > http://ef-magazin.de/2013/06/24/4311-demokratie-nichtwaehlen

  4. Michael Mueller sagt:

    Die intelligenteren Niederländer dürfte das wenig kümmern. Sie könnten etwa in Deutschland in den Flieger steigen. Ein Programm zur Förderung der deutschen Flughäfen.

  5. Eelke sagt:

    @FDominicus
    großartiger idee

  6. Stefan Wehmeier sagt:

    “Die Entwicklung vom Herdenmenschen, vom Teilmenschen zum selbständigen Vollmenschen, zum Individuum und Akraten, also zum Menschen, der jede Beherrschung durch andere ablehnt, setzt mit den ersten Anfängen der Arbeitsteilung ein. Sie wäre längst vollendete Tatsache, wenn diese Entwicklung nicht durch Mängel in unserem Bodenrecht und Geldwesen unterbrochen worden wäre – Mängel, die den Kapitalismus schufen, der zu seiner eigenen Verteidigung wieder den Staat ausbaute, wie er heute ist und ein Zwitterding darstellt zwischen Kommunismus und Freiwirtschaft. In diesem Entwicklungsstadium können wir nicht stecken bleiben; die Widersprüche, die den Zwitter zeugten, würden mit der Zeit auch unseren Untergang herbeiführen, wie sie bereits den Untergang der Staaten des Altertums herbeigeführt haben.”

    Silvio Gesell (Vorwort zur 4. Auflage der Natürlichen Wirtschaftsordnung)

    Über 90% aller Steuereinnahmen sind nur dafür erforderlich, die zahlreichen Negativsymptome der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz (kapitalismusbedingte Massenarbeitslosigkeit, unorganisierte und organisierte Kriminalität, Terrorismus und Krieg, fehlernährungs- und psychisch bedingte Zivilisationskrankheiten, etc.) abzumildern, ohne an der kapitalistischen Ausbeutung auch nur das Geringste zu ändern:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

    Die über die Steuereinnahmen hinausgehenden Schuldenaufnahmen der Staaten dienen lediglich dazu, das Elend zu verlängern, und kommen allein den Zinsgewinnern zugute, die dem Staat ihr Geld geliehen haben:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/12/staatsverschuldung-kurz-gefasst.html

  7. ratlos sagt:

    Möllemann – war es Selbstmord, ein Unfall oder steckt da mehr dahinter. Ein sehr informativer Artikel zu den Hintergründen vom Autor Heiko Schrang: http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/163/moellemann-das-mysterium-um-seinen-tod.php

  8. threin sagt:

    Man sieht was passiert, wenn der Staat Pleite ist. Uns wird das gleiche drohen.

  9. FDominicus sagt:

    Könnten wird den Politikern die Ausreise verweigern die Steuern verschwenden?

    • Hülsensack sagt:

      Andere „Mittel“ mit trastischer Wirkung wären anzuraten.
      Welche? Da darf Jeder für sich das „passende“ finden, was er denen vorsetzen will.

    • Michael Mueller sagt:

      Keine schlechte Idee. Ich hielte es aber für besser, die Wiedereinreise zu verhindern.