Riskante Finanzgeschäfte: Italienisches Bailout rückt näher

Mit Derivate-Verträgen besserte Italien in den 90er Jahren seine Finanzen auf, um die Beitrittsbedigungen für den Euro zu erfüllen. Das zeigen vertrauliche Unterlagen. 2012 mussten diese auslaufenden Verträge umgeschichtet werden. Ein Verlust von mehr als acht Milliarden Euro droht. Das setzt auch EZB-Chef Mario Draghi erneut unter Druck. Draghi war in den neunziger Jahren Generaldirektor des italienischen Finanzministeriums.

EZB-Chef Draghis wird sich erneut zu Vorfällen während seiner früheren Arbeit als Generaldirektor des italienischen Finanzministeriums rechtfertigen müssen. Diesmal geht es nicht um die Bank Monte dei Paschi, sondern um Kreditgeschäfte des Landes. Derivate-Deals aus den 90er Jahren wurden nun öffentlich. Deals, durch die Italien nun Verluste in Milliardenhöhe drohen.

Ein 29-seitiger Bericht des italienischen Finanzministeriums zeigt, wie es dem schon in den 90er Jahren hochverschuldeten Land gelang, die Voraussetzungen für den Euro doch noch zu erfüllen. Doch er zeigt auch, welches hohe Risiko der italienische Staat damals einging. 1995 hatte Italien ein Haushaltsdefizit von 7,7 Prozent. Doch schon 1998 – das entscheidende Jahr für einen Beitritt in die Eurozone – lag das Defizit nur mehr bei 2,7 Prozent. In der gleichen Zeit erhöhten sich die Steuern aber nur minimal und die Staatsausgaben sanken nur geringfügig.

Rom schloss damals mit ausländischen Banken Derivate-Deals – acht an der Zahl, so der Bericht. Damit konnte das Defizit vorübergehend gesenkt werden. Schaut man Griechenland an, scheint das für die damaligen Regierungen Normalität gewesen zu sein.

In den ersten Monaten des vergangenen Jahres mussten die Derivate-Verträge, die Italien mit den ausländischen Banken hatte, umgeschichtet werden. Es ist kein Geld zur Begleichung der Deals da gewesen. Insgesamt haben diese einenNennwert von 31,7 Milliarden Euro. Mit welchen Banken diese Deals geschlossen wurden, ist in dem Bericht nicht näher angegeben.

Zwar gibt es im Bericht keinen Hinweis auf die potentiellen Verluste, die dem Land dadurch drohen. Doch von der FT und der italienischen Zeitung La Repubblica, der der Bericht zugespielt wurde, befragte Experten gehen von Verlusten von mindestens acht Milliarden Euro aus.

Mit diesen neuen Informationen gerät auch wieder EZB-Chef Draghi ins Rampenlicht der dubiosen Derivate-Geschäfte. Er war zur damaligen Zeit Generaldirektor des italienischen Finanzministeriums, danach ging Draghi zu Goldman Sachs. Es ist davon auszugehen, dass er in dieser Funktion von den Deals wusste. Deals, die denen der italienischen Bank Monte dei Paschi ähneln. Genau diese Geschäfte sind der Grund für die finanziellen Schwierigkeiten der Bank – und auch hier hatten sich zuletzt die Vorwürfe gegen Draghi erhärtet (mehr hier).

Kommentare

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  1. Susy sagt:

    You know what, I’m very much inclnied to agree.

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Sehr interessante Infos die Tief blicken lassen. Es stellt sich die Gretchenfrage steckt dahinter bewusst verbrecherische Absicht? Bedingt ja. Dabei muss jedoch mitberücksichtigen das dies auf dem Hintergrund der Damaligen allgemeinen Weltsicht abgelaufen ist. Das damalige Ökonomieverständnis Forschung Lehre beruhte auf der Kernthese Deregulieren und die Wirtschaft laufend nach Wunsch und scheinbarem Bedarf mit Liquidität versorgen. Das ganze angereichert um den Faktor sog. Globalisierung der Wirtschaft. Daraus so die Theorie, würde sich selbstregulierend Wohlstand für alle entwickeln. Auf dieser Kernthese basierte den auch das Wirtschaftsmodell der EU. Diese Kernthese kann man den auch getrost als Schamanen oder Schnapsidee- These bezeichnen. Fatalerweise sind offensichtlich auch der grösste Teil der sog. Wirtschaftseliten zum grössten Teil dieser Irrenthese verfallen. Möglicherweise war sich ja ein Draghi bewusst das sein damaliges verhalten nicht stubenrein war? Allfällige Bedenken wurden da wohl schnell beiseite Geschoben es ging ja mit allen Mitteln darum das Imperium Europa zu schaffen und ja eben die Irrige (wie sich jetzt zeigt Irren-Wirtschaftsthese sog. Marktwirtschaft.) Würde sich solches Fehlverhalten so ganz von alleine Regulieren. Der Glaube, Irrglaube an ein scheinbar mögliches Ökonomie-Perpetuum-Mobile hat sich nicht nur bei den breiten Massen ins Hirn gefressen sondern, das ist das Fatale offensichtlich auch bei den sog. Eliten. Gewiss es gab Kritiker und Hinterfrager leider eine verschwindende Minderheit. Die hatten einfach keine Chance auf Gehör, und wurden ausgesperrt und der Lächerlichkeit preisgegeben.( So nebenbei nicht neu in der Menschheitsgeschichte.) Die hatten einfach keine Chance gegen diesen breiten MASSENWAHN. Tja wer im Geistigen Gleichschritt denkt der hat aufgehört zu Denken. Dieser Draghi ist Mittäter und gleichzeitig Opfer dieses Gleichschrittdenkens. Jetzt versuchen diese Diletanten den immensen Schaden mit untauglichen Mitteln aus der Welt zu schaffen. Die Reparaturmöglichkeiten sind denn auch sehr begrenzt. Mit Sicherheit kann der angerichtete Schaden NICHT mit den Rezepten die in dieses Desaster geführt haben aus der Welt geschafft werden. Ohne umfassende und tiefgreifende Neuorientierung im Bereich Ökonomische Forschung und Lehre ist die Sache NICHT zu stemmen. Es spricht denn auch so einiges dafür das die Zeit für ein längst überfälliges umsteuern längst abgelaufen ist. Dieser Draghi ist einfach ein abschreckendes Beispiel für Diletantisches, Schwadronierertum. Freundliche Grüsse.

  3. ralph hirnrabe sagt:

    Im Gegensatz zu @unschuldsvermuter bin ich mir sicher, dass alle Beteiligten wissen, warum sie sich erst Trichet und nun Draghi ins Haus geholt haben. Und bisher sind doch alle „krummen“ Sachen an ihm Abgeprallt. Das eint doch auch die Eliten um Barroso, Merkel, Rajoy u.ä.

  4. Unschuldsvermutender sagt:

    Mit welchen Banken die Italiener diese Deals abgeschlossen haben dürfte nicht schwer zu erraten sein. Ich tippe auf Goldmann-Sachs – dem späteren Arbeitgeber von Mario Draghi, der heute als EZB Chef mit dem Steuergeld der Europäer seine damaligen Schweinereien abdeckt. Beim Griechenland Konvergenzbetrug war er zwischenzeitlich Europachef dieses korrupten Geldhauses. Kaum zu begreifen dass unsere Eliten so Jemanden zum EZB Chef gemacht haben.

    • Andres Müller sagt:

      warum kaum zu glauben? Die wählen doch immer solche Manager mit Netzwerk zu Goldman Sachs, Bilderberger und transatlantischen Denkfabriken -das ist Normalität in Europa.

  5. Hülsensack sagt:

    Da werden die indirekten Annahmen sich wohl bestätigen, daß auch das so hoch gespielte Italien sich doch nicht von den anderen Mediteranen abheben läst.
    Ich höre schon jetzt, wer daran die Schuld tragen wird.
    Nicht neu, wenn man sich mit der Geschichte beschäftigt hat. Deutschland wurde wegen seiner Strebsamkeit zum Buhland gemacht und wird es wohl auch für alle Ewigkeit bleiben.
    Die Massenverdummung hat dies ja voll im Griff.

  6. timerunner sagt:

    Aus den 8 Mrd werden sicher 31,7 Mrd. Für die die EU – das heißt dann letztlich Deutschland zahlen wird. Aber -gähn!- was sind heutzutage schon 32 Milliarden. Dieser lächerliche Betrag ist wirklich keinerlei Aufregung wert!

  7. 123 sagt:

    @ Redaktion: Es muss doch wohl heissen: …. NACH DER BUNDESTAGSWAHL.