Hohe versteckte Arbeitslosigkeit in Deutschland

Im Juni erhielten 5,21 Millionen erwerbsfähige Personen in Deutschland Arbeitslosengeld. Die Quote der Arbeitslosengeld-Empfänger liegt somit bei circa 12 Prozent. Damit zeigen sich auch in Deutschland erste Anzeichen einer Rezession.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen erneut eine positive Entwicklung: mehr Erwerbstätige und weniger Erwerbslose. Die Bundesagentur für Arbeit meldet einen Anstieg der als arbeitslos Registrierten um 2 Prozent. Doch das größte Problem sind die knapp 4 Millionen Unterbeschäftigten, die als erwerbstätig gelten, obwohl sie von ihrer Arbeit nicht leben können.

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland nähert sich der 42-Millionen-Grenze. Doch ein großer Teil der Erwerbstätigen bezieht trotz Job Arbeitslosengeld. (Grafik: Destatis)

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland nähert sich der 42-Millionen-Grenze. Doch ein großer Teil von ihnen bezieht trotz Job Arbeitslosengeld. (Grafik: Destatis)

Im Mai 2013 waren 41,8 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig, berichtet Destatis. Das sind 253.000 Erwerbstätige mehr als ein Jahr zuvor.

Die Zahl der Erwerbslosen ist im selben Zeitraum um 106.000 zurückgegangen und lag im Mai 2013 bei 2,25 Millionen Personen. Die saisonal bereinigte Erwerbslosenquote lag bei 5,3 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte sie noch 5,6 Prozent betragen.

Tatsächlich ist die Zahl der Erwerbslosen viel höher. Denn wer nur wenige Stunden pro Woche arbeitet und von seinem Lohn nicht leben kann, kann eigentlich nicht als erwerbstätig betrachtet werden.

Zu den Erwerbstätigen zählen alle Personen, die eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben. Die tatsächliche Arbeitszeit ist dabei nicht von Bedeutung. So werden etwa auch Schüler, die sich ihr Taschengeld mit kleinen Jobs aufstocken, als erwerbstätig gerechnet. Personen, die gleichzeitig mehrere Jobs haben, werden allerdings nur einmal erfasst.

Als erwerbslos gilt jede nicht erwerbstätige Person im Alter von 15 bis 74 Jahren, die aktiv nach einer Tätigkeit gesucht hat. Diese Zahlen sind unabhängig von den gemeldeten Arbeitslosen bei der Bundesagentur und beruhen auf einer kontinuierlich durchgeführten Haushaltsbefragung.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit

„Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich alles in allem in einer guten Verfassung. Er entwickelt sich trotz des schwierigen konjunkturellen Umfelds robust“, sagte Frank-J. Weise, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag.

Nach der Statistik seiner Behörde liegt die Zahl der Arbeitslosen im Juni bei 2,86 Millionen. Das sind 56.000 mehr Arbeitslose als im Juni des Vorjahres, ein Anstieg um 2 Prozent. Daraus ergibt sich eine Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent.

Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld I stieg im Vergleich zum Juni 2012 um 80.000 auf nunmehr 851.000 Personen. In der Grundsicherung (Hartz 4) waren 1,97 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, 25.000 weniger als vor einem Jahr.

Doch der Großteil der Hartz-4-Bezieher ist nicht arbeitslos gemeldet. Das liegt daran, dass diese Personen unterbeschäftigt sind (3,84 Millionen), kleine Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder sich noch in der Ausbildung befinden. Die Zahl der Hartz-4-Bezieher im erwerbsfähigen Alter lag im Juni bei 4,46 Millionen.

Insgesamt erhielten im Juni 5,21 Millionen erwerbsfähige Personen Arbeitslosengeld I oder II. Die Quote der erwerbsfähigen Arbeitslosengeld-Empfänger liegt im Juni somit mit circa 12 Prozent fast doppelt so hoch wie die offizielle Arbeitslosenquote (mehr hier).

Kommentare

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  1. Anna-Lena Fluss sagt:

    Ich finde diese Seite echt unangebracht, da ich selber ein begeisteter hartzer bin somit was wollt ihr eigentlich von uns kümmert euch um eure eigenen.

  2. Jule sagt:

    beinahe jeden Tag muss man sich in DE die Propaganda von „Fachkräftemagenl“ und „demographischen Wandel“ anhören, so als würden die Stellen hier geradewegs auf der Straße liegen.

    und in Wirklichkeit sind Mio. nur in Minijobs und ähnlichem beschäftgt, weil deren Arbeitskraft faktisch nicht gebraucht wird zu mehr!

    im landkreis OH wo meine Eltern leben, arbeiten 35% aller Arbeitnehmer ausschließlich im Minijob, 45% sind es bei den Frauen! Deren Arbeitskraft wird nicht gebraucht. Viele Regionen in DE sind wirtschaftlich abgehängt und leben wie Entwicklungsländer nur noch über Tourismus und ein bisschen Handel.

    vielleicht dann noch ein bisschen über die unterbezahlte Pflege – diesen Regionen fehlt auch massiv Kaufkraft. DE geht mit solchen Regionen in das 21. Jahrhundert als angebliches Industrieland.

    in den produktionshallen werden dank Automation immer weniger Menschen arbeiten, wir brauchen also auch weniger Arbeitnehmer, das wird in der Diskussion über demographischen Wandel nie erwähnt.

    laut Engpassanalyse der ARGE gibt es in 90% der Berufe Fachkräfteüberschüsse, inklusive vieler Studienberufe, wo absolut kein Mangel ist.

    da, wo ich arbeite werden die meisten Frührentner! nicht mal ersetzt, deren Stellen fallen für immer und ewig weg — für Junge stehen also weniger Stellen zur Verfügung.

    als bei uns letztens 3 Stellen für Bachelor Ingenieure ausgeschrieben waren, gingen 50 Bewerbungen ein — das ist doch kein Fachkräftemangel!
    Diese Berufsanfänger will nur die Wirtschaft nicht.

    und wo bleiben die steigenden Löhne im Fachkräftemangel? Oder fehlen nur Billige Fachkräfte?

    wer glaubt den Mist noch, den man ihm erzählt.

    dieser Artikel hier zeigt die Realität ansatzweise — vom Mangel kann keine Rede sein — es sei denn, wir hätten all diese Leute am Markt vorbei ausgebildet — 3/4 der Niedriglöhner haben eine duale Ausbildung.

    bei den Arbeitslosen sind ebenfalls viele mit Ausbildung.

  3. ulla sagt:

    Zunächst mal ein dickes Lob für den Artikel. Von einer arbeitgebernahen Zeitung hätte man so viel Wahrheit gar nicht erwartet. Schließlich erzählen die von Unternehmern bevorzugten Parteien, dass wir fast Vollbeschäftigung hätten.

    Die von euch geschilderte Wahrheit deckt allerdings immer noch nicht den ganzen „Eisberg“ Arbeitslosigkeit auf! Denn über die nicht offiziell gemeldeten Langzeitarbeitslosen der Mittel- und Oberschicht schreibt ihr leider auch nichts.
    Und das sind nochmals ca. zwei Millionen.

    Ich selbst bin langzeitarbeitslose Gymnasiallehrerin (55 plus), komme aus der Mittelschicht und erhalte „mangels Bedürftigkeit“ kein Hartz 4. In meinem Umfeld sind weitere 20 Langzeitarbeitslose über 50 – alle ohne Anspruch auf ALG 2! Von denen sind nur noch drei offiziell arbeitslos gemeldet.

    Wer die Lage seit Hartz4 kennt, dem ist der Grund dafür klar: Die Arbeitslosen bekommen von der Arbeitsagentur nichts, was sie als sinnvoll empfinden. Auf der anderen Seite werden sie ständig in/zu Maßnahmen gezwungen, die sie als Schwachsinn erleben. Da werden „Bewerbungstrainings“ auf Monate ausgedehnt, obwohl das bisschen Inhalt in vier Wochen zu erledigen wäre. Da soll die arbeitslose Lehrerin gratis als „Praktikantin“ Nachhilfe geben. Und wer das verweigert, wird aus dem Arbeitslosen-Status entfernt!

    Unterdessen ist es üblich, Arbeitslose zu zwingen, auch 400-Euro-Jobs oder Honorarjobs anzunehmen. Bei Beziehern von ALG ist das m.E. zumutbar (Denn dann spart man wenigstens einen Teil des Arbeitslosengeldes). Bei Leuten aus der Mittel- und Oberschicht, die keinen Anspruch auf ALG 2 haben, führt das zu absurden Ergebnissen. Die Betroffenen müssen bei Annahme eines solchen „prekären“ Jobs fast den ganzen Lohn für ihre freiwillige Krankenversicherung abführen. Kommen dann noch Fahrtkosten dazu, dann hat die Familie des Arbeitslosen weniger Geld, wenn er/sie arbeitet, als wenn er/sie nicht arbeitet. Dennoch gilt auch in solchen Fällen: Selbst wer einen Job mit „Negativ-Einkommen“ ablehnt, dem wird der offizielle Arbeitslosen-Status verweigert!

    Als langjährige (nun ehemalige!) CDU-Wählerin finde ich es besonders empörend, dass die Regierung sich nicht schämt, ihre eigene Klientel (die Mittelschicht) im Falle der Arbeitslosigkeit derart „in die Pfanne zu hauen“. Denn der verweigerte Arbeitslosen-Status bringt ja vor allem für Ältere auch rentenrechtliche Nachteile mit sich (keine Erwerbsunfähigkeitsversicherung mehr).

    Aber das „Weg-Lügen“ von Arbeitslosen aus der Statistik scheint für die momentane Regierung einen derart hohen „Wert“ zu haben, dass selbst Ziele wie „Gerechtigkeit“ nicht mehr zählen.

  4. Melanie sagt:

    Um die tatsächliche Arbeitslosigkeit zu ermitteln, würde es genügen, die Zahl der Ganztagsjobs anzugeben, welche so gut bezahlt sind, dass der Arbeitende davon ohne Aufstockung leben kann.

    Von über 80 Millionen Bürgern waren nach Destatis im Mai 2013 ca. 40 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig (darunter auch Hartz4 Aufstocker, Schüler und Studenten).

    Wenn wir schätzungsweise 20 Millionen Vollarbeitsplätze haben, dann wären folglich 50 Millionen Deutsche arbeitslos (darunter auch Rentner, Hausfrauen, Hausmänner und Schüler).

    Ein Vollzeitarbeitnehmer muss damit 3 weitere Personen ernähren.
    Mit einer Arbeitslosenquote von 30 bis 50 Millionen kommen wir der Realität vermutlich viel näher.

    • Jule sagt:

      es gibt aber nur 28 Mio sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer!!! Die anderen bis zu den 40 Mio. sind 9 Mio. Beamte, der Rest sind Selbständige, Soloselbständige, Unternehmer und Minijobber etc…

      28 mio Menschen, davon viele Mio. nur mit Teilzeittätigkeiten sind für die Finanzierung der Sozialkassen zuständig. Und das bei 81 Mio Menschen in DE.

      wieviele davon Rentner sind, weiß ich nicht. Aber wenn man diese Zahlen sich vor Augen führt ist es erstaunlich, dass das System bei sinkenden Reallöhnen noch einigermaßen läuft.

      Aber die Finanzierungslücken werden größer — in 20 Jahren wird DE ganz anders aussehen, ärmer sein, aber nicht schöner.

      die Migration kostet ehrlich gesagt unterm Strich mehr, als das sie Nutzen stiftet. Man muss auf die Arbeitslosenraten, Wohngeldempfängerraten, Aufstockerraten etc. gucken. Viele Migranten bekommen im Alter nur niedrige Renten, deren Frauen arbeiten nicht mit meistens. Man wird also durch Migration das Heer Hilfebedürftiger immer vergrößern.

      Das muss auch erlaubt sein, dass ehrlich zu sagen. Es ist kein Zufall, dass die viertel mit dem höchsten Migrationsanteil zeitgleich jene sind, mit dem höchsten Anteil an Sozialhilfeempfängern, den meisten Kindern im Sozialgeldbezug und mit den ärmsten Rentnern die unterstützt werden müssen.

      DE hat jede Menge zusätzlicher Hilfebedürftiger im Land, die mal woanders gelebt haben – sei es Rentnerinnen aus der Ex – EUDSSR oder halt sonstige, die hier kaum Arbeit finden können.

    • Jule sagt:

      Ich vermute, dass von den 28. Mio nur ca. 16 Mio Vollzeitstellen sind, kenn aber leider keine Statistik dazu.

      und wären davon noch mehr Vollzeitstellen, dann würde wahrscheinlich die Arbeitslosigkeit gleich ansteigen, weil in DE einfach nicht genug zu tun ist für all die vielen Menschen. Zu viele Menschen, zu wenig Arbeit!!!

      entgegen jeder Propaganda, braucht man immer weniger Arbeitnehmer. Und in den wenigen Branchen wo mangel ist, da liegt es an der Bezahlung oder weil zu wenig selbst ausgebildet worden ist.

      DE wird nie mals wieder Vollbeschäftigung erreichen und niemals wieder genug Arbeit für alle haben, das Erwerbspersonenpotential war noch nie so hoch wie heute, weil eben immer mehr Frauen mitarbeiten.

      Soviele Arbeitssuchende gab es noch nie, hinzu kommen die aus dem Ausland. Die Rumänen in Duisburg finden zwar Jobs — als Aushilfe für 3 Euro Brutto die Stunde — den Rest stockt dann wieder der Staat auf, Mindestlohn gibts ja nicht. Die Kassen werden so immer leerer und leerer und eines Tages kollabiert der Sozialstaat daran.

      dann wird auch den Unternehmen in DE das Lachen vergehen. Denn dann wird irgendwann auch niht mehr genug Geld für deren Subventionen vorhanden sein.

      nirgends in Industrieländern wurde seit 2001 so wenig investiert wie in DE, sagt der Ökonom Posen. Er sagt auch, DE muss seine Strategie ändern – weg von Billiglohn und Wettbewerb stattdessen über Innovationen.

  5. Polit- und Bank Gangster - ab in den Knast ! sagt:

    Wir lügen uns in die eigene Tasche, damit wir im Ausland als Superland beneidet
    werden und damit wir unsere Milliarden in die Südstaaten der EU verschieben,
    der deutsche Dummmichel lässt es ja ohne zu Murren mit sich geschehen. Die
    sinnlos verschwendeten Rettungsmilliarden hätten bei uns mehr bewirkt.