EU will mit mehr Schiffen weniger Fische fangen

Die EU hat die Fischerei über viele Jahre massiv subventioniert. Dies hat dazu geführt, dass Mittelmeer und Nordsee überfischt sind. Nun will sie den Bau neuer Fischereiboote mit 1,6 Milliarden Euro fördern.

Einerseits schränkt die EU den Fischfang ein, andererseits subventioniert sie den Bau von Booten für die Fischerei. Um diesen Widerspruch zu lösen, greift die EU tief in die Trickkiste: Die neuen Boote sollen langsamer sein und weniger Fische fangen.

Der Fischerei-Ausschuss des EU-Parlaments beschloss am Mittwoch, den Bau von Fischerei-Booten mit 1,6 Milliarden Euro zu subventionieren, berichtet die FT. Dabei sind die circa 83.000 Fischerei-Boote in der EU schon jetzt viel zu viele. Denn die EU hatte erst kürzlich bindende Quoten für den Fischfang gesetzt, weil dieser die Fischbestände in Mittelmeer und Nordsee gefährlich ausgedünnt hatte (mehr hier).

„Für jeden mit ein bisschen Verstand ist das ein unerhörter Skandal und schwer zu verstehen“, sagte Markus Knigge, Fischerei-Berater beim Pew Charitable Trust. Er zitiert Schätzungen, nach denen die EU-Fördergelder bis zu 19.000 neue Schiffe hervorbringen könnten.

Die EU-Subventionierung neuer Boote wurde 2002 wegen des internationalen Drucks eingestellt. Dennoch sind auch weiterhin Milliarden Euro in die Förderung der Fischerei geflossen, darunter eine Abwrackprämie für Fischereiboote. Diese Subvention sollte die Zahl der Fischereiboote in der EU vermindern, führte jedoch lediglich dazu, dass die Fischer ihre Flotten auf Kosten der Steuerzahler erneuerten

Das Geld wurde aus dem Fenster geworfen – oder besser gesagt ins Meer“, sagte ein EU-Beamter, der bestürzt war über die Aussicht, die Subventionen für Fischereiboote könnten wiederbelebt werden.

Die Befürworter der Fischerei-Subventionen argumentieren damit, dass die Flotte in der EU dadurch verbessert würde. Alain Cadec, französischer EU-Abgeordneter, sagte, dies sei ein guter Einsatz von Steuergeldern. Das Durchschnittsalter europäischer Fischereiboote betrage 29 Jahre. Neue Boote würden sicherer sein und weniger Treibstoff verbrauchen.

Zudem will Cadec vorschreiben, dass die neuen Boote 40 Prozent schwächer sein müssen, als die Schiffe, die sie ersetzen. So könne sichergestellt werden, dass die Subventionen einen Rückgang des Fischfangs bewirken. „Vorher konnte man machen, was man will. Aber jetzt gibt es Kriterien“, so der EU-Abgeordnete.

„Ich denke nicht, dass es nicht merkwürdig ist, ein paar Subventionen für den Fischereisektor zu haben. Es ist nicht viel Geld“, sagte Cadec. Zudem sei er ein Liberaler, „ein wirtschaftlich Liberaler, aber kein Ultraliberaler“.

Kommentare

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  1. schmuzekatz sagt:

    ich bezeichne das geschilderte als Faschismus,,was ist daran Sozialismus wenn Banken und die Industrie das sagen haben ?

  2. Antonietta sagt:

    Viele Gewässer, insbesondere die Meere sind überfischt. Viele Arten sind wegen zu hoher Fangquoten und umweltzerstörender Fangtechniken nahezu ausgerottet.
    Aquafarmen sind keine Alternative, da sie im höchsten Maße umweltgefährdend und tierquälerisch sind. Weltweit werden so ca. 16 Mio. Tonnen Fisch gezüchet. Meist wird nur eine einzige Art in Monokultur mit umfangreicher Technik und Chemikalien auf engstem Raum herangezogen. Kraftfuttercocktails sollen die Fische schnellstmöglich verkaufsreif wachsen lassen. Die Stoffwechselprodukte der Fische verursachen eine explosionsartige Ausbreitung der Algen und eine ökologische Zerstörung des Gewässers.
    In Anbetracht der Schadstoffbelastungen der Meere wird deutlich, daß Fisch kein gesundes Nahrungsmittel sein kann, denn aus verschmutzten Gewässern können keine „unverschmutzten“ Fische kommen. Die in den Wassertieren abgelagerten Schadstoffe wie Arsen, Blei, Cadmium, Quecksilber und Pestizide werden mitgegessen, ebenso wie die in den Aquafarmen den Tieren zugeführten Wachstumshormonen und Antibiotika.

  3. Andy sagt:

    Kann mit ruhigen Gewissen sagen: “ Ich esse kein Fisch“
    Und die ganzen Industrieländer sollten das tun!
    Wir dürfen nicht Gott spielen! Wenn wir die Meere weiter leeren,
    dann kommt der Totalausfall und das Leben kippt aus dem Gleichgewicht!
    Jedes Medikament hat auch Nebenwirkungen, die oftmals auf einer lange Zeit schlimmeres anrichten können.

  4. timerunner sagt:

    Nur keine Aufregung! Es ist nur unser Geld, das da versenkt wird. Uns selbst geht`s ja durch den Frieden und Wohlstand, den diie EU schafft, blendend.

  5. Noteurope sagt:

    Plan- und konzeptlos, die EU. Oder vielleicht doch nicht?

  6. Leopold sagt:

    Nun ja, die EU will eben Bootsbauern und Fischern ein paar Subventionen zukommen lassen ohne in Verruf der Unterstützung der Überfischung zu kommen. Aber das Geld muss verteilt werden! Und wenn man erst das Abwracken bezahlen muss und dann den Bau neuer Boote. Aber was soll die EU denn sonst mit dem Geld des deutschen Steuerzahlers anstellen?

  7. Gerdi sagt:

    Ich bin seit vielen Jahren immer wieder am Gardasee. Früher waren die Häfen dort voll von Sportbooten. Auf einmal liegen sie wieder voll von Fischerbooten. Die aber nie rausfahren. Warum wohl?

  8. Nachdenker sagt:

    das unbegreiflichste von allem ist die Tatsache, das gute 99% der Menschen die in unserem Land leben „denken“ : wir leben im Kapitalismus.

    • Wagner sagt:

      Und du gehörst zu den 1%, die wissen, was läuft? Wie fühlt man sich denn da so?

      • Nachdenker sagt:

        Ich habe mit keiner Silbe behauptet, alles zu wissen. Aber ich weiß was Planwirtschaft, Sozialismus und Kooperatismus ist. Zudem kann man anhand der Geschichte sehr gut erahnen, wie es weiter geht. 🙂

        • Boris Polotzek sagt:

          guter Kommentar. Leistung lohnt sich nicht mehr, Subvensionen, Quoten, Endlos viele Beamte in Parlamenten und Behörden, Alternativlose Phrasen, Gutmenschen und Antifa etc. =Sozialismus, Kommunismus oder eben das was wir mit zunehmender EUdSSR haben!