Portugiesische Pensionsfonds müssen den Staat finanzieren

Bis zu 90 Prozent seines Vermögens soll der staatliche portugiesische Pensionsfonds in Staatsanleihen des Landes investieren. So will die Regierung ihre Kreditkosten senken, die derzeit zu explodieren drohen.

Die portugiesischen Behörden haben den Weg dafür frei gemacht, dass der staatliche Pensionsfonds mehr Geld in Staatsanleihen des Landes steckt. So will die Regierung Portugals ihre Finanzierung für das kommende Jahr sicherstellen.

Der portugiesische Rentenfonds wird seine Investitionen in Staatsanleihen des Landes von derzeit 55 Prozent auf bis zu 90 Prozent erhöhen müssen, berichtet das WSJ. Auf diese Weise fließen circa 4 Milliarden Euro mehr in staatliche Schuldpapiere.

Für das laufende Jahr hat Portugal seine Finanzierung gesichert. Mit der neuen Maßnahme gelangt die Regierung aber an ein Viertel der für das Jahr 2014 nötigen Kredite. Durch diese erzwungene Kreditvergabe werden die Kreditkosten für Portugal deutlich niedriger. Wenn die Zinsen weit genug nach unten gedrückt werden, könnte die Schuldenquote des Landes dann sogar sinken.

Warum sollte man umschulden, wenn finanzielle Unterdrückung so elegant ist?“, fragt Joseph Di Censo, früherer Funktionär beim Internationalen Währungsfonds und heute Portfolio-Manager für Blackrock.

Die finanzielle Unterdrückung stellt eine Möglichkeit dar, Staatspleiten und Schuldenschnitte zu vermeiden. Auf diese Weise entledigten sich die Staaten nach dem zweiten Weltkrieg ihrer Schulden. Doch damals standen ihnen noch mehr Mittel zur Verfügung, ihre Schulden anderen aufzuzwingen. Denn der Kapitalverkehr war stärker kontrolliert.

Zwischen 1945 und 1980 lagen die Zinsen auf Staatsanleihen unterhalb der Inflationsrate, sodass die realen Zinsen negativ waren. Durch Inflation konnten die Staaten ihre Schulden real abbauen.

In der aktuellen Schuldenkrise haben sich die Staaten vor allem auf die EZB verlassen, die ihnen mit einem historisch niedrigen Leitzins hilft. Während die Sparer real Vermögen verlieren, sinken die Kreditkosten der Staaten (mehr hier).

Doch aus Furcht vor Schuldenschnitten haben sich internationale Investoren aus den Anleihemärkten der Eurozonen-Peripherie zurückgezogen. Dadurch sind diese Staaten auf einheimische Investoren wie staatliche Rentenfonds angewiesen. Auch Spaniens Sozialversicherungs-Fonds hat massiv in spanischen Staatsanleihen investiert.

Doch wenn eines Tages ein Schuldenschnitt für diese Staaten nicht mehr abwendbar ist, dann werden die Pensionäre und Bürger des Landes die massiven Verluste tragen müssen.

Kommentare

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  1. Robby sagt:

    Auf diese Weise fließen circa 4 Milliarden Euro mehr in staatliche Schuldpapiere.

    Gratulation an Portugal. Ihr seit gerettet.

    Ironie aus.

  2. Stefan G. Weinmann sagt:

    Besuch beim Presseamt der Bürgergemeinde Siegerland…, alle Handlungen der BRD sind illegal !! http://templerhofiben.blogspot.de/2013/07/besuch-bei-der-burgergemeinde-segerland.html

  3. Papageno sagt:

    Schon erstaunlich, auf welch immer neue und perverse Ideen Staaten kommen, um ihre Schulden zu begleichen. Arbeiter MUSSTEN doch Geld in die Pensionskassen einzahlen, dann wurden schon mal Renten gekürzt und jetzt wird ihr Geld bzw. muss ihr Geld in Staatsanleihen investiert werden.

    Rentner kriegen bereits heute in Portugal beinahe nichts mehr und vermutlich wird ihnen das auch „beinahe nichts mehr“ bald noch gestrichen.

    Herrlich, was die EU und die Euro-Welt alles zerstören. Und wo bleibt die Meinung von Angelika Merkel? Hat Portugal nicht bereits mehrere Milliarden Euro’s erhalten? Warum fragt niemand, wo denn dieses Geld geblieben ist?

  4. Nestor sagt:

    Die griechischen Pensionsfonds waren ja bereits Opfer der dortigen Schuldenschnitte. Früher oder später kommt das auf jedes Land zu, wenn sich die Leute das alles nicht nur gefallen lassen, sondern sogar entweder die Regierungen oder die Armen und Ausgesteuerten ANDERER Länder dafür verantwortlich machen, daß das ganze schöne Euro-Gebilde den Bach hinunter geht.

  5. otto936 sagt:

    Rentner in Armut schicken, Banken retten. Das NEUE Europa ist nicht das des 21. sondern des 19.Jahrhunderts – und Gestalten wie Merkel sind seine Schöpfer.

  6. Anke sagt:

    Ich muss mich schon wundern! Hier steht es doch klipp und klar, dass die Staaten Pensionsfonds zwingen, Staatsanleihen zu kaufen. Andererseits wird dauernd so getan, als hätten Banken sich „verzockt“. Dabei haben sie nur genau das getan, was die Pensionsfonds auch tun müssen, nämlich Staatsanleihen kaufen. Wenn eine Bank heute Geld anlegen will, kommt sie um den Kauf von Staatsanleihen gar nicht herum, weil die Anlagevorschriften Staatsanleihen als sicherste Anlage klassifizieren und eine Bank das nicht einfach ignorieren kann.

    Das geht schon seit Jahrzehnten so. Die Staaten leihen sich Geld bei Banken, Versicherungen und Pensionskassen. Die Banken leihen sich Geld von Sparern und Unternehmen. Der Sparer will Zinsen, die Bank will Zinsen, also kauft man Staatsanleihen.

    Nun aber legen es die Staaten darauf an, per Schuldenschnitt ihre unbezahlbar gewordenen Schulden loszuwerden und schieben den Schwarzen Peter den Banken zu. Am Ende verlieren Banken, Sparer und Unternehmen ihr Geld und die Politiker sind fein raus, weil die Medien ihnen alles nachplappern, ohne das Spiel zu durchschauen.

  7. timerunner sagt:

    Hier könnte noch die russische Mafia was lernen!
    Und die Bevölkerung lässt sich alles klaglos gefallen. Wie die Schafe lassen sie sich zur Schlachtbank (Zusammenbruch jeglicher Altersversorgung) führen!
    Alle Unrechtssysteme der Welt sind entstanden, weil die Bevölkerung ZU BEGINN nichts getan hat (wenn die Systeme etabliert sind, ist es meist zu spät): Hitler, Lenin/Stalin, Mao, Pol Pot etc. aber auch die FED mit ihren krakenartigen Ausläufern, die heute jeder Regierung ihren Willen aufzwingen können (vor allem natürlich ihrem mehr als willigen Helfer – der EU-DSSR!).
    EIN positives Beispiel gab´s ja: Den Sturz der DDR. Heute haben wir die gleichen Zustände im Süden der EU und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie auch bei uns auftreten.
    Wo bleiben die Menschenmassen, die auf die Straße gehen und der Polit-Mafia endlich klarmachen, was Sache ist, nämlich: WIR SIND DAS VOLK!

    • Ariovist sagt:

      Vollkommen richtig, doch wie könnte man die Massen mobiliseren? Nur durch einen GROSSEN REDNER, der sicherlich irgendwo vorhanden ist, aber weiß, dass er schnell nicht mehr reden wird, weil er sofort dem Verhetzungsparagraphen anheimfallen wird! So wird die Demokratie im Keim erstickt!

    • Nestor sagt:

      Da hätten sie aber gleich beim Eurozonen-Beitritt protestieren müssen. Jetzt gilt – mitgefangen, mitgehangen.