Geldpolitik ohne Maß: Zentralbanken akzeptieren schlechtere Sicherheiten

In einer konzertierten Aktion haben die EZB und China entschieden, gefährliche Risiko-Papiere als Sicherheiten für Kredite zuzulassen. Damit dürfen die Banken einen neuen Kasino-Tisch eröffnen. Es ist derselbe, an dem im Jahr 2007 die Bombe hochging, die die Finanzkrise auslöste.

Die Chinesen und die EZB haben entschieden, dass die Stimmung im globalen Finanz-Kasino verbessert werden muss. Zu diesem Zwecke werden minderwertige Wertpapiere als neue Sicherheiten für Kredite zugelassen. In der EZB haben die Südeuropäer – offenbar gegen den Willen von Bundesbank-Chef Jens Weidmann – durchgesetzt, dass künftig Risikopapiere mit schlechteren Ratings als Sicherheiten für Kredite hinterlegt werden dürfen. Es handelt sich dabei um sogenannte Asset Backed Securities (ABS). Das sind Schuldtitel, hinter denen reale Werte stehen: Unternehmensanteile, Autos, Immobilien. Bisher mussten solche Papiere ein Triple A als Rating haben, nun genügt ein A. In China haben die Regulatoren eine Beschränkung für solche gefährlichen Papiere aufgehoben. Große Banken können nun wesentlich mehr von den giftigen Papieren ins System pumpen.

Die ABS sind in der Finanzkrise 2007 berühmt geworden: Die Finanzexperten Leibfried und Zimmermann schreiben: „Verantwortlich dafür, dass … aus einer lokalen Immobilienblase eine globale Finanzkrise werden konnte, sind die Refinanzierungsstrukturen am US-Kreditmarkt. Um Liquidität zu generieren, wurden die Kreditforderungen gegenüber den Immobilienbesitzern mit Hilfe von Asset Backed Securities (ABS) verbrieft und handelbar gemacht.“ Jochen Rahn sieht in den ABS die „Voraussetzung für einen marktübergreifenden Dominoeffekt“. (mehr zu den Ursachen der Krise in Rahns Buch)

Schon damals waren die Zentralbanken maßgebliche Förderer der von Warren Buffet als „Waffen der Massenvernichtung“ bezeichneten Papiere. Der damalige Chef der US-Notenbank und Großmeister der Niedrigzins-Politik, Alan Greenspan, pries die Produkte, die schließlich zum Crash führen sollten, als besonders wertvoll, weil sie „das Risiko streuen“. Und auch die Deutsche Bundesbank verstieg sich zu der Prognose, dass ausgerechnet die ABS die Widerstandskraft des Finanzsystems stärken und Schocks abfedern würden.

Die Bombe explodierte, als die Ratingagentur Moody’s am 15. Juni 2007 die Ratings von 131 ABS reduzierte und die Papiere herabstufte. Standard & Poor’s folgte im Juli – der Crash war eingeleitet, der schließlich mit der Pleite von Lehman seinen Höhepunkt fand.

Offenbar haben die Zentralbanken nichts aus der Geschichte gelernt.

Denn auch heute sagen sowohl die EZB als auch die Chinesen, dass sie alles unter Kontrolle hätten. Die EZB verkündete am Donnerstag, dass sie mit der Zulassung von Schrottpapieren ihre Risikokontrolle „weiter gestärkt“ hätte. Die Chinesen sagten, sie werden alle Emissionen von Giftmüll streng kontrollieren.

Wie schon 2007 geben die Banken – und ihre Sprecher, die Zentralbanken – vor, den Unternehmen helfen zu wollen, damit diese leichter an Geld kommen. Alle bisherigen Maßnahmen des Geld-Druckens haben nicht dazu geführt, dass auch nur ein Unternehmen deswegen leichter an Geld gekommen wäre.

Tatsächlich geht es bei der Senkung der Hemmschwelle um ein wichtiges Signal an die Banken: Ein neuer Spieltisch ist im Kasino eröffnet worden. Darauf haben sich die Banken schon länger vorbereitet: In Deutschland gibt es eine eigene, mächtige Lobby-Gruppe für die ABS. In der „True Sale International GmbH“ werden die giftigen Papiere von den Banken als Perlen des Systems dargestellt. Ein alter Förderer dieser Gruppe ist das EZB-Direktoriums-Mitglied Jörg Asmussen.

Für die Banken sind die ABS in mehrfacher Hinsicht wertvolle Produkte: Sie verwenden sie als Pfand, um an Kredite zu kommen. Die Banken brauchen immer mehr Kredite, weil sich eine immer größere Blase aufbaut. Diese Blasen kommt aus dem Derivaten-Geschäft: Die Banken können nämlich aus realen Werten Spielgeld machen. Aus mehreren ABS werden CDOs (collateralized debt obligations) und dann CDS (credit default swaps). Die CDS sind Derivate – das heißt Wetten. In den CDOs werden mehrere ABS gebündelt.

Das Kalkül lautet: Man nimmt so viele Einzelpapiere als möglich, dann minimiert sich die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls.

Die Realität: Wenn eine einzige Annahme falsch ist, kracht das Weltfinanzsystem zusammen. Das könnte zum Beispiel bei den ABS auf Automobile der Fall sein. Die Lobby TSI preist Autos als besonders geeignet an, weil sie – rein theoretisch – immer einen Wert haben. Wenn jedoch, wie seinerzeit der ganze US-Immobilienmarkt im Zuge der Krise der ganze europäische Automobilmarkt zusammenbricht, dann kollabiert das System.

Die Banken wissen das auch ganz genau, setzen aber darauf, dass sich das Spiel eine Weile hinziehen kann. Und um diese Zwischenzeit von heute bis zum Crash geht es: In dieser Zeit können mit den ABS Milliarden gemacht und satteste Boni mühelos eingesackt werden.

Mit der Krise in den Ländern Südeuropas oder gar mit der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen hat die Aufwertung der Schrottpapiere durch die EZB gar nichts zu tun.

Es geht um die hemmungslose Profitgier einer Branche, die mit rein künstlichen Produkten und ohne einen Hauch von Moral Geschäfte auf Kosten der Allgemeinheit macht.

Mit Mario Draghi als ehemaligen Goldman Sachs Banker sitzt „ihr Mann“ an der richtigen Stelle.

Der Rubel kann rollen.

Les jeux sont faites.

Bis nichts mehr geht.

Kommentare

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  1. Ariovist sagt:

    Es kommt, wie es periodisch kommen muss. Wir stecken alle in der Zinseszinsenfalle des herrschenden Finanzsystems. Wahrscheinlich kommen wir dort nie mehr heraus und müssen uns dem Geldverleiher “FABIAN” gänzlich unterwerfen. Dazu gibt es einen Film, der dem System anschaulich auf den Grund geht und für den man sich 45 Minuten Zeit nehmen sollte, besonders heute am Sonntag:
    http://www.youtube.com/watch?v=_h0ozLvUTb0 Der Name des Geldverleihers “Fabian” scheint in dem Film bewusst gewählt und auf die “Fabian Society” gemünzt zu sein: http://www.bernd-schubert.de/nachgedacht/fabian_society.html Sehr aufschlussreich

  2. Brigitte sagt:

    Ist es nicht eher so, dass sich so manche Bank nicht mehr refinanzieren (mangelnde Sicherheiten) kann und diesen nun die Möglichkeit gegeben wird, ihren letzten Aktivaschrott aus dem Keller zu holen und als ABS an die Zentralbanken weiterzureichen? So können auch noch die letzten Einlagen aus betreffenden Banken z.B. in Zypern, Griechenland, etc. auf ein vermeintlich sicheres Konto z.B. in Deutschland transferiert werden.

  3. Leopold sagt:

    Die EZB will eben auch auf höchstem Level mitpokern. Keiner hat etwas gelernt! Und wie früher bei den Banken auch haftet ja immer der Steuerzahler! Also was solls!

  4. Frank sagt:

    Das ist alles ganz alternativlos.

  5. Polit- und Bank Gangster - ab in den Knast ! sagt:

    Man wird sich an den Bank- und Politverbrechern rächen, und zwar dann, wenn
    das letzte Dummschaf in seinem Schafsschädel endlich begreift, was los ist und
    wenn der Run aufs nackte Überleben begonnen hat. Die gedruckten Papierfetzen
    gehen auf Null und der ganze Planet wird von anhaltenden Unruhen erschüttert.

    • Hülsensack sagt:

      Ihre Wünsche zu der angedachten Rache werden wohl oder übel platzen. Wenn Sie es nicht glauben, dann schaun Sie mal in die Geschichte.
      Die Masse wird sich NIE so einig sein, daß dies wirkungsvoll zu solchen Wunscherfüllungen kommen wird. Zu viele werden sich nicht aus ihrem „edlen und menschlichen Trott“ ausklinken, um solche Wünsche zu erfüllen, obwohl die Bank.- und Politikverbrecher es durchaus verdient hätten. WETTEN?