Computer-Steuerung durch Hirnströme steht vor der Marktreife

Die Neuro-Wissenschaft macht es heute bereits möglich, über die Hirnströme Computer zu bedienen. Noch wird die Technologie im Alltag wenig genutzt. Forscher arbeiten jedoch an Anwendungen für Schwerstbehinderte. Auch für Computespiele soll die Technologie weiter entwickelt werden.

Die Steuerung von Computern durch menschliche Hirnströme ist heute bereits möglich. Im Alltag werden solche Gehirn-Computer-Schnittstellen (englisch: Brain Computer Interface, BCI) noch kaum verwendet. Praxistaugliche Anwendungen zum Kommunizieren, zum Malen oder als Game-Steuerung befinden sich aber in Entwicklung.

Besondere Hoffnungen werden in die Umsetzung von Hilfsmitteln für Menschen mit schweren Behinderungen gesetzt, berichtet die NZZ. Ein Beispiel ist das BCI-Schreibsystem, das am Institut für Interventionspsychologie der Universität Würzburg entwickelt wird. Die Wissenschaftler versuchen damit den Sprung von der reinen Grundlagenforschung zur anwendungsorientierten Forschung zu schaffen.

Ihr Programm soll vor allem Patienten helfen, die an amyotrophischer Lateralsklerose (ALS) leiden. Bei dieser seltenen Erkrankung sterben nach und nach jene Nervenzellen ab, die die Muskeln steuern. Es kommt zu Gang-, Sprech- und Schluckstörungen und irgendwann zur totalen Lähmung. Für solche Patienten werden BCI entwickelt. Sie sollen in Zukunft nicht nur die Kommunikation erleichtern, sondern irgendwann auch die Steuerung von gelähmten Gliedmaßen oder Rollstühlen ermöglichen.

Die Benutzer tragen eine Haube, an der mehrere Elektroden angebracht sind. Sie messen die Spannungsschwankungen auf der Kopfhaut, welche aufgrund der Nervenzell-Aktivität in den darunterliegenden Hirnregionen entstehen. Mit Gedankenlesen hat die Hirnstrom-Messung allerdings nichts zu tun. Die Programme erkennen nur, dass das Gehirn auf ein bestimmtes Ereignis reagiert. Das kann zum Beispiel das Blinken eines Buchstabens in einer Buchstabentafel auf dem Bildschirm sein.

Bei Patienten mit beeinträchtigter Hirnfunktion ist das Signal oft nur schwach ausgeprägt. Seit vielen Jahren arbeiten Ingenieure deshalb daran, die Technik zu verbessern und das Signal zu verstärken. Diese Entwicklung weckt insbesondere das Interesse der Gaming-Industrie. Die Spiele-Hersteller wollen die Technologie dazu nutzen, einen Avatar über die eigene Hirnaktivität durch eine virtuelle Welt zu steuern. Der potentielle Absatzmarkt ist riesig. Wenn die Chancen wahrgenommen werden und die Kosten für die Technik auf ein vertretbares Niveau sinken, könnte das auch den alltäglichen Gebrauch der BCI durch Patienten fördern.

Kommentare

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  1. Dodekamegistis sagt:

    Der Computer wirkt als Bestandteil unserer Umwelt ohnehin. Jedes System, ob planetarisch oder menschlich ist ein interaktiv in unserer Wahrnehmung.

  2. otto936 sagt:

    Demnächst: INNOVATION

    Hirn-Steuerung durch Computer steht vor der Marktreife !

    Mit eingebauter NSA Schnittstelle, Windows 37 (jetzt mit „Brain UI“) und Daueranbindung an Facebook, Google und Amazon – und den Wahlcomputer.

  3. ein_anderer sagt:

    Wenn das Gehirn lernt, Computer zusteuern, werden die Computer lernen, die Hirne zu steuern.

    • Sissy sagt:

      Genauso wird es kommen. Das ist die Hidden Agenda hinter dem Projekt. Millionen von Menschen könnten dann per Mausclick gleichgeschaltet werden. Ein Horrorszenario für die Zukunft tut sich da auf!

  4. dave4freedom sagt:

    Hirn(strom)steuerung durch Computer ist natürlich das eigentliche Ziel, siehe
    de.wikipedia.org/wiki/Defense_Advanced_Research_Projects_Agency unter
    Brain Machine Interfaces: Chips im Kopf sollen Panzer oder Hubschrauber oder auch den Soldaten steuern, dem sie implantiert wurden. Irgendwie muß man das Ganze ja vermarkten.