SNB: Bei Zinsanstieg wird fester Euro-Wechselkurs aufgegeben

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) befindet sich in einem Dilemma. Die historisch niedrigen Zinsen lösen eine Immobilienblase aus. Hebt die SNB die Zinsen an, gefährdet sie die Banken und muss die Mindestmarke zum Euro aufgeben. Das kann negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaft haben.

Die SNB erarbeitet Szenarios, um zu verstehen, wie groß die Auswirkungen einer scharfen Zinserhöhung sein könnten. „Unsere Berechnungen ergeben, dass im Mittel die negativen Folgen signifikant wären“, sagte Jean-Pierre Danthine, Vize-Präsident der SNB. Banken würden das Risiko unterschätzen, wenn sie davon ausgingen, dass „die Spareinlagen bei einem Zinsanstieg so stabil bleiben wie in den letzten Jahren“, sagte Danthine in einem Interview mit der SonntagsZeitung.

Diese Ankündigung ist ein Weckruf für die Banken in der Schweiz. Denn die SNB gerät unter Druck. Sollte sie die Zinsen für neues Geld weiterhin auf dem historisch niedrigen Niveau halten, nimmt sie die Gefahr in Kauf, dass sich immer mehr Investoren auf den Immobilienmarkt stürzen. Die Preise für Eigenheime steigen seit geraumer Zeit an. Wird der Entwicklung nicht Einhalt geboten, kann sich eine Immobilienblase entwickeln, die bei einem Anstieg der Hypothekenzinsen zu Zahlungsausfällen führen kann. Das kann die Banken in Mitleidenschaft ziehen.

„Viele Banken haben sich für risikoreiches Verhalten entschieden, wahrscheinlich, weil sie davon ausgehen, dass die Tiefzinsperiode andauern wird. Wir machen sie darauf aufmerksam, dass sie die Risiken unterschätzen könnten“, sagte Danthine.

Sorgen bereiten der SNB vor allem die Bilanzen der Großbanken Credit Suisse und UBS, dessen Verpflichtungen im Derivategeschäft sich auf zusammen 89 Billionen Franken belaufen. Man müsse aber das Problem des too big to fail in den Griff kriegen, sagte Danthine. „Großbanken eines kleinen Landes müssen pleitegehen können, ohne dass die ganze Wirtschaft im Chaos versinken würde, wenn der Staat nicht als Retter in der Not einspringt“, ein weiterer Warnschuss in Richtung der Banken.

Die Anhebung der Zinsen für neues Geld hätte auch Auswirkungen auf die nationale Währung. Die feste Mindestgrenze zum Euro soll aufgeben werden, sobald die Zentralbank den Leitzins anhebt. Noch habe die Grenze daher „absolute Priorität, wir werden sie so lange wie nötig beibehalten“, sagte Danthine.

Infolge der Eurokrise hat die SNB den Euro an den Schweizer Franken gekoppelt. Die Schweizer Währung steht durch den Kapitalzufluss unter Aufwertungsdruck. Wenn der Wert der heimischen Währung zu stark ansteigt, hätte das negative Auswirkungen auf den Export der Schweiz. Die Grenze zum Euro wurde daher auf 1,20 Schweizer Franken festgesetzt.

Noch bis zum Ende des nächsten Jahres können die Preise auf dem Immobilienmarkt in der Schweiz steigen.  Vorher werde die SNB die Zinsen nämlich nicht anheben, heißt es einem Wirtschaftsbericht von Bloomberg zufolge. Die Vorbereitungen sind jedoch bereits im Gange. Die Banken tun daher gut daran, ihre Eigenkapitaldecken zu erhöhen und ihre Bilanzen von den risikoreichen Derivate-Geschäften so weit wie möglich zu bereinigen.

Kommentare

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  1. Benno Amrein sagt:

    Wie steht Euro/sFr. nach Bundestagswahl in Deutschland???? Danke

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Auch die ach so solide Schweiz ist Fundamental voll auf Desaster – Kurs. Realwirtschaftspolitik über die Notenpresse = Überdimensionierte Geldmengenausweitung dieses Rezept hat und kann niemals nachhaltig funktionieren.
    Gewiss aktuell hat die Sache sehr gut funktioniert. Denn letztlich war die Sache lediglich eine Exportsubvention über die Notenpresse. Die Schweiz lebt gefährlich auf Kosten ihrer langfristigen Substanz, massives Brutto Volumenwachstum bei sinkender
    Gesamtwirtschaftlicher Produktivität.

  3. Meinrad Lacher sagt:

    Diese Scheinheiligkeit aller Beteiligten! Wenn es ihnen wirklich ernst wäre, könnten sie mit einem Satz die Lage beruhigen: Ab sofort gilt für Neuhypotheken eine Belehnungsgrenze von 60% und die bestehenden sind alle mit 4% (Vorschlag) zu amortisieren.