Forscher der TU Braunschweig entwickeln „selbstbewusstes“ Auto

In Braunschweig ist der Prototyp eines Autos entstanden, der eigenständige Entscheidungen trifft. Das 600 PS starke E-Auto nimmt lediglich „Wünsche“ des Fahrers entgegen. Damit toppen die Wissenschaftler ihre Entwicklung eines führerlosen Fahrzeugs aus dem Jahr 2010.

Wissenschaftler der TU Braunschweig haben im Rahmen des MOBILE-Projekts einen aufsehenerregenden Prototypen entwickelt. Das Fahrzeug trifft eigenständige Entscheidungen und setzt diese ohne den Einfluss des Fahrers um. Das zwei Tonnen schwere Elektro-Auto besteht nur aus einem Gitterrohrrahmen, an dem die einzelnen Komponenten befestigt sind. Seine Leistung beträgt 600 PS.

Damit gelang ihnen ein einmaliger Durchbruch im Bereich der Fahrzeugtechnik. Bisherige Fahrzeuge hatten eine mechanische oder hydraulische Kopplung von Lenkrad und Bremse mit den Rädern. Der Fahrer wurde zwar durch verschiedene Mechanismen beim Steuern des Autos unterstützt, traf aber immer noch die letzte Entscheidung. Das Lenkrad des neuen Prototyps dagegen bewegt eine Achse, die ins Leere läuft. Die Bewegung der Achse wird von diversen Sensoren registriert und an die jeweiligen Komponenten übertragen. Ebenso verhält es sich mit Gaspedal und Bremsen.

„Wenn Sie ein solches Auto also lenken oder bremsen, ist das im Grunde nichts mehr als eine Wunschäußerung. Sie könnten das auch mit einem Joystick machen – es käme aufs Selbe heraus“, sagte Peter Bergmiller, einer der Betreuer des MOBILE-Projekts.

Zugleich nimmt die Bedeutung einer funktionierenden Elektronik immens zu. Wenn Sie versagen sollte, bleibt dem Fahrer keine Chance der Intervention. Dessen sind sich natürlich auch die Forscher bewusst. Während konventionelle Fahrzeuge über mehrere Sicherungssysteme verfügen, nutzt der MOBILE Prototyp ein anderes Konzept. Jedes seiner vier Räder ist mit einem eigenen Lenk- und Antriebssystem ausgestattet. Sollte eines davon ausfallen, teilen sich die verbleibenden Systeme die Aufgaben. Dadurch kann das Fahrzeug sicher in die nächste Werkstatt manövriert werden.

Darüber hinaus bestimmt die Elektronik während der Fahrt andauernd Position und Geschwindigkeit. Daraus wird das entstehende Risiko berechnet und entsprechende Handlungen eingeleitet. So werden beispielsweise bei schneller Fahrt die Hinterräder langsamer bewegt als die Vorderräder und minimieren dadurch das Schleuderrisiko. All das bewerkstelligt die Bordelektronik ohne jegliches Zutun des Fahrers.

Ein weiterer Vorteil der vier unabhängigen Antriebssysteme ist die enorme Wendigkeit des Fahrzeugs. Es kann praktisch auf der Stelle drehen und somit extrem leicht eingeparkt werden.

Mit der Entwicklung von MOBILE krönen die Forscher ihre Erfolge aus dem Jahr 2010. Damals erschien der Prototyp „Leonie“ im Rahmen des Projekts „Stadtpilot“ der TU Braunschweig. Es handelte sich um ein autonomes und führerloses Fahrzeug und es war das erste seiner Art, das auch im Stadtverkehr unterwegs war.

„Leonie war damals aufsehenerregend, aber im Grunde die Weiterentwicklung konventioneller Fahrzeugtechnik – eine Evolution“, sagt  Markus Maurer, der Leiter des Projekts. „MOBILE ist dagegen eine echte Revolution. Sie werden davon weltweit kein Zweites finden. Diesmal haben wir alles verworfen, was wir bisher über Autos wussten, und einfach von Anfang an ein ganz neues gebaut“, sagte Peter Bergmiller.

Neben Peter Bergmiller und Markus Maurer, war Thomas Vieto vom Institut für Konstruktionstechnik maßgeblich an dem Projekt beteiligt. Er entwarf den Gitterrohrrahmen der Karosserie und garantierte damit größtmögliche Flexibilität bei der restlichen Konstruktion. Neben den drei Forschern waren fast ausschließlich Studierende an der Entwicklung des Prototyps beteiligt. Jede Komponente ist das Ergebnis von 40 verschiedenen Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten aus den Bereichen Elektrotechnik, Maschinenbau, Informatik und Informations-Systemtechnik.

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  1. W Kolberg sagt:

    „I am sorry, Dave. I cannot do that.“