E&Y: Fachkräftemangel kostet Mittelstand Milliarden

Der deutsche Mittelstand beklagt in einer Studie von Ernst & Young den Mangel an qualifizierten Fachkräften. Die dadurch entstandenen Einbußen belaufen sich auf mehrere Milliarden Euro. Zudem blicken die befragten Manager eher skeptisch in die wirtschaftliche Zukunft. Sie sehen die Euro-Krise und die hohen Energiekosten als die größten Gefahren für eine Konjunkturerholung.

Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland haben nach wie vor große Schwierigkeiten damit qualifiziertes Personal zu finden. Nur jedes vierte Unternehmen ist in der Lage gut ausgebildete Fachkräfte zu rekrutieren. Die dadurch entstandenen Umsatzeinbußen werden auf mehrere Milliarden Euro beziffert. Das geht aus dem Mittelstandsbarometer von Ernst & Young hervor, welches das Wirtschaftsprüfungsunternehmen halbjährlich veröffentlicht.

Dafür befragte Ernst & Young etwa 3.000 mittelständische, nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen aus den Bereichen Dienstleistung, Handel, Industrie-, Bau- und Energiewesen. Von den befragten Unternehmen gaben 74 Prozent an, dass es ihnen „eher schwer“ oder sogar „schwer“ falle, neue und ausreichend qualifizierte Fachkräfte zu finden. Besonders ausgeprägt ist dies der Umfrage zufolge im Bereich des Bau- und Energiewesens, wo sogar 80 Prozent erhebliche Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften haben.

Diese Erkenntnis deckt sich mit den Aussagen von Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.  Er stellte klar, dass der Fachkräftemangel kein generelles Problem der deutschen Wirtschaft sei, sondern auf bestimmte Branchen und Qualifikationen zutreffe. Besonders gefragt seien Arbeitskräfte aus dem MINT Bereich (Mathematik-, Ingenieurs-, Naturwissenschaften und Technik). Die Lücke in diesem Bereich sei mit 210.000 Arbeitskräften so groß wie nie zuvor, so Hüther.

Der Fachkräftemangel schlägt sich auch negativ auf die Umsätze nieder. 53 Prozent der Mittelständler sehen ihre Umsätze durch den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften bedroht. Nur 47 Prozent gaben an, dass dies für sie nicht zu Umsatzeinbußen führen werde. Auch hier ist die Lage im Handels-, Bau- und Energiewesen deutlich angespannter als in der Industrie oder dem Dienstleistungsbereich. Schätzungen von Ernst & Young zufolge sollen sich die Einbußen auf bis zu 33 Milliarden Euro belaufen.

Die Geschäftslage der mittelständischen Unternehmen hat sich laut der Studie weiter eingetrübt. Während im August 2012 noch 92 Prozent der Unternehmen die eigene Lage als „gut“ oder „eher gut“ bezeichneten, waren es im Januar 2013 nur noch 85 Prozent. Fast jedes dritte Unternehmen sieht sich demnach bei sechsmonatiger Konjunkturabkühlung existenziell bedroht. Demgegenüber sehen 69 Prozent, die bei sechs Monate anhaltender Wirtschaftsflaute keine Bedrohung für ihre Firmen sehen.

Eine Prognose dafür, wann die deutsche Wirtschaft wieder einen Aufschwung erlebt, wollten die meisten Befragten nicht angeben (43 Prozent). Ein Viertel sieht den Aufschwung in „spätestens zwei Jahren“, das andere Viertel dagegen in „spätestens 3 Jahren“. Auch die Sicht auf die Weltwirtschaft ist bei den Unternehmenslenkern zweigeteilt: Die Mehrheit (46 Prozent) sieht die Weltwirtschaft im Jahr 2013 stagnieren, etwa je ein Viertel (26 bzw. 28 Prozent) sieht eine Verbesserung bzw. Verschlechterung der Weltwirtschaft.

Als größte Bedrohung für die wirtschaftliche Lage in Deutschland sehen die Befragten die hohen Energie- und Rohstoffpreise (70 bzw. 69 Prozent) und die anhaltende Verunsicherung infolge der Krise in Europa (70 Prozent). Vier von fünf Managern glauben, dass Deutschland am Ende für die Schulden der Euroländer zahlen muss. Zudem denken 72 Prozent der Befragten, dass der schlimmste Teil der Krise noch bevorsteht. Immerhin 30 Prozent rechnen zudem mit einem Auseinanderbrechen der europäischen Währungsunion.

Aufgrund der herrschenden Unsicherheit im wirtschaftlichen und politischen Umfeld halten sich die Unternehmen mit Investitionen und Neueinstellungen zurück. Die meisten Mittelständler konzentrieren sich darauf, die eigene Stabilität zu sichern (66 Prozent). Sie begegnen der aktuellen Lage mit einer Mischung aus Kosteneinsparungen (48 Prozent) und Wachstumsinitiativen (47 Prozent). Keiner der Befragten gab jedoch an, Mitarbeiter in absehbarer Zeit entlassen zu wollen.

 


 

Kommentare

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  1. Margrit Steer sagt:

    Wo seit Jahrzehnten nicht ordentlich ausgebildet wird, muß sich heute nicht über Fachkräftemangel beklagen
    Wo 50jährige Fachkräfte keine Arbeit finden, ebefalls nicht
    Und wer die Jugendenlichen nach ihrer Ausbildung nur als 450 €-Kräft einstellt, hat ebenfalls nicht das Recht, sich aufzuregen
    WEr ständig nach Fachkräften grölt und Zuwanderung fordert, müßte sofort vor Gericht gestellt werden wegen Landesverrat

  2. Sebensa sagt:

    zahlt vernünftige Löhne, keine utopischen Überstunden und gerechte Sozialleistungen; dann habt ihr mehr als ausreichend Fachkräfte. Für die Zukunft wäre ein gutes Bildungssystem förderlich.

  3. JJA - the Brasilian sagt:

    Das Wort „Fachkraeftemangel“ kann man ja wirklich nicht mehr hoeren wenn man ja genau weiss dass „50+“ Fachmaenner keinen Job mehr bekommen.

    Ja wann ist der Wein am besten? Nachdem er gereift ist – oder? Er ist gereift – daher nicht mehr am billigsten – und Billa steigt aus.

    Wir haben BILLA unternehmungen – zerstoerer der Qualitaet im allegemeine – Opferochsen die sich dem Gewinngott „Geld“ beugen. Aber ein Unternehmen besteht nicht nur aus einem Bankkonto, es besteht aus Innovation, Freude an eigenen Produkt und der eigenen Wertschoepfung … wie werden die bewertet. Ja gar nicht!!!

    BWL reduziert das ganze auf ein paar Nummern – welche im gesamten zwar wichtig sind, herausgerissen und einseitig ueberbewertet – das ENDE.

    Nun – es besteht tatsaechlich ein Mangel an intelligenten Ingenieuren welche zugleich so Dumm sein muessen um ein Hartz 4 Gehalt zu akzepteren.

    Ja das ist und waere die Eierlegende Vollmilchsau fuer Hirnkranke BWL er.

    Wie so nicht ordentlich zahlen, eine Zukunftsaussicht im Unternehmen, ein Vertrauen gegenueber den Mitarbeitern aufbauen – und Leute nach der Erfahrung und der liebe zum beruf einstellen und nicht nach dem Alter und der maximalen Bereitschaft zum Arschkriechen einstellen. Dann geht wieder was in Deutschland.

  4. Margrit Steer sagt:

    Und wie wäre es denn mal mit mehr Ausbildung?
    Da höre ich von den Betrieben eher gar nichts
    Wie kann es denn sein, dass 16jährige, die die Schule verlassen, mit teils guten Noten, mit 20 immer noch keine Lehrstelel haben und sich in Callcentern rumschalgen müssen?
    Man könnte so viel tun in diesem Land, aber es fehlt der Wille

    • Hülsensack sagt:

      Richtig!
      Ausbilden ist nicht mehr aktuell. Fertige Mitarbeiter sind eben billiger, wenn die von irgendwo kommen, sind die noch billiger.
      Die Politik der vergangenen Jahrzehnte zahlt sich jetzt „aus“.