Großbank zweifelt an offiziellen Inflations-Zahlen

Der starke Anstieg der Lebensmittelpreise führt dazu, dass die Verbraucher die Inflation viel deutlicher zu spüren bekommen. Die Großbank UniCredit spricht von der „gefühlten Inflation“, die bei knapp drei Prozent liegt – viel höher, als die offiziellen Angaben des Statistischen Bundesamtes.

Obst, Gemüse und andere Nahrungsmittel werden regelmäßig gekauft. Ein Preisanstieg wird von den Verbrauchern unmittelbar wahrgenommen. Die Großbank UniCredit misst daher für die „gefühlte Inflation“ einen Wert von 2,9 Prozent. Dieser Wert liegt einen Prozentpunkt über den offiziellen Angaben des Statistischen Bundesamtes (1,9%).

Die gefühlte Inflation liegt über ihrem langjährigen Mittel von 2,5 Prozent. „Treiber sind die höheren Lebensmittelpreise”, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. Da diese öfter gekauft werden als Computer oder Fernseher, fallen sie bei der Berechnung der Inflation stärker ins Gewicht, als es beim Statistischen Bundesamt der Fall ist. Obst und Gemüse fließen mit einer Gewichtung von 27 Prozent in die Berechnungen ein, während Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke zehn Prozent der Inflationsrate ausmachen.

Im Juli stiegen die Lebensmittelpreise durchschnittlich um 5,7 Prozent an – so kräftig, wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die höchste Teuerungsrate gab es bei Paprika (48%), Kartoffeln (44%) und Butter 31%). Missernten und schlechtes Wetter haben zu der Verteuerung beigetragen sowie die starke Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln aus den Schwellenländern.

Die Erzeuger reagieren auf diese Umstände und heben ihrerseits die Preise an. Für Butter verlangten die Molkereien 46,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Milch wurde um 19,2 Prozent teurer, Käse und Quark um je 6,5 Prozent. Für frisches Brot und Brötchen wurde 2,7 Prozent mehr verlangt.

Die Supermärkte vermeldeten einen dramatischen Anstieg der Diebstähle bei Kaffee. Ein Regionalmanager von Kaiser’s Tengelmann spricht von mehreren 100.000 Euro Schaden. In vielen Läden steht der Kaffee unter Verschluss.

Kommentare

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Inflation Geldwert resp. Wohlstandszerfall kann sich auf unterschiedliche Gestalt manifestieren. Inflation läuft schon lange. Zb. über sinkende Realgewinnmarchen in der Industrie oder sinkende Realeinkommen der Arbeitnehmer. Massgebend sind letztlich die Durchschnittswerte und nicht die extreme nach unten oder oben. Nominell stabile Preise bedeuten noch längst nicht Null oder marginale Inflation.
    Die aktuell gängige Datenerfassung vermittelt ein verzerrtes Bild der unerfreulichen Realität. Die Irre Geldschöpfung der letzten 20 Jahre haben zerstörerisches Potential angehäuft. Die sog. Globalisierung war lediglich der Vorhang der den Blick auf das Zerstörungspotential verschleierte.

  2. ratlos sagt:

    Wohin bringen uns die Wahlversprechen der Politiker? Was müssen wir nach der Bundestagswahl befürchten? Erschreckende Antworten hier: http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/169/nach-den-wahlluegen-2013-folgt-die-enteignung-der-sparguthab.php

  3. Z.D. sagt:

    …das ist doch bekannt.

    Im er wieder berichtete Wellt-Online in den vergangenen Jahren übér die krasse Diskrepanz zw. offiziellen Angaben und dem Warenkorb des tagtäglichen Verbrauchs. Nicht selten lag die für „Otto-Normal“ relevante Inflation in den letzten Jahren bei > 4 Prozent, doch jede Anpassung des Warenkorbs an die Reale Situation (…mittlerweile arbeiten in Deutschland 25 Prozent im Niedriglohnsektor) wäre ein hochbrisantes Politikum.

    (…ein etwas spezielles Einzel-Bsp.: http://www.welt.de/wirtschaft/article118123311/Die-Kugel-Eis-kostet-heute-684-Prozent-mehr-als-1985.html)

  4. caprica sechs sagt:

    Es gibt die provozierte Inflation.
    Der gefühlte Kaufkraftverlust liegt bei theoretischen 8%.
    Wirtschaftsweisgesagt sind es aber nur 1,8%

    Nur weil man mich belügt, soll ich damit kuscheln gehen
    und alle Wahrheiten ausblenden?

    Zwar bin ich nur ein normaler Mensch, nur wenig schlauer als ein Schimpanse,
    aber ich erkenne Stolperdraht und Fallstricke.

    Da kann man neben mir stehen und was anderes erzählen,
    wie toll und wichtig alles ist.
    (Bezüglich der nassen Wahlplakate)
    Wer jetzt böse denkt, glaubt, die hängen an der rechten Stelle.
    usw. usf. … keine Entschuldigung, ist alles nur BlaBla.

    FG caprica

  5. ralf sippel sagt:

    SO IST DAS MIT DER STATISTIK:
    Jeder kann herauslesen, was er möchte. Relevanter als gefühlt (ich Verbraucher bin halt ein Depp) oder nicht gefühlt (ich bin Englischlehrer und war mal Finanzminister) ist doch die laufendenden Veränderungen der Statistikbewertung / -berechnung. Hierbei erinnere ich nur an den technischen Abzug (technischer Fortschritt), der bei Computern, Fernsehern u.ä. teils zu massiven Verfall der Werte im Warenkorb führt(e). Möglicherweise kann man solch einen Abzug als korrekt ansehen, da ja im Gegenzug zu einem Computer eine Banane oder Paprika tatsächlich noch keine Wertverbesserung stattgefunden hat. Und sollte die Inflationsrate doch mal wieder steigen, kann vielleicht der technische Abzug dann bald auch bei genmanipulierten Tomaten stattfinden. Dann steigen zwar mal wieder einzelne Lebensmittelerzeugnisse vielleicht um 25% oder mehr, aber Dank des technischen Fortschritts ist das für den Verbraucher dann nur gefühlt.

  6. Spatz sagt:

    Es gibt keine gefühlte Inflation.
    Es gibt nur die verlogene Desinformation der Politik mit selektiven Warenkörben,
    grinsendem Gelüge vor der Kamera als ob das Volk
    nur aus dementen Affen Affen bestehen würde
    und ständig steigende Preise und Abgaben die jeder
    ganz einfach am Preisschild und der immer weiter sinkenden
    kaufkraft seines Einkommens verfolgen kann.

  7. Hui-Buh sagt:

    Also meine gefühlte Preissteigerung liegt bei ca. 5 % und nicht 2,9 %!