Import von Auto-Teilen: Betriebsrat von Ankündigung Daimlers „überrascht“

Der Plan von Daimler, wichtige Komponenten künftig in China produzieren zu lassen, stößt auf den Widerstand des Betriebsrat. Die Arbeitnehmer-Vertreter fürchten, dass die Standorte in Deutschland ausgehöhlt werden könnten.

Die Ankündigung von Daimler Vorstands-Mitglied Hubertus Troska, dass im kommenden Jahr „tatsächlich“ Teile aus China nach Deutschland exportiert würden, war dem Betriebsrat bei Daimler zum Zeitpunkt der Anfrage der Deutschen Mittelstands Nachrichten noch nicht bekannt. In Deutschland „wartet man bereits auf die Teile“, hatte Troska gesagt (mehr hier).

Wolfgang Nieke, Aufsichtsrats-Mitglied und Betriebsratsvorsitzender des Mercedes-Benz Werks in Untertürkheim, zeigte sich „überrascht“ von dieser Aussage:  „Das ist keine Aussage, der wir zustimmen“, sagte er den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Als Überbrückung, bis zur Kapazitätserweiterung in Deutschland, sei ein Import zwar denkbar, „wenn sich die Strategie von Daimler langfristig ändert, dann entsteht ein Konflikt, weil dann auch Arbeitsplätze in Deutschland auf dem Spiel stehen.“ Bislang hieß es immer, es gebe keinen Import von Fahrzeug-Teilen.“ Nieke erwartet, dass die Konzernleitung mit dem der Betriebsrat dieses Thema im Einvernehmen gestaltet.

„Aus der Perspektive des Betriebsrates müsste man eigentlich sagen, lasst uns alles in Deutschland machen. China ist aber ein eigenständiger Wachstumsmarkt, es gehen dadurch keine Arbeitsplätze in Deutschland verloren.“ Es handele sich um zusätzliche Stückzahlen, zusätzliches Wachstum und zusätzliche Arbeitsplätze für den chinesischen Markt, sagte Nieke den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Die Frage sei aber viel eher, wie können die deutschen Daimler-Werke an diesem Wachstum teilhaben. Um die Ingenieursarbeit nach China zu transferieren und die Qualität halten zu können, müsse ein „hoher Aufwand“ betrieben werden. „Das wird mit unseren Leuten gemacht“, so Nieke. Das Fachpersonal wird in Deutschland ausgebildet.

„Viele Chinesen, die dort als Multiplikatoren und Advisor arbeiten, werden hier in Deutschland qualifiziert, damit die Arbeit in China umgesetzt werden kann.” Die deutsche Automobilindustrie verkauft momentan  in Europa nicht mehr, sondern weniger Fahrzeuge als vor der Krise. Die Zuwächse kommen aus Nordamerika und China. Längerfristig kann es ein Problem werden, wenn der europäische Markt nicht wächst. „In China wird ein Werk gebaut, das dort über 10.000 Arbeitsplätze schafft und in dem Fahrzeuge für China produziert werden“, so Nieke.

Die Automobilindustrie in Europa befindet sich in der größten Krise seit über zehn Jahren. Viele Werke sind nicht annähernd ausgelastet. In Europa gibt es derzeit keine Nachfrage für ein so großes Werk.

Mittelständler verlieren Aufträge

Mittelständische Zulieferer verlieren Aufträge

Die Auswirkungen auf die deutschen Lieferanten für Daimler sind noch nicht genau abzusehen. Die großen Zulieferfirmen der Automobilindustrie haben meist keinen direkten Nachteil an der Verlagerung der Produktion deutscher Firmen an ausländische Standorte: „Da passiert das Gleiche. Der Kreis der Zulieferer ist geschlossen. Sie sind global ausgerichtet und können weltweit beliefern“, sagte Daimler Betriebsrat Nieke den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Der Zulieferer Brose ist so ein weltweit aufgestellter Betrieb. „Verbrennungsmotoren gehören nicht zu unserem Geschäft, dadurch betrifft uns diese Entscheidung nicht“, sagte Pressesprecherin  Ute Lochner, den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Grundsätzlich könne man aber auch nach China liefern.  „Im Einzelnen ist dies unsere Entscheidung. Diese hängt vom jeweiligen Produkt ab und davon, welche Logistik am wirtschaftlichsten ist.“ Kleinere Einzelkomponenten werden auch nach China exportiert. Allerdings ist Brose „überwiegend Systemlieferant“. Das bedeutet, „unsere Erzeugnisse sind meist sehr groß. Dadurch müssen die Transportwege möglichst kurz sein, weshalb wir diese stets in der Nähe unseres Kunden produzieren“, so Lochner.

Mit rund 4,5 Mrd. Euro Umsatz im Jahr 2012 gehört Brose nicht zum Mittelstand. Rund 21.000 Mitarbeiter sind an weltweit 58 Standorten in 23 Ländern auf allen wichtigen Automobilmärkten für Brose tätig. China ist aktuell einer der wichtigsten Wachstumsmärkte der Automobilbranche. So auch für Brose. Rund 3.300 unserer Beschäftigten arbeiten dort an sieben Standorten in Produktion und Entwicklung für den chinesischen Markt. „Das internationale Geschäft stärkt dabei auch unsere Zentralstandorte in Würzburg (Motoren), Hallstadt bei Bamberg (Türsysteme) und Coburg (Sitzsysteme)“, sagte Lochner. Wachstum in China bedeute auch gleichzeitig Wachstum in Deutschland. Hinzu komme, dass Zulieferer die sich auf allen großen Automobilmärkten bewegten, Absatzrisiken besser ausbalancieren könnten.

Andere Zulieferer sind da nicht so zuversichtlich. Die EBZ SysTec GmbH mit Sitz in Ravensburg wurde im März von Daimler für hohe Qualität und durchgängig gelebte Kundenorientierung mit einem Lieferantenpreis bedacht. Eine Anfrage der Deutschen Mittelstands Nachrichten über die Auswirkungen der Produktion von Daimler in China wollte die EBZ jedoch nicht beantworten.

Für die großen Zulieferer ist das Risiko aber geringer, als für die kleinen.  Mittelständische Betriebe kämen „da möglicherweise auch an ihre Grenzen“, sagte Betriebsrat Wolfgang Nieke. „Ich will nicht ausschließen, dass es Zulieferer gibt, die da nicht mitziehen können“.

Nach Informationen, die den Deutschen Mittelstands Nachrichten vorliegen, trauen sich mittelständische Zulieferer für Daimler nicht, zu diesem Vorfall Stellung zu nehmen. Diese Zulieferer würden dann Aufträge verlieren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich Daimler für Fahrzeugteile an chinesische Betriebe wendet.

 

Kommentare

Dieser Artikel hat 14 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Werner sagt:

    Super!
    Teile aus China sind häufig wegen Mangelhaftigkeit von Rückrufen betroffen. Das kommt bei der Kundschaft von Daimler gut an. Aber auch die Versicherungen, die solche Rückrufe gerne versichern werden sich umgucken, wenn´s ihnen wegen zu großer Aufwendungen die Bilanzen verhagelt gibt´s irgendwann keine Rückrufkostenversicherung mehr und alles beginnt von vorne.

    Niemals vergessen!!
    Reuter und Schrempp haben Mrd. verbrannt in dem Wahn Daimler zu einem Weltkonzern zu machen. Zetsche wird Mrd. verbrennen um Daimler mit billigem mangelhaftem Fernost-Schrott zu ruinieren.

    D wird von den Nieten in Nadelstreifen de-industrialisiert.

    Es ist Zeit dagegen aufzubegehren.