Steuerzahler in Deutschland sollen Altlasten europäischer Banken bezahlen

Griechenland und Irland wollen die Milliarden-Schulden für die geretteten Banken heimlich in den ESM verschieben. Das könnte auch Spanien und Zypern gefallen. Damit würden den europäischen Steuerzahlern die Altlasten der Pleite-Banken untergejubelt. Finanzminister Schäuble sieht diese Möglichkeit „eigentlich“ nicht. „Eigentlich“ ist ein sehr gefährliches Wort in der Euro-Krise.

Seit Juni vergangenen Jahres ist es möglich, Banken direkt über den ESM zu rekapitalisieren. Dem hat auch der Bundestag zugestimmt. Strittig ist jedoch, ob auch Altlasten der Banken vom ESM übernommen werden. Griechenland und Irland drängen indessen darauf, die bisher über den Staatshaushalt geflossenen Summen rückwirkend auf den ESM „umzubuchen“.

In einer Rede am vergangenen Donnerstag anlässlich des Parlamentarischen Abends der Bundesbank Hauptverwaltung in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein in Hamburg warnte Bundesbankpräsident Jens Weidmann vor einer Vergemeinschaftung der Altlasten der Bankschulden.

Insbesondere bezog sich Weidmann auf die bevorstehende Bankenunion und betonte, Altlasten in den Bankbilanzen müssten vorher mit Hilfe einer gründlichen und strengen Überprüfung identifiziert werden. Da der Kapitalbedarf unter nationaler Aufsicht entstanden ist, sollte er auch auf nationaler Ebene bereinigt werden – von den jeweiligen Heimatländern der Banken. Alles andere ginge mit einem Transfer einher und sollte dann auch als solcher offengelegt werden. Es dürfe nicht zu einer heimlichen Vergemeinschaftung von Bilanzrisiken unter dem Deckmantel der Bankenunion kommen, so Weidmann.

Unterdessen drängt Griechenlands Finanzminister Stournaras darauf, die bereits für die Bankenrettungen des Landes bewilligten 50 Milliarden Euro aus dem „Rettungsfonds“ EFSF – wovon bisher bereits 39 Milliarden Euro abgerufen wurden, rückwirkend auf den ESM umzubuchen, berichtet das Handelsblatt.

Hintergrund ist, dass die Summe dem griechischen Staat zur Verfügung gestellt wurde und den Haushalt direkt belastet. Sollte der entsprechende Betrag rückwirkende auf den ESM „umgebucht“ werden, entlastete dies den griechischen Staatshaushalt und damit dessen Schuldenstand, würde im Gegenzug jedoch „europäisiert“ und dem Steuerzahler aufgebrummt. Deutschland haftet beim ESM (wie auch bei den „Rettungsfonds“ EFSF und EFSM) jeweils mit etwa 27 Prozent.

Auch Irland, das seit November 2010 mit bisher 67,5 Milliarden Euro aus dem „Rettungsfonds“ EFSF gestützt wird, möchte gern die Altlasten der Banken von etwa 30 Milliarden Euro rückwirkend auf den ESM abladen. Dadurch würden sich die Refinanzierungskosten des Landes auf dem Anleihemarkt enorm vergünstigen. Das Land möchte sich nach Auslaufen des „Rettungsschirms“ EFSF zum Jahresende wieder am internationalen Markt finanzieren.

Demnach erhebt sich die Frage ob nicht auch Spanien in den Genuss einer „rückwirkenden Umbuchung“ kommen möchte. Dem Land wurden im Juni vergangenen Jahres 100 Milliarden Euro zur Bankenrettung aus dem ESM zugesprochen, wovon aktuell 41,4 Milliarden Euro abgerufen sind. Diese Summe kam zwar direkt vom ESM, wurden jedoch dem spanischen Bankenrettungsfonds FROB zugeleitet, wofür (aktuell) der spanische Staat haftet. Im Grunde sind auch diese bisher abgerufenen 41,4 Milliarden Euro sozusagen als Altlasten der spanischen Banken zu verstehen.

Und auch Zypern, das zur Refinanzierung seiner Banken von den zugesagten 9 Milliarden Euro aus dem ESM bisher drei Milliarden Euro erhalten hat, dürfte nicht hinten anstehen wollen.

Die Frage der rückwirkenden Finanzierung der Altlasten der Banken in der Peripherie ist gesetzlich nicht geregelt. Die Statuten des ESM geben es schlicht nicht her.

Darauf reagierte am Montag auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Doch sein Dementi klingt, wenn man die Usancen der Euro-Rettung kennt, wie eine gefährliche Drohung. Schäuble sagte: „Die Chancen einer rückwirkenden Bankenrekapitalisierung sehe ich eigentlich nicht als gegeben.“ Ein solches Hilfsinstrument gebe es bisher auch nicht, berichtet Reuters.

Eigentlich nicht.

Denn bisher hatten die Finanzjongleure der Eurozone stets eine kreative juristische Lösung gefunden.

Vor allem werden mittlerweile im Monats-Takt alle Vereinbarungen und Gesetze gebrochen, die in der Euro-Zone eigentlich gelten sollten.

Eigentlich.

Der Bundestag hatte im Juni 2012 einer Kapitalisierung der Banken über den ESM zugestimmt. Verteilungen und Zuordnungen bestimmt ausschließlich der Gouverneursrat. Dieses Gremium ist niemandem verantwortlich, unterliegt keiner Jurisdiktion und ist an keinerlei Transparenz-Vorschriften gebunden.

Der deutsche Vertreter im ESM ist der Bundesfinanzminister. Ihm obliegt eine – wenn auch minimale – Berichtspflicht gegenüber dem Haushaltsausschuss. Er muss lediglich die Stellungnahme des Haushaltsausschusses mit einbeziehen.

Die Abgeordneten werden zum ESM gefragt, wenn eine Aufstockung der bisherig geregelten Haftungssumme Deutschlands von 190 Milliarden Euro ansteht.

Sonst nicht.

Artikel 25 des ESM-Vertrags verpflichtet Deutschland, im entsprechenden Fall die Kapitaleinzahlungen von Ländern zu übernehmen, die ihren Anteil nicht einzahlen können. Dieser Artikel geht möglicherweise im „Verlustfall“ dem Artikel 8 vor, der die deutsche Kapitaleinlage auf 190 Milliarden Euro beschränkt.

Sinn der Übung ist, dass die Kapitaleinzahlungen Deutschlands in den ESM nur bedingt den Maastricht-Schuldenstand erhöhen: „Kredite, die in der Zukunft vom ESM vergeben werden, haben keinen Einfluss auf die nationalen Schuldenstandsquoten der Geberländer“ lautet es im Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums.

Es handelt sich also um ein Beispiel von äußerst kreativer Buchführung: Die Schulden werden so lange hin- und hergebucht, bis sie am Ende bei denen landen, von denen man glaubt, dass sie sie am ehesten bezahlen können.

Das ist bei der Euro-Rettung immer der europäische Steuerzahler.

Der deutsche Steuerzahler ist stets mit 27 Prozent der Gesamtsumme dabei.

Kredite sind beim ESM und nicht bei den Mitgliedstaaten schuldenstandswirksam, da dieser von Eurostat als internationale Finanzinstitution eingeordnet wird, heißt es dazu aus dem Finanzministerium auf Rückfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Die von EFSF und ESM ausgereichten Garantien sind allgemein weder schuldenstands- noch defizitwirksam. Bei Abruf kann es allerdings zu defizit- und schuldenstandswirksamen Effekten kommen.

Dann ist der Bundeshaushalt gefragt, den eigentlich der Deutsche Bundestag als Königsrecht der Souveränität beschließen sollte.

Mit dem ESM haben sich die Euro-Retter also ein Vehikel geschaffen, dass es ihnen ermöglicht, Transaktionen so vorzunehmen, dass der Deutsche Bundestag nur Zuseher ist.

Die Bundestagsabgeordneten, die seinerzeit alternativlos und mit Begeisterung ihrer eigenen Entmachtung zugestimmt hatten, wollten eigentlich stets mitreden.

Eigentlich.

Kommentare

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  1. maus sagt:

    Es ist schon lange klar wer die Zeche für das Euro Desaster zahlt.Der Steuerzahler ! Es wird vertuscht ,schön geredet. Und Schwammige Aussagen erhalten wir seit der Euro Krise doch am laufenden Band ! Es wird was gesagt,und getan ,dann abgewartet und wenn kein großer Aufschrei kommt machen Sie weiter .schritt für schritt .Bis das Volk dahinter kommt ist es schon zu spät ,und das Desaster ist nicht mehr aufzuhalten !Ich bin mir sicher das das ein recht dickes Ende geben wird ! Wir brauchen Kompetente Politiker die nicht so Machtbesessen sind und nicht bezahlt werden von Banken ,und Industrie Konzerne ,welche die auch Weitblick besitzen und auch an Morgen denken ! Doch es ist nicht leicht die Nadel im Heuhaufen zu suchen ?

  2. berndm sagt:

    Professor Starbatty spricht auf einem Event der Alternative für Deutschland in Frankfurt

    Er redet Klartext und erklärt worum es der AfD geht und wie der Karren von den Blockparteien in den Dreck gefahren wurden.

    Ankucken und AfD wählen!!

    http://www.youtube.com/watch?v=qDLB3PDgGFQ

  3. Leopold sagt:

    Endlich ist die Katze aus dem Sack. Und die EZB wird zu dem Zweck genutzt zu dem sie von Brüssel geschaffen wurde. Nur hat uns das unsere Politik nicht erzählt, vielleicht auch gar nicht verstanden! Hoffentlich kann unser Verfassungsgericht noch die Notbremse ziehen. Und der deutsche Bürger sollte endlich bewusst dieses Parlament von Lügnern oder eben inkompetenten Parlamentariern abwählen!

  4. Peter G. sagt:

    Mal ehrlich, hat jemand etwas anderes erwartet? Es dreht sich doch alles nur noch darum, wie die Blockparteien das ihren Wählern so verkaufen können, dass die Empörung sich in Grenzen hält. Unterstützt werden sie dabei nach Kräften von den Systemmedien. Überlege sich jeder genau, was er wählt!

  5. wolfbier sagt:

    Dem EU-Schwachsinn teilweise zu entgehen, ist zumindest für Rentner leicht.
    Einige sitzen schon in Thailand. Für andere gibt es spottbillige Immobilien in Bulgarien und Rumänien nicht weit von den sonnigen Schwarzmeer-Stränden.
    Bulgaren, Rumänen, Sinti und Roma sind schon in Divisionsstärke nach Deutschland eingewandert.
    Der Rest kommt bald nach: Ab 2014 wenn die vollkommene Freizügigkeit herrscht und jeder Armuts-Einwanderer die gleichen Sozialbezüge wie der native Deutsche erhält.
    Das alles haben wir unseren Politnieten zu verdanken.
    Dank an Helmut den Großen und an sein Mädchen.

  6. Morgo sagt:

    Die Falle schnappt zu.Die Transferunion ist manifestiert,der Bundestag ist entmachtet-so habe ich mir Europa nicht vorgestellt.die Großbanken übernehmen die Macht und das Volk ist nur noch Zuschauer.

    • Andre T sagt:

      aber aber, die Franzosen haben aber genau diese Konstellation gewollt, und sie haben es auch noch gross angekuendigt.

      Was wohl mit (Le Figaro) „Versailles ohne Krieg“ gemeint war?

      Unsere Medien, die Politiker und die meisten Buerger selbst haben weggeschaut oder geschlafen

  7. Matthes sagt:

    Deutsche Steuerzahler sollen? Sie werden bezahlen! Mit Zustimmung des deutschen Parlaments. Denn alle haben diesen ESM abgesegnet. In dieser Nacht- und Nebel-Aktion. Und die wenigsten haben wahrscheinlich verstanden, was ihnen da Merkel aufs Auge gedrückt hat!