Forscher warnen vor Altersarmut und Überschuldung

Eine Studie des IMK kommt zu dem Schluss, dass die Einkommens-Unterschiede seit der Wiedervereinigung stark angestiegen sind. Die Zahl der Beschäftigten auf Teilzeitbasis oder in Zeitarbeit steigt seit 1991. Die Zahl der Mini-Jobber nahm rapide zu. Die Folgen sind Altersarmut und Überschuldung.

Die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich seit der Wiedervereinigung stark vergrößert. Zu diesem Schluss kommen die Autoren Kai Daniel Schmidt und Ulrike Stein vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in ihrer jüngsten Studie. Demnach stieg die Zahl der Teilzeitkräfte, Zeitarbeiter und Mini-Jobber kontinuierlich an. Das könnte katastrophale Folgen für die Gesellschaft haben: Die Forscher warnen eindringlich vor Altersarmut und Überschuldung.

Die Studie basiert auf der Auswertung von Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Das DIW befragt jährlich mehrere Tausend Haushalte in Deutschland nach ihrer Einkommenssituation. Zuletzt nahmen daran etwa 12.000 Haushalte teil. Die Autoren der Studie fokussieren sich in ihrer Analyse auf den Zeitraum von 1991 bis 2010. Sie versuchen dabei die treibenden Faktoren für die steigende Ungleichheit der Einkommen auszumachen.

Ihre Schlussfolgerung lautet, dass die Ungleichheit der Haushaltsnettoeinkommen in besagtem Zeitraum um 13 Prozent zugenommen hat. Als Gründe dafür führen die Autoren den Anstieg von Mini-Jobs, Teilzeit- und Zeitarbeit an. Die sogenannte „Flexibilisierung des Arbeitsmarktes“ in Form der Agenda 2010 hat diesen Trend noch einmal verschärft.

Zeitgleich sind die Kapitaleinkommen gestiegen. Davon wiederum profitierten nur Wohlhabende, die es sich leisten konnten in Finanzprodukte zu investieren. Einen weiteren Grund für die steigende Ungleichheit sehen die Autoren im Steuersystem. Die beschlossenen Steuersenkungen hätten vor allem höhere Einkommen und Vermögen entlastet. Während der Spitzensteuersatz im Zeitraum zwischen 1991 und 2010 um elf Prozent gesenkt wurde, wurde der niedrigste Steuersatz lediglich um fünf Prozentpunkte verringert. Darüber hinaus wurde die Vermögenssteuer im Jahr 1997 gänzlich abgeschafft und Kapitalgewinne immer geringer besteuert. Schließlich hat die Mehrwertsteuer-Erhöhung von 2007 einkommensschwache Haushalte deutlich stärker getroffen als Haushalte aus den höheren Einkommensschichten.

Auch die von der Bundesregierung viel beschworene Rekordbeschäftigung ändert nichts an der Lage der einkommensschwachen Haushalte. Denn die ist auf den Anstieg des Niedriglohnsektors zurückzuführen (mehr hier). Die Menschen sind zwar vermehrt in Lohn und Brot, arbeiten im Schnitt aber weniger Stunden als früher oder in kurzzeitig befristeten Arbeitsverhältnissen. Zudem verdienen sie schlechter als 1991. Die Reallöhne in Deutschland sinken seit 20 Jahren, während die stetige Inflation und die Währungsreform von 2001 das Einkommen der Haushalte spürbar schmälerten.

Die Rekord-Beschäftigung wurde also teuer erkauft.

Auf diesen Trend weisen Ökonomen seit geraumer Zeit hin, denn er birgt gesellschaftlichen Sprengstoff. Auch die Autoren der Studie verweisen auf die erhöhte Gefahr der Überschuldung von einkommensschwachen Haushalten. Dadurch seien sie im höheren Alter auf die Hilfe der Sozialsysteme angewiesen oder dem Risiko der Altersarmut ausgesetzt. Ob die Sozialsysteme diese Mehrbelastung jedoch verkraften, darf bezweifelt werden. Denn es müssen sich auch noch genügend gut bezahlte Arbeitnehmer finden, die die Sozialkassen füllen und die Steuerlast tragen.

Indes kann sich das obere Prozent der Bevölkerung zurücklehnen und das Geld für sich arbeiten lassen.

Doch Geld arbeitet nicht.

Jemand muss dafür arbeiten.

Und das ist vor allem die stetig schrumpfende Mittelschicht (hier). Sie muss die Transferleistungen an die zunehmend Armen leisten, die Steuerkassen des Staates füllen und die leistungslosen Zinszahlungen der Reichen bedienen. Dabei sieht sie sich mit steigenden Lebensmittel- und Energiepreisen und höheren Mieten konfrontiert. Noch trägt sie diese Entwicklungen, doch wie lange noch ist ungewiss.

Und so geht die Umverteilung von Fleißig nach Reich weiter, während immer mehr Menschen in Deutschland verarmen.

Kommentare

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  1. fan sagt:

    ………………….. „Forscher warnen vor Altersarmut und Überschuldung.“ ……………………

    Wie lange wollen die eigentlich noch warnen..!? Die warnen schon so lange, ähnlich wie die Stadtverwaltungen vor Straßen-Löchern: Ein Schild als vermeintlicher Problem-Löser warnt, aber die Löcher werden nicht zugemacht.

    So ist es auch mit der permanenten Armuts- und Schulden-Warnung: Die Warner sollten überall Warn-Schilder aufstellen, dann können die zukünftigen Löcher bleiben wie sie sind und noch werden.

    Ratlosigkeit und Nichtstun sind angesagt – das ist für mich die „Forscher-Qualität“, und nachgeplappert von den noch schlaueren Politikern..!

  2. eze sagt:

    Das ist so gewollt. Von der Finanzelite, zentriert in NY. Goldman Sachs, JPMorgan, Morgan Stanley, Rothschild, Rockefeller…sie wollen den EURO vernichten, Soros ist noch die populäre Altsenior-Maschine vorne dran mit abnehmender PS-Zahl altersbedingt. Die kleinen Leute sollen ausgehungert werden. Das gelingt zunehmend und die Leute in D sollten Gerhard Schröder hierfür anlaufen, bestürmen in Wut. Er war dreckiger Diener der Finanzelite, Hartz-VI zur Verarmung der Massen durchzudrücken, was sich darin zeigte, dass er mehrere Jahre nach seiner politischen Karriere für Rothschild arbeitete. Aber da verschmollen die Kleinen, die Armen lieber dahin als sich zur Wehr zu setzen. Dann geht es eben weiter mit dem Thatcherismus. Bis er garnicht mehr knallen kann.

  3. Regimekritiker sagt:

    Was soll denn immer der Unsinn mit der Altersarmut? Die Alten haben uns die Scheiße eingebrockt. Die greifen noch die dicken Renten- und Pensions-Bezüge ab und die nachfolgenden Generationen werden dafür abgezockt und immer drastischer im Hamsterrad herumgescheucht, müssen malochen bis zum Umfallen und dann womöglich noch zum Job Center gehen, um „aufzustocken“. Die kleinen Unternehmen können oft keine Löhne mehr zahlen, die Chefs müssen selber „aufstocken“ gehen beim Job Center und beschäftigen können sie nur noch Praktikanten, die nicht bezahlt werden.
    Dagegen gibt es die gewerkschaftlich organisierten Abzocker, denen die staatlichen Subventionstöpfe geöffnet werden und die sich daraus leistungslos vorzüglich bedienen können. Das ist die BRD! Die Transferleistungsbezieher im Staatsdienst und die Pensionsbezieher sind die Gewinner des Systems, die zocken nach Herzenslust das ab, was andere erarbeitet haben.

  4. cogo sagt:

    Ja das Problem bei der Sache ist, es ist wie bei einer Ratte, wenn du sie in die Ecke treibst, springt sie dir an die Gurgel.

  5. JUPPHIRSENKOETTER sagt:

    Wie sagte schon Bluem: „Diese, meine Renten sind sicher !“
    So sicher, sagte er wie : „Wenn ich zwei zwei Bratwuerste esse und der Malocher keine, dann essen wir beide sicherlich statistisch jeweils eine…!“
    ..Und von einer Bratwurst wird doch wohl jeder satt.

  6. Leopold sagt:

    „Forscher“ warnen? Sie sollten einmal die Augen aufmachen!
    Altersarmut und Überschuldung sind doch schon längst Realität in Deutschland. Da müssen sie sich nur in der Bevölkerung umschauen. Statt sich auf Aussagen der Politik zu verlassen. Was nutzt ein schöngerechnetes Einkommenswachstum, wenn Kosten für Miete, Energie, Gesundheit, Kommune usw. wesentlich stärker steigen als jedes Einkommenswachstum? Der Bürger kann sich jährlich weniger leisten. Und rutscht dank unserer Freunde aus Brüssel immer stärker in die Armut! Realität schlägt wieder einmal Forschergeist!

  7. Stefan G. Weinmann sagt:

    Video: Mission Russland – am 13. 9. Befreiung des Reichstages !? will Rüdiger Klasen, doch das gleiche wie wir ?…*denk* http://templerhofiben.blogspot.de/2013/09/art-146-gg-wahlen-untersagt-mission.html

  8. maus sagt:

    Die Politiker sind doch nur noch die Marionetten der Banken ,Industrie ,und dem Pleite Geier EU , Wir das Volk sind nur die Kühe die Sie melken ,und wenn es zum Desaster kommt dann werden wir das Volk geschlachtet ! Wenn die Löhne kaum noch fürs Leben reichen,es zu keinem Verhältnis mehr steht zu den Kosten stehen,dann kann man absehen das Altersarmut Vorprogrammiert ist ! Rechnet man mal wie viele heute schon Unterstützt werden vom Sozialamt und ich meine nicht nur Hartz4 Empfänger dann kann man sich Ausrechnen wie lange das noch gehen kann ?Die Politiker werden weiter kürzen und rum Schustern statt Gegenzulenken bis alles Zusammenfällt ! Weitsicht ist nicht gerade Ihre Stärke !