Ohne EEG-Reform verliert Deutschland den Mittelstand

Mittelständler fordern von der neuen Regierung eine andere Energiepolitik. Die hohen Energie-Kosten sind ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. Marktanteile gehen ins Ausland verloren.

Deutsche Dax-Unternehmen und Mittelständler fordern von der künftigen Regierung eine sofortige Umkehr in der Energiepolitik. Der ungebremste Ausbau der erneuerbaren Energien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefährde längst die Existenz einiger stromintensiver Unternehmen.

„Der Mittelstand, für den Energiekosten eine bedeutende Rolle spielt, wird noch länger den harten Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Ausland tragen müssen“, sagte Annette Loske, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Industriellen (VIK), den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Ob und wie lange die Unternehmen den Wettbewerbsnachteil noch stemmen können, sei sehr unterschiedlich, so Loske. „Wir sollten es hoffentlich nicht darauf ankommen lassen!“ Die neue Bundesregierung müsse das Thema als eine der ersten Aufgaben schnellstmöglich aufgreifen und effektive Veränderungsvorschläge machen.

Auch Karl Tack, Vorsitzender der Energiepolitischen Kommission der Familienunternehmer, kritisiert die festen Einspeisevergütungen für Strom aus Photovoltaikanlagen oder Windrädern. Das EEG sei reine Planwirtschaft, zitiert ihn die FAZ.

„Abnahmegarantie, 20 Jahre fixe Vergütung, null Risiko für die Investoren. Das wünschte ich mir mal als Unternehmer“, sagt Tack. Er fordert von der kommenden Bundesregierung einen „konsequenten Abbaupfad für die Subventionen“ und einen Systemwechsel zu mehr Marktwirtschaft auf der Erzeugerseite.

Auch die Großindustrie fordert eine Umkehr der neuen Regierung. „Die bereits höchsten Strompreise weiter zu erhöhen, würde zwangsläufig Arbeitsplatzabbau und Verlust an industrieller Wertschöpfung nach sich ziehen“, so der Vorstandsvorsitzende von Bayer, Marijn Dekkers.

BASF-Vorstandschef Kurt Bock warnte sogar, dass weiter steigende Energiepreise zu einer „schleichenden Deindustrialisierung“ Deutschlands führen könnten. Nötig seien „mehr Markt, mehr Wettbewerb für die Erneuerbaren, statt des ‚Rundum-Sorglos-Paketes‘ für die Investoren“. Beim größten Chemiekonzern der Welt sind die Energiekosten, einschließlich Öl und Gas, der größte Kostenfaktor.

Doch die Betreiber der mehr als 1,2 Millionen Photovoltaikanlagen und rund 23.000 Windkraftanlagen bilden in Deutschland heute eine mächtige Interessengruppe. Sie erhalten in diesem Jahr mehr als 20 Milliarden Euro an Subventionen, die von den privaten Stromverbrauchern bezahlt werden müssen. Und diese Kosten werden in den kommenden Jahren noch deutlich steigen, wenn sich an der EEG-Umlage nichts ändert.

Um die neue Regierung zu einer Abkehr von den EEG-Subventionen zu bewegen, bedarf es also einer mächtigen Gegenlobby. Der Vorstandsvorsitzende des börsennotierten Kupferproduzenten Aurubis, Peter Willbrandt, plädierte kürzlich bereits für die Schaffung eines Energieministeriums – „zumindest für die Dauer der schwierigen Phase der Energiewende“. Dieses neue Ministerium könnte dann als zentrale Anlaufstelle der Lobbyisten dienen.

Zwar sei ein Abwandern ins Ausland nicht für alle Mittelständler eine Option, sagt VIK-Hauptgeschäftsführerin Loske. „Aber Fakt ist: Der Mittelstand verliert Mittel, die in die Anlagen investiert werden könnten/müssten, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.“ So könnten Marktanteile von ausländischen Unternehmen aus Deutschland abgezogen werden. Denn diese arbeiten aufgrund der niedrigeren Energiekosten „rentabler und bald auch moderner“.

Kommentare

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  1. Stefan Wehmeier sagt:

    Energiewende oder Kapitalismus

    „Um den Zinsertrag der Produktionsmittel und sonstiger Wirtschaftsgüter auf üblicher Höhe zu erhalten, verhängt das Geld-Kapital je nach Bedarf akute (vorübergehende) Wirtschaftskrisen, indem es sich vom Angebot zurückzieht. Um diesen Gütern aber überhaupt erst Kapital-Eigenschaft verleihen zu können und die Vorbedingungen zu schaffen, auf Grund derer sie im Dienst des Geldes Zins erheben können, muss die Volkswirtschaft außerdem auch dauernd eingeschnürt und gehemmt, in einer chronischen (immerwährenden) Krise erhalten werden. Auf diese Weise erzwingt das Geld eine ständige Unterproduktion an Realkapital und verhindert dadurch, dass sich Angebot und Nachfrage jemals ausgleichen können. Wer will den Schaden berechnen, den der Volkswohlstand auf diese Weise seit Einführung des Geldwesens erlitten hat und noch erleidet? Viele Milliarden an Gütern werden alljährlich auf diese Weise am Entstehen gehindert.“

    Georg Blumenthal (aus „Die Befreiung von der Geld- und Zins-Herrschaft“, 1916)

    Diese auch als „Rentabilitätshürde des Urzinses“ bezeichnete und in der originalen Heiligen Schrift mit der Metapher „Berg“ umschriebene Ursache für die künstliche Knappheit des Sachkapitals verhindert, bis zur Überwindung des Kapitalismus (Erbsünde) durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform, z. B. die heute in der Bundesrepublik Deutschland gewünschte Energiewende. Die landschaftsverschandelnden Windräder ermöglichen eine etwas höhere Rendite für das Finanzkapital, als wenn dieses für wirklich umweltfreundliche Solarzellen oder gar – und eigentlich vernünftigerweise – für Solarzellen mit Akkumulatorpufferung eingesetzt würde. Die von der „hohen Politik“ mit geradezu blindwütigem und übereifrigem planwirtschaftlichem Aktionismus betriebene „Energiewende“ dient, solange unsere Volkswirtschaft noch kapitalistisch ist, nur dazu, unverhältnismäßig hohe Renditen an Sparer und Großsparer zu zahlen, die wiederum mit staatlichen Subventionen gefördert und somit von der Gesamtheit aller arbeitenden Menschen (Zinsverlierer) über zusätzliche Steuern (so genannte „Energieumlage“) aufgebracht werden müssen. Noch sinnloser und uneffektiver kann eine „Energiepolitik“ kaum noch sein. Im Unterschied dazu wird sich nach der Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) die nach heutigem Stand der Technik vernünftigste Energieversorgung (dezentrale Solarenergie mit Akkumulatorpufferung) durch Privatinitiative und ohne staatliche Zwangssubventionierung von allein durchsetzen.

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/08/naturliche-wirtschaftsordnung.html

  2. wohernehmen sagt:

    Es ist eigentlich erstaunlich: Es muss doch auch den Energieverantwortlichen von
    Kommunen, Ländern und Bund- langsam auch auffallen, dass sich u. a. primär aufgrund der Energiepolitik die Ausgaben für Strom in den mit mittelständischen Unternehmen durchaus vergleichbaren öffentlichen Einrichtungen die Stromkosten während der letzten 4 Jahre durchaus um etwa 40 % erhöht haben.
    Für eine größere Liegenschaft z. B., mit einem Stromverbrauch von ca. 5 Millionen Kilowattstunden bei einer elektrischen Leistung von ca. 1500 KW, steigen die an
    einen Stromversorger trotz Wechsel und Sondervertragskonditionen zu zahlenden Stromkosten damit bereits von 600.000,– EURO/Jahr auf aktuell etwa 850.000,– EURO/Jahr. Dies mit wenn es so weiter geht (u. a. mit dem EEE, Steigerungsrate 2009 – 2013 um etwa 310 %) stetig steigender Tendenz. Nun, woher das Geld nehmen (wenn nicht stehlen)?

  3. winter sagt:

    Nur Papperlapp, was hier geschrieben/kommentiert wird.

    BASF ist kein Mittelständler, sondern Gasimporteur und chemische Großundustrie.
    Industriearbeitsplätze haben bei uns in den letzten 20 Jahren zugenommen.

    Die Chemieindustrie soll sich doch an Ihre eigene Plastiknase fassen und endlich mal anfangen, eine ökologisch integrierte Industrie zu werden. Die an den Tag gelegte geistige Rückschrittlichkeit ist völlig daneben und sie sollte eibfach zur Kenntnis nehmen: die FDP ist aus dem Bundestag geflogen!

    Der überwiegende deutsche Mittelstand hat in der Regel keine energieintensive/-abhängige Produktion und lebt selbst von der technischen Innovation, hier ist ein grünes Image sehr willkommen.

    Eine umweltfreundliche Energieversorgung ist ein Muss für die Menschheit, da kommt man nicht dran vorbei.
    Beispiel Google: man baut sich hier selbst seine eigene grüne Stromerzeugung, wo ist hier die deutsche Chemieindustrie? Gaskraftwerke mit Erdgas von Wintershall!

    Wer Zukunft gestalten will, muss führen können. Das macht Deutschland im Sektor erneuerbare Energie.

    Wer zuviel Chemiedämpfe eingeatmet hat, sollte sich der drohenden Demenz bewußt sein…

  4. Ulli Schaller sagt:

    „BASF-Vorstandschef Kurt Bock warnte sogar, dass weiter steigende Energiepreise zu einer „schleichenden Deindustrialisierung“ Deutschlands führen könnten.“
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    Die schleichende Deindustrialisierung Deutschlands findet doch schon seit Jahrzehnten statt. Erstaunlich, dass das Herr Bock nicht mitbekommen hat.

  5. Hülsensack sagt:

    Ein weiterer Weg, den Endverbraucher nochmehr zu schröpfen, weil er die Mehrausgaben der Mittelständler mit den steigenden Endverbraucherpreisen ausgleichen muß. Aber beim malen des Kreuzes denkt man eben nicht soooweit.

  6. Cuibono sagt:

    Die Klimaerwärmung findet seit 10 Jahren nicht mehr statt. C02 ist Pflanzennahrung und kein Gift.
    Es gibt nichts saubereres als das relativ billige Erdgas, es zerfällt in Wasser und Co2.
    Man muß mit diesen unsinnigen Alternativenergien aufhören, sie sind die wahre Umweltverschmutzung, diese Windräder stören die Tiere und die Menschen massiv. Man soll diesen „Investoren“ in diese angeblich so umweltfreundliche Energie nichts mehr abkaufen (müssen).

    • Peter Peckert sagt:

      Und sich schön abhängig machen von den Gaslieferungen vom lupenreinen Demokraten Schröders? na da will ich Sie mal heulen hören, wenn Putin mal wieder ein „Pups“ quersteckt im Gedärm, und er uns die Polen-Gas-Leitung abdreht!

      • Andy sagt:

        Das ist billigste Hetze aus der Zeit des kalten Krieges. Nichteinmal die UdSSR hat jemals auch nur ein Jota an den Lieferverträgen nicht erfüllt. Putin wollte dieser Merkel sogar ein Gasverteilerzentrum am Ende der Ostseepipline (logischerweise an Polen vorbei und damit nicht von deren Launen abhängig) hinstellen, was die deutsche Position in europa gestärkt hätte. Aber die in Geopolitik völlig unbeleckte Frau hat es ausgeschlagen.
        Erdgas gibt es genug. Die Ami-Konzerne fackeln es allerdings lieber ab um es anderwo mit der chemischen Keule unter Zerstörung der Grundwasserhorizonte aus dem Boden zu prügeln, denn dafür gibt es dann noch Subventionen.

        Ach und übrigens: So demokratisch wie die DDR 2.0 ist Russland allemal. Die Wahlen dürften qualitativ zwar ähnlich gelagert sein, aber daß mal so eben 100 tsd Briefwahlstimmen abhanden kommen oder bei Auszählung von Wahlkreisen das Ergebnis plötzlich GANZ anders aussieht, als beim „offiziellen“ Endergebnis dürfte selbst in Putins Land eher die Ausnahme sein.

        In Russland kann man übrigens auf unabsehbare Zeit und unbeschränkt sowohl Glühbirnen als auch Mentholzigaretten kaufen; der Staat knöpft einem nicht die Hälfte des Einkommens ab, um damit u.a. eine sog. Energiewende autokratisch durchzusetzen, Windräder in vordem reizende Landschaften zu pflanzen oder anpassungsunwillige Zuwanderer zu alimentieren (in Russland ist der Begriff Ausländer positiv besetzt, weil man dort nur hineinlässt, wer seine Rechnungen bezahlen kann); das Regime presst einem ferner weder TV-Zwangsgebühren noch eine exorbitante Mineralölsteuer ab; niemand bekommt dortzulande vom Staat Geld dafür, dass er den Geschlechtsunterschied für ein soziales Konstrukt und Homosexuellen-Partnerschaften für normale Familien erklärt; Putin nimmt seine Landsleute auch nicht bis in die Enkelgeneration als Geiseln, indem er sie für politische Flausen in Gestalt von multilateralen Milliardenumschichtungs-Programmen zur Alimentierung fremder Volkswirtschaften finanziell haften lässt; man kann in Russland sowohl äußern, dass Stalin der größte Verbrecher als auch der größte Staatsmann aller Zeiten war, ohne dass sich Presse und Staatsanwaltschaft auf einen stürzen; wenn in Russland eine Gruppe Jugendlicher einem braven Bürger den Schädel eintritt, bekommen die Typen nicht Bewährung und einen Sozialhelfer, sondern landen, wo sie hingehören: im Straflager.

        Dort sitzen bekanntlich auch die Nuttchen von „Pussy riot“, was man für eine überzogene Strafe halten darf, aber die jahrelangen Haftstrafen für den Holocaust-Leugner Horst Mahler darf man auch für überzogen halten, und doch protestiert keiner, dass jemand für ein Gesinnungsdelikt härter belangt wird als die türkischen Totschläger vom Berliner Alexanderplatz zusammengenommen. Ferner darf man sich ausmalen, was passierte, wenn drei knalldeutsche Mädels in einer Moschee, einer Synagoge oder an der zentralen Kultstätte der bundesrepublikanischen Zivilreligion, dem Berliner Holocaust-Mahnmal, einen ähnlichen Hexensabbat veranstalteten, da dergleichen bekanntlich ja nur in christlichen Gotteshäusern unter Kunst- und Meinungsfreiheit fällt. Wobei in einer Moschee unsere muslimischen Mitbürger schon selber rasch für Ordnung sorgen würden.

        Das Russland-Bashing ist nicht nur dumm, es ist auch schädlich.
        Aber Merkmal der Dekadenz ist schließlich, daß man nicht mehr weiß, was seinem Volk nützt, ja sogar bevorzugt, was ihm schadet.
        Aber auch das hat Putin jüngst festgestellt. Ich denke der ist mehr Staatsmann, als ganze Horden bunderepublikanischer Dummbeutel im Bundestag jemals sein können.