Österreichs Mittelstand äußerst zurückhaltend bei Neueinstellungen

Die österreichischen Mittelständler betrachten die Wirtschaftslage mit Skepsis. Sie investieren derzeit kaum in neue Mitarbeiter. Zudem klagen sie über einen Mangel an Fachkräften.

Nur 16 Prozent der Mittelständler wollen im kommenden Halbjahr neue Jobs schaffen. Gleichzeitig planen 12 Prozent einen Abbau von Mitarbeitern, so eine Umfrage des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY. Insgesamt sollen damit zwar mehr neue Jobs entstehen, doch die Zunahme ist so niedrig wie seit Juli 2009 nicht mehr.

Innerhalb Österreichs zeichnet sich dabei ein leichtes West-Ost-Gefälle ab. Im optimistischsten Bundesland Vorarlberg planen 27 Prozent der Mittelständler, ihre Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Im Burgenland hingegen plant jedes fünfte Unternehmen einen Abbau von Mitarbeitern.

„Die Bereitschaft in neues, qualifiziertes Personal zu investieren, ist im Sinken begriffen. Währenddessen bleiben zahlreiche Stellen unbesetzt, weil die benötigten Fachkräfte am Markt fehlen – eine entscheidende Herausforderung für unsere mittelständischen Unternehmen“, sagt Helmut Maukner, Country Managing Partner bei EY.

Fast drei von vier Befragten geben an, es falle ihnen schwer, geeignete neue Mitarbeiter zu finden. In der Bau- und Energiebranche sagten sogar 80 Prozent der Unternehmen, es fehlten ihnen die Fachkräfte. Branchenübergreifend besteht vor allem im Vertrieb und Kundendienst ein erheblicher Mangel.

Schwer fällt die Personalsuche den Unternehmen auch im technischen Bereich, vor allem in der Produktion und in leitenden Positionen. Das zieht finanzielle Folgen nach sich. Mehr als die Hälfte der Mittelständler erwartet aufgrund des Fachkräftemangels künftig Umsatzeinbußen. Jeder neunte Befragte geht sogar von Einbußen von mehr als 5 Prozent des Umsatzes aus.

„Der Mittelstand hat das Problem des Fachkräftemangels zwar schon seit längerem erkannt und Lösungsansätze identifiziert, dennoch möchte der Großteil hier kaum Geld in die Hand nehmen. Nur jedes fünfte Unternehmen plant derzeit, in den kommenden drei Jahren mehr Finanzmittel für die Rekrutierung und Entwicklung von Mitarbeitern einzusetzen“, sagt Erich Lehner, verantwortlicher Partner für die Agenda Mittelstand bei EY.

Bei der Maßnahmensetzung gegen den Fachkräftemangel bevorzugen 53 Prozent der befragten Unternehmen Fortbildungsangebote zur Bindung bestehender Mitarbeiter. Im Vergleich dazu geben nur 42 Prozent an, dem Fachkräftemangel durch verstärkte Investitionen in neue Mitarbeiter zu begegnen.

Jeder fünfte Mittelständler sucht auch außerhalb Österreichs nach Mitarbeitern. „Insbesondere in den krisengebeutelten Ländern Südeuropas gibt es zahlreiche Fachkräfte, für die ein Job in Österreich in Frage kommt – hier können die Unternehmen noch deutlich aktiver werden. Auch im Inland gibt es noch Potenzial, zum Beispiel sind Mitarbeiter mit Kindern viel zu selten im Fokus der Unternehmen“, so Lehner.

Kommentare

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  1. maus sagt:

    Die Unternehmer wollen Fachkräfte haben ,aber nicht selbst Ausbilden !
    Die Betriebe fahren lieber mit weniger Personal,aber dafür mit einem Maximum an Leistung die die Arbeitnehmer erbringen müssen !
    Zeitarbeitfirmen stellen billiges Personal zur verfügung ! Alles soll so schnell und Kostengünstig bearbeitet werden .Umsatz und Gewinn ist das einzigste was zählt !
    Wo sind die Familienbetriebe die noch Ihre Mitarbeiter beim Namen kannten ? Heute haben (und sind ) Sie nur noch eine Nummer ! Eine Notwendigkeit für die Produktion !
    Ein Kostenfaktor in den Billanzen !
    Das der Arbeitnehmer es ist der den Umsatz erst möglich macht ,darüber denken Sie nicht nach.Geben und nehmen ist nicht mehr gefragt . Heute heißt es frieß oder stirb !

  2. Karunga sagt:

    Ausgemachter Blödsinn.
    Die Fachkräfte aus ganz Südeuropa und Frankreich wollen alle nach Österreich und Deutschland. Es fehlt denn mittelständischen Betrieben bestenfalls an Fachkräften die für den Lohn einer Putzfrau arbeiten gehen.
    Was les‘ ich da noch „…Produktion leichterer Positionen“?
    Ich, als Prüfer für elektrische Anlagen, wurde für die betreuung einer Lötmaschine abgelehnt. *ups* Überqualifiziert.

    In Österreich raunzen die Unternehmen pausenlos über Fachkräftemangel, denn dann bekommen sie staatliche Subventionen.

    Mir wurde ja von einer mystischen Vorzeit erzählt, als sich Unternehmen ihre Fachkräfte noch selber gemacht haben….

    • nome sagt:

      „In Österreich raunzen die Unternehmen pausenlos über Fachkräftemangel, denn dann bekommen sie staatliche Subventionen.“

      Was helfen staatliohe Subventionen, wenn die keine Projekteure haben?

      Sie haben wenig Ahnung von der Industrie und wütenden Kunden, wenn die Liefertermine nicht gehalten werden. Dann sind die Subventionen gut, um die Pönale davon zu bezahlen.

      „Was les’ ich da noch “…Produktion leichterer Positionen”?
      Ich, als Prüfer für elektrische Anlagen, wurde für die betreuung einer Lötmaschine abgelehnt. *ups* Überqualifiziert.“
      Natürlich sind Sie dafür überqualifiziert. Wenn Sie gern als Erntehelfer arbeiten, aber einen Doktor in Agrarwirtschaft haben, dann wird es auch schwierig einen Job zu finden. Muss man sich eben vorher überlegen, was man lernt und vor allem wo man sich bewirbt, die suchen einen zum Anlernen, denn mehr braucht es dafür nicht.