Ehemaliger EU-Kommissar: Euroraum braucht zweite Währung

Der ehemaliger EU-Kommissar Frits Bolkestein hält die Währungsunion für „gescheitert“. Die wirtschaftliche Schere in Europa ist zu weit geöffnet. Die Staaten der Euro-Zone sollten eine zweite Währung einführen. Nur so kann der vollständige Zerfall der gemeinsamen Währung verhindert werden.

Die Währungsunion sei gescheitert. „Der Euro ist eine Schlaftablette“ für Europa und die Schuldenländer hätten lange genug davon geträumt, sagte Ex-EU-Kommissar Frits Bolkestein aus den Niederlanden. Die Krisenländer machten sich mehr Gedanken um die Umverteilung von EU-Geldern als um die Förderung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit: Der Stabilitätspakt ist gescheitert. Die Transferunion längst Realität.

Für Bolkestein ist der Austritt der Pleiteländer aus der Währungsunion ein möglicher Ausweg aus dieser Umverteilung von immer wieder neuen Milliardenkrediten. „Derdeutsche Ökonom Hans-Werner Sinn hat vorgeschlagen, dass es Ländern mit unzureichender Wettbewerbsfähigkeit erlaubt sein sollte, geordnet die Währungsunion zu verlassen, um nach einer Abwertung und Strukturreformen erneut eine Mitgliedschaft in der Währungsunion beantragen zu können“.

Bolkestein hält das für eine „wunderbare“ Idee, zweifelt aber an der Realisierung dieses Vorhabens. Die Mitgliedstaaten hätten „nicht den Willen“ dazu, diese Bürde auf sich zu nehmen, sagte er in einem Beitrag der niederländischen Tageszeitung Volkskrant. Der Vorschlag Sinns geht ihm nicht weit genug. Für den ehemaligen EU-Kommissar und niederländischen Außenminister ist die Einführung einer Parallelwährung der bessere Weg aus der Eurokrise.

Mit einer eigenen Währung könnten die wirtschaftlich starken Nordstaaten dabei zusehen, wie die Krisenstaaten der europäischen Peripherie ihren „Südeuro“ abwerten, um dadurch Ungleichheiten im Währungsraum auszubalancieren.

Der Niederländer verweist darauf, dass Deutschland und Frankreich im Jahr 2003 zuerst den Stabilitätspakt gebrochen und mehr Schulden aufgenommen haben, als die von der EU in Maastricht festgelegte Obergrenze von drei Prozent dies erlaubt. Das Vertrauen in die Durchsetzungskraft europäischer Richtlinien hat dadurch einen Bruch davon getragen, von dem sich die EU nie erholt habe.

Die Währungsunion leide zudem unter einem „Geburtsfehler“, den auch Deutschland und Frankreich maßgeblich zu verantworten hätten, so Bolkestein. Man könne „nicht zwei Gruppen von Ländern mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Kulturen miteinander verbinden“. Die Schuldenexplosion in Italien und Griechenland sei absehbar gewesen.

Bolkestein sieht einen einzigen Ausweg aus dem Dilemma: Nur eine radikale Währungsreform kann den Euro retten. Dadurch allein kann die Stabilität der Eurozone wieder hergestellt und der Milliarden-Transfer gestoppt werden.

Frits Bolkestein, ehemaliger Handelsminister in den Niederlanden, war von 1999 bis 2004 EU-Kommissar und entwickelte den Entwurf der Europäischen Dienstleistungsrichtlinie (oder Bolkestein-Richtlinie), die vor allem den Abbau von bürokratischen Hindernissen, zwischenstaatlichen Hemmnissen und die Erbringung grenzüberschreitenden Dienstleistungen  zum Ziel hat.

Kommentare

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  1. Leroy sagt:

    Die EU ist eine politische und wirtschaftliche Macht gegen Giganten wie China, Indien , Russland und auch USA.
    Ein Land wie Deutschland, Frankreich oder England wäre in Zukunft gegen diese Multiländer wirtschaftlich bedeutungslos. Nur als Vereintes Europa sind wir ein starker Wirtschaftspartner mit einer starken EURO-Währung.

  2. EuroTanic sagt:

    Erst wenn das staatliche Geldmonopol abgeschafft wurde kann sich der Geldmarkt frei entfalten. Dann kann jeder Bürger selber entscheiden welche Währung er nutzen will, und welche nicht. Oder auch mehrere gleichzeitig. Solange Politik, oder einzelne Zentralbanken, oder auch Geschäftsbanken ein Monopol auf die Geldschöpfung haben wird sich in dieser Gesellschaft nichts ändern.

  3. maus sagt:

    Währungsunion ist gescheitert ! Was für eine Erkenntnis ? Das war von anfang an schon klar das es scheitern mußte ! Jetzt wird versucht das ganze sich zurecht zu basteln ,aber heraus kommt nur ein Flickwerk .Ein verzweifelter versuch das ganze zu halten . Doch viel zu sehr haben Unsere Politiker das Regieren schon an Brüssel abgegeben , Die Finnanzhaie hinter den Banken haben schon überall Ihre Strippenzieher auf wichtige Posten gesetzt .Und einmal auf dem EU Schachbrett in Position gesetzt , werden Sie Ihre Macht nicht einfach abgeben ,und weiter die Marionettenfäden nach Ihrem Willen bewegen ! Für Uns heißt es nur ,das ganze irgendwie zu Überstehen , und zu hoffen das wir nach dem Euro Desaster noch ein Hemd haben !

  4. de Rollinger sagt:

    der schwarze Filz (CDU) und die roten Socken (SPD) werden einen Teufel tun, dem Euro den Rücken zuzuwenden. Sie wollen die Südländer „knechten“. Mit unserer Stimmabgabe im September haben wir ihnen dies ja bestätigt!
    Der Weg ist frei zum Euro-Bürgerkrieg!

  5. Raus aus Deutschland sagt:

    Zitat: Bolkestein sieht einen einzigen Ausweg aus dem Dilemma: Nur eine radikale Währungsreform kann den Euro retten. Dadurch allein kann die Stabilität der Eurozone wieder hergestellt und der Milliarden-Transfer gestoppt werden.

    Aha, WIEDER SO EINER der sagt es gebe nur eine Lösung also ALTERNATIVLOS.

    Brauchen wir solche Leute???

    Währungsreform ja, dann jedes Land seine eigene Währung, Arbeitsplätze von China zurück nach Deutschland und hohe Schutz-Zölle. Beschränkung des Anteils von ausländischen Firmen an deutschen Firmen.

    Vertritt die Bundesregierung die „Deutschen Volks bzw. Staatsinteressen“?

    Die Realität ist leider so, das weiter gewurschtelt wird und es zu einem Chaos kommt woraus dann eine „Neue (Welt)-Ordnung hervor geht.

    WER da gewinnt ist noch nicht sicher!