USA: Schuldenstreit gefährdet weltweite Aktiemärkte

Einigen sich die Demokraten und Republikaner nicht auf die Anhebung der Schuldenobergrenze, kann dies weltweit zu Schwierigkeiten führen. Die US-Schulden betragen mehr als 16 Billionen Dollar. Etwa die Hälfte wird von ausländischen Regierungen und Zentralbanken gehalten. Diese wären von einer Pleite genauso betroffen wie die Finanzmärkte und Banken. Großinvestor Warren Buffett spricht von einer „nuklearen Bombe“.

Die Lehman-Pleite von 2007 wird gern als Beispiel dafür herangezogen, was passiert, wenn ein weltweit vernetzter Marktteilnehmer unkontrolliert Pleite geht. Lehman Brothers hatte einen Marktwert von 517 Milliarden Euro, als sich die USA entschieden, der Bank nicht zu helfen. Die weltweiten Folgen waren immens. Doch sollte man sich nicht auf die Anhebung der Schuldenobergrenze einigen, würde eine Pleite der USA noch viel verheerender sein.

Am 17. Oktober muss das US-Finanzministerium auslaufende kurzfristige Anleihen im Wert von 120 Milliarden Dollar refinanzieren. Zusätzlich dazu werden am 24. Oktober noch einmal Rechnungen in Höhe von 93 Milliarden Dollar fällig und außerdem müssen weitere 150 Milliarden Dollar bis Ende des Monats zurückgezahlt werden. Unabhängig von den laufenden Kosten für die Verwaltungen in den USA muss die US-Regierung in der Zeit vom 17. Oktober bis 7. November 417 Milliarden Euro bezahlen.

Die Schulden  der USA belaufen sich derzeit auf 16,5 Billionen US-Dollar – das ist über 30 Mal so viel wie der Marktwert, den Lehman kurz vor der Pleite erreicht hatte. Sollten die USA tatsächlich im Oktober pleitegehen, wäre das eine Katastrophe, warnte unlängst Lloyd C. Blankfein von Goldman Sachs. Großinvestor Warren Buffet sprach von einer möglichen nuklearen Bombe, die zu erwarten wäre. „Einfach zu furchtbar, um sie hochgehen zu lassen“, sagte er in einem Interview mit dem Magazin Fortune.

Viele Länder weltweit wären von einer derartigen Pleite direkt betroffen. Nicht zuletzt, weil in etwa die Hälfte der US-Schulden in Form von Staatsanleihen von ausländischen Regierungen, Zentralbanken und anderen ausländischen Investoren gehalten wird. „Ein Zahlungsausfall würde diese Bestände und den Dollar als Weltwährung massiv infrage stellen“, warnt Simon Johnson, der ehemalige Chefökonom des IWF. Allein China sitzt auf US-Schulden im Wert von 1,3 Billionen Dollar.

China sei „natürlich besorgt über die Entwicklungen im Haushaltsstreit“, sagte der chinesische Vize-Finanzminister, Zhu Guangyao, am Montag. Die USA sollten ernsthaft Schritte einleiten, um das Problem zu lösen. China und die USA seien untrennbar, zitiert die BBC Guangyao. „Wir hoffen, die USA verstehen wirklich die Dinge, die uns die Geschichte lehrt“, sagte er mit Bezug auf einen ähnlichen Stillstand 2011, der zum Downgrade der USA führte.

Doch nicht nur bezüglich der ausländischen Kreditgeber wie China stehen massive Probleme im Raum, sollte man sich nicht auf die Anhebung der Schuldenobergrenze einigen. In den fünf Monaten nach der Lehman-Pleite verlor der US-Aktienmarkt fast die Hälfte seines Wertes. International verloren die Aktienmärkte sogar sechs Billionen Dollar an Wert. „Aber Lehman war ein isoliertes Unternehmen und jetzt sprechen wir von der US-Regierung“, zitiert Bloomberg Tim Bitsberger, einen ehemaligen Beamten des Finanzministeriums zu Bushs Zeiten.

Nach Lehman pumpte die US-Regierung zudem etwa 300 Milliarden Dollar in die Banken und die Fed schwemmte das Finanzsystem mit 3 Billionen Dollar. Doch im Falle einer Pleite der USA hätte die Regierung theoretisch nicht einmal das Geld, um die Banken in Folge der Turbulenzen an den Finanzmärkten zu stützen.

Am Repomarkt beispielsweise sind die amerikanischen Staatsanleihen wichtig. Mindestens Anleihen im Wert von 2,8 Billionen Dollar sind hier der Fed zufolge als Sicherheit hinterlegt worden. Eine Pleite könnte den Markt vollständig zum Erliegen bringen.  Aktienmärkte weltweit sitzen Bloomberg zufolge auf einem fünf Milliarden Dollar Verleihsystem für Investoren, die sich auf Staatsanleihen stützen.

Kommentare

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Da gibt es nichts zu Beschönigen die USA sind faktisch Pleite. Die USA sind aktuell noch Liquide doch diese Liquidität basiert unübersehbar auf irrer Geldschöpfung.
    Die spannende Frage lautet, wann ist der Punkt erreicht an dem die Wirksamkeit der Liquidität,s – Zufuhr bei Null angelangt ist. Es gibt diesen Nullpunkt doch präzise Platzierbar ist er nicht, weder geographisch noch zeitlich.

  2. Miesmacher sagt:

    Der Fall von Lehman beweist, wir rücksichtslos die Bankster zu Werke gehen. Die Rückkopplungen auf den Weltmarkt wurden bewusst in Kauf genommen, um die Konkurrenz zu schädigen ( Westeuropa in erster Linie). Man hat Lehman kollabieren lassen und die anderen Finanzhaie der USA haben sich die Filets aus dem Lehman-Kadaver herausgeholt, alles zum Wohle des auserwählten Volkes! Der Kollaps der USA ist eine Frage der Zeit. Deshalb stehen die Zeichen auf Sturm! Die US-Eliten werden versuchen den richtigen Moment abzupassen, um einen Krieg zu inszenieren, der viel Gewinn ( in strategischer und wirtschaftlicher Hinsicht) verspricht, wenn man ihn globalisierten kann! ( Syrien war ein ernsthafter Versuch!) Daher heißt jetzt die Devise: Den Kollaps künstlich verschieben – durch weiterhin billiges Geld – , um den richtigen Zeitpunkt für den großen Knall bestimmen zu können!

  3. Brot sagt:

    Weltwaehrungsreform! Abschaffung des Zinssystems. Globaler Schuldenerlass. Bedingungsloses Grundeinkommen weltweit vom Säugling bis zum Greis. Kostenlose Bildung ebenfalls weltweit vom Säugling bis zum Greis. Gefängnis für die Leute, die sich auf Kosten anderer bereichern. Respekt und Gemeinschaft als neue Werte statt Egoismus und Ellenbogenmentalitaet. Dezentrale Energie in Buergerhand. Wasser und Boden gehören allen oder niemandem. Freie Forschung. Freie Energie. So wünsche ich mir die Zukunft ab 2014!

    • Cuibono sagt:

      Nicht Abschaffung von Zinsen, sondern Abschaffung von kreditgeborenem Geld!

      Das heisst: Richtig: Änderung der Quellstruktur. Einführung von staatlichem Vollgeld, das nicht kreditgeboren ist, zB der Staat luftschöpft das nötige Geld, finanziert damit gratis seine Staatsausgaben, bringt es also gegen Erbringung von Arbeitsleistungen, als Renten etc. und ohne Rückzahlverpflichtung (also nicht als Kredit) in die Volkswirtschaft ein, das Geld ist damit ein positiver Sachwert (und keine Schuld) und ist dauerhaft mengenstabil. Es kann gespart werden. Heute kann man nur Forderungen anhäufen. Zudem: Ende von Staatsverschuldung, Steuern können abgeschafft werden, Betriebe werden aus der Steuer- und Buchhaltungsversklavung befreit.

      Der Weiterverleih von (nicht kreditgeschöpften) Vollgeld gegen Zinsen, später, innerhalb der Volkswirtschaft, schadet nicht, wer fleissig ist, soll auch Zinsen für sein volles Geld kassieren. Durch diese Zinsen ändert sich die umlaufende Gesamtgeldmenge nicht.

      Die Befreiung der Völker aus diesen ständigen systemimmanenten Wirtschaftskrisen, samt wiederkehrenden RESETS und anschließender Neuaufschuldung ist also sehr simpel, doch man verhindert die öffentliche Wahrnehmung des Kernproblems und damit dessen Lösung durch ein kurzes Gesetz.

      • Brot sagt:

        Hey, das klingt gut. Werde mich mal näher mit dem Vollgeldsystem beschäftigen. Danke für die Info! 🙂

    • Friedel Stumpf sagt:

      Was wäre der Mensch ohne Träume?

    • Kollektiv sagt:

      Frieden ist nichts anderes, was sich der Mensch wünscht.Daher teile ich deine Ansicht.