Sinkende Kreditnachfrage: Mittelstand finanziert sich selbst

Mittelständische Betriebe reizen ihre Kreditlinien nicht mehr ganz aus. Sie halten das Geld zusammen und versuchen, Investitionen aus eigener Kraft zu bewältigen. Bei den Banken entsteht dadurch ein Konkurrenzkampf um die großen Mittelständler.

Das Kerngeschäft der Commerzbank, die Kreditvergabe an den deutschen Mittelstand, ist um mehr als ein Drittel eingebrochen. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres ist das Geschäft um 38 Prozent auf 542 Millionen Euro eingebrochen. Der Markt ist hart umkämpft. Wachstum gibt es nur noch, wenn eine Bank durch ein günstiges Kreditangebot eine andere verdrängt.

Grund dafür ist die Zurückhaltung der Firmen bei den Investitionen. Der verfügbare Kreditrahmen wird nicht mehr in Fülle in Anspruch genommen. Derzeit würden nur 55 Prozent genutzt – vor der Krise seien es 70 Prozent gewesen, sagte Markus Beumer der Börsen-Zeitung. Stattdessen wird versucht, Investitionen aus eigener Tasche zu finanzieren.

Für die Commerzbank bedeutet das einen Gewinnrückgang auf eine 1,13 Milliarden Euro (von vorher 1,65 Milliarden), berichtet Reuters. Schon im August musste die Bank ihre Rücklagen für faule Kredite erhöhen. Im Vergleich zum Vorjahr machte die Bank bislang 270 Millionen Euro weniger Gewinn.

Um die großen mittelständischen Betriebe ist ein Konkurrenzkampf zwischen den Kreditinstituten ausgebrochen. Die Landesbanken haben Offensiven im Mittelstandsgeschäft angekündigt und fordern die Commerzbank in diesem Segment heraus. „Denn was machen neue Wettbewerber? Sie kehren die Treppe von oben. Da ist wieder Druck auf die Marge zu spüren“, sagte Markus Beumer, Vorstandsmitglied der Commerzbank.

Große Firmen sind meist finanziell solide aufgestellt und nicht so sehr auf Kredite angewiesen, weswegen die Banken diese Kunden mit Sonderkonditionen locken müssen. Die kleinen und jungen Betriebe haben es bedeutend schwerer, an neues Geld zu günstigen Konditionen zu kommen. Denn sie müssen häufig ein größeres Risiko eingehen. Je höher das Risiko, desto teurer wird der Kredit. „Die Banken schauen ganz klar hin und achten noch viel stärker auf das Rating“, sagt Finanzexperte Björn Stübiger von der Beratungsfirma Rödl & Partner einem Bericht von Haufe zufolge.

Denn die neuen Kreditrichtlinien, die ab Januar 2014 gelten sollen, auch bekannt unter dem Namen Basel III, verlangen höhere Eigenkapitaldecken bei den Banken und strengere Auflagen für die Kreditvergabe. Schon jetzt versuchen die Banken, die Vorschriften von Basel III zu erfüllen und bauen Reserven für Krisenzeiten auf.

Die Auswirkungen von Basel III auf die kreditfinanzierte Wirtschaft sind noch nicht abzusehen. Einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zufolge sehen zwar nur 14 Prozent der Unternehmen in der Finanzierung ein Risiko für ihre Geschäftstätigkeit. Da sich die Banken auf Kosten der kleinen Betriebe sanieren, könnten sich die Bedingungen für Mittelständler verschlechtern.

Große Investitionen aus eigener Tasche zu finanzieren, kann zu finanziellen Engpässen führen. Stübinger rät Firmen, ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen, langfristig zu planen und auf die Banken zuzugehen. „Sie müssen sich also überlegen, wo will ich in fünf Jahren sein, abgestimmt auf Wachstum, Finanzbedarf und Verschuldung. Das wird oft nicht gemacht“, sagte Stübiger.

Von Alternativen zum Bankkredit rät der Commerzbanker ab. Bei Schuldscheinanleihen privater Anleger, Anleihen oder um Kapital von Beteiligungsgesellschaften zu erhalten, müssten Firmen einen hohen Aufwand auf sich nehmen, und „billiger sind solche Modelle nicht“. Für kleine Betriebe kämen solche Modelle kaum in Frage.

Dem Kreditmarktausblicke der KfW zufolge ist die Kreditnachfrage beim deutschen Mittelstand im dritten Quartal um 4,7 Prozent gesunken. Für den weiteren Jahresverlauf rechnet die Bank damit, dass der Abwärtstrend anhält. Erst wenn die Rezession in Europa überwunden ist und die Zentralbank im Begriff ist, die Zinsen anzuheben, könnten Firmen ihre geplanten Kreditaufnahmen vorziehen, um sich die niedrigen Zinsen zu sichern.

Kommentare

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  1. Livia sagt:

    Das ist vollkommen richtig, wenn ein Jeder erst spart und dann anschafft! Dann ist nicht nur die Investition billiger – denn man spart sich ja die Zinsen! – sondern man ist auch solider aufgestellt, wenn man keine Schulden hat.

    Keine Schulden macht unabhängiger und damit freier!

    Und wenn „Geldinstitute“ nicht gebraucht werden, verlieren sie auch ihre Macht!!!

    Weiter so!
    Und wir sollten – wieder – dahin kommen, daß Otto Normalverbraucher mit Lohntüte und ohne Konto – ohne Nachteile – auskommt! Dann haben Banken keine Macht über die Bürger und der Bürger kein Interesse an ihnen! Dann können sie viel leichter abgewickelt werden!!!

  2. maus sagt:

    Wenn man die Praktiken der Banken anschaut ,und die Skandale über die Banken zusammenfasst ,ist es nicht sehr verwunderlich ! Da ist Vorsicht schon Angebracht !