Schuldenstreit: China verlangt Bewegung von den USA

Der chinesische Premier Li Keqiang hat den Amerikanern die gelbe Karte gezeigt: Die Amerikaner müssen ihre Schulden an China pünktlich bezahlen. Das ist eine diplomatische Ohrfeige für Barack Obama, der plötzlich so klein erscheint wie die griechischen Kaninchen vor der Schlange der Finanz-Eliten. Die großen Schlachten werden symbolisch geschlagen. Der Gesichtsverlust für die USA ist die Höchststrafe, die China zu vergeben hat.

Der chinesische Premier Li Keqiang hat sich am Donnerstag mit einer deutlichen Botschaft an US-Außenminister John Kerry gewandt: Li sagte, dass „China dem Thema der amerikanischen Schulden-Obergrenze große Aufmerksamkeit“ widme. Die Aussagen wurden auf der Regierungswebsite veröffentlicht.

Diese Wortmeldung, so kurz sie sein mag, wirft ein Schlagschlicht auf die Verhältnisse der Weltmächte: Die Amerikaner haben sich massiv verschuldet – und müssen nun nach der Pfeife der Chinesen tanzen. China hat etwa 60 Prozent seiner ausländischen Investments in US-Assets gesteckt. Für Peking stehen also 2 Billionen US-Dollar auf dem Spiel.

Schon zu Beginn der Woche hatte der chinesische Vize-Finanzminister Zhu Guangyao die Amerikaner aufgefordert, „die Sicherheit der chinesischen Investments zu gewährleisten“. Für den Fall, dass die USA die Schuldenobergrenze nicht erhöhen können, müssten die Amerikaner zuerst ihren Schuldendienst an den Inhabern von Staatsanleihen leisten, sagte Zhu.

Tatsächlich ist das Risiko einer technischen Pleite gering – wie Goldman Sachs ermittelt hat: Diese würde sich an den Kreditversicherungen (CDS) orientieren, welche mit insgesamt 23 Milliarden Dollar zu Buche stehen. Davon sind 3,3 Milliarden Dollar mit einer Fälligkeit bis Ende September ausgeschrieben. Diesen „Kredit-Event“ würde die ISDA ausrufen, die internationale Sammelstelle für Kreditversicherungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht, ist gering, erklärt Goldman auf Business Insider.

Tatsächlich erinnert der Vorgang an Griechenland: Auch die Griechen stecken in der Schuldenfalle –  nicht, weil die Bürger in Saus und Braus leben, sondern weil der hochverschuldete Staat seine Schulden nicht bedienen kann.

Bereits in Griechenland war zu sehen, warum die eigentlich überfällige Staatspleite nicht erfolgte: Die Banken mussten sicherstellen, dass das Geld, das sie in ihren Bilanzen in Form von Schuldscheinen stehen haben, irgendwie über das Schneeballsystem des globalen Finanzsystems aufgebracht wurde. So hat sich die groteske Situation ergeben, dass Griechenland in einem Fort Geld von der EU bekommt – nicht, um den Euro zu retten, sondern um den Banken und dem Staat den Schuldendienst mit europäischen Steuergeldern zu finanzieren. Das Geld geht dann, wie bei jedem guten Schneeballsystem, wieder in die Taschen derjenigen, die es eigentlich gegeben haben: Im Falle Griechenlands ist das die EZB. Die Zinslast führt jedoch dazu, dass die Schulden immer höher werden.

Das nennt man Drogenabhängigkeit im Weltfinanzsystem.

Auch im Fall der US-Pleite ist längst derselbe Prozess im Gang wie in Europa: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) kauft wie verrückt US-Staatsanleihen. Damit zieht die Fed das Geld aus den Märkten und zwingt die US-Steuerzahler dazu, die Haftung für die US-Schuldenpolitik zu übernehmen. Genau dasselbe ist in Griechenland passiert: Die Banken haben durch Schuldenschnitt und rechtzeitigem Abzug all ihre Schrottpapiere auf die europäischen Steuerzahler übergewälzt.

Und die zahlen nun auf Jahrzehnte hinaus.

Genauso werden die amerikanischen Steuerzahler zahlen.

Die Ohrfeige der Chinesen für Obama entspricht ebenfalls dem griechischen Modell: Regierungschefs aus Athen werden in Brüssel behandelt wie schlechte Schuldner eben behandelt werden: Man bringt sie nicht um, weil man sie noch braucht – schließlich schadet der Totalausfall dem Gläubiger genauso wie dem Schuldner. Doch man demütigt sie, etwa, indem man ihnen jeden Monat die Troika vorbeischickt.

Eine Troika wird bei Präsident Obama nicht auftauchen.

Der Ordnungsruf aus Peking, der früher als „Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ ganz und gar undenkbar gewesen wäre, ist eine härtere Maßnahme als ein paar Bürokraten zum Geldeintreiben.

Er macht den Gesichtsverlust deutlich.

Das ist in Asien die Höchststrafe.

Die großen Schlachten verliert man nicht bei einem Waffengang, sondern in Symbolhandlungen, die klar machen, wer oben und wer unten ist.

Die USA haben mit dem hemmungslosen Schuldenwahn ihren Nimbus verloren.

Amerika – eine Weltmacht zeigt Schwäche.

Kommentare

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  1. maus sagt:

    China hat den Zustand ,und die Zusammenhänge der EU erkannt ,und auch gut beschrieben ! Doch China tut nichts ohne eine wirklich hohe Gegenleistung zu fordern ! Sie richten Ihr ganzes Interesse stehts nach Ihrem eigenen Vorteil aus !
    Billigimporte von China Überschwemmen unser Land .z.B. Kinderspielzeug das mit Bleihaltigen Farben lackiert ist ,oder Brandgefährliche Teddybären ,oder Lichterketten die man ohne rauchmelder besser nicht kauft . Die reichen Chinesen kaufen Ihre Waren am liebsten aus Europa,USA,und Kanada !
    Und können seltsamer weise schlecht hören wenn es um Menschenrechte geht ! Als A.Merkel mal mit einem Chinesischen Politiker sprach und auf Menschenrechte Ihn ansprach ,da tat es anscheinend der Übersetzer nicht ,das gleich mehrmals hintereinander,jedoch bei anderen Themen funktionierte der Übersetzer einwandfrei !
    In China gibt es Überwachung ,Zensur,und Menschenrechts Verletzungen jeden Tag ! Die hohen Politiker haben selbst sehr hohe Vermögenswerte die Sie nicht Preisgeben wollen ! Das einfache Volk lebt in bitterste Armut .Und die wenigen Skandale die mal an die öffentlichkeit kommen.Z.B. Die gezwungende Abteibung einer Frau die schon im sechsten Monat schwanger war ,zeigt nur wie wenig dord ein Menschenleben wert ist ! Viele Menschen landen in Gefängnisse nur weil Sie das recht auf Meinungsfreiheit haben wollen ! So ein Land mit so einer Politik ist nicht Vertrauenswürdig ! Und die Sache mit der Rüge an die USA ,kann ich nur sagen ; Ein Elefant im Glashaus sollte nicht mit Steinen werfen !

  2. das System ist down! sagt:

    Mal ehrlich, wer Kredite verteilt und für 1 Billion Dollar US Schrott -Staatsanleihen kauft, ist selber schuld. Die Chinesen können ruffeln wie sie wollen, aber es steht fest- geht die USA den Bach runter dann gehen die Chinesen auch gleich mit.

    Nur um das klar zu stellen, ich verteidige Grins-Obama nicht, ich bin auf der Trucker-Seite.

    • Niemand sagt:

      Dir ist ja auch hoffentlich im klaren, dass das Geld-Finanzsystem unmittelbar miteinander vernetz ist. Sollte das Problem der gescheiterten Haushaltskonsolidierung, aus der Sicht der vereinigten Staaten, nicht in den Griff zu bekommen, dann wird sich das Problem auch auf Europa abwälzen. Zu mal die chinesische Regierung, ohne hin Millarden-Billionen Summe, für den Euro ausgegeben haben.

      Viele haben leider nicht die politische und wirtschaftliche Zusammenhänge erkannt(verstanden), da die meisten nicht mal realisiert haben, daß wir in einer globalisierten Welt leben.

      • "Globalisierung" sagt:

        Das ist einfach ein Pokerspiel und G20 Pokerspieler haben dieses System erschaffen. Am Ende gibt es nur ein Gewinner und das ist die Bank.
        Ja, wir sind auch vernetzt um uns gegenseitig auszuspionieren, in die Karten anderen zu schauen. Ist dieses System gesund? Ich sage Nein, weg damit!