Twitter: Goldman Sachs organisiert Börsengang

Twitter hat Goldman Sachs zum Konsortialführer für den Börsengang gemacht. Die Firma hat kein Geschäftsmodell, Goldman schon. In den kommenden Wochen wird Twitter gehypt werden - und es werden sich genügend Leute finden, die die Aktie zeichnen.

Die Twitter-Gründer wollen an der Börse Kasse machen. Das sind gute Nachrichten – für die Gründer und für Goldman Sachs. Twitter hat Goldman zum Konsortialführer für den Börsengang bestellt. Die Bank wird zusammen mit anderen Geldinstituten die erste Phase des Börsengangs durchführen.

Twitter soll den Banken 3,25 Prozent für ihre Dienste zahlen, berichtet Bloomberg mit Verweis auf Twitter-Kreise. Morgan Stanley, JP Morgan, die Deutsche Bank und noch zwei weitere Banken sind mit dem Börsengang beauftragt worden.

Den Kreisen zufolge will Twitter mit dem Börsengang etwa eine Milliarde Dollar in die eigenen Kassen spülen. Die erste so genannte Road Show soll Ende Oktober stattfinden. Zwar favorisiere das Unternehmen die Notierung an der New York Stock Exchange – Verhandlungen mit Nasdaq laufen jedoch noch.

Facebook hatte den Banken bei seinem Börsengang 2012 Gebühren in Höhe von 1,1 Prozent gezahlt. Allerdings war die IPO, die Initial Public Offering (Börseneinführung), Facebooks mit einem Volumen von 16 Milliarden Dollar auch deutlich größer als die von Twitter.

Der Börsengang von Facebook geriet zum Fiasko. Die Börse stürzte kurz ab, viele Anleger konnten ihre Orders nicht abgegeben, das Unternehmen hat den Kunden stets nur die halbe Wahrheit erzählt.

Auch bei Twitter fehlt bisher ein Geschäftsmodell: Niemand weiß, wie das UnternehmenGeld verdienen soll. Interessant könnte der Daten-Handel sein, auch die Zusammenarbeit mit Regierungs-Behörden dürfte sich als lukrativ herausstellen.

Damit der Börsengang erfolgreich ist, muss nun natürlich ein entsprechender Hype gestartet werden.

Der Gründer und Investor Mark Cuban hat 2004 einmal sehr ausführlich erklärt, wie ein Börsengang wirklich abläuft.

Cuban hat zwei Firmen – MicroSolutions und Broadcast.com – gegründet und groß gemacht. Nachdem er MicroSolutions verkauft hatte, brachte er Broadcast.com an die Börse. Der Kurs stieg von einem Dollar am ersten Handelstag auf über 60 Dollar am Ende des Tages.

Cuban erklärt, wie das abgelaufen ist: Die Börse, so schreibt er, ist nichts anderes als ein gigantisches Schneeball-System. Der Wert von Aktien richtet sich nicht nach dem tatsächlichen Wert des Unternehmens, sondern ist eine Marketing-Nummer: Leute, die verkaufen wollen, suchen Leute, die kaufen wollen. Zu diesem Zweck erzählen die Verkäufer den Käufern die schönsten Märchen. Entscheidend ist, dass sich möglichst viele um eine Aktie reißen.

Begeisterung für eine Aktie entsteht nicht, weil das Unternehmen gut ist. Begeisterung entsteht, weil andere sagen, dass eine Aktie ein „heißer Tipp“ ist. Mit der Wirklichkeit hat das alles nichts zu tun. Es geht um Marketing.

Cuban berichtet von der Road-Show für Broadcast.com. Das ist die Phase vor einer Börseneinführung. Dabei stellen die Manager des Unternehmens die Firma potentiellen Investoren vor. Mit Hilfe von Investment-Banken üben die Gründer, was sie sagen dürfen und was nicht. Es gibt nur ein Ziel: Möglichst viele Investoren sollen zum Kauf gebracht werden.

Cuban sagt, er sei vor allem davon erschüttert, dass unter den hunderten Investoren nicht einmal eine Handvoll vernünftiger Fragen zu dem Unternehmen gestellt wurden. Schlimmer noch: Die Investoren wollten gar nicht wissen, worum es bei dem Unternehmen geht. Sie wollten kaufen, weil das Marketing sie eingelullt hatte.

In den USA sind sogar schon die Politiker trunken von Twitter und betreiben schamlos Schleichwerbung für ein kommerzielles Unternehmen mit Steuergeldern: So fand sich sogar bei der Präsentation der Republikaner unter dem Rednerpult von Sprecher Boehner ein Schild mit der Aufschrift “#time4action”.

Die Raute (Hashtag) ist das Symbol von Twitter.

In den kommenden Wochen wird es auch das Symbol für Goldman sein.

#andthewinneris…

Das große Fressen kann beginnen.

Die Haie wittern Futter.

Kommentare

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  1. DirtyDickDaddy sagt:

    Damit hat sich Twitter dann wohl von selbst erledigt. Twitter war ein „phänomenales“ Network, das ist mit einem Börsengang dann endgültig vorbei. Wieder eine gute Sache, die man dem Mammon opfert. Egal, was soll’s?!

    Twitter hatte schon durch die Ab- und Zuwanderung der Facebook-User erheblich an Niveau eingebüßt und ist schon lange zur inhaltsleeren Trottel-Plattform verkommen, auf der die Leute gegenseitig ihre Dummheit beklatschen. Was will man auch erwarten, in einer sinnentleerten Gesellschaft ohne Vision in Ziel?!

    Ich rate zur Flucht in Richtung „Diaspora“, dort findet man sich auch schnell zurecht. #Protipp

  2. maus sagt:

    Es scheint so ,das wenn Profit gerochen wird ,der Verstand nicht mehr so gut funktioniert ? ! Goldman sachs ist eine sehr Umstrittende Bank ,den blick stehts auf das eigende Wohl gerichtet ! z.B.
    http://www.Focusonline.de / Arme kleine Darlehensnehmer

  3. Hans von Atzigen sagt:

    Leider, die Börsen sind längst zu Zocker- Buden verkommen. Aktien sind Wechsel für die KEINER geradestehen muss. Der Ausgeber einer Aktie macht Kasse auf ,,Sicher,, das Risiko übernimmt der Anleger = Sozialisierung des Risikos. Zwar hat sich ein Grossteil der Kleinanleger aus der direkten Zocke verabschiedet. Indirekt jedoch stecken immer noch Alle mit im Boot. Die Zahl der Zocker hat sich einfach verkleinert, die,, Werte,, Konzentrieren sich auf weniger Spieler, ohne jegliche Haftungsverpflichtung und das ist das Entscheidende, es gibt keine Substanz die, eine Haftungsverpflichtung absichern kann oder könnte. Letztlich entscheidet das Realwirtschaftsergebnis über unser Wohl und Weh. Geld ,Geld-,,Werte,, sind lediglich ,,Werte,, deren Wert sich aus dem Realwirtschaftsergebnis ergibt. Der Markt ist lediglich das Instrument das den Realwert herausfiltert. Seit satten 20 Jahren wird der Markt über diverse Geldschöpfungsmechanismen ausgehebelt = massiv und Flächendeckend Global Manipuliert. Das ganze gebaren ist nur sehr Bedingt böswillig. Vorrangig wirkt hier Innkompetenz, Dummheit bis hin zu schierer Blödheit bei den wichtigsten System- Schraubern.

  4. Rübig Martin sagt:

    Getreu dem Motto:
    „Gier frißt Hirn und den letzten beißen bekanntlich die Hunde“.
    Das große Geld verdienen die Konsortialbanken und institutionellen Anleger. Die Zeche bezahlt dann der gutgläubige Kleinanleger, der das Ende des Hypes nicht mitbekommen hat.
    Bleibt zu hoffen, dass wirklich nur Anleger die Aktie zeichnen, die sich auch des Risikos vollends bewusst sind und nicht nach einer möglichen Enttäuschung ihre Bank dafür verantwortlich machen wollen.