ZEW-Konjunkturindex steigt: Stimmung im Mittelstand verhalten

Gemischte Signale: Der Ausblick für die deutsche Wirtschaft ist positiv. Unternehmer merken davon derzeit noch nichts. Sie halten Investitionen entweder zurück oder scheuen die Aufnahme eines neuen Kredites.

Das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) hat aktuelle Zahlen für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft bekannt gegeben. Demnach erhöhte sich der Konjunkturindex, der die Erwartungen an die Wirtschaft widerspiegelt, um 3,2 Punkte. Mit einem Gesamtwert von 52,8 Punkten liegt der Index deutlich über der Wachstumsgrenze von 50 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit April 2010.

„Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar“, sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest in einer Mitteilung des ZEW.

Die aktuelle wirtschaftliche Situation in Deutschland hat sich hingegen etwas verschlechtert. Der entsprechende Indikator sank um 0,9 Punkte auf 29,7 Punkte.

Die Konjunkturerwartungen für die gesamte Eurozone sind leicht gestiegen. Der entsprechende Indikator für Oktober ist um 0,5 Punkte höher als im Vormonat und steht bei 59,1 Punkten.

Der Wert für die aktuelle Konjunkturlage der Eurozone hatte sich dagegen im September um 1,2 Punkte auf einen Stand von 60,9 Punkten verschlechtert. Das ist überraschend, denn die Industrieproduktion ist noch im August um 1,0 Prozent gestiegen, wie Eurostat mitteilte. Dies war der stärkste Anstieg seit Juli 2011. Den stärksten Anstieg vermeldeten Portugal (8,2%), die Niederlande (2,4%) und Deutschland (1,8%).

Den Daten des ZEW stehen andere Prognosen führender Forschungsinstitute gegenüber, die die Entwicklung deutlich pessimistischer einschätzen. Experten senkten ihre Prognose für 2014 auf 1,8 Prozent, wie die Nachrichtenagentur Reuters am vergangenen Mittwoch von einem Regierungsvertreter erfuhr.

Für 2014 hatten das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo), das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) aus Essen, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sowie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im April noch ein Plus von 1,9 Prozent in Aussicht gestellt. Für das laufende Jahr werden statt 0,8 nur noch 0,4 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet.

Die Daten der Institute gelten als Grundlage für die Wirtschaftsprognose der Bundesregierung und als Basis für die öffentlichen Haushalte. In der kommenden Woche wird das Wirtschaftsministerium seine Zahlen aktualisieren. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet für das laufende Jahr einen Anstieg des BIPs von 0,5 Prozent und für 2014 ein Plus von 1,6 Prozent.

Nach einer stagnierenden Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres hat die deutsche Konjunktur im zweiten Quartal mit einem Wachstum von 0,7 Prozent deutlich zugelegt. „Das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft innerhalb der nächsten drei Monate in eine Rezession gerät, ist weiterhin gering“, heißt es nach Berechnungen des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts.

Für das laufende Jahr sagen Statistiker neue Höchstwerte für die Einnahmen der Kommunen aus der Gewerbesteuer voraus. Bereits im vergangenen Jahr wurde dank der konjunkturellen Entwicklung mit Einnahmen von 42,3 Milliarden Euro der Rekord gebrochen. Bis Juni 2013 stieg das Aufkommen aus der wichtigsten kommunalen Steuer um gut 5 Prozent auf rund 22 Milliarden Euro, wie das Bundesamt für Statistik (Destatis) mitteilte.

Kommentare

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  1. Zietlow sagt:

    Da ich kein Wirtschaftsexperte bin, maße ich mir auch nur eine Vermutung an, die da lautet: Werden die Einnahmen der Gemeinden durch die tatsächlich hohe Inflationsrate nicht zwangsläufig steigen? Es ist derzeit sehr viel Geld unterwegs. Soweit ich weiß, hat sich die Geldmenge der EZB in den vergangenen 10 bis 12 Jahren rund verdreifacht. Vermutlich wird sich die Geldmenge in die folgenden zehn Jahren wieder verdreifachen oder exponentiell eher wohl verfünf- oder versechsfachen. Davon profitiert die Börse, wohl aber auch die Gemeinden, denke ich.

    Wenn demnach von Mehreinnahmen gesprochen wird, so sind diese Zahlen noch nicht um entscheidende Faktoren bereinigt. Hätten die Gemeinden nicht mehr Geld eingenommen (was außerdem nur durchschnittlich gilt), so hätten sie defacto demnach sogar Finanzkraft verloren. So, wie der deutsche Mittelstad. Nach einer Bertelsmann-Studie haben in den vergangenen Jahren 5,5 Millionen Deutsche ihren Platz im Mittelstand verloren und zählen nunmehr zu den Geringverdienern. Weitere Millionen von Menschen, die bereits Geringverdiener waren, können nun von ihrer Hände Arbeit nicht mehr leben und benötigen staatliche Zuwendungen.

    Es ist schon richtig, statt Frust, gute Laune zu verbreiten. Die Koalition aus Verbänden, Organisationen, Wirtschaftsinstituten und politischen Führern ist wohl hilfreich. Wir müssen uns unbedingt immer wieder klar machen: Es geht uns gut, es wird schon, keine Panik, wir schaffen das. Nur gilt das für immer weniger Menschen in Deutschland, auch wenn es den derzeit noch profitierenden Teil und die sog. Märkte beruhigt.

    Solange diese Koalition aus guter Laune mit ihren Botschaften nicht ins Surreale driftet, was gelegentlich sehr den Eindruck erweckt, je kritischer die Lage ist, helfen gute Nachrichten zunächst der Wirtschaft. Doch je größer die Blase wird, desto lauter der Knall, wenn sie platzt und um so heftiger die Druckwelle. Und irgendwie dämmert wohl jedem, dass das dicke Ende noch bevorsteht, denn derzeit müssen wir europäisch denken, womit die Lage eine grundsätzlich andere ist, als nur auf Deutschland fokussiert.

  2. Stefan Wehmeier sagt:

    Die relative Ruhe vor dem Sturm (d. h., dem endgültigen Zusammenbruch der Weltwirtschaft) in der Bundesrepublik Deutschland hat allein die Zinsumverteilung zwischen den Staaten der „Europäischen Währungsunion“ bewirkt, auf Kosten einer vorgezogenen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in den schwächeren Volkswirtschaften (Griechenland, Portugal, Spanien, Italien):

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/04/krieg-oder-frieden.html

    „Wir wären weit, weit über den Kapitalismus hinaus (Kapitalismus = wirtschaftlicher Zustand, in dem die Nachfrage nach Geld und Realkapitalien das Angebot übertrifft und darum den Zins bedingt), wenn seit 3000 Jahren durch die Wirtschaftskrisen die Kultur nicht immer wieder die mühsam erklommenen Stufen heruntergestoßen worden wäre; wenn die bettelhafte Armut, in der jede Krise die Volksmassen hinterlässt, nicht die Bettlergesinnung großgezogen hätte, die nun einmal den Menschen, groß und klein, in den Knochen liegt. … Die Plage des Hungers und der Druck der Schulden sind böse Erzieher.
    …Und wo wären wir heute in wissenschaftlicher, technischer, … Beziehung angelangt, wenn die vielversprechende Kultur, die das Gold, obschon blutbefleckt, geraubt und erpresst, in Rom erstehen ließ, nicht unter einer anderthalbtausendjährigen, durch Geldmangel erzeugten ökonomischen Eiszeit erstarrt, vergletschert, vernichtet worden wäre? Sicherlich säßen wir jetzt auf dem Throne Gottes und ließen das All im Kreis an unserem Finger laufen.“

    Silvio Gesell (Die neue Lehre vom Geld und Zins, 1911)

    Nicht nur für jene „Experten“, die die ganz hohe Kunst studiert haben, etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld NICHT zu verstehen, gibt es einiges nachzuholen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/10/wohlstand-fur-alle.html

  3. Siggy sagt:

    „Bereits im vergangenen Jahr wurde dank der konjunkturellen Entwicklung mit Einnahmen von 42,3 Milliarden Euro der Rekord gebrochen“.
    Wo ist das Geld geblieben?? Es fehlt am Straßenbau und überall sind klamme Kassen. Außer Asylantenheime, da ist jederzeit jede notwendige Versorgungsgelder da. Und wenn sie ihre Herberge auch noch zerkloppen wie in Cemmnitz , werden sie in Hotels einquartiert, statt ihnen Werkzeuge zur Behebung ihrer angerichteten Schäden in die Hände zu drücken.
    Mit einem normalen Menschenverstand ist das nicht mehr begreifbar.