Produktpiraterie gefährdet Wirtschaft und Arbeitsplätze in Europa

Neue Kampagne in Köln: Die EU-Kommission setzt im Kampf gegen Produktpiraterie auf die Zusammenarbeit mit den Bürgern. Fälschungen können nicht nur lebensgefährlich werden, sondern vernichten auch Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Wirtschaftskraft.

EU-Kommissar Antonio Tajani warnte bei dem Start einer neuen EU-Kampagne am Dienstag in Köln vor den Sicherheits- und Gesundheitsrisiken sowie vor den Nachteilen für die Wirtschaft, die gefälschte Produkte mit sich bringen.

„Fälschungen und Nachahmungen sind eine ernste Bedrohung für unsere Volkswirtschaften“, sagte Tajani in der gemeinsamen Pressekonferenz beim Zollkriminalamt (ZKA) in Köln. „Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise müssen wir unsere Wirtschaft schützen und entschlossen gegen Nachahmungen und für eine menschenwürdige, ethischen Grundsätzen genügende und gerechte Gesellschaft eintreten“, so der EU-Kommissar.

Die deutschen Behörden arbeiten eng mit der EU-Kommission zusammen. Die nationalen Strafverfolgungsbehörden müssen das Eindringen gefälschter Waren in den EU-Wirtschaftsraum an erster Stelle verhindern. Dazu erhalten sie Unterstützung von EU-Einrichtungen, Interpol und dem Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF).

2011 stellte der Zoll EU-weit gefälschte Waren im Wert von über einer Milliarde Euro sicher, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger. Darunter befinden sich Bremsklötze, die nicht bremsen, Medikamente, die nicht wirken, und gefälschte Smartphones. Die Produktpalette reicht ferner von Marken-T-Shirts bis hin zu Luxustaschen und Zigaretten.

„Der Handel mit gefälschten Waren beläuft sich auf mehr als 200 Milliarden Euro jährlich“, sagte Tajani. „Das ist eine ähnlich hohe Summe wie beim Geschäft mit illegalen Drogen.“

Produktpiraterie gefährdet zudem Arbeitsplätze. Werner Gatzer, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, spricht von 100 Millionen Arbeitsplätzen, die in der Textilbranche seit 2004 verloren gegangen seien.

Die gefälschten Produkte sind oft minderwertig und die Händler zahlen keine Steuern. Im Jahr 2011 wurden 27 Millionen gefälschte Medikamente beschlagnahmt. Der Internethandel mit Pillen boomt. Die EU-Kampagne will die Bürger auf die Sicherheitsrisiken aufmerksam machen. Die Behörden warnen vor dem Bezug und der Einnahme der Pseudoarzneimittel. Niemand könne kontrollieren, ob die gewünschten Wirkstoffe enthalten seien. Nebenwirkungen seien unvorhersehbar.

Die Hintermänner der Produktpiraterie seien schwer auszumachen, sagte Norbert Drude, Präsident des Zollkriminalamts. „Wir müssen uns auf die Verteiler stürzen.“ Das ist alles andere als einfach. Die Vertreiber gefälschter Ware verstecken sich hinter Online-Shops und bleiben meist anonym.

Verbraucher, die über das Internet Autoteile bestellen, können die Echtheit ihrer Ware nun Dank einer neu entwickelten App überprüfen. Die App, die von der Firma TecCom in Zusammenarbeit mit dem europäischen Dachverband der Automobilzulieferindustrie (CLEPA) entwickelt wurde, scannt eine Identifikationsnummer in Form eines MAPP-Codes, die nur auf Originalware enthalten ist.

Solch einen Kontrollmechanismus gibt es aber noch lange nicht für alle Produkte und Branchen. Wer seine Produkte vorwiegend im Internet bezieht, der läuft Gefahr, auf Fälschungen reinzufallen. Nach intensiven Ermittlungen sind in den vergangenen Monaten in Deutschland Motorradvergaser entdeckt worden, „bei denen neben der Markenrechtsverletzung auch noch die Gefahr der Selbstentzündung bestand“, berichtet Zoll-Abteilungsleiter Julian Würtenberger in einem Bericht der WAZ. Dieses Beispiel von Produktpiraterie kann für die Verbraucher lebensgefährlich werden.

Kommentare

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  1. Margrit Steer sagt:

    Was regt denn diese dämliche EU sich auf?
    Sie läßt doch jeden Import rein

  2. Hülsensack sagt:

    Was soll dieses scheinheilige Geplärre.
    Vorher will man uns die Globalisierung als Allheilmittel verklickern, und nun soll der kleine Wählerdepp wohl den Markt sauberhalten für die Konzerne?
    Aber man wird schon genug Deppen, welche ihr Hirn abgeschaltet haben, finden zum „aufpassen“.
    Aufpassen, daß die Aufpasser dann nicht so gut aufpassen, daß man sich niergends mehr kritisch verdeutlichen kann.

  3. Glaubhaftigkeit gefährdet sagt:

    „Fälschungen und Nachahmungen sind eine ernste Bedrohung für unsere Volkswirtschaften“, sagte Tajani in der gemeinsamen Pressekonferenz beim Zollkriminalamt (ZKA) in Köln.

    Produktpiraterie gefährdet Wirtschaft und Arbeitsplätze in Europa

    genauso gut könnte ich auch schreiben der Himmel ist blau, wird vielleicht auch einige geben die dem grade zustimmen. Jedoch ist die Aussage von den momentan herrschenden Umständen abhängig. Außerdem ist blau nicht gleich blau sondern eventuell nur eine oberflächliche Darstellung eines Farbtones.

    Genauso wenig wie Konkurrenz oder Fälschungen Arbeitskräfte kosten ist der Himmel blau. Das hört sich für mich wie eine Aussage der CDU an, sinnlos gehaltlos geschmacklos und ohne jeglichen als solchem vermarkteten Sinn.

    Ein Kunde der kein Geld hat für ein Original, wird nicht nur weil er keine Alternative hat, ein Original erwerben. Dazu fehlt ihm schlicht und schließlich das Geld!

    Biete ich hingegen ein günstiges Plagiat an, könnte der Kunde das Originalprodukt weiterhin verwenden ohne dieses gleich zu ersetzen. Der Kunde hat somit bestätigt das ihm das Originalprodukt allerhöchstens so viel wert ist wenn es im Preis nicht sein Budget übersteigt. Positiver Nebeneffekt es herrscht Konkurrenz.

    Konkurrenz hat viele voreile z.B.:
    1.) Es entsteht kein Monopol und somit keine Preisabhängigkeit. (Viele Firmen = mehr Arbeitsplätze)
    2.) Innovationen und Neuerungen werden laufend umgesetzt da das Produkt durch seine Qualität und Innovationen überzeugen muss. (Was wiederum hoch qualifizierte Arbeitsplätze schafft.
    3.) Eine vielfältige Auswahl wird geschaffen. ( Was wiederum Verkaufsstellen, Beratung, Service, und Zulieferer Benötigt, und somit ebenfalls Arbeitsplätze schafft.)

    Hat das jemals jemand in einer solchen Aussage wie in der Überschrift berücksichtigt?

    Die Kaufentscheidung des Kunden wäre meist logisch, Qualität vor Schrott. Wenn nicht genau von unseren Lobbyvertretern der Wirtschaftszweige, der Ware Sinn von Qualität in den Dreck gezogen würde.
    Mit anderen Worten der Kunde kauft Plagiate, weil er a.)immer seltener nicht versteht
    was Qualität bedeutet und b.) weil er nicht mehr Finanzkräftig genug ist. Sowie c.) weil er merkt das Billig nicht immer schlechtere Qualität bedeutet.

    Was mich aber am meisten deprimiert bei solchen aussagen ist so etwas wie gesetzeswidriger Betrug und Produktpiraterie, in jeder Konstellation zusammengerührt und zum Vorteil einer Sinnlosen Aussage für Propaganda zweckentfremdet wird.

    Diejenigen die durch Produktpiraterie geschädigt werden sind in erster Linie die Großkonzerne, da sie außer den Vermarktungsrechten meist keinerlei Anteil an den Fertigung´s Prozessen besitzen.

    Eines ist jedenfalls eindeutig und kann ich mit Gewissheit zu Produktpiraterie sagen die Vergangenheit hat gezeigt das sie bis zu einem gewissem grade immer förderlich für die Wirtschaft war.

    Was aber auch gewiss ist, das Patentrechte und ähnliches die Innovationen und somit den Fortschritt massiv schädigen können oder gar gänzlich Blockieren.
    Produktpiraterie kann sogar Leben retten, in den dritt Weltländern zum Beispiel wird ein Westliches Pharmazeutika wohl immer nur ein Traum bleiben

    Die Wirtschaft hat eine entsprechende nachfrage ihren Kunden eingetrichtert, nun ergötzt sie sich an den positiven folgen, muss aber auch die negativen Konsequenzen tragen.

    Wer dumme Kunden formt braucht sich nicht zu wundern das diese auch Dummes tun.

  4. Alexander Klar sagt:

    Die EU(Komission) setzt also auf Zusammenarbeit mit den Bürgern .. D.h. niemand darf die Bürger abzocken, ausser sie selber. Verständlich, da die EU selber ja auch Arbeitsplätze geschaffen hat ohne Ende. Noch niemals ging es den Menschen Europas schliesslich so gut, wie heute innerhalb der EU. Oder? … Dabei fällt mir ein: war es nicht die EU-Komission, welche die Grenzwerte der Strahlenbelastung für Lebensmittel in Rekordzeit heraufsetzte (und auf ein Rekord-Hoch), nachdem das Unklück in Fukushima geschah? Ist es nicht die EU-Komission, die uns durch Genmanipulation vergíftete Lebensmittel auf den Teller füllen – und alternative Anbaumethoden (wie auch Heilpflanzen) verbieten will? War da nicht auch was von EU und Veolia (Privatisierung der Wasserversorgung)? Was ist eigentlich mit Gladio & Co (die EU und ihre Geheimarmeen)? Wie war das noch mit den EU-weiten Schutzmassnahmen, wenn einzelne Mitgliedsstaaten durch Revolten destabilisiert werden (eine Verteidigungs-Allianz rückt dann an, bestehend aus ausländischen Militäreinheiten). UVM. Also, ich persönlich halte die Kampagne der Komission für einen Intelligenztest.

  5. Hans von Atzigen sagt:

    Na ja ganz einfach einer der Kollateralschäden der hochgejubelten Globalisierung.
    Da glaubten zb. Markenproduzenten sie hätten den Weltmarkt gefressen.
    War wohl ein Schuss in den Ofen die Produktion solcher Güter zwecks Margen Optimierung Auszulagern.
    Weiterer ,,Nebeneffekt,, in den zu Dienstleistungs= Konsumgesellschaften umgebauten Volkswirtschaften des Westens kommt rasant steigend die real Erwirtschaftete Konsumsolvenz abhanden.
    Na ja diese Dienstleistungs= Konsumwirtschaften stehen kaum übersehbar vor dem Ruin. Damit kommt den neuen Produzenten so langsam auch der Absatzmarkt abhanden.
    Ach ja die Chinesen, auch die Fahren innzwischen Konjunktur- Kurbelprogramme aus der Notenpresse resp. mit zunehmend wertlosen Devisen, nach westlichem Vorbild. Echte Kopierweltmeister.
    Willkommen in der Globalen Geldschöpf Wirtschaftskonjunktur – Kurbelwirtschaft.
    Kurbel – Kurbel-Wirtschaft Pffffffffffufffffffff, Päng. Absehbar, aus die Maus. Amen.

  6. MadeInGermany sagt:

    Kleine Anekdote aus dem letzten Jahrhundert.

    Hatte vor ewigen Zeiten mal das zweifelhafte Glück, zuerst bei einem Exporteur Versandpapiere für Fahrzeug-Ersatzteile zu erstellen, um kurze Zeit später zufällig bei einem jener Referenz-Hersteller aufzuschlagen, die ich beim Exporteur immer pauschal ins Ursprungszeugnis hatte schreiben müssen.

    Bei diesem „Made in Germany“-Vorzeigebetrieb wurde damals gerade die „doppelte Buchführung“ der firmeneigenen Produktpalette auf SAP umgestellt. Und dabei jedes einzelne Produkt als Produktionsteil für die IHK und als Handelsteil für’s Verticken angelegt.

    Schulterzuckende Auskunft eines Verantwortlichen: „Die Kunden wollen Made in Germany zu Preisen wie Fernost. Also liefern wir Made in Germany zu Preisen wie Fernost. Wenn wir’s ihnen so nicht verkaufen, verkauft’s ihnen der Wettbewerb“.

    Das Unternehmen ist AFAIK inzwischen einziger Anbieter in Deutschland. Weil der damals ehrlich gebliebene Wettbewerb schon lange pleite gegangen ist. Legal, illegal, scheißegal.

    Fazit:
    Was ist das Gegenteil von „Produktpiraterie“?

    Das Siegel „Made in Germany“. Wenn die Fertigung in realiter nach Fernost ausgelagert ist. Hier in Deutschland unterhalten viele Fertigungsbetriebe nur noch für’s Alibi minimale Produktionskapazitäten. Damit im IHK-Ursprungszeugnis für den Export auch heute noch ganz legal für die vielfache Menge baugleicher Handelsware aus Fernost „Made in Germany“ durch die örtliche IHK attestiert werden darf.