Immobilien in Deutschland sind 20 Prozent zu teuer

Die Wohnungen in Deutschlands Großstädten könnten bis zu 20 Prozent überbewertet sein. Das billige Geld der EZB wurde in den vergangenen Jahren auch in vermeintlich sichere Immobilien gesteckt. Den deutschen Haushalten drohen empfindliche Vermögensverluste.

Vor allem in den sieben größten deutschen Städten sind die Wohnungspreise nach Ansicht der Bundesbank zu stark angestiegen. Zudem gebe es bereits Anzeichen, dass sich der Boom von den Städten auf das Umland ausbreite.

Wohnungen in Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf sind seit 2010 mehr als 25 Prozent teurer geworden. Dies lasse „Befürchtungen hinsichtlich eines breit angelegten Immobilienpreisbooms aufkommen“, analysiert die Bundesbank in ihrem Oktober-Bericht.

Die Wohnungspreise in den Städten lägen bis zu 10 Prozent über dem mit demographischen und ökonomischen Faktoren erklärbaren Niveau. In den sieben attraktiven Großstädten betrügen die Abweichungen nach oben sogar bis zu 20 Prozent.

Die deutlichen Worte der Bundesbank sind bemerkenswert: Noch vor einem Jahr hatte sie deutlich verhaltener gewarnt – wenngleich auch damals schon die Aussage der Bundesbank unmissverständlich war.

Der Preisanstieg im Wohnungsmarkt werde nicht auf die großen Städte begrenzt bleiben. Es gebe bereits „klare Hinweise für eine Ausbreitung von den Städten ins Umland“, so der Bericht. Auch die staatliche Deutsche Pfandbriefbank spricht von einem Anstieg der Immobilienfinanzierung in den kleineren Städten, berichtet die Financial Times.

Die Nachfrage nach Immobilien sei stark gewachsen, so die Bundesbank. Es zeigten sich die Einflüsse der Finanz- und Staatsschuldenkrise. Der ruhige deutsche Immobilienmarkt habe nach dem Platzen der Preisblasen am US-amerikanischen und an einigen europäischen Häusermärkten bei internationalen Investoren an Attraktivität gewonnen.

Aufgrund der niedrigen Zinsen seien Immobilien auch für Privatleute vorteilhafter geworden. „Die Auffassung, dass sich durch Immobilieneigentum der Wert des Vermögens am besten sichern lasse, war für viele Haushalte sicherlich ein Argument, den Immobilienerwerb in Erwägung zu ziehen“, so die Bundesbank.

Wenn die Preise am Immobilienmarkt einbrechen, würde dies bei den Haushalten empfindliche Vermögensverluste verursachen, so der Bericht. Den Banken drohe allerdings keine Gefahr. Sie hätten ihre Standards zur Kreditvergabe verschärft. Zudem habe das Volumen der Immobilienkredite an private Haushalte kaum zugenommen.

Die deutsche Immobilienwirtschaft beurteilt die Lage auf dem Immobilienmarkt naturgemäß ganz anders als die Bundesbank. Eine im Auftrag mehrerer Branchenverbände erstellte Studie sieht einen stabilen Immobilienmarkt.

„Eine spekulative Übertreibung ist allenfalls für wenige Toplagen in besonders gefragten Stadtteilen zu vermuten“, zitiert das Manager-Magazin Tobias Just, Mitautor der Studie und Professor für Immobilienwirtschaft in Regensburg. Entwicklungen wie in den USA, Spanien und Irland seien in Deutschland auszuschließen. Dort waren 2007 bzw. 2008 Immobilienblasen geplatzt, was entscheidend zur Finanzkrise beitrug.

Der deutsche Immobilienmarkt spielt derzeit eine Ausnahmerolle in der Eurozone, wo die Immobilienpreise so tief sind wie seit sieben Jahren nicht. Vor allem in Spanien, Irland und den Niederlanden sind die Preise in den vergangenen Jahren massiv eingebrochen.

Nicht nur in Deutschland, auch in vielen anderen Teilen der Welt steigen die Immobilienpreise zurzeit deutlich. Die Nachfrage durch internationale Investoren hat die Immobilienpreise in New York, Washington, Los Angeles und anderen US-Städten steigen lassen. In London sind die Immobilienpreise innerhalb nur eines Monats um 10 Prozent gestiegen. Sie liegen wieder auf dem Niveau von 2008.

In Chinas Städten wächst die Sorge der Blasenbildung, berichtet Bloomberg. In Peking waren neue Häuser im September 16 Prozent teurer als noch ein Jahr zuvor, in Shanghai 17 Prozent. In den südchinesischen Industriezentren Shenzhen und Guangzhou lag der Preisanstieg sogar bei 20 Prozent.

In Deutschland müssten die Immobilienpreise aufgrund der Demografie eigentlich fallen. Nicht nur Teile Ostdeutschlands, sondern auch westdeutsche Großstädte wie Essen und Dortmund werden in den kommenden Jahrzehnten von Wohnungsleerstand betroffen sein. Trotzdem könnten die extrem niedrigen Zinsen und die Suche nach sicheren Anlagen auch hierzulande zu einer Immobilienblase führen.

Kommentare

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  1. Andres Müller sagt:

    Das Geld vieler Grossinvestoren stammt von der Geldmengenausweitung der Notenbanken. Das fördert zwar den Bau von Immobilien, gleichzeitig führt das aber zu noch grösserem Kaufkraftverlust der durchschnittlichen Bevölkerung. Es werden Dinge teurer die nicht teurer werden sollten, auf der anderen Seite kommt es zu Überproduktion von Gütern, da viele Produkte des täglichen Lebens weniger gekauft werden können.

    Die Geldmengenausweitung führte nicht zum erwünschten Ergebnis, die Entwicklung des Wohlstandes ist vielerorts sogar rückläufig.Auffällig ist die asymmetrische Entwicklung des Marktes zugunsten von Finanzmarktprodukten auf Kosten der Realwirtschaft. Finanzmartprodukte führen nicht zu vermehrtem Wohlstand, der steigt nur mit dem Vermögen der Bürger mehr qualitativ hochstehende Produkte der Realwirtschaft kaufen zu können.

  2. maus sagt:

    In Großstädten sind Mieten kaum noch zu bezahlen ! Immobilienspekulanten treiben die Mieten hoch !

    http://www.daserste.de/Miete-rauf-mieter-raus
    oder
    http://www.br.de/report München

  3. Stefan Wehmeier sagt:

    Das „billige Geld der EZB“ wird nirgendwo investiert, sondern verschwindet in Spekulationskassen. Es wird immer nur aus Geldersparnissen (mittel- bis langfristigen Geldansprüchen) investiert, und das normalerweise in neue Sachkapitalien (Produktionsmittel). Sinkt aber der Kapitalmarktzins aufgrund marktwirtschaftlicher Konkurrenz (Vermehrung der Sachkapitalien), was an sich positiv ist, weil dadurch die Arbeitslöhne steigen, geht erstens die Investition zu Gunsten einer vermehrten Spekulation (Kassenhaltung) zurück, und zweitens suchen die angeschwollenen Zinsgeldvermögen andere Anlagemöglichkeiten wie etwa private Immobilien – die dann häufig nicht mehr vermietet werden können, weil der durch den Zins ausgebeuteten Masse das Geld fehlt, um sich teure Mietwohnungen leisten zu können.

    Der ganze Schlamassel beruht allein auf einer seit jeher fehlerhaften, gänzlich unreflektiert aus der Antike übernommenen Geld- und Bodenordnung, die längst korrigiert sein müsste – wenn die halbwegs zivilisierte Menschheit nicht bis heute religiös wäre, d. h. den „großen Investor“ anbeten würde. Eine Gesellschaft, in der jeder nur versucht, auf Kosten anderer zu existieren (Zinsgewinner), damit andere nicht auf seine Kosten existieren (Zinsverlierer), zerstört sich am Ende selbst:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/10/cancel-program-genesis.html