Interesse an Internetförderung durch die Regierung gering

Die Bundesregierung hat ein Förderprogramm für Internetfirmen gestartet. Investoren bekommen einen Anteil ihres Geldes zurück, wenn sie in junge und innovative Unternehmen investieren. Das Projekt wird aber kaum in Anspruch genommen und von der EU torpediert.

Bis zum Jahr 2015 will die Bundesregierung 150 Millionen Euro für junge Start-Up-Unternehmen ausgeben: Private Investoren, die für mindestens 10.000 Euro Anteile an jungen, innovativen Unternehmen erwerben, können seit dem 15. Mai ein Fünftel des Kaufpreises vom Staat zurückerhalten, berichtet das Magazin Unternehmen-Heute.

Bis Mitte Oktober sind von dem Gesamtbetrag aber erst 589.000 Euro an 273 Investoren ausbezahlt worden. Die Beteiligung muss für drei Jahre gehalten werden. Für jeden Investor wird höchstens 250.000 Euro und für jedes Unternehmen höchstens eine Million Euro bezahlt.

Darüber hinaus muss es sich bei dem Unternehmen um ein kleines, innovatives Unternehmen handeln, das jünger als zehn Jahre ist. Die Firma muss eine Kapitalgesellschaft mit Hauptsitz in der EU sein. Mindestens eine Zweigstelle muss in Deutschland ansässig und im Handelsregister eingetragen sein.

Die Unternehmen dürfen eine Mitarbeiteranzahl von 50 nicht überschreiten und dürfen pro Jahr einen Umsatz von höchstens zehn Millionen Euro haben.

Bei dem Investor muss es sich um eine natürliche Person mit Hauptwohnsitz in der EU handeln. Diese Person darf nicht mit dem Unternehmen in Verbindung stehen. Die Anteile an dem Unternehmen können auch über die GmbH erworben werden. Dann muss es sich um eine erstmalige Beteiligung handeln. Der Gesellschaftsvertrag muss drei Jahre lang bestehen bleiben.

Diese Bedingungen sind offenbar nicht attraktiv genug, um mehr Investoren anzulocken. Ein anderer Grund könnte darin bestehen, dass Internetunternehmen auch von der EU bereits gefördert werden.

Die Europäische Kommission hat ein Gutscheinkonzept zur Förderung des Wachstums kleiner und kleinster regionaler Unternehmen vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf der Nutzung digitaler Technologien, die Finanzmittel sollen mittels Innovationsgutschein im Wert von 10.000 Euro ausgegeben werden. In einigen spanischen Regionen sei das Gutscheinprogramm schon erprobt worden und habe sich bewährt, sagt die EU.

Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, sagte: „Kleine Unternehmen, die digitale Dienste nutzen, verzeichnen ein doppelt so schnelles Wachstum, exportieren doppelt so viel und schaffen doppelt so viele neue Arbeitsplätze. Was in Murcia und Extremadura in Spanien getan wird, sollte für alle möglich werden.“

In Deutschland konnten 93 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen mit aktiver Internetpräsenz innerhalb von drei Jahren zusätzliche Arbeitsplätze schaffen; bei den Unternehmen ohne Internetpräsenz waren es nur 50 Prozent. In den G-20-Ländern verzeichnen kleine Unternehmen, die an das Internet angebunden sind, um 22 Prozent höhere Umsatzzuwächse als Unternehmen, die das Internet nicht oder kaum nutzen, heißt es in einer Mitteilung der Europäischen Kommission.

Der EU-Kommissar für Regionalpolitik, Johannes Hahn, sagte dazu: „Ein erleichterter Zugang zu digitalen Technologien ist eine der zahlreichen Möglichkeiten, wie Regionalpolitik dazu beitragen kann, dass kleine Unternehmen wettbewerbsfähiger werden.“ Die regionalen Programme würden es kleinen Unternehmen ermöglichen, ihre Gutscheine gegen Dienste wie Webseiten-Entwicklung, Schulungen zu elektronischem Geschäftsverkehr oder Lieferketten- und Kundenbeziehungsmanagement einzulösen.

Europäische Unternehmen führen IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) im Durchschnitt nur langsam ein: zwischen 2010 und 2012 stieg der Anteil der europäischen Unternehmen, die über eine Webseite verfügen, nur um 6 Prozent; auch der Zuwachs an Unternehmen, die begannen, Informationen auf elektronischem Wege mit anderen Unternehmen auszutauschen, lag ebenfalls bei nur 6 Prozent.

Für den Zeitraum 2007‑2013 sind für IKT-bezogene Strukturfondsinvestitionen Mittel in Höhe von 14,2 Milliarden Euro vorgesehen. Davon sollen über 3 Milliarden Euro den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) direkt für den Ausbau ihres elektronischen Geschäftsverkehrs und der IKT direkt zufließen. Gefördert wurden bislang mehr als 20.000 IKT-Projekte, allen voran in Spanien, Ungarn und Portugal.

Für so viel Förderung für Firmen, die ihr Geschäftsmodell mit dem Internet verbinden, kann es kaum genügend Abnehmer geben. Einerseits sind die Bedingungen, die den Investoren seitens des deutschen Wirtschaftsministeriums auferlegt werden, zu umfangreich, als dass eine Investition dadurch attraktiver würde.

Zudem ist die Erstellung einer Internetpräsenz für Unternehmen kein Unterfangen, das mit über 10.000 Euro gefördert werden muss. Je nach Aufwand kosten gute Internetseiten 500 bis 2.000 Euro.

Kommentare

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  1. Tommy Rasmussen sagt:

    „Interesse an Internetförderung durch die Regierung gering“

    ABER:

    30.10.2013 – Gericht verbietet der Telekom DSL-Drosselung
    http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article121360278/Gericht-verbietet-der-Telekom-DSL-Drosselung.html

  2. hugin sagt:

    WIEDER EINE ALIBI-FÖRDERUNG
    Das Projekt reiht sich in die Wortschöpfungen wie „Zukunfts-Investitionen“, „Innovations-Schub“, „Arbeitsplatz-Offensive“, „Struktur-Milliarde“ und anderem nicht überprüfbarem Geschwafel nathlos ein.

  3. Hans von Atzigen sagt:

    Na dann mal viel Glück für Brüssel.
    Dienstleistungs- Wirtschaftsblase weiter aufpumpen.
    EU = Blasenwirtschaft soweit das Auge reicht.