Immobilien: Die goldenen Zeiten sind vorbei

Private Anleger kaufen verstärkt Immobilien, die sie dann weiter vermieten. Banken warnen: Die hohen Renditen sind passé. Pensionskassen und im Ausland ansässige Investoren treiben die Preise in die Höhe und die Renditen für private Eigenheimbesitzer nach unten.

Die Zahl der Immobilienkäufe durch Private Interessenten in der Schweiz steigt. „An der Börse zu spekulieren, ist viel zu unsicher“, sagt ein Familienvater in einem Bericht von Schweiz am Sonntag. Seine Zweitwohnung, die er sich als Geldanlage gekauft hat, befindet sich in einer der grössten Überbauungen der Schweiz, dem Richti-Areal in der Zürcher Gemeinde Wallisellen mit insgesamt 500 Wohnungen.

Immer mehr private Anleger halten Immobilien für die einzig verbleibende, sichere Geldanlage. Die Vermietungsgesellschaften bekommen Konkurrenz. „Wir haben Kenntnis davon, dass sowohl in eigenen Projekten und solchen, die wir für Dritte realisieren, rund 10 Prozent aller Wohnungen von privaten Käufern zur Vermietung ausgeschrieben werden“, sagt Matthias Meier, Sprecher von Allreal, der Generalunternehmerin des Richti-Areals.

Nicht nur in Zürich, auch in anderen Ballungsräumen wie Bern, Basel oder im Mittelland investieren „Durchschnittsangestellte“ in Immobilien, wie die privaten Anleger von Immobilienverwaltern genannt werden.

Einer Studie der UBS zufolge sind in den letzten Jahren die Kreditanträge für vermietete Liegenschaften von 14 Prozent im Jahr 2006 auf 22 Prozent im ersten Quartal 2013 angestiegen. Das liegt an den niedrigen Zinsen, die eine Finanzierung für viele erst möglich macht.

Dabei sind die Renditen nicht mehr so hoch wie in der Vergangenheit. Die Kosten fallen häufig höher aus als angenommen, und das Mietwachstum wird oft überschätzt. Viele Investoren liessen sich von den vergangenen „zehn goldenen Jahren“ leiten, in denen Wertsteigerungen von jährlich 4 Prozent die Gesamtrendite auf 6,5 Prozent hochdrückte, schreibt die UBS.

„Doch hohe Renditen in der Vergangenheit sind keine Garantie für zukünftige Erträge“. Die Preise für Wohneigentum sind stärker gestiegen als die Mieten für vergleichbare Objekte, was die Renditen auf 2,8 Prozent absenkt. In manchen begehrten Regionen sinkt die Rendite sogar auf 1,3 Prozent.

Die meisten privaten Anleger müssen Hypotheken aufnehmen, wenn sie eine Immobilie erwerben wollen. Wenn die Zinsen wieder steigen, wird das die Hypotheken verteuern und die Investition riskant werden lassen. Private Eigenheimbesitzer haben dann ein höheres Risiko zu tragen als andere Marktakteure, die um ein Vielfaches zahlungskräftiger sind.

Wie eine von Invesco durchgeführte Analyse einer Umfrage zeigt, hat der geringe Risikoappetit das weltweite Interesse an traditionellen Investitionen in den letzten Jahren begünstigt, berichtet das Magazin Finanzen.ch. Angesichts der hohen Nachfrage und des begrenzten Angebots an hochwertigen Immobilien in etablierten Märkten setzen Pensionsfonds zunehmend auf zweitklassige Immobilien mit behebbaren Defiziten. Durch Investitionen wird das Risiko zunehmend überschaubarer, die Defizite werden beseitigt. Das führt langfristig zu einer sicheren Rendite.

Der Schwerpunkt auf die Eindämmung des Risikos bei Geldanlagen hat Investoren dazu veranlasst, verstärkt direkte Immobilieninvestitionen zu suchen, vor allem in ihren Heimatmärkten. Von insgesamt 86 Milliarden Euro an inländischen Investitionen sind 73,4 Milliarden Euro direkt investiert. Auf indirekte Fonds entfallen der Umfrage zufolge 10,5 Milliarden Euro.

Die Suche nach risikoarmen Investitionen treibt die Preise weiter in die Höhe. Immobilienanleger sehen in der Schweiz, so die Umfrage weiter, erste Anzeichen für eine Überhitzung des Marktes. Dennoch planen 80 Prozent der Pensionskassen in den nächsten beiden Jahren weitere Investitionen.

Nicht nur die Pensionskassen treiben die Preise für Immobilien in die Höhe. Immer mehr ausländische Investoren wollen in den Schweizer Immobilienmarkt einsteigen. Der Verkauf von Immobilien ins Ausland sollte daher verboten werden, fordert SP-Nationalrätin Jacqueline Badran in einem Bericht der NZZ.

Boden und Immobilien seien existenzielle Güter wie Wasser oder Luft. Diese Güter sind begrenzt müssten geschützt werden. Es müsse verhindert werden, dass im Ausland ansässige Investoren Immobilien für reine Anlagezwecke erwerben.

Solch ein Verbot wäre für private Käufer von Immobilien, die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben, von Vorteil. Bislang sind sie aber noch die schwächsten Teilnehmer im Markt.

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. heribert hofmann sagt:
  2. Stefan Wehmeier sagt:

    Begriffserklärung: Kapitalismus bedeutet, durch Ausnutzung des Geldstreikmonopols und des daraus abgeleiteten Kapitalmonopols sowie des Bodenmonopols, Geld auf Kosten der Mehrarbeit anderer zu erpressen. Zum Privatkapitalismus, als einem Parasiten in der Marktwirtschaft, gibt es noch eine Steigerungsform, den Staatskapitalismus, der dann entsteht, wenn der „liebe Staat“ die Marktwirtschaft abschafft und sich aller Sachkapitalien bemächtigt:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/irrtumer-des-marxismus.html

    Marktwirtschaft bedeutet hingegen, mit eigener Arbeit – ob mit der Hand oder dem Kopf – Geld zu verdienen. Ungewollte Arbeitslosigkeit verschwindet und die Verdienstmöglichkeiten multiplizieren sich, sobald die Marktwirtschaft durch eine konstruktive Geldumlaufsicherung und ein allgemeines Bodennutzungsrecht vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus befreit wird (monopolfreie Marktwirtschaft = echte Soziale Marktwirtschaft):

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/marktgerechtigkeit.html

    Begriffsverwirrung wird von denen betrieben, die Geld nicht verdienen, sondern erpressen wollen, weil sie nichts anderes gelernt haben. Unterstützt wird die Begriffsverwirrung von der Religion, die eine naive „Moral“ mit den Denkschablonen „gut“ und „böse“ aufrechterhalten will, die in der monopolfreien Marktwirtschaft so überflüssig wird wie eine Taschenlampe bei Sonnenschein:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/10/glaube-aberglaube-unglaube.html