Alternativlos: SEPA-Umstellung wird Mittelstand überraschen

Die deutschen Unternehmen haben den Aufwand für die Umstellung auf das EU-Zahlungsverfahren SEPA unterschätzt. Zum Ende der Frist kann es zu Engpässen und Zahlungsausfällen kommen. Wer nicht rechtzeitig umstellt, muss im März 2014 wieder mit dem Scheckbuch bezahlen.

Deutschland ist eines der wenigen Länder, in dem die wenigsten Unternehmen auf die Umstellung auf SEPA vorbereitet sind, schreibt die EZB in ihrem aktuellen Report. Wietold Kastigen von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in Stuttgart hält aber nichts davon, die SEPA-Einführung am 1. Februar 2014 von der EZB verschieben zu lassen. „Das ist der falsche Gedankengang. Es war genügend Zeit und die Unternehmen können das noch stemmen“, sagte Kastigen den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

„In Deutschland gibt es 3,6 Millionen Unternehmen und 600.000 Vereine. Ein Viertel dieser mehr als vier Millionen Betroffenen hat bereits eine Gläubiger-ID beantragt, um den komplexen Vorgang des neuen Lastschriftverfahrens abwickeln zu können.“ Im dritten Quartal seien aber nach Informationen der Bundesbank nur knapp 14 Prozent aller Überweisungen im neuen Format ausgeführt worden, der Anteil der SEPA-Lastschriften bei 0,68 Prozent.

Die Auswirkungen bei der Umstellung sind nicht vorhersehbar. Dass nur die wenigsten Mittelständler bereits vorbereitet sind, nennt die Bundesbank „besorgniserregend“.

Auch die Bundesbank hält nichts von einer Aufweichung der Frist: „Es gibt keinen Plan B! Bis zum 1. Februar 2014 muss die Umstellung vollzogen sein. Dies ist Gesetz und wird auch nicht geändert“, sagte Bundesbank Vorstand Carl-Ludwig Thiele.

Unternehmen sollen improvisieren

Die Auswirkungen von verzögerten oder unvollständigen SEPA-Umstellungen seien „nicht so existenzgefährdend, wie sie in den Medien dargestellt werden“, sagte Ernst & Young Manager Kastigen. „Die Lösung wird sein, dass man improvisiert und mit Banken, Kunden und Lieferanten bei Problemen eng zusammen arbeitet.“ Unternehmen können im Notfall immer noch per Scheck bezahlen. Klar könne es vereinzelt bei Mittelständlern zu Umsatzeinbußen oder ausbleibenden Gehaltszahlungen kommen, das kann man bei einer mangelhaften SEPA Umstellung nicht ausschließen.

Wenn alle Unternehmen erst kurz vor Fristende auf die neue Zahlweise umstellen wollen, wird es zu Liquiditätsengpässen kommen, warnt die Bundesbank in einer Mitteilung. „Das ist ein Risiko“, sagte Kastigen den Deutschen Mittelstands Nachrichten, „da eine Big-Bang Umstellung per se mit Risiken, aber vor allem mit unnötigen Kosten für die Unternehmen verbunden ist“. Diese könnten sie aber durch ein professionelles SEPA Einführungsprojekt immer noch vermeiden.

Eigentlich war für die Umstellung genügend Zeit. SEPA ist schon seit 2008 Realität. Dass es knapp 100 Tage vor Ablauf der Frist knapp wird, liegt nicht allein an den Unternehmen, die den Aufwand unterschätzt haben. „Der Gesetzgeber hat unbewusst Interpretationsspielräume gelassen und die Banken haben SEPA Zahlverfahren zwar aktiv angeboten, aber die Umstellung nicht vorangetrieben“, so Kastigen. Der Zahlungs- und Lastschriftverkehr  in Deutschland sei schon hocheffizient gewesen und die SEPA-Umstellung kostete die Banken zwei- bis dreistellige Millionenbeträge. „Insofern hat man bestehende Systeme bis an ihre Grenzen ausgereizt und Gebühren für EU-Standardüberweisungen den günstigen Inlandstarifen angepasst, um die SEPA-Komplettumstellung herauszuzögern, sagte Kastigen. Aus diesem Grund müsse es jetzt „eine harte Umstellung mit einem festen, unverrückbaren Termin geben“.

Urlaubsverbot bei der Bundesbank

Bei der Bundesbank sorgt die SEPA-Umstellung für ein Urlaubsverbot von Januar bis März, berichtet RP-Online. Der EZB zufolge ist der Mittelstand am schlechtesten auf die Umstellung vorbereitet. Die Bankmitarbeiter der Deutschen Bundesbank müssen sich auf Mehrarbeit einstellen.

In Deutschland werden jeden Werktag Lastschriften im Wert von 52 Milliarden Euro eingezogen. „Wenn ich mir mal vorstelle, dass ein Prozent dieses Lastschriftvolumens nicht umgestellt wird am 1. Februar – dann sind das 8,7 Millionen Lastschriften, die nicht bearbeitet werden“, sagte Ludger Gooßens vom Sparkassenverband.

Die EZB warnt, dass die Umstellung im Frühjahr 2014 nicht ohne einen großen Knall von statten geht, der operationelle Risiken für Nutzer und Anbieter mit sich bringt. Wie hoch der finanzielle Schaden ausfallen wird, ist nicht abzusehen. Wer früh genug umstellt und Testläufe durchführt, für den wird es am 1. Februar des kommenden Jahres keine Überraschungen geben.

Kommentare

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  1. NoName sagt:

    SEPA heißt – Digitales Geld – und Abschaffung des Bargeldes. Sehen Sie sich auf Youtube unter dem Stichwort – Bargeldlos – einmal kritische Berichte an, was auf uns Bürger letztendlich zukommen wird. Lassen die NWO und die totale Versklavung schon grüßen? Sind Sie auch so ein Lemming und zahlen mit Karte oder denken und handeln Sie schon selbstständig? Wie schon Roosevelt einst sagte – In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, dann kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war.

  2. hugin sagt:

    CASH – STRATEGIE GEGEN DEN CRASH
    Bei Barzahlung fallen keine Spesen an, sondern man erhält meist noch ein Skonto !

  3. FDominicus sagt:

    Wieder mal aus dem endlosen Bereich der Gesetze die keiner braucht, die aber jeden ein Heidengeld kosten. EANV war genau so überflüssig. Verbot von Glühbirnen. Leistungbegrenzung bei Staubsaugern und nur so ein Schrott. Jeden Tag jede Nacht diese Vorschriftswut von Leuten die nichts können/haben/wollen als andere Leute drangsalieren und sich dabei noch äußerst wichtig und „staatstragend“ vorkommen. Mit einem Wort die ganze Erbärmlichkeit, zeigt sich so jeden Tag.

  4. Gerhard sagt:

    In der Tat, die SEPA-Überweisungen sind kein Problem, das bekommt man leicht geregelt. Bei den Lastschriften wird richtig deftig. SEPA-Rücklastschriften, aus welchen Grund auch immer die geschehen, die werden so richtig teuer. Meine Bank nimmt für jede SEPA-Rücklastschrift € 7,67 – andere Banken nehmen ähnliche Beträge. Jeder Fehler in der IBAN kostet richtig Geld. Bei 16000 Bestandskonten könnte die Umstellung leicht an die 1000 SEPA-Rücklastschriften generieren.

    Merke: Konto-Nummer+ BLZ, dieses Lösung war viel zu einfach und konnte schon deshalb nicht gut gehen. Immer mehr Zahlungsdienstleister müssen zwischen uns und den Kunden geschaltet werden, darum geht es.

  5. Steuerzahler sagt:

    Dies ist Gesetz und wird auch nicht geändert“, sagte Bundesbank Vorstand Carl-Ludwig Thiele.

    Na klar, in dieser EU ändert man doch kein Gesetz – man bricht lediglich alle Verträge und verkauft die Steuerzahler für dumm.

    …………ich kann auch meine Lieferanten cash bezahlen. Dazu brauche ich überhaupt keine Bank.

  6. bimbes sagt:

    Sorry, ich kann immer noch nicht den Vorteil durch SEPA
    für innerdeutschen Zahlungsverkehr erkennen.

    • WilmaFeuerstein sagt:

      Es gibt keinen Vorteil im innerdeutschen Zahlungsverkehr. Und ich bin davon überzeugt, daß man nun international besser kontrollieren kann, wohin der böse Bürger sein Geld verschickt. Kann für Bankenrrettungen einmal enorm wichtig sein

      • Miriam sagt:

        @Wilma
        so ist es ! Immer schön brav alles offenlegen für NSA und die Elite der Neuen Weltordnung …. dann gehts schneller und leichter mit Enteignung, Sklaverei und Planwirtschaft.

  7. Jens Maier sagt:

    Wir haben die SEPA-Umstellung bereits hinter uns. Bezüglich der Überweisungen ist das Thema SEPA kein heißes Eisen. Aber der Lastschrifteinzug ist ein nicht zu unterschätzendes Kapitel! Hilfreich war für unseren Betrieb zweifelsohne das Internet. Nur leider findet man dort zuviel Informationen. Gut strukturiert war ‚SEPA Kompakt‘ von Hans Eisenberg. Ein sehr hilfreicher SEPA-Wegweiser.