Ökonom: Deutsches BIP wächst um 2,5 Prozent

Die Bundesregierung liefert am laufenden Band falsche Wirtschafts-Prognosen. Dadurch können Steuersenkungen verhindert werden - die vor allem den kleinen und mittleren Einkommen zugute kämen. Der Finanzminister hat also ein vitales Interesse daran, dass die Lage schlechter dargestellt wird, als sie tatsächlich ist.

Die Steuereinnahmen sprudeln. Die Zahl der Beschäftigung ist so hoch wie niemals zuvor. Dies spreche für ein Wirtschafts-Wachstum in diesem Jahr von 2,5 Prozent, sagt der Chef von Kiel Economics. Die negativen Prognosen seiner Kollegen beruhten auf den unzuverlässigen Daten des Statistischen Bundesamtes.

Die Bundesregierung, die EU-Kommission, die OECD, der IWF, der Sachverständigenrat, die Bundesbank und alle großen Wirtschafts-Institute erwarten für Deutschland 2013 ein Wirtschaftswachstum um 0,5 Prozent. Doch Carsten-Patrick Meier, Geschäftsführer und Inhaber von Kiel Economics, hält diese Prognosen für zu negativ. Die deutsche Wirtschaft werde unterschätzt.

„Ich erwarte für dieses Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um circa 2,5 Prozent“, sagte Meier den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Er wisse, dass seine Position „extrem“ ist. Der Optimismus des Ökonomen beruht auf der Feststellung, dass einige Wirtschafts-Indikatoren des Statistischen Bundesamtes die Realität nicht korrekt widerspiegeln.

„Das veröffentlichte BIP ist nur eine Schätzung, die immer wieder revidiert wird“, sagt Meier. So beruhten etwa die Daten zur Produktion im Dienstleistungsbereich und bei den kleineren Betrieben in den ersten 18 Monaten auf groben Schätzung.

Eine Ausnahme bildeten die Steuerdaten und die Arbeitsmarkt-Daten. Auf die könne man sich verlassen, die müssten kaum revidiert werden, so Meier. Und bei diesen beiden Indikatoren gebe es – anders als bei den relativ unsicheren Indikatoren – einen „Boom“.

Die Zahl der Erwerbstätigen liegt derzeit saisonbereinigt bei 41,8 Millionen, berichtet Destatis. Noch nie war die Beschäftigung in Deutschland so hoch wie heute. Die Erwerbslosenquote liegt bei nur 5 Prozent. Allerdings sind viele Beschäftigte im Niedriglohn-Segment beschäftigt.

Das stört den Staat nicht weiter: Er holt sich seine Steuern einfach bei denen, die auch nur gering über den Mindestsätzen liegen. Im Fachjargon spricht Schäuble dann von der kalten Progression – deren Abschaffung immer wieder versprochen wird. Abgeschafft ist sie immer noch nicht – obwohl damit Millionen Deutschen mehr Geld zum Leben bliebe.

Die Steuereinnahmen sprudeln. Von Januar bis September haben Bund, Länder, Gemeinden und EU den Deutschen 416 Milliarden Euro Steuern abgenommen. Das sind 3,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, berichtet Wolfgang Schäuble.

Der Boom bei den Einnahmen des Staates hat offenbar mit der hohen Beschäftigung zu tun. Denn diese geht mit höheren Einnahmen aus der Lohnsteuer und den Sozialabgaben einher. Doch Meier belegt, dass der Staat auch bei den anderen Steuern viel mehr einnimmt.

„Dies zeigt sich, wenn man aus den gesamten Steuereinnahmen die Einnahmen aus der Lohnsteuer heraus rechnet und diese übrigen Steuereinnahmen in Relation zum derzeit ausgewiesenen Bruttoinlandsprodukt setzt. Die so gebildete Quote war 2012 auf dem höchsten Stand seit 1980, was eine Unterschätzung des Produktionsniveaus nahe legen könnte.“

Neben diesen „harten“ Daten sprechen auch die Stimmungsindikatoren für ein stärkeres Wachstum. Der ifo-Geschäftsklima-Index, die DIHK-Umfrage, die Allensbach-Umfrage und der GfK-Index zum Konsumklima befinden sich zwar nicht mehr auf den im Jahr 2011 erreichten Höchstständen. Doch sie liegen im langjährigen Vergleich immer noch hoch. Keinesfalls zeigen sie eine Stagnation oder gar Rezession an.

In den vergangenen Jahren sei das Wachstum in Deutschland vom Export getrieben worden. Doch jetzt komme es vor allem aus dem Inland, so der Ökonom. Während die Daten über Exporte und Importe relativ zeitnah vorliegen, sind die Daten zur Binnennachfrage weniger leicht verfügbar.

Nach Meiers Ansicht wird die Auswertung der Umsatzsteuer-Statistiken ergeben, dass die Leistungen kleinerer, binnenmarkt-orientierter Firmen höher liegen, als heute von vielen angenommen wird. Vor allem in der boomenden Bauwirtschaft seien viele kleinere Firmen tätig.

Ob der Konjunktur-Forscher mit seiner optimistischen Einschätzung Recht hat, wird sich erst in knapp zwei Jahren zeigen. Denn die erste umfassende Berechnung des BIP für 2013, in die auch die Umsatzsteuer-Statistik eingeht, wird erst im August 2015 vorgelegt. Doch die bisherigen BIP-Schätzungen des Ökonomen waren stets recht präzise.

Die Aussagekraft des BIP über den Zustand der Wirtschaft ist unter Ökonomen umstritten. Einerseits wird er entscheidender Indikator für die Leistungskraft eines Staates angesehen, der als Grundlage etwa bei der Berechnung der Schuldenquote oder der Produktivität dient.

Andererseits wird darauf hingewiesen, dass das BIP kein guter Indikator für den Wohlstand eines Staates ist. Wenn etwa in Brüssel ein EU-Palast für 350 Millionen Euro gebaut wird, dann fließen die Kosten ins BIP ein, selbst dann wenn niemand einen solchen Palast braucht.

Wenn das BIP in diesem Jahr tatsächlich um 2,5 Prozent wächst, dann hat dies Konsequenzen für Wolfgang Schäuble. Nach der Wirtschaftslehre von John Maynard Keynes müsste der deutsche Finanzminister das Schuldenmachen beenden und die Rekord-Steuereinnahmen in der Wachstumsphase zum Abbau der Staatsschulden nutzen. Doch die Finanzminister halten sich meist nur an den Teil der keynesianschen Lehre, der das massive Schuldenmachen in Zeiten der Rezession rechtfertigen soll.

Schäubles gewaltige Steuereinnahmen werden voraussichtlich nicht für einen Abbau der deutschen Staatsschulden genutzt werden. Das Geld wird zur Euro-Rettung gebraucht. Das Schuldenmachen in Berlin wird weitergehen.

Auch wenn die Deutschen noch so hart arbeiten: Das Geld kommt nicht ihnen zugute.

Es wird für eine Ideologie gebraucht.

Und das noch ziemlich lange.

Kommentare

Dieser Artikel hat 7 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. fan sagt:

    Das Polit-Berlin, eine Phalanx von Reihen-weisen Lügen..!

  2. maus sagt:

    Prognosen und Berichte sollten immer hinterfragt werden ! Wie oft wird da geschönt,gelogen und die Realität verdreht !

    z.B.von der Leyen verfälschte den Armutsbericht im März 2013

    http://www.Focusonline.de / So tricksen sich Politiker die Wahrheit zurecht

    Leider ist das auch schon bei uns Alltag geworden ! Und das in jedem Bereich unseres Lebens ,das wir wirklich alles hinterfragen und selbst Überprüfen müssen !

  3. Tommy Rasmussen sagt:

    „Der Finanzminister hat also ein vitales Interesse daran, dass die Lage schlechter dargestellt wird, als sie tatsächlich ist.“

    Nicht nur der Finanzminister:

    28.10.2013 – Grösstes Ölfeld der Welt in Australien entdeckt – und die Mainstreammedien ignorieren es komplett. Die aktuelle Schätzung beläuft sich auf 233 Milliarden Fass = 20’000 Milliarden US-Dollar. Die ganzen Kriege der Amerikaner sind wegen Öl damit es im Boden BLEIBT !!! Die Lüge über eine Knappheit verbreiten die Ölkonzerne. Denn, wenn alle Quellen sprudeln würden, verdirbt es den Preis
    http://alles-schallundrauch.blogspot.co.at/2013/10/grosstes-olfeld-der-welt-in-australien.html

  4. Stefan Wehmeier sagt:

    Ende der Arbeitsteilung

    Sind die Basis allen menschlichen Zusammenlebens (die Makroökonomie, insbesondere die Bodenordnung) und die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung (das Geld) fehlerhaft, ist alles fehlerhaft, was das menschliche Zusammenleben im weitesten Sinne betrifft. Angebot und Nachfrage sind nicht im Gleichgewicht, es entstehen Konjunkturen und Krisen, systemische Ungerechtigkeit, der Zwang zur Lüge, Bürger- und Völkerkriege, Umweltverschmutzung und -zerstörung, Terrorismus, Kriminalität, materielle und geistige Massenarmut, Fehlernährung – bis hin zur genetischen Degeneration.

    Was Zivilisation ist, findet sich ab Genesis_2,4b als „Paradies“, und die Ursache, warum die Menschheit bis heute nicht zivilisiert ist, unter Genesis_3 als „Erbsünde“ mit genialen archetypischen Bildern und Metaphern exakt umschrieben. Der religiöse „Normalbürger“ erkennt die zahlreichen Negativsymptome der „Mutter aller Zivilisationsprobleme“ nicht als deren zwangsläufige Folgen, sondern interpretiert sie als vermeintliche Folgen einer „Sündhaftigkeit des Menschen“ – die durch eine „Moral“ zu verbessern sein müsste.

    Die vom „Normalbürger“ als „vernünftig“ gedachten Moralvorstellungen bestimmten die Kulturentwicklung über Jahrtausende und führten dazu, dass die wahre Zivilisation nicht nur allgemein unverstanden blieb, obwohl sie nach dem tatsächlichen Stand des Wissens längst verwirklicht sein müsste, sondern die „Moral“ von der „etablierten Wissenschaft“ sogar als „entscheidender Vorteil“ des Menschen in der gesamten Evolution angesehen wird.

    Unterstützt wird die „Moral“ von der Religion, deren Aufgabe es war, die Erbsünde – solange noch niemand wusste, wie sie zu überwinden ist – aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes auszublenden, damit das, was wir heute „moderne Zivilisation“ nennen, überhaupt entstehen konnte; denn kein vernünftiger – nicht religiös verblendeter – Mensch wäre dazu bereit, in einer a priori fehlerhaften Arbeitsteilung zu arbeiten, wenn er weiß, dass ein nachhaltiges Wirtschaften unmöglich und der nächste Krieg unvermeidlich ist.

    Damit wurde der Krieg zum „Vater aller Dinge“, was er jedoch nur solange sein konnte, wie es noch keine Atomwaffen gab! Das heißt nun nicht, dass ein „Frieden durch ultimative Abschreckung“ möglich wäre. Um die ganze „moderne Zivilisation“ – von einem Tag auf den anderen – auszulöschen, ist es nicht erforderlich, dass irgendein wahnsinniger Präsident den „roten Knopf“ betätigt – es reicht schon aus, wenn wir gar nichts machen.

    In der Heiligen Schrift heißt das Ende der Arbeitsteilung „Armageddon“; so genannte „Wirtschaftsexperten“ und „Spitzenpolitiker“ schwafeln irgendwas von „Finanzkrise“; und wer etwas von Makroökonomie versteht, nennt diese größte anzunehmende Katastrophe der Weltkulturgeschichte – nach J. M. Keynes – globale Liquiditätsfalle!

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/10/glaube-aberglaube-unglaube.html

  5. hugin sagt:

    UNSERIÖSE PROGNOSEN
    Die Voraussagen über des Wirtschafts-Wachstum muss ständig nach unten korrigiert werden. Allein die Angaben auf Zehntel-Prozent sind bereirts unseriös. Kein Betrieb kann seinen zukünftigen Umsatz auch nur prozentgenau angeben. Diese „Wirtschafts-Experten“ sind Gaukler, offenbar im Auftrag der Politik.

  6. Cuibono sagt:

    Der deutsche Politik gefährdet durch die Ermöglichung von Abhörerei, die mit dieser unsicheren Handytechnik zwingend verbunden ist, ernsthafte Sicherheitsinteressen. Verschlüsselungen bringen gar nichts, können immer geknackt werden.

    Und man kann die deutsche Wirtschaft nach Belieben ausspionieren. Unglaubliche Milliarden gehen der deutschen Wirtschaft dadurch verloren.

    Man muss sofort Skalarwellenhandies für alle bauen.
    Die Technologie existiert und wird schubladisiert.

    abhörsicher, strahlenfrei und ohne Akku.
    Prof. Konstantin Meyl

    http://www.youtube.com/watch?v=JXLOg8FpLfc

  7. Gerhard sagt:

    Es wird so weiter gehen wie bisher. Die Politiker werden auch weiterhin nicht von der Nachhaltigkeit im Wirtschaften getrieben, sondern vom berühmten Dahinwurschteln, um alles in die Länge zu ziehen, bis dieses System dann wirklich am Ende ist. Der Staat ist schon längst das Beutegut des Politik- und Lobbyistenkartells. Früher hieß das einmal Kommunismus.