Nachhaltigkeit: EU-Berichte belasten Mittelstand

Die EU will Unternehmen dazu verpflichten, regelmäßig Berichte über die Nachhaltigkeit im Betrieb zu veröffentlichen. Die Verpflichtung ist ein Merkmal über der „Regulierungswut“ in der EU. Die meisten Unternehmen verpflichten sich freiwillig zur Förderung von Umwelt-, Klimaschutz und positionieren sich zu sozialen und gesellschaftlichen Werten.

Die EU will Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern dazu verpflichten, in regelmäßigen Abständen Berichte über die Implementierung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen anzufertigen. Mit dem Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) will die EU erreichen, dass Unternehmen ihrer sozialen Verantwortung in vollem Umfang gerecht werden.

Dazu wurde  bereits 2011 ein Aktionsplan aufgestellt, mit dessen Hilfe die Mitgliedstaaten ihre Unternehmen an die verschiedenen Phasen nachhaltigen Wirtschaftens heranführen sollen. Die Direktive der EU-Kommission zur CSR-Berichtspflicht betrifft rund 18.000 börsennotierte und ungelistete Unternehmen in Europa mit mehr als 500 Mitarbeitern oder mehr als 40 Millionen Euro Umsatz. Bis 2014 soll der Aktionsplan umgesetzt sein.

Die Unternehmen „sollten sie auf ein Verfahren zurückgreifen können, mit dem soziale, ökologische und ethische Belange sowie Menschenrechtsfragen in enger Zusammenarbeit mit den Stakeholdern in die Betriebsführung und in ihre Kernstrategie integriert werden“, heißt es in dem Entwurf der EU-Kommission.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hält eine Ausweitung der bestehenden Berichtspflichten zur Nachhaltigkeit für ein Beispiel der „Regulierungswut“ in der EU. Der Entwurf sei problematisch, „weil komplett neue Berichtspflichten zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, Achtung von Menschenrechten und Bekämpfung von Korruption und Bestechung ohne direkten Bezug zur Geschäftsentwicklung im Lagebericht verlangt werden“, heißt es in einer Mitteilung des BDI. Dadurch würden etlichen Unternehmen unnötige Mehrbelastungen aufgedrückt. Eine neue europäische Rechtsvorschrift sei „völlig fehl am Platz“.

Nachhaltigkeit muss freiwillig bleiben

Viele Betriebe haben Nachhaltigkeit auch ohne EU-Zwang als sinnvolles Konzept für sich entdeckt. „Wenn ein Unternehmen viele Anfragen von verschiedenen wichtigen Anspruchsgruppen zu seinen Nachhaltigkeits-Aktivitäten bekommt, kann dies ein Indikator dafür sein, dass sich eine Berichterstattung anstatt einer einzelnen Beantwortung von Fragen lohnt“, sagte Inga Kober, Geschäftsführerin der Bremer Nachhaltigkeitsberatung brands & values in einem Bericht von csr-news. Solche Anfragen könnten von Investoren, Kunden, NGOs, Bundesämtern oder Mitarbeitern kommen.

Die Abteilung Unternehmenskommunikation entwirft die Berichte zur Nachhaltigkeit. „Aber denkbar ist auch der Qualitäts-, der Umwelt- oder – wenn es den gibt – der Bereich CSR oder Nachhaltigkeit“, so Kober.

Der Umfang eines Nachhaltigkeitsberichts ist unterschiedlich. Große Unternehmen richten sich an den Standard der Global Reporting Initiative (GRI). Die GRI bietet auf ihrer Internetseite einen Berichterstattungsleitfaden an, der die Prinzipien und Indikatoren darlegt, die Organisationen nutzen können, „um ihre ökonomische, ökologische und soziale Leistung zu messen“. Kleine und mittelständische Unternehmen könnten aber auch ohne Standard beginnen oder sich „an der ISO 26000 orientieren“, so Kober. „Neben umfassenden Berichten gibt es Berichtsformen, die auf spezifische Aspekte der Nachhaltigkeit fokussieren, wie zum Beispiel einen CDP-Report für die Klimastrategie.“

Der Mittelstand kann sich aber auch an einem EU-Handbuch orientieren, dass ihm die soziale Verantwortung im Unternehmen näher bringen soll. Also Motivation, sich für CSR zu engagieren, gilt der Wunsch, mit seinem Geschäftsmodell einen materiellen oder immateriellen Nutzen zu generieren. Es gibt kein Patentrezept für CSR. Unternehmer können mit ihrem Unternehmen individuelle Werte verbreiten oder den Erwartungen von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik entsprechen.

In der Studie „Unternehmerische Verantwortung im Zeitalter der Transparenz“ von globalen Unternehmensnetzwerk PricewaterhouseCoopers schnitten deutsche Unternehmen mit einem durchschnittlichen Wert von 77 Prozent am besten ab. Schweizer Unternehmen erreichten 66 Prozent, für Österreich lag der Durchschnitt in der Untersuchung bei 43 Prozent. „Insgesamt ist die Qualität der Nachhaltigkeitsberichterstattung in den Unternehmen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen“, sagt Michael Werner, Partner bei PwC für den Bereich Sustainability Services.

Viele Unternehmen, die sich ihrer gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung bewusst sind und das auch kommunizieren wollen, haben sich „zusammengefunden und einer entsprechenden Selbstverpflichtung unterworfen“, berichtet das Lexikon Nachhaltigkeit der Aachener Stiftung Kathy Bays. Für einen Zwang zur Berichterstattung, wie ihn die EU nun für große Unternehmen fordert, scheint es hierzulande keinen Grund zu geben.

Kommentare

Dieser Artikel hat 5 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Miriam sagt:

    das wird doch längst unter Unternehmen gemacht, nämlich in den Audits zur ISO-Zertifizierung = Datensammlung über die deutsche Industrie und den Mittelstand ……..
    ………cui bono ……….?

  2. maus sagt:

    Die Unternehmen Ihre soziale Verantwortung gerecht werden ?
    Förderung von Umwelt und Klimaschutz ?
    Vielleicht die Bayer AG die eine Kohlenmonoxid Pipeline baute Quer durch Städte und Dörfer, ( zum Glück noch nicht Umgesetzt Dank der Tausende Proteste ) wo auch die Feuerwehr sagte das Sie im Notfall nicht helfen könne ? Oder Monsanto der sich weder um die Gesundheit der Menschen kümmert noch um den Umweltschutz ! Die vielen Firmen die im Ausland Ihre Waren unter Katastrophalen Bedingungen produzieren lassen ? Oder das vorhaben des Fracking wo es im Osten schon Probebohrungen gab,und auch In NRW sie schon Genehmigungen bekommen haben ,wo es noch Proteste zu gibt ,obwohl die gefahren bekannt sind !
    Ist das ganze nur ein PR Gag ? Die brauchen nur mit Geldscheine zu wedeln und Ihr Einfluss spielen zu lassen und schon lauft die Sache auch ohne Menschenrechte und Umweltschutz !

  3. insider sagt:

    Laut Ex-EU-Kommissar Verheugen, der es eigentlich wissen sollte, kostet die EU-Hochbürokratie mit ihren über 140.000 Verordnungen und Richtlinien den europäischen Betrieben schon heute bis zu 600 Milliarden Euro jährlich, um mit all den Berichtspflichten die Brüsseler Bürokratie in Gang zu halten bzw. zufrieden zu stellen.
    Mit unheimlicher Konsequenz regiert die EU-Kommission im Zweifel für den Profit und gegen den Willen der Bürger.
    Aus „EU … Kurs halten, bis zum Untergang Europas.“
    http://www.iyoueu.at

  4. Stefan Wehmeier sagt:

    Es ist stets im Hinterkopf zu behalten, dass Politiker in ihrem sinnlosen Bestreben, etwas zu „regeln“, was nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Kapitalismus befreite Spiel der Marktkräfte nicht selbst regelt, nicht aus „bösem Willen“ handeln, sondern weil sie nicht wissen, was sie tun. Denn je höher die „gesellschaftliche Position“ im noch bestehenden zivilisatorischen Mittelalter (Zinsgeld-Ökonomie), desto geringer ist in der Regel das Begriffsvermögen des jeweiligen Patienten gegenüber dem eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation, in dem allgemeiner Wohlstand selbstverständlich,…

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/10/wohlstand-fur-alle.html

    …der Staat abgebaut…

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/12/der-abbau-des-staates.html

    …und die „repräsentative Demokratie“ zur Basisdemokratie wird:

    http://www.deweles.de/files/basisdemokratie.pdf

    Dass ein nachhaltiges Wirtschaften, eine saubere Umwelt und der Weltfrieden auch erst in der basisdemokratischen Freiwirtschaft überhaupt möglich werden, braucht nicht erst erwähnt zu werden; aber das ist den Politikern, die über „diese Welt“ nicht hinausdenken können, natürlich nicht bewusst.

  5. Jo Steiner sagt:

    Sind wir etwas anderes gewöhnt von Brüssel ? Schwachsinn wie immer.