„Sand im Getriebe“: Konjunktur-Schwäche erreicht Mittelstand

Investitionen und Renditen gehen zurück. Beschäftigungszuwächse kommen nur von großen Unternehmen. Kleine Unternehmen verzichten zunehmend auf Kredite. Die geringere Eigenkapitalquote erhöht das Gefahrenpotenzial kleiner Mittelständler. Für das kommende Jahr sind die Geschäftserwartungen verhalten.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erwarten für das kommende Jahr keine Verbesserung ihrer Lage und halten sich mit Investitionen zurück. Erst wenn die Konjunktur wieder anzieht, wird sich diese Haltung schrittweise ändern. Die anhaltende Krise in Europa belastet Unternehmen hierzulande. Das KfW-Mittelstandspanel sieht trotz eines soliden Gesamteindrucks „Sand im Getriebe“ des deutschen Mittelstands.

Die Wachstumsrate der Umsätze beträgt für das Jahr 2012 nur noch 2,4 Prozent, das sind „rund 70 Prozent weniger“ als noch im Jahr zuvor, schreiben die Autoren der Studie. Der stark zugenommene Preisdruck senkt den Umsatz. Viele Mittelständler sehen sich einem schärferen Wettbewerb ausgesetzt. Größere und ältere Firmen sind davon am stärksten betroffen. Ihre höhere Exportorientierung macht sie anfälliger für eine sinkende Nachfrage im europäischen Ausland.

Als „besorgniserregend“ bezeichnen die Autoren die Umsatzentwicklung im forschungs- und entwicklungsintensiven (FuE) Verarbeitenden Gewerbe. Das Umsatzwachstum schrumpft von 12,3 auf 3,2 Prozent. Im Sonstigen Verarbeitenden Gewerbe, „für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands von herausragender Bedeutung“, sinkt das Umsatzwachstum von 12,6 auf 1,7 Prozent. In diesem Bereich macht sich vor allem der Wettbewerbsdruck aus dem Ausland bemerkbar.

„Erstmals seit sechs Jahren nimmt die Zahl der erwerbstätigen Personen im Mittelstand geringfügig ab“, so die Studie.  Der gesamtwirtschaftliche Zuwachs der Erwerbstätigen kommt ausschließlich von Großunternehmen und vom öffentlichen Sektor. Mittelständische Unternehmen beschäftigen über zwei Drittel aller Erwerbstätigen (67%) und bilden 86 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland aus. Die Teilzeitbeschäftigung nahm um 15 Prozent ab, zugunsten der Vollzeitbeschäftigung (+2%) und Azubis (+6%). Flexible Arbeitsverhältnisse nahmen ab.

Die Internationalisierung des Mittelstands nahm leicht zu (+1,5 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr). Dabei gilt, je größer das Unternehmen, desto größer der Grad der Internationalisierung. Über die Hälfte (58%) aller Mittelständler mit über 50 Mitarbeitern erzielen Auslandsumsätze. Auslandsaktive Mittelständler verdienen knapp ein Drittel ihres Gesamtumsatzes im Ausland (29%). Im internationalen Vergleich gilt die Auslandsaktivität des deutschen Mittelstands noch als gering.

Der Saldo zwischen optimistischen und pessimistischen Geschäftserwartungen ist bei etablierten Mittelständlern (über 20 Jahre geschäftstätig)  geringer (-4 Prozentpunkte) als bei Unternehmen, die bis zu fünf Jahre bestehen (+49). Eine besonders optimistische Erwartungshaltung haben größere Mittelständler mit über 50 Beschäftigten (+33) und das FuE-intensive Verarbeitende Gewerbe (+39).

Gefährdungspotenzial kleiner Unternehmen steigt

Die durchschnittliche Umsatzrendite mittelständischer Unternehmen legte im vergangenen Jahr nur leicht zu (+0,3% auf insgesamt 6%). Kleine Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten melden eine rückläufige Renditeentwicklung (-1,1% auf 10,3%). Das führt zu einem Rückgang der Eigenkapitalquoten kleiner Betriebe von 23,5 auf 18,5 Prozent. Anstatt einen Kredit aufzunehmen, finanzieren sich Unternehmen lieber selbst, was sich in einer sinkenden Kreditnachfrage äußert.

Sinkende Umsätze und eine dünnere Eigenkapitaldecke wirken sich langfristig negativ auf die Geschäftsentwicklung aus. „Das Gefährdungspotenzial im Mittelstand nimmt 2012 leicht zu“, heißt es in der KfW-Studie. Das Gefährdungspotenzial liege aber unter den bislang ermittelten Maximalwerten in den Krisenjahren 2008 und 2009.

Die Produktivität im Mittelstand hat in den vergangenen zehn Jahren leicht abgenommen. „Im Vergleich zum Basisjahr (2003=100 Punkte) erreichen mittelständische Unternehmen im Jahr 2012 noch 93 Indexpunkte“, so die Studie. Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Mittelstand seine Produktivität jedoch um 6,6 Prozent steigern. Auch in diesem Bereich ist die Produktivität von der Größe eines Betriebes abhängig. KMU mit über 50 Beschäftigten erzielen einen Wert von 119, kleine KMU einen Wert von 91.

Der Produktivitätsunterschied zwischen kleinen und großen Unternehmen ist in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozentpunkte gestiegen. Um die Produktivitätslücke zu schließen sollen Unternehmen Ideen aus dem Ausland suchen und übernehmen. Dies führe in 87% Prozent der Fälle zu einem Produktivitätszuwachs.

In Deutschland gibt es 3,64 Millionen Unternehmen im Mittelstand. Das sind Unternehmen, deren Jahresumsatz 500 Millionen Euro nicht überschreitet. Zum Mittelstand gehören damit 99,95 Prozent aller Unternehmen in Deutschland. Die meisten haben ihren Firmensitz in westdeutschen Bundesländern (82%).

Etwa 86% aller Unternehmen sind kleine Mittelständler, die einen Jahresumsatz von weniger als 1 Million Euro erwirtschaften. 83 Prozent haben weniger als fünf Beschäftigte. Die „Kleinteiligkeit des Mittelstands“ hat sich durch das ständige Wachstum des Dienstleistungssektors verstärkt. Drei Viertel aller Mittelständler sind in Dienstleistungsbranchen aktiv.

Kommentare

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  1. Stefan Wehmeier sagt:

    „Die Erklärung für die Rendite (Sachkapitalzins) ist, ebenfalls einem Gedankengang Gesells folgend, darin zu suchen, dass in dem Sachkapital eine entsprechende Menge verzinslichen Geldkapitals realisiert ist. Ein Beispiel soll dies erläutern: Angenommen, ein Unternehmer (Fachmann einer bestimmten Branche) hat 1.000.000 DM Startkapital zur Verfügung, um es in einen Produktionsbetrieb dieser Branche zu investieren. Dazu stellt er folgende Überlegung an: Wenn er sein Finanzkapital langfristig verleiht, bringt es ihm 50.000 DM Zinsen. Er wird also die Fabrik nur dann errichten, wenn er dabei außer dem Entgelt für seine Arbeitsleistung noch mindestens 50.000 DM Rendite erzielen kann. Nun rechnet er sich unter Berücksichtigung der erzielbaren Verkaufspreise, der Rohstoffpreise, der Löhne usw. aus, ob er diese Mindestrendite erwarten kann. Nur im Bejahungsfall baut er die Fabrik. Durch deren Produktion erhöht sich nun die Warenmenge in dieser Branche und beeinflusst damit die Preise. Die Folge davon ist, dass die Neuerrichtung von Fabriken in dieser Branche dann aufhört, wenn das Preisverhältnis nicht mehr die Rendite gestattet, die dem Urzins des Geldes entspricht. Auf diese Weise schafft der Urzins eine „Rentabilitätsgrenze“ für das Sachkapital, er sorgt für eine permanente Mangellage (struktureller Sachkapitalmangel), was wiederum in das Problem der Vollbetriebswirtschaft eingreift. Der Zins des Sachkapitals (Rendite) ist also ein abgeleiteter Zins. Er folgt automatisch dem Urzins des Geldes und fällt immer wieder auf diesen zurück. Schwindet der Urzins durch die Liquiditätsgebühr (konstruktive Geldumlaufsicherung), dann folgt die Investition in weiteres Sachkapital solange nach, bis der Sachkapitalzins ebenfalls geschwunden ist, also nicht schlagartig, sondern allmählich.“

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/geldtheorie.html

    Der „Sand im Getriebe“ ist die Rendite, die selbstverständlich nicht verdient, sondern in einer Zinsgeld-Ökonomie durch Ausnutzung des aus dem Geldstreikmonopol folgenden Kapitalmonopols (Sachkapitalmangel) erpresst wird. Damit diese Selbstverständlichkeit alles andere als selbstverständlich erscheint, gibt es bis heute die Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe = Investor), die den „Normalbürger“ glauben lässt, Zinsen und Renditen müssten wohl auf „Apfelbäumchen“ wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/09/adam-und-eva.html

  2. biersauer sagt:

    Da wird sich bald an der Großspurpolitik von Merkel&Co etwas ändern!

  3. Miri sagt:

    “ Mittelstand wird abgebrannt, schlaaaf Deutschland schlaaaaf………..“

  4. Hinterfragender sagt:

    „Der Umsatz schrumpft von 12,3 auf 3,2 Prozent.“

    Hier fehlt der Bezugsparameter. Ist vielleicht der „Umsatzanteil“ gemeint ?

    • redakteur sagt:

      Vielen Dank für den Hinweis. Gemeint ist das Umsatzwachstum. Artikel wurde ergänzt. Die Redaktion

  5. Miri sagt:

    wozu immer noch mehr arbeiten,
    immer noch schneller,
    immer mehr Regeln und Verordnungen bearbeiten,
    Damit alle Unternehmensdaten leichter ausspioniert werden können ?
    immer noch besser,
    immer noch effizienter,
    immer noch nachhaltiger,
    immer noch perfekter ?
    Um immer noch mehr Abgaben zu bezahlen ?
    Um davon schwer krank zu werden ( BurnOut = Stoffwechsel-Zusammenbruch) ?
    Um als „Dankeschön“ enteignet zu werden ?
    Und um in letzter Konsequenz im Alter in Armut zu leben ?

  6. Frank sagt:

    Diesen Mittelständlern geht der göttergleich zelebrierte DAX der täglich über die Bildschirme rieselt glatt am vorbei. Diese Mittelständler profitieren auch kaum vom selbsterkauften Exportüberschuss.
    Diese Mittelständler, die ganz große Masse der deutschen Unternehmen lebt von der Binnennachfrage, die mit den Einkommen der kleinen Leute steht und fällt.