USA spionieren Know-How von deutschen Unternehmen aus

Der größte Nutzen der NSA-Aktivitäten liegt in der umfassenden Industrie-Spionage: Vor allem deutsche Mittelständler haben Erfolg und Know-How. Die Amerikaner wollen wissen, wie man Weltmarktführer jenseits des militärisch-industriellen Komplexes werden kann.

In einem globalen Wettbewerb wird Wissen in einer Wissensgesellschaft immer wichtiger. Das Wissen um das Wissen der anderen insbesondere auch in der Wirtschaft schafft entscheidende Wettbewerbsvorteile. Es führt zu einem unfairen asymmetrischen Wettbewerb. Mithin ist Industriespionage derzeit eine der rasant wachsenden Branchen weltweit.

Bisher richteten sich die Blicke aufgrund des Kalten Krieges hauptsächlich auf Russland und seine Verbündeten. Hinzu kam nach Japan in den 1980er Jahren zuletzt China, das in seinem rasanten wirtschaftlichen Aufholprozess sich das Wissen der am weitesten fortgeschritten Länder und Unternehmen weltweit aneignen möchte.

Die USA haben jüngst massive Vorwürfe gegen China wegen dessen Industriespionage in den USA erhoben, die insbesondere auch die Waffenprogramme der großen US-Hersteller als Ziel haben. Cyber-Attacken werden nach amerikanischer Strategieauffassung als feindlicher Akt angesehen, der quasi einer Kriegserklärung gleichkäme und mit entsprechenden Mitteln beantwortet werden könnte.

Mit dem Stuxnet-Virus wurde eine weitere Qualität erreicht. Es geht nicht mehr nur um das Ausspähen von Informationen, sondern es geht um direkte Manipulationen von Industrieanlagen. In diesem Fall haben vermutlich die USA und Israel damit die Gaszentrifugen im Iran für die Anreicherung von Uran so stark beschädigt, das damit das Atomwaffenprogramm des Iran zumindest wesentlich in seinem Zeitplan zurückgeworfen wurde. Dies muss jedoch nicht nur aus militärischen Erwägungen erfolgen. Sabotage an Industrieanlagen von Konkurrenten wäre ein ebenso lohnendes Motiv.

Hier zeigt sich bereits, das der militärisch-industrielle Komplex – ein Begriff der aus Dwight D. Eisenhower zurückgeht – aufgrund seiner engen Verflechtung von Militär und Wirtschaft besonders sensibel für Industriespionage ist. Aber es kommt hinzu, dass durch Imitation und Produktpiraterie in nahezu allen Wirtschaftsbereichen sich intellektuelles Kapital anderer widerrechtlich angeeignet und zum Schaden der jeweiligen Eigentümer von den Produktpiraten verwertet, zunehmend intensiver als Option eingesetzt wird.

Umso mehr lösten die Veröffentlichung von Snowden über die Kompletterfassung und Speicherung sämtlicher Kommunikationsprozesse im Bereich der Telekommunikation und des Internets Erstaunen bei der breiten Weltöffentlichkeit aus. Waren es nicht bisher die Politiker der USA gewesen, die sich gegen die Industriespionage anderer Länder in den USA gewandt hatten, die nun plötzlich unter den Verdacht stehen, selber in einem weltweit einmaligen Stil dieses ebenso zu betreiben.

Die Information – laut Spiegel, der Einsicht in interne Unterlagen der NSA, die Snowden entwendet hat –, dass Deutschland das Hauptziel der amerikanischen und britischen Spionageaktivitäten in Europa sei, hat die deutsche Wirtschaft alarmiert. Schätzungen gehen bereits jetzt von einem wirtschaftlichen Schaden für Deutschland von jährlich rund 50 Milliarden Euro aus, der durch Produktpiraterie entsteht. Diese Schäden könnten in der Zukunft noch deutlich zunehmen.

Der VDMA, der Verband der deutschen Maschinen- und Anlagebauer, hat sich außerordentlich besorgt gezeigt, dass der mittelständisch geprägte Sektor, der weltweit führend in seiner technologischen Entwicklung ist, und, der eine Säule der deutschen Exporterfolgs bildet, durch die im großem Stile in den USA und Großbritannien betriebene  Industriespionage neben der aus China in Gefahr geraten könnte und durch das Ausspähen seines Know-Hows massiv an seiner technologischen Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu Firmen aus diesen Ländern geschädigt werden könnte.

In einem aktuellen Whitepaper werden Vorschläge seitens des VDMA unterbreitet, wie man sich besser gegen solche Cyber-Attacken schützen könnte. Da gerade beide Länder in den zurückliegenden Jahrzehnten die Weiterentwicklung ihrer eigenen industriellen Basis vernachlässigt haben und jetzt – nachdem sie diese Schwäche erkannt haben – versuchen, mit den weltweit führenden Ländern mit einer starken industriellen Basis wieder aufzuschließen, macht den ungehinderten Zugang zum Wissen der anderen besonders wichtig.

Man befindet sich dort ja in der Position, eine industrielle Basis erst wieder aufzubauen, die zuvor sträflich vernachlässigt worden ist. Ähnliche Befürchtungen äußerte auch kürzlich der ehemalige Geheimdienstkoordinator der Bundesregierung Bernd Schmidbauer, der von den jetzt bekannt gewordenen Aktivitäten der NSA und GCHQ grundsätzlich nicht besonders überrascht war. Man war sich seit langem dieser Bedrohung bewusst gewesen. Allerdings hätten es die Wirtschaft und die Politik versäumt hier rechtzeitig auch entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Der Bundeswirtschaftsminister Rösler sieht auch in diesem Punkt eine große Gefahr für ein Freihandelsabkommen mit den USA. Bereits der überfallartig vorgetragene Versuch mit SOPA, PIPA und Acta die amerikanischen Rechtsvorstellungen über die Eigentumsrechte an geistigem Eigentum weltweit durchzusetzen, stieß gerade noch rechtzeitig auf massivem Widerstand in Europa.

Im Zuge der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen der EU mit den USA, die bereits begonnen haben, sollte Europa daher auch das Thema Industriespionage auf die Agenda setzen. Ohne eine glaubwürdige Selbstbeschränkung und sanktionsbewehrte Regelungen, die wechselseitig Fehlverhalten unter Strafe stellt, droht ansonsten ein ungehemmter Spionagewettlauf wer mit den raffiniertesten Methoden seine wirtschaftlichen Interessen durchsetzen kann. Es droht nichts weniger als ein permanenter unsichtbarer Krieg um das globale Weltwissen und dessen wirtschaftlicher Verwertung im Interesse weniger Staaten und Unternehmen, die über die wirtschaftlichen und technischen Mittel verfügen, sich dieses Wissen anzueignen.

Das hat mit dem oftmals viel beschworenen „level playing field“ eines freien und ungehinderten Welthandels nichts mehr zu tun. Es ist höchste Zeit, hier durch Grenzziehungen was geht und was nicht, diesem bisher ungehinderten Treiben ein rasches Ende zu bereiten.

Kommentare

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  1. Zoner sagt:

    „… das damit das Atomwaffenprogramm des Iran zumindest wesentlich in seinem Zeitplan zurückgeworfen wurde.“

    Ich hatte gedacht, daß die Redaktion der DMN weniger blauäugig ist, als der US-amerikanischen Propaganda über ein Atomwaffenprogramm des Iran auf den Leim zu gehen.
    Nach Informationen unabhängiger Informationsdiensten galt Stuxnet den kommerziellen Urananreicherungsanlagen des Iran.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Wolfgang Knobloch

  2. Endgame.... sagt:

    Na das sind ja ganz neue Erkenntnisse….
    Glückwunsch zum Aufwachen und dem Erkennen von 0,01 % der Tatsachen, was tagtäglich vor sich geht….

  3. Tommy Rasmussen sagt:

    03.11.2013 – In Russland wurden in Bügeleisen, Dashboard-Kameras und Wasserkochern aus China Chips entdeckt, die Computer per WLAN in bis zu 200 Metern Entfernung mit Malware infizieren. Infiziert werden innerhalb von einem 200 Meter Radius alle Computer in ungesicherten WLANs.
    http://www.shortnews.de/id/1059246/russland-per-wlan-infizieren-buegeleisen-computer-mit-malware

  4. solarwahnsinn sagt:

    ..arbeite selbst in einem größeren Unternehmen..auch dort werden Emails teils unverschlüsselt mit Zulieferfirmen ausgetauscht. Liebe Leute, wenn Ihr hier die Abschottung vom Rest des Netzes fordert, schaut Euch doch mal die Lieferanten der Netzwerktechnik an! Dt. oder europäische Technik wurden sukzessive dem liberalisierten Markt geopfert. CISCO und HUAWEI sind doch staatlich geförderte Unternehmen, gegen die unsubventionierte Hersteller nichts entgegen zu setzen haben. Ergo sind europäische Netzwerkausrüster systematisch von amerikanischen und chinesischen Produkten verdrängt worden. Die Amerikaner und Chinesen haben das betrieben was in der EU aus Wettbewerbsgründen verboten war nämlich Quersubventionen und Industriesubvention. Nur die Dt. haben in Ihrem heroischen gerechten „Markt- und Wettbewerbsglauben“ sich selbst den Boden unter den Füßen wegrationalisiert. So kommt halt mittlerweile die Schlüsseltechnik von Übersee..und diese läuft in den sicherheitsabgeschotteten Netzen munter vor sich hin. Selbst einzelne Bauelemente, Chips kommen nicht mehr aus Europa sondern von Samung und Co…ja wir Deutsche haben uns streng an Wettbewerbsrichtlinien gehalten…die andern halt nicht und lachen uns jetzt aus…mal sehen wann es der letzten Branche, der Autoindustrie, an den Kragen geht..Wissen an die dortigen Autobauer…bald sind wir nur noch Konsumenten und Dienstleistungsgesellschaft..von Wertschöpfung und Co keine Spur mehr…und wenn dann noch mit Geld die Wissenschaftler aus dem Land gelockt werden können wir zusperren.

    • Hans von Atzigen sagt:

      Einwandfrei richtige Kernaussage. Nachhaltig bleibt eine Volkswirtschaft nur stabil wenn der Produktiv = Wertschöpfungsanteil sich im Bereich von 50 % bewegt. Grundsätzlich eine einfache Gleichung. Eine Gleichung die letztlich auch für die Globale Wirtschaft gilt. Da ist innzwischen so einiges verheerend aus dem Lot. Am Ende produziert der ganze Irrsinn nur noch Verlierer. Insbesondere die Westliche Welt hat sich in eine überwiegend Konsumative Zone gewandelt. Das ganze finanziert über irre Geldschöpfung. Tja und die scheinbaren Gewinner in Asien??? Wenn die Geldblase des Westens Platzt geht es auch den ,,Gewinnern,, ans eingemachte. Ohne solventen Westlichen Absatzmarkt gehen auch die, in die Knie. Alternative Schwellenländer??? Lachhaft das sind nach wie vor unter dem Strich Armenhäuser. Die sog. Gobalisierung war ein Riesiges Experiment innzwischen am Rande des Scheiterns. Hat da jemand etwas von Marktwirtschaft gerufen??? Marktwirtschaft ohne solventen Markt= Absatzmarkt??? Vergessen, Stupidität hoch 10.
      Freundliche Grüsse.

      • schmuzekatz sagt:

        Das war kein Experiment sondern das ist ein Plan.Aber nicht um unsere Wirtschaft zu stärken.Sollte ja nun mal langsam jedem auffallen.

  5. Hans von Atzigen sagt:

    Da gibt es insbesondere für Firmen ein ganz einfache Schutzmassnahme.
    Entwicklungsabteilungen vom Netz trennen. Desgleichen sensible Kommunikation im Bereich Entwicklung inklusive Pat. Anmelde- Vorbereitungen. Aufrüstung von Elektronischen Entwicklungssystemen nur noch über vorgängig geprüfte Datenträger.
    Notwendiger Entwicklungsdatenaustausch nur noch über Netzunabhängige Datenträger. Alles mit etwas mehr Aufwand verbunden dafür weitestgehend sicher.
    Grundsätzlich gilt das Netz ist öffentlich.
    Forschungsergebnisse sowie Patanmeldungen dürfen erst nach einer Veröffentlichung resp. Anmeldebestätigung über das Netz zugreifbar sein.
    Och je die Iraner mit ihrem Nuklearprogramm. (Megalach)
    Scheint da werkeln zum Glück wohl Deppen.

  6. böse, böse Amerikaner sagt:

    Es waren die Griechen, heute steht in der Welt: “ Die Franzosen ziehen uns mit in die Krise.“ und jetzt auch noch die Amerikaner, Deutschlands „Standard Feind“…
    Die deutsche Politiker haben Deutschland wirtschaftlich ruiniert, jetzt sucht man „die Schuldigen“. Lächerlich!

    Dann erklären wir den Krieg den Amerikanern und warten wir mal ab wer der Verlierer wird- politisch und wirtschaftlich.

    Apropo Spionage- Merkel ist nicht das Opfer wie sie sich selbst dargestellt hat. Merkel hat mit NSA indirekt „gearbeitet“.
    Sie hat sich damit nur lächerlich vor der ganzen Welt gemacht.

    http://www.faz.net/aktuell/politik/zusammenarbeit-der-geheimdienste-vom-opfer-zum-taeter-12645342.html

  7. winter sagt:

    Enercon, Weltmarktführer von Windkraftanlagen und Inhaber von ca. 30% aller Patente im Windkraftsektor weltweit ist jahrelang von den Ameriknern ausgespäht worden und ihre Patente sind von GE in den USA angemeldet worden.

    Dazu gibt es einen jahrelangen diplomatischen Streit mit den USA.

    Google, Facebook, Mikrosoft und Apple sind doch allesamt Firmen von NSA Gnaden, die den Auftrag haben, die US Weltherrschaft zu sichern, Überwachung und nötigenfalls Liquidierung des einzelnen Menschen.

    Das kann sonst niemand.

    Es wird Zeit, dass dieses US- Informationsmonopol – genauso wie im Flugzeugsektor mit Airbus oder im Navigationssektor mit dem System Gallileo – gebrochen wird.

  8. maus sagt:

    Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen !
    E.Snowden sollte den Nobelpreis verliehen bekommen !
    Die ganze Welt scheint in Abgründe zu versinken ,nur noch Macht und Gier bestimmen den Ablauf unserer Zeit ,dabei ist Ihnen jedes Mittel Recht !
    Nur gut das es noch einige Menschen gibt die dagegen angehen,oder es aufdecken !
    Sie sind die Hoffnungsträger in dieser verrückt gewordenen Welt .
    Zitat,Weisheit der Cree Indianer
    Erst wenn der letzte Baum gerodet,der letzte Fluss vergiftet,der letzte Fisch gefangen ist,werdet ihr merken das man Geld nicht essen kann !