Fachkräftemangel: Es gibt 39.000 offene IT-Stellen in Deutschland

Die IT-Branche kann ihr Beschäftigungspotenzial nicht ausschöpfen, weil qualifizierte Mitarbeiter fehlen. Der Frauenanteil im Top-Management und in der mittleren Führungsebene hat sich hingegen verdoppelt. Doch nur große Unternehmen investieren speziell in das Anwerben von Mitarbeiterinnen.

Laut Branchenvertreter Bitkom gibt es 39.000 offene IT-Stellen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der freien Arbeitsplätze um 4000 gesunken. Für die Umfrage wurden 1500 Geschäftsführer und Personalverantwortliche von Unternehmen aller Branchen interviewt.

„Der Fachkräfte-Mangel ist ein strukturelles Problem“, so Bitkom-Präsident Dieter Kempf zu ZDNet. Jedes zweite Unternehmen gab an, dass aktuell ein Mangel an IT-Spezialisten herrscht. 48 Prozent denken, dass sich der Fachkräftemängel weiter verschärfen wird, heißt es in der Bitkom-Studie.

In der Informations- und Telekommunikationstechnologie (IKT) gibt es 16.000 freie Stellen, davon 13.800 bei den Anbietern von Software und IT-Dienstleistungen. Fast drei Viertel der ITK-Unternehmen suchen Softwareentwickler. Unter ihnen sind besonders Fähigkeiten rund um Cloud Computing (40 Prozent) und Social Media (38 Prozent) gefragt.

Am zweithäufigsten werden – wenn auch mit deutlichem Abstand – Anwendungsbetreuer und Administratoren (31%) begehrt.

Die ITK-Branche wird aufgrund des hohen Fachkräftemangels ihr Beschäftigungspotenzial nicht ausschöpfen können. Dennoch werden die Unternehmen 15.000 neue Arbeitsplätze schaffen. In Summe werden bis Jahresende insgesamt 917.000 Beschäftigte in ITK-Unternehmen erwartet, so Bitkom.

Die Studie hat auch den Frauenanteil in Führungspositionen in ITK-Unternehmen untersucht. Seit 2011 ist der Anteil von Frauen im Top-Management und den mittleren Führungsebenen um fast 50 Prozent gestiegen.

Diese Entwicklung prägt die Unternehmen: 95 Prozent geben an, auf bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu setzen. Das beginnt mit den Arbeitszeiten. Ebenso ist Home-Office eine Option. Zwei Drittel der Unternehmen legen auf den Wiedereinstieg nach der Elternzeit besonderen Wert.

Große Unternehmen suchen auch gezielt nach weiblichen Mitarbeitern. Hier sieht die Bitkom noch Entwicklungspotenzial. Rund die Hälfte der Großen schaltet gezielt Anzeigen für Frauen. Bei den kleineren Unternehmen spricht nur ein Drittel Frauen konkret an.

Zwei Drittel der großen Unternehmen versuchen, Mitarbeiterinnen auch weiter zu qualifizieren. Wichtigstes Instrument dabei ist das Mentoring, dicht gefolgt von Frauennetzwerken. Während die großen IT-Unternehmen fast zur Hälfte auf ein Gremium zur Beratung des Top-Managements setzen, existiert etwas Vergleichbares nur zu einem Prozent bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen der IT-Branche.

Kommentare

Dieser Artikel hat 10 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Andreas Müller sagt:

    Einerseits ist überall etwas vom Fachkräftemangel zu lesen und auf der anderen Seite liest man von Entlassungswellen. Vielleicht schaffen es die Unternehmen nur nicht das vorhandene Potenzial aufzuspüren. Finde den Artikel (http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/siemens-entlassungswelle-rekrutierungs-chance-fuer-mittelstaendler/) dazu ganz gut. Bei Siemens werden z. B. 5000 hochqualifizierte Arbeitskräfte freigesetzt…

  2. Miesmacher sagt:

    Deutschland hat in hochtechnischen Arbeitsbereichen zu wenig Fachkräfte! Das ist auch eine der faulen Früchte der Bildungskatastrophe. Wenn Leute von Regel- Schulen weder studier- noch ausbildungsfähig sind, ist etwas faul im System. Das Niveau wurde abgesenkt, um Massen zum Abitur zu führen. Jetzt fehlen die Spezialisten, weil die Universitäten und Fachhochschulen für viele zu hohe Hürden setzen! Also dann weiter absenken, bis wir Dritte Welt sind! Andererseits treibt man Spezialisten ins Ausland, weil dort wesentlich bessere Verdienst-und Aufstiegsmöglichkeiten bestehen. Armes Deutschland!

  3. Bernhard sagt:

    „Es gibt 39.000 offene IT-Stellen in Deutschland“

    Bitte um einen Nachweis ( Liste der offenen Stellen ). Das ist nichts anderes als billige Politik.

  4. Uwe Borchert sagt:

    Jaja, die handgewrungene und bedrückende Fachkräftemangel. Schrecklich! Aber was steckt dahinter? Eine Blase der Wirtschaft? Ablenkung davon? Unserer Firma geht es gut, wir haben Potential und würden gerne wachsen, aber die Fachkräftemangel …

    http://uwes.suche-plus.de/infothek/mangel/index.html

    Nix für Ungut, aber die Propaganda ist wirklich zu Tode geritten worden. Besonders Bitcom und VDI waren da die schärfsten Reiter. Wer sich die aktuelle Entwicklung der Lautstärke dieser Arien ansieht und mit den letzten beiden vollfetten Krisen (Neuer Markt und 2007ff) vergleicht kann sich aber entspannt zurück lehnen. Anfang nächsten Jahres knallt es wieder und dann werden diese Arien leiser werden und paar Monate später wieder verstummen.

  5. Gast(w) sagt:

    39.000 offene IT Stellen und leider haben Sie vergessen zu benennen, wie hoch das Durchschnittseinkommen ist, das in diesen 39.000 Stellen bezahlt wird. Und dann immer das Frauen-Gejammere – ich kann es nicht mehr ertragen.
    Ich bin eine Frau, habe vor ca.30 Jahren mein Informatikstudium abgeschlossen und bin bis heute im Geschäft (und das nur, weil ich es nicht lassen kann, zum Leben brauche ich es nicht, dafür sorgt mein Mann).
    In meiner Lage bekommt man noch Aufträge, wenn man z.B. etwas viel besser kann, als der Slowene oder der Russe (beide sind nicht dumm aber sehr viel billiger und sie haben ‚Ja‘ gesagt als man sie fragte: „Kannst du das?“. Ich habe auch immer ‚Ja‘ gesagt, wenn man mich gefragt hat, denn man will den Job ja haben und sagt natürlich nicht ‚Nein‘. Aber für manche Dinge muss man sich intensiv einarbeiten. Heute möchte kaum eine Firma diese Zeit investieren, kaum ein Firma plant konstant. Wenn man sich selbst konstant irgendwo festbeisst, kann man noch immer einen gut dotierten Job bekommen, für 4 Wochen und der weitet sich manchmal aus, auf vier Jahre – so ging das bei mir immer.
    Dieser Artikel hat absolutes Dumpfbackenniveau – wie man es aus anderen Zeitungen gewohnt ist. Sie verfolgen kein Konzept, sie haben keine Vorstellung von dem, was gut und was falsch ist, sie liefern nur Schriftsätze nach einem Auswürfelverfahren.

  6. MI-Cha sagt:

    Aha und deshalb ackert mein Bekannter rund um die Uhr als Scheinselbständiger für einen Hungerlohn als Fachinformatiker.

    Ich bin echt mal gespannt welches Fachpersonal morgen fehlt….

  7. Flotter Geselle sagt:

    …das Märchen „Fachkräftemangel“ ist schon zu Tode geritten!

    Aber keine Angst – die Fachkräfte aus Bulgarien und Rumänien werden ab 01.01.2014 den händeringend suchenden Firmen die Buden einrennen….***ggg***

  8. Alexander Klar sagt:

    INSM, IW, Bertelsmann Stiftung & Co. weisen immer wieder warnend darauf hin: der Fachkräftemangel geht um. Tja, Deutschland geht es gut. Die Wirtschaft brummt und Vollbeschäftigung steht vor der Tür … 😉 Wenn doch bloß diese kurze Lebensarbeitszeit nicht wäre (wir brauchen eine längere!). Und wir brauchen bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir brauchen auch mehr Hochqualifizierte auf Halde, sonst kommt die Marktwirtschaft schnell ins Stottern.

    Seltsam nur, dass die Löhne kaum steigen, wenn so dringend Fachkräfte gesucht werden. Seltsam, dass wir so viele arbeitslose Menschen haben, mit denen offenbar nichts anzufangen ist … Man sollte meinen, die gesuchte „eierlegende Wollmilchsau“ muss durch genügend Gen-Food erst noch generiert werden. Und was ist eigentlich mit den enorm gestiegenen Absolventenzahlen im naturwissenschaftlich technischen Bereich? Naja, die lassen es sich wahrscheinlich gut gehen als Aufstocker … 😉 Ohne diese „segensreiche“ Leiharbeit (Ingenieure als Leiharbeiter boomen, Mindestlöhne für ausländ. IT-Experten liegen bei 35.000 Euro) wäre die BRD wohl schon längst Geschichte.

    Tja, die Krux mit den besseren Löhnen und den besseren Arbeitsbedingungen .. Nicht zu vergessen: der angeblich fehlende Fachkräftemangel ist zu allererst ein Problem der entsprechenden (Gross)Unternehmen. Vielleicht könnte der Vorstand ja mal etwas von seinen Bezügen abgeben?!

  9. maus sagt:

    Bewerber mit Berufserfahrung die schon ein Gehalt Status aufgebaut haben sagt man sie sind Überqualifiziert =( Gehalt ist ihnen zu hoch ) Die Jungen sagt man sie haben noch keine langjährige Erfahrung . Was die wollen sind qualifizierte Leute mit mehrjährige Erfahrung aber mit niedrigen Gehälter ! Da liegt das Problem !

  10. Eddi sagt:

    Fachkräftemangel? Es ist eher so das man Leute nicht entsprechend ihrer Qualifikation bezahlen will. Auch in meinen Bekanntenkreis gibt es Personen die die nötige Bildung haben jedoch kein unbezahltes Praktikum machen wollen da man Familie hat
    Eine weitere Person in mein Bekanntenkreis ist Hochbaufacharbeiter mit diversen Zusatzqualifikationen aber obwohl es ein Branchenmindestlohn gibt wurde er als ungelernte Hilfskraft bezahlt wobei aber Facharbeiterleistung gefordert wurde. Dieses gejammer der Wirtschaft kann man bald nicht mehr höhren. Wenn tatsächlich dieser Mangel bestehen würde müssten die Firmen doch ein Intresse haben Mittarbeiter zu vernüftigen Löhnen einzustellen und kein Lohndumping betreiben.