Troika-Beamte: Unsere Prognosen waren „daneben“

Die Troika räumt erstmals ein, falsche Prognosen für Griechenland erstellt zu haben. Man habe sich auf die Angaben des IWF verlassen, aber auch die Griechen hätten falsche Zahlen geliefert. Das ist sehr peinlich für die Spar-Kommissare.

Hochrangige Troika-Verantwortliche haben zugegeben, dass die Prognosen der Troika für Griechenland „daneben“ waren. Schuld daran sei vor allem die griechische Regierung, die ihnen bereits im Jahr 2010 falsche Zahlen geliefert habe.

Die Troika musste am Dienstag einräumen, dass alle ihre Beamten mit denselben falschen Zahlen gearbeitet hatten. „Alle makroökonomischen Prognosen beruhen auf einem gemeinsamen Datensatz von Prognosen und Multiplikatoren. Wir verwenden dieselben Daten wie der IWF, wir haben also einen ähnlichen Ansatz“, zitiert EUobserver den Belgier Servaas Deroose, der bis 2011 der Troika-Chef für Griechenland war.

Der IWF hatte dieses Jahr bereits zugeben müssen, dass seine Formeln zu falschen Prognosen geführt hatten. Über Jahre hatte der IWF ganz bewusst zu positive Prognosen für Griechenland abgegeben – trotz der offensichtlichen Krise. Die Technokraten tragen eine Mitschuld an der Zuspitzung der Lage.

Schon zuvor hatten Wissenschaftler penibel nachgewiesen, dass im Grunde alle Prognosen des IWF zu Griechenland falsch gewesen sind – und das über Jahre.

Die beiden Troika-Verantwortlichen wurden gefragt, ob sie mit ihrem heutigen Wissen anders entscheiden würden. Sie sagten, die Troika-Programme seien richtig gewesen – auch in Griechenland. Die Schwerpunkte hätten jedoch an einigen Stellen anders gesetzt werden können.

Die Prognosen der Troika und die tatsächliche Wirtschaftsleistung Griechenlands 2007 - 2014. (Grafik: Zerohedge)

Die Prognosen der Troika und die tatsächliche Wirtschaftsleistung Griechenlands 2007 – 2014. (Grafik: Zerohedge)

Deroose sagte, man hätte mehr auf die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands und die Stabilität des Bankensektors achten müssen. Zudem habe die Troika die Fähigkeiten der griechischen Regierung überschätzt. Diese sei unfähig, ein so großes Programm umzusetzen.

Es sei für ihn „überraschend“ gewesen zu sehen, wie sehr die verschiedenen Interessengruppen versucht hätten, „Reformen zu vermeiden und zu verwässern“, sagte der Deutsche Klaus Masuch, der an den Troika-Programmen in Griechenland und Irland beteiligt war.

Die Fraktionschefs im EU-Parlament werden diese Woche darüber entscheiden, wie sehr sie die Vorgänge bei der Troika untersuchen wollen. „Die Troika hat mehr Schaden angerichtet, als Gutes getan“, sagte Parlamentschef Martin Schulz. Irgendjemand müsse die Verantwortung übernehmen für die verfehlten Versuche die verursachten massiven Enttäuschungen.

Es müsse geklärt werden, warum so viele Fehler gemacht wurden und warum so viele Berichte, die man damals für richtig gehalten habe, sich „drei Jahre später als vollkommen falsch erwiesen haben“, so Schulz.

Deroose und Masuch sagten, dass die Troika lediglich die „technische Expertise“ über Griechenland, Zypern und Irland zur Verfügung stelle. Die Entscheidungen würden von der Eurogruppe getroffen, den 18 Finanzministern der Eurozone. Diese entscheiden darüber, welches Land wie viel Geld bekommt. Jede Überweisung einer Tranche müsse von der Eurogruppe bestätigt werden.

Während in Brüssel möglicherweise nach den Schuldigen für das Rettungs-Desaster gesucht wird, leidet die griechische Bevölkerung unter den Folgen. Die Zahl der griechischen Unternehmen, die ihre Steuern nicht zahlen können, explodiert. Insgesamt schulden sie dem Staat knapp 40 Milliarden Euro.

Der Widerstand der Griechen gegen die Troika verschärft sich. Am Dienstag wurden die Kontrolleure aus IWF, EZB und EU von einer wütenden Menge gestellt und mit Münzen beworfen. Die Polizei hatte alle Mühe, die Demonstranten zurückzuhalten.

Kommentare

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  1. Thomas Ziehe sagt:

    Ja klar die grieschischen Zahlen waren frisiert unkorrekt oder schlichtweg verlogen…
    Wie war das nochmal mit der Erschleichung in die EU-Zone..? Was für Vollid.. arbeiten eigentlich in der EZB, der BUBA, dem IWF. Jeder Blumenverkäufer könnte ihnen sagen wo es lang geht…
    Und Schulz bemerkung „Irgendwer“ also die Steuerzahler müssen dafür zur Verantwortung gezogen werden, einfach super.

    Heben sie Ihr Geld ab bis auf die Fixkosten um endlich diesem Fiat Money System ein Ende zu bereiten. Es liegt rein an Ihnen!!!

  2. fan sagt:

    Verdammt noch mal, hat denn niemand den Mut, diesen Existenz-Zerstörern den Zutritt in’s betroffene Land zu verweigern oder diese Typen ganz einfach rauszuschmeißen..!?

    Die sind doch viel schlimmer als die Kommissare vom ehemaligen Oberrsten-Sowjet – Menschen-verachtende Diktatoren, die unsere Noch halbwegs freiheitliche Demokratie in Europa und seine Menschen mit Nichtachtung und sogar mit Verachtung behandeln..!

  3. Hans von Atzigen sagt:

    Bemerkenswert das der IWF Fehler einräumt. Die Sache war jedoch ganz klar vorhersehbar. Längst ist zumindest für jene die es wissen wollten, bekannt, das sich im Windschatten der Deregulierung und Globalisierung der Kapitalmärkte eine Gigantische Geldblase aufgebaut hat. Grundsätzlich müsste jeder der sich Ökonom schimpft wissen das ein erhebliches Auseinanderdriften von Bruttogeldmenge und Tatsächlichem Realwirtschaftsertrag unabwendbar zu einem Geldrealwert- Verlust führt. Bringen wir es auf den Punkt der IWF hat innerhalb der letzten rund 20 Jahre oberjämmerlich Versagt. Der IWF arbeitet erdrückend vorrangig mit ausgewiesenen Buch- Geldwerten. Realwirtschaftliche Faktoren werden kaum resp. zu wenig einbezogen. Es sind dies im Wesentlichen Pro- Kopfproduktivität sowie der Einbezug von Art und Umfang Realer Exportgüter resp. Art und Umfang der Importierten Güter.
    Ein weiterer Punkt, ist zumindest anhand öffentlicher Daten den Schuldenstand zu ermitteln. Staatshaushalte sind in aller Regel öffentlich, das heisst zumindest der Schuldendienst wird ausgewiesen. Falls nicht kann das ein Abgleich von Konkreten Realwirtschaftsdaten ans Tageslicht befördern. Ein Staat der kaum Realwirtschaftliche Exporte aufzuweisen hat und sich gleichzeitig eine überrissene Infrastruktur leistet und auch anderweitig auf grossem Fuss lebt hat schlicht und einfach keine nachhaltig gesunde Wirtschaft. Das waren und sind Entwicklungen die konnte man voraussehen vorausgesetzt man verfügt über soliden Sachverstand und Kompetenz. Es währe ganz klar die Aufgabe eines IWF gewesen solche Fehlentwicklungen 1.zu erkennen und 2.Dies auch schonungslos zu kommunizieren. Ganz klar es sind nicht nur die teilweise zu recht gescholtenen Banken es sind vor allem auch die vielen kleinen Sparer deren Geld in solchen Volkswirtschaften verbraten wurde. Und die gucken jetzt in ein gähnend leeres Rohr. In gleicher weise hat die Politik versagt insbesondere auch eine EU, Gurken Glühbirnen und anderer Witzfiguren- Furz, von solidem Ökonomischem Sachverstand keine Spur. Die direkte Steuerung der Wirtschaft kann es und wird es nicht bringen jedoch gäbe es noch den Weg der indirekten Steuerung dies über solide fundierte Beobachtung der Volkswirtschaften sowie eine sich daraus ergebende offene Kommunikation der entsprechenden Resultate- an denen sich die Realwirtschaft sowie der Kapitalmarkt entsprechend orientieren kann. Schwankungen im Realwirtschaftsgeschehen sind unvermeidlich die gehören zu einer unter dem Strich positiv sich entfaltenden freien Marktwirtschaft mit ihren vielfältigen Korrekturmechanismen. Die Irre Ausdehnung der Bruttogeldmenge der letzten vor allem 20 Jahre hat diese segensreichen Korrenkturmechanismen mit wie sich jetzt zeigt fataler Wirkung ausgehebelt. Marktwirtschaft braucht Luft zum Leben und atmen. Das Verheerende dieser Atemluft wurde schleichend in vorm vor Irrer Überliquidität Erstickungsgas zugeführt an der die Marktwirtschaft dem Erstickungstod entgegentreibt. Ganz klar und ohne wenn und aber das hat sich längst abgezeichnet das Ding war Innerhalb eines gewissen Zeitfensters Vorhersehbar.( Nicht punktgenau das ist Humbug.) Denn Wirtschaft ist eine Langfristentwicklung die einer entsprechenden auch langfristig wirkenden Grundrahmensteuerung bedarf.
    Freundliche Grüsse
    http://www.hans-von-atzigen.ch

  4. Andy sagt:

    Ja, wenn man so „weise“ ist, wie diese Experten, dann sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht! Jeder, der die Grundrechnuingsarten beherrscht konnte errechnen, daß das nicht stimmen kann, daß die Griechen unwiderruflich pleite sind.
    Aber in der EU fließen die Bäche ja auch bergauf, wenn sich das so ein Politruk einbildet…

    • fan sagt:

      @ Andy,

      ja, so ist das eben mit der Intelligenz der EU-„Führer“..!

      Wie schon zu DDR-Zeiten für die eigesperrten Menschen:

      Auch den EU-Bürgerinnen und -Bürgern – gemäß Anweisung des ehemaligen MAO-Kommunisten Barroso – dürfen ab 1.1.2014 nur noch Schuhe mit dem Absatz vorne verkauft werden, damit jeder merken soll, dass es bergauf geht..!

      Wäre das nicht schon ein „Rettungs-Fortschritt“ für diese elende Bau-Ruine „EU“..?

  5. Stefan Wehmeier sagt:

    Intelligent und dumm

    „Heute, unter der Herrschaft der Monopole, widerstreitet die Betätigung des Eigennutzes oft genug dem gemeinen Wohl. Daher die gut gemeinten Ratschläge der Moralisten und Ethiker, den Eigennutz zu bekämpfen. Sie haben nicht begriffen, dass der Eigennutz an und für sich durchaus am Platze ist, und dass es nur einige rein technische Mängel unserer Wirtschaft sind, derentwegen der Eigennutz so häufig zu Ungerechtigkeiten führt. In einer monopolbefreiten Wirtschaft hingegen, in der es nur eine Art des Einkommens, den Lohn, geben wird, laufen Eigennutz und Gemeinnutz dauernd parallel. Je mehr die Einzelnen dann, ihrem Eigennutz gehorchend, arbeiten, umso besser werden sie den Interessen der Allgemeinheit dienen.
    Der heutige endlose Widerstreit zwischen Eigennutz und Gemeinnutzen ist eine ganz zwangsläufige Folge des herrschenden Geldstreik- und Bodenmonopols. Eine von diesen beiden Monopolen befreite Wirtschaft entzieht diesem Widerstreit für immer die Grundlage, weil in ihr der Mensch aus Eigennutz stets so handeln wird, wie es das Gemeininteresse erfordert. Die seit Jahrtausenden von Religionsgründern, Religionslehrern, Philosophen, Moralisten usw. aufrecht erhaltene Lehre von der Sündhaftigkeit der menschlichen Natur wegen ihrer Eigennützigkeit findet damit ein für allemal ihr Ende. Es ist keineswegs notwendig, dass wir, diesen Lehren folgend, uns durch Äonen hindurch abmühen, um uns selbst zu überwinden, um eines Tages vielleicht doch noch gemeinnützig zu werden – sondern wir können schon jetzt, heute, in dieser Stunde, die Verbrüderung der bisherigen Widersacher Eigennutz und Gemeinnutz vollziehen. Es ist dazu nicht erforderlich, dass wir den Menschen reformieren, es genügt vielmehr, wenn wir das fehlerhafte Menschenwerk, unser Geldwesen und Bodenrecht, ändern.“

    Otto Valentin (aus „Die Lösung der Sozialen Frage“, 1952)

    Es gibt also weder „gute“ noch „böse“, sondern nur intelligente und dumme Menschen. Alle Zivilisationsprobleme, die sich überhaupt thematisieren lassen, hätten nicht erst seit 1952 endgültig der Vergangenheit angehören können, wäre die Menschheit insgesamt intelligent.

    Die schlimmste Verbrecher-Organisation der Welt, die das größte Genie aller Zeiten zu einem moralisierenden Wanderprediger degradierte, machte die Menschen unfähig zu denken. Und selbstverständlich agiert die Moralverkaufs-Mafia der „heiligen katholischen Kirche“ nicht aus Bosheit, sondern aus purer Dummheit, sodass man ihr nicht einmal böse sein kann.

    Der Menschheit verbleibt als einzige Chance, dass die wenigen Intelligenten die vielen Dummen rechtzeitig aufklären, bevor unsere „moderne Zivilisation“ sich selbst auslöscht. Denn der Krieg – zur umfassenden Sachkapitalzerstörung, um den Zinsfuß hochzuhalten – konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab!

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/10/glaube-aberglaube-unglaube.html

  6. Mike Moritzburg sagt:

    Die Banken haben ihr Geld bekommen haben, allein das zählt. Für die war das ein gutes Geschäft. Goldmann Sachs hat zuerst die Bücher für den Eintritt Griechenlands frisiert, und hinterher einen sagenhaften Reibach gemacht. Ein vernünftiger Politiker lässt lieber eine Bank pleite gehen als ein ganzes Land, aber ein „guter“ Banker macht Profit egal wen er ruiniert.

  7. Gerhard sagt:

    Gut, jeder weiß es jetzt, die Troikatruppe ist gescheitert. Eine Steigerung der Troika wäre dann die diskutierte Treuhandanstalt für Griechenland, die Privatisierung des griechischen Staatsbesitzes nach dem Modell der Treuhand in Ostdeutschland. Troika oder Treuhand, egal wie die technische Truppe auch heißt, sie muß erst noch lernen, dass sie nicht im luftleeren Raum agiert, sondern mit 11 Millionen Menschen zu tun hat. Wir sind live dabei!

  8. Timerunner sagt:

    Wahrscheinlich sind die im Artikel genannten Zahlen noch getürkt und die griechische Wirtschafteistung ist in Wirklichkeit um das Doppelte oder Dreifache davon abgesackt. ABER – für die, die’s noch immer nicht begriffen haben: IST DOCH VÖLLIG EGAL!

    Denn – hier geht es nicht um hoffnungslose, knapp am Verhungern lebende Millionen, sondern um das Große und Ganze – kurz, um den Willen unserer Brüsseler und Berliner Führung.

    Die wissen schon, was sie tun – sie verwirklichen die Ideen einer großen historischen Persönlichkeit (aus der Geschichte soll man schließlich lernen, gell?): „GRIECHEN-GRAD MUSS BIS ZUR LETZTEN PATRONE VERTEIDIGT WERDEN! Wenn das deutsche Volk unfähig ist, das zu erzwingen, ist es unwürdig und soll daran zugrundegehen“.

    (Wer hat sowas Ähnliches gleich nochmal gesagt? Ist mir jetzt entfallen. Aber egal – wenn DAS kein garantiertes Erfolgsrezept ist!)

  9. Frank sagt:

    Zeigt einmal mehr, dass Politik nichts mit Sachverstand zu tun hat. Es gilt, Wunschdenken umzusetzen, das werden Realitäten gern ausgeblendet.
    Letztlich bleibt die Frage, WEM NÜTZEN diese Entscheidungen, wenn es doch so vielen Menschen schlechter geht? Ein paar wenige sind halt die Gewinner …
    Nächste Frage: WEM DIENEN solche Politiker, wenn das eigene Volk unter deren Entscheidungen leidet?

  10. windradl sagt:

    Ja Ja, da wenn sie mich damals gefragt hätten. Ich hätte die Lösung gewußt. Ja Ja