Währungskrise: Deflation gefährdet deutschen Mittelstand

In Europa geht die Angst vor der Deflation um. Die ist berechtigt: Denn die EZB will, dass das Geld der Investoren in neue Kredite für die Schulden-Staaten fließt. Die Politik ist eine gezielte Strategie, die am Ende zu einschneidenden Veränderungen in Deutschland führen wird.

Der große Run auf europäische Aktien könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Denn mit dem Schreckgespenst einer Deflation in der Euro-Zone vor Augen könnten für viele Anleger Staatsanleihen mit ihrem garantierten Ertrag wieder interessanter werden, sagt Jan Loeys, Chef der Vermögensverwaltung bei JP Morgan.

In einem Umfeld steigender Preise ist es umgekehrt: Dann setzen Anleger auf höhere und inflationssichere Renditen durch den Kauf von Immobilien oder die Beteiligung an gewinnbringenden Unternehmen. Dies hat in diesem Jahr unter anderem den DAX sowie die US-Indizes Dow Jones und S&P 500 von Rekordhoch zu Rekordhoch getrieben.

Den Experten der Bank of America-Merrill Lynch zufolge haben die globalen Aktienfonds in diesem Jahr 231 Milliarden Dollar frisches Geld angezogen, während die Anleihen-Fonds nur einen Zufluss von 16 Milliarden Dollar verzeichneten. Aus letzteren flossen allein in den vergangenen 14 Wochen zwölf Milliarden Dollar wieder ab. Für diese Verlagerung von Anlagekapital weg von Staatsanleihen hin zu Aktien haben die Analysten der US-Bank den Begriff von der „Großen Rotation“ geprägt.

Auslöser der Deflations-Befürchtungen war der überraschend starke Rückgang der europäischen Teuerungsrate im Oktober auf nur noch 0,7 Prozent. Damit lag sie deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp zwei Prozent. Als Reaktion auf die niedrige Inflationsrate senkten die Notenbanker in der vergangenen Woche überraschend den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent. EZB-Chef Mario Draghi schloss sogar eine weitere Zinssenkung nicht aus. Doch zugleich machte er klar, dass Europa keine deflationäre Spirale à la Japan droht.

Dort war bereits in den 1990er Jahren das Vertrauen in stabile Preise ins Wanken geraten: Auf niedrigere Preise setzende Verbraucher hatten ihr Geld zusammengehalten, statt zu konsumieren. Gleichzeitig verschoben Unternehmen Investitionen. So kam eine Spirale fallender Preis in Gang, die Japans Wirtschaft lange schwer zu schaffen machte. „Wenn in Europa die Leute mit einer Deflation zu rechnen beginnen, muss man die Beziehung zwischen einer riskanten und einer nicht-riskanten Anlage neu beurteilen“, erklärt Bill O’Neill, Chef-Stratege für die Investmentstrategie der UBS in Großbritannien. „Die Märkte werden sich auf Investments konzentrieren, die nominal einen Ertrag garantieren wie Staatsanleihen.“ Bei Aktien – und vor allem bei Finanzwerten – sei in einem solchen Fall Vorsicht angesagt.

Dabei könnten Staatsanleihen Spaniens und Italiens mit ihren im Vergleich zu Bundesanleihen deutlich höheren Renditen eine Renaissance erleben: Sollten die Geldschleusen der Notenbanken weiter geöffnet werden, werde es bei den Bonds aus Ländern der Euro-Zone wie Spanien und Italien eine Rally geben, sagt Salman Ahmed, Stratege des Bankhauses Lombard Odier, voraus.

Die Autoren Michael Rasch und Michael Ferber haben in ihrem Buch „Die heimliche Enteignung“ erläutert, welche Folgen eine Deflation auf die Wirtschaft eines betroffenen Landes hat:

Überkapazitäten und steigende Arbeitslosigkeit
Eine Deflation kann entstehen, wenn in einer Volkswirtschaft eine anhaltende, starke Flaute herrscht. In solchen Fällen haben die Unternehmen Überkapazitäten und versuchen, diese mittels Preissenkungen abzubauen. Dies reicht allerdings nicht aus, und in der Folge senken die Firmen verstärkt ihre Kosten. Dies wiederum führt zu höheren Arbeitslosenraten.

Eine massive Vernichtung von Wohlstand
In einer Deflation geht der Wert des Vermögens zurück, Aktienkurse und Immobilienpreise fallen. So hat die deflationäre Entwicklung in Japan dafür gesorgt, dass die dortigen Häuserpreise seit dem Platzen der Blase 1989 laut der Bank Sarasin um rund 80 Prozent gesunken sind. Der japanische Aktienleitindex Nikkei 225 erreichte Ende 1989, vor dem Ausbruch der dortigen Krise und der anschließenden deflationären Entwicklung, ein Niveau von 38.916 Punkten. Ende Juni 2012 stand er immer noch beziehungsweise wieder auf einem Stand von 9.100 Zählern. Er hatte also knapp 23 Jahre später nicht einmal mehr ein Viertel seines damaligen Höchstwerts.

Schuldenabbau von Unternehmen und Konsumenten
In einer Deflation bauen Unternehmen und Konsumenten Schulden ab – oder versuchen das zumindest. Die Tatsache, dass alle gleichzeitig zu sparen versuchen, schafft ein schwieriges Umfeld für Unternehmen. Während einer Deflation kommt es im Allgemeinen zu vielen Insolvenzen und Restrukturierungen. Außerdem sind oft Notverkäufe von Vermögenswerten zu beobachten. Dies wird von einem erheblichen Vertrauensverlust begleitet. In der Folge beginnen Wirtschaftsakteure damit, Geld zu horten.

Verstärktes Sparen der öffentlichen Hand
In einer Deflation sind Staaten zumeist stark verschuldet. Wird die Lage bedrohlich, sind Regierungen gezwungen, einen Teil ihrer Ausgaben zurückzufahren. Die an einen ausgabefreudigen Staat gewöhnte Wirtschaft spürt dies ebenfalls.

Reduzierte Kreditvergabe der Banken
Aufgrund der schwierigen Lage der Unternehmen und der schwachen Konjunktur werden auch die Banken vorsichtig und vergeben weniger Kredite. Die Finanzhäuser sind selbst immens unter Druck, beispielsweise weil sie zuvor die Bildung von Blasen mit der Vergabe billigen Geldes begünstigt haben.

Geringe Umlaufgeschwindigkeit des Geldes
Während Geld bei einer starken Inflation sehr schnell herumgereicht wird, ist bei einer Deflation genau das Gegenteil der Fall. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist sehr niedrig. Während eine Zentralbank die Inflation mit der Heraufsetzung des Leitzinses bekämpfen kann, ist der Fall bei einer Deflation komplizierter. Geldpolitische Maßnahmen können hier lange Zeit wirkungslos bleiben.

Die Strategie der EZB, den Staaten den Crash zu ersparen und ihnen weiter Kredite zuzuführen, geht also auf Kosten der Sparer und der Unternehmen in Deutschland.

Die Zentralbanken versuchen zu retten, was im Grunde nicht zu retten ist.

Bei der Deflation gilt die Faustregel: Staaten, die in die Deflation rutschen, müssen sich auf ein verlorenes Jahrzehnt einstellen.

Kommentare

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  1. LarsLonte sagt:

    Ich möchte sie auf Manfred Julius Müller und seine ökonomischen Ideen zur Umfinanzierung des Sozialstaates über die Mehrwertsteuer hinweisen, nach dem Vorbild Dänemark! Dann können die Lohnnebenkosten gesenkt werden – und das globalistische Lohn- und Sozialdumpingsystem ausgehebelt werden…da die Mehrwertsteuer protektionistisch wie eine Zollgrenze wirkt!!!

    http://www.neo-liberalismus.de/

    http://www.anti-globalisierung.de/

    http://www.das-kapital.eu/manfred-mueller.html

    http://www.grundeinkommen-buergergeld.de/publikationen.html

    Gegen die deflatorische Austeritätspolitik bzw. Sparpolitik a la Brüning

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-04/rog off-reinhart-sparpolitik-kritik

    Harvard-Ökonomen geben Fehler bei folgenreicher Staatsschulden-Studie zu
    Auf mehr als 90 Prozent Staatsschuldenquote folgen Stagnation und Krise, hatten Reinhart und Rogoff 2010 in einem Paper konstatiert und wurden damit zu den wissenschaftlichen Bannerträgern der öffentlichen Austerität

    http://www.heise.de/tp/blogs/8/154129

    Austerität bringt Menschen um: Neue Studie vergleicht 30er Jahre und heute
    30. April 2013 * 18:06 Uhr

    http://www.bueso.de/node/6432

    Negative Beschäftigungseffekte zur 1 Euro Jobs

    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36016/1 .html

    Volksprotest http://www.volksprotest.de/ die wahren Zahlen!

    Zeit-Fragen > 2013 > Nr. 12 vom 18.3.2013 > Griechenland braucht weiteren Schuldenschnitt

    Griechenland braucht weiteren Schuldenschnitt

    «Mit den gewählten Sparmassnahmen mehr Schaden als Nutzen erzielt»

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1396

    In Griechenland setzt sich der Hunger fest…

    In Griechenland setzt sich der Hunger fest – Zeit-Fragen

    http://www.zeit-fragen.ch/  Zeit-Fragen  2012  Nr.13 vom 26.3.2012

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=777

    http://www.ethikbank.de/fileadmin/ethikbank/dokumente/E-Briefe/Zeitfragen-Laenderportraet-Griechenland.pdf

    http://www.eu-skeptiker.de/

    «Eine erweiterte Freihandelszone Efta als das wirkliche Europa anbieten»

    von Beat Kappeler Die Welt bewegt sich, manche Köpfe weniger, das zeigt der Rückblick auf einige Themen der «Standpunkte» hier.Sozusagen von unten nach oben beginnen wir bei den Hundehalterkursen. Ge…

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=88

  2. LarsLonte sagt:

    +++ 4. Dezember 2013 +++

    Eine Große Koalition in Deutschland lädt zu mehr Austerität und Entindustrializerung ein

    In der Nacht des 26.11. schlossen die deutschen Christdemokraten (CDU-CSU) und Sozialdemokraten (SPD) ihre Verhandlungen über eine Große Koalition überraschend ab, obwohl einige inhaltliche Punkte noch nicht geklärt sind. Ihr Koalitionsvertrag verkündet eine „Zukunft für Deutschland“, doch die Pläne darin sprechen für das Gegenteil. In der 185 Seiten langen Schrift ist reichlich von „Innovation” und „Investitionen” die Rede, aber nur in vagen Formulierungen. Gleichzeitig wird am Ausstieg aus der Kernkraft festgehalten und der Übergang zur „Bio-Ökonomie” mit dem Wechsel von fossilen zu „nachhaltigen“ und „erneuerbaren“ Energieträgern verkündet. So ist von der Großen Koalition für die Zukunft des klassischen Industrielandes Deutschland eine noch katastrophalere Politik als bisher zu erwarten.

    Im Vertrag werden Dinge wie „Open Source“, Internet- und Kommunikationstechnik oft betont, was darauf schließen läßt, daß der Dienstleistungssektor, der schon jetzt 73% der deutschen Wirtschaft ausmacht, noch ausgeweitet werden soll. Zudem sollen die Sektoren Schiffbau und Offshore-Windkraft verbunden werden. Die Koalition will beträchtlich mehr Bemühungen in den Aufbau eines „intelligenten“ Stromnetzes stecken, um Strom von den Windparks in der Nord- und Ostsee etwa 800 km weit nach Süddeutschland zu transportieren. Woher die Zigmilliarden Euro, die dies kosten wird, herkommen sollen, wird nicht genau angegeben.

    In der Verkehrsinfrastruktur werden Instandhaltung und Reparatur Vorrang vor Neubauten haben, obwohl viele Eisenbahn- und Straßenbrücken eigentlich ganz neu gebaut werden müßten. Auch die auf 4 Mrd.€ jährlich erhöhten Mittel für die Instandhaltung reichen bei weitem nicht aus. So sind nach Angaben des Bahnmanagements 1400 Eisenbahnbrücken im Land dringend erneuerungsbedürftig, die Bahn bewältigt davon aber derzeit nur 125 Brücken jährlich.

    Im Koalitionsvertrag wird erwartungsgemäß eine Bankentrennung abgelehnt und strikt am Ziel eines ausgeglichenen Haushalts festgehalten, was bedeutet, daß kein produktiver Staatskredit verfügbar sein wird.

    Der Einigung muß noch in einem parteiinternen Entscheid von einer Mehrheit der 475.000 SPD-Mitglieder zugestimmt werden. Die starke grün-linke Fraktion in der Partei ist gegen die Große Koalition, aber wahrscheinlich wird der Opportunismus überwiegen und die Mehrheit dafür stimmen. Lehnt sie ab, dann wird es zu vorgezogenen Neuwahlen kommen.

    Die neue Große Koalition hätte im Bundestag über eine gewaltige Mehrheit von fast 80%, 504 der 631 Sitze, die Opposition wäre zahnlos.

  3. ReiHe44 sagt:

    Ich höre immer nur Geldschwemme – und warum kommt unten kaum was an ?

  4. Miesmacher sagt:

    Die Wirtschaftseliten fürchten nichts mehr als die Deflation, den Wirtschaftskiller schlechthin. Deshalb versucht man durch die Geldschwemme gegenzusteuern. Inflation ist das kleinere Übel für Schuldner, nicht für Gläubiger! Allerdings ist es ein Spiel mit dem Feuer, denn keiner weiß genau, was passiert. Die Weltwirtschaft ist zu komplex verzahnt!

  5. Schleswig sagt:

    Deflation in Deutschland? Ist das ein Witz? Oder in Europa? Der Club Med liefert das gewünschte Inflationsergebnis wie immer kleiner 2%. Auf das die EZB sich berufen fühlt weiterhin Geld für Italien und Co. zu drucken. Italien steht mit den Rücken zum Abgrund und mit einem Bein schon darüber hinaus. Das ist nur eine weitere simpler Täuschungsversuch seitens des Italieners Draghi.

  6. Fritz sagt:

    Ich höre seit Neuestem immer Deflation. Wo denn? Ich glaube viel eher dieses Argument wird als Notlüge herangezogen, um die ungeheure Geldschwemme der EZB zu rechtfertigen. Die Geldschwemme ist das Problem, sie führt zu hohen Staatsschulden, Finanzmarktblasen und kalter Enteignung der Sparer. Die Geldmenge schafft erst die Voraussetzung für die Banken der Geldmafia ihre risikofreie Geldlotterie zu spielen. Bankverluste übernimmt ja der Steuerzahler, bzw. über die Schulden unsere Nachkommen der nächsten fünf Generationen. Die Realwirtschaft wird mit diesem Geldsch….haufen über kurz oder lang ebenfalls ruiniert.

  7. Cuibono sagt:

    Das Zentralbanken-Kreditgeldschöpfsystem zeigt mittlerweile alle bösen Facetten seines Systemfehlers.

    Hätten die Staaten souveränes Staatsgeld, und zwar Gratisgeld, kontrolliert durch eine strenge weisungsfreie Geldmengenbehörde, dann wäre kein Staat verschuldet.

    Dann gäbe es keinerlei Notwendigkeit, Banken, die heute allein geldschöpfberechtigt sind, zu retten, damit man sich selber dann bei denen verschulden kann und MUSS, um als Staat zahlungsfähig zu bleiben.

    In diesem kranken System wandert jetzt eine Haftungserklärung der Steuerbürger nach der anderen in die Hände der Luftgeldschöpfer.

  8. Brigitte sagt:

    Wie können Konsumenten
    – für den nötigen Konsum (Nachfrage) sorgen, wenn ihr Einkommen begrenzt ist?
    – Schulden abbauen, wenn ihnen hierfür der nötige Lohn fehlt?
    – Guthaben aufbauen, wenn viele ihren Arbeitsplatz verlieren?

    Seit längerem können Arbeitnehmer ihre Forderungen nach höheren Löhnen, kürzeren Arbeitszeiten, etc. selbst nicht mehr durchsetzen. Investition sind durch Nichtbesteuerung ein zu starker Konkurrent geworden. Doch wenn Unternehmen immer mehr ihre Produktion auf Maschinen statt auf Menschen aufbauen, fehlt es den arbeitenden Menschen an Einkommen. Sie können nicht mehr im eigenen und von Fremden gewünschten Umfang konsumieren. Da die Nachfrage ausbleibt, wird auch weniger investiert. Die Produkteigenschaften verschlechtern sich.

    Die Folge einer einseitigen, steuerlichen Belastung der Arbeitnehmer ist eine Deflation, von der hier zwar als Ausgangspunkt ausgegangen wurde, deren Zustandekommen allerdings nicht erklärt wurde, siehe „Eine Deflation kann entstehen, wenn in einer Volkswirtschaft eine anhaltende, starke Flaute herrscht.“.

    Brigitte