Aufschwung Fehlanzeige: KfW warnt vor Demografie-Falle

Der demografische Wandel lässt die deutsche Bevölkerung schrumpfen – und mit ihr schrumpft auch die deutsche Wirtschaft. Mehr Bildung und eine stärkere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollen dazu beitragen, dass mehr Menschen am Arbeitsmarkt teilhaben können.

Der demografische Ausblick für Deutschland sei für die nächsten 20 Jahre ungünstig. So schätzt die KfW, dass im Jahr 2030 die Zahl der Einwohner Deutschlands um 3,2 Millionen Personen schrumpfen wird. Das macht ein Minus von umgerechnet 3,9 Prozent seit 2012. Die Zahl der Erwerbstätigen (15- bis 74-Jährige) sinkt um 7,7 Prozent oder 4,9 Millionen Personen.

Das Pro-Kopf-Wachstum sinkt ebenfalls. Durch den Rückgang der Einwohnerzahl wird dieser Effekt leicht abgefedert. Es vermindert sich von 1,3 Prozent im Jahr 2012 auf 1,0 Prozent im Jahr 2030. Im internationalen Vergleich sollte Deutschland damit nicht zufrieden sein.

Eine Verdoppelung des Wachstums des Pro-Kopf-Einkommens auf zwei Prozent wäre ehrgeizig, aber machbar. Zuletzt wurde dies in den 1980er-Jahren erreicht.

Entscheidend für das Wirtschaftswachstum ist das Bevölkerungswachstum. Damit das Einkommen steigt, muss die Wertschöpfung schneller wachsen als die Zahl der Einwohner, so die KfW-Studie.

Ohne Investitionstätigkeit, einer jährlichen Nettozuwanderung von rund 100.000 Personen und einer jährlichen Verbesserung der Produktivität sehe die Wachstumsprognose düster aus, so die KfW.

Ein weiterer Schritt in der Überwindung der Demografie-Falle ist die Erhöhung der Partizipationsquote. Hier empfiehlt die KfW Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, um die Qualifikation der Erwerbstätigen zu steigern. Dazu sollten alle Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf getroffen werden.

Um ein Pro-Kopf-Wachstum von zwei Prozent zu erreichen, müsste die Partizipationsquote auf 90 Prozent steigen. Das bedeutet, dass neun von zehn Erwerbstätigen dafür tatsächlich beschäftigt sein müssten. Die Studie rechnet allerdings damit, dass die Partizipationsquote von 69,5 % (2012) auf nur 72,5 % (2030) steigen wird.

Mit Zuwanderung alleine ließe sich das Problem auch nicht lösen. Denn so würde sich zwar das Potenzialwachstum anheben, nicht aber das Pro-Kopf-Einkommen. So ist Zuwanderung dann sinnvoll, wenn freie, bestehende Arbeitsplätze besetzt werden. Im nächsten Jahrzehnt soll sich die Zahl solcher Arbeitsplätze verdoppeln.

Wie das bewerkstelligt werden soll, verrät die KfW indes nicht.

Kommentare

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Sehr Gute Kommentare.
    Sehr erfreulich das es offenbar zahlreiche Menschen gibt die Meinungen auch prüfen und hinterfragen.
    Bedenklich wird es wenn Studien schlampig erstellt werden und ungeprüft auf Einzelmeinungen zurechtgebogen werden. Nachhaltig sinnvoll wirksame und einigermassen Gültige Studien kommen nur zustande wenn ein möglichst grosser Anteil an Faktoren einbezogen werden. Alles andere ist Dilettantismus.
    Die Menschheit hat grundsätzlich eine sehr grosse Chance längst verbraten.
    Die Kernformel:
    Stopp des Bevölkerungswachstums bei gleichzeitiger Verbesserung der Pro-Kopf-Produktivität mit und unter Nutzung der Technik.
    Die Zahl der Menschen die als Produktions und gleichzeitig zwangsläufig auch als Konsumfaktor ausfallen steigt rasant.
    Das Ergebnis ist faktisch ein Verbrechen. Innzwischen sind das Milliarden von Menschen die um ein Menschenwürdiges Dasein betrogen werden.
    Längst bräuchte es mehr relativierendes und sehr viel weniger Lineares und Hochrechnungsdenken.
    Freundliche Grüsse
    http://www.hans-von-atzigen.ch

  2. spatz sagt:

    Durch immer komplexer und leistungsfähiger werdende Fertigungsprozesse
    werden weiter eine riesige Zahl an Arbeitsplätzen in der Produktfertigung wegfallen,
    im übrigen auch in den Schwellenländern wie China, BRICS etc. hier wird es noch zu schweren Verwerfungen kommen.
    Der 3D Drucker z.B. der heute schon simultan zur Softwareeingabe Teile produzieren
    kann wird in naher Zukunft eine gigantische Sterbewelle unter Kleinbetrieben
    auslösen die bisher Kleinserien und Prototypenteile für die Industrie gefertigt haben.
    Moderne Softwarelösungen werden in Zukunft auch Massen von Dienstleistungsarbeitsplätzen
    überflüssig machen.
    Kurz gesagt werden immer schneller fortschreitende Technologien den Menschen
    in immer mehr Teilaspekten leistungs und kostenmässig überholen und überflüssig machen.
    Glaubt ausser der dummen KFW (siehe Lehmann Faupax) und ein
    paar nach Wunschergebnissen arbeitenden korrupten studienerstellenden
    Wissenschaftlern ernsthaft jemand man könnte die wirtschaftlichen Probleme der
    Zukunft mit ständiger Überproduktion von Menschen lösen.
    Abgesehen davon dass dies schon widerlegt ist ( wir haben in Europa die letzten Dekaden eine ständig steigende Produktivität trotz negativer Demografie gehabt.)
    würde diese in der Zukunft nicht nur keine wirtschaftlichen Probleme lösen
    sondern nur die teuren sozialen die wir onehin schon haben noch weiter verschärfen.

  3. Margrit Steer sagt:

    Diese Demokratie-Gerede wird auch z. T. von der falschen Sicht gesehen.
    Es geht nicht nur darum, Beruf und Familie bessr zu koordinieren.
    Es muß mal generell hinterfragt werden, warum immer mehr Frauen ganz bewußt keine Kinder wollen.
    Es ist die völlig falsche Überemanzipation.
    Mit Mitte 40 merken dann diese Frauen, dass es doch nicht so toll ist, nach Hause zu kommen, keiner ist da und sie wissen eigentlich gar nicht, wofür sie sich so abrackern.
    Aber man ist ja so emanzipert.
    Und dies ständige Gerde von Zuwanderung sollte unter Strafe gestellt werden.
    Übrigens auch dies ein Grund für wenig Kinder
    Die Überfremdung mit kultrufremden Leuten trägt dazu bei, dass jungen Leute hier keine Kinder mehr in die Welt setzen
    Wenn unsre jungen Leute heute nicht wissen, ob sie morgen noch einen Job haben, oder nach dem Studium trotz guter Abschlüsse keine Arbeit finden, aber als unbezahlte oder wenig bezahlte Praktkanten jobben dürfen, gründen sie auch keine Familien
    Also diese einseitige Sicht muß aufhören

  4. Hülsensack sagt:

    Muß ein Volk unbedingt seine Bevölkerungszahl erhöhen, um „Überlebensfähig zu sein?
    So müßte ja jede Familie sich mit Kindern zuschütten, um gut leben zu können. Aber wie wir wissen, sind viele Nachkommen nicht diehnlich, wenn die Grundlagen für diese nicht gegeben sind. Erkennbar in Ländern, wo man sich Nachwuchs anschfft, ohne zu bedenken, wie man den füttern soll.
    Da braucht man kein „Überbildungsstudium“ oder irgend einen Titel, wenn man die Logik walten läßt beim NACHDENKEN. Auch unser Land kann mit weniger Einwohnern weiter bestehen, wenn die, welche vorhanden sind, nicht aus dem Gemeinschaftstopf am Zappeln gehalten werden, sonder wenn diese noch Vorhandenen entsprechend gebildet und arbeitswillig sind und durch vernünftige Politik auch Arbeit finden können.

  5. Naclador sagt:

    Nicht zu fassen.

    „Entscheidend für das Wirtschaftswachstum ist das Bevölkerungswachstum. Damit das Einkommen steigt, muss die Wertschöpfung schneller wachsen als die Zahl der Einwohner, so die KfW-Studie.“

    So ein Blödsinn. Es reicht, wenn die Wertschöpfung langsamer schrumpft als die Bevölkerung.

    „Um ein Pro-Kopf-Wachstum von zwei Prozent zu erreichen, müsste die Partizipationsquote auf 90 Prozent steigen. Das bedeutet, dass neun von zehn Erwerbstätigen dafür tatsächlich beschäftigt sein müssten.“

    Wie bitte? Wie kann man erwerbstätig, aber nicht beschäftigt sein? Nach meiner Erfahrung sind 100% der Erwerbstätigen beschäftigt.

  6. eine Meinung sagt:

    In diesem Beitrag merkt man doch wie paradox diese Wachstumsphilosophie ist.
    Die Wirtschaft dient der Befriedigung von Bedürfnissen und der Versorgung der Bevölkerung. Nicht die Bevölkerung dient dem Wachstum.
    Ist es eine so schreckliche Vorstellung, dass in D vielleicht einmal nur 40 Mio Menschen leben? Ich finde nicht. Weniger Verkehr, weniger soziale Probleme, Schutz der Natur, vielleicht auch mal reines Wasser in Flüssen wie die Menschen es noch vor 200 Jahren vorgefunden haben. Was hat denn Quantität mit Qualität zu tun?
    Nach dieser Logik müssten sich vor allem Norweger fürchten. Aber die leben ganz gut
    mit ihren 5 Mio Menschen. Vor allem die Natur dort ist wunderbar. Wenn ich mir vorstelle, dass dort noch 5 Mio mehr durch die Fjorde stapfen, hätte ich ehrlich gesagt Angst um dieses wunderschöne Land.

  7. Brigitte sagt:

    „Entscheidend für das Wirtschaftswachstum ist das Bevölkerungswachstum. Damit das Einkommen steigt, muss die Wertschöpfung schneller wachsen als die Zahl der Einwohner, so die KfW-Studie.“

    Was bringt mir ein höheres Einkommen, wenn sich im selben Umfang die Preise (Wertschöpfung) erhöhen? Oder meinen die Damen und Herren, dass die weiteren Komponenten der Wertschöpfung, wie der Gewinn und die Abschreibungen, bei einem Wachstum nicht ebenfalls daran partipizieren werden?

    Möchte man erreichen, dass die Arbeitnehmer wirklich mehr Geld in der Tasche haben, sprich auf mehr bzw. qualitativ bessere Produkte zugreifen können, so muss man z.B. am Gewinn knabbern. Hierzu ist kein Wirtschaftswachstum nötig. Doch ist dies gewünscht?

    Brigitte