Nach Abhöraffäre: Unternehmen prüfen Sicherheit der IT-Systeme

US-Spionagedienste haben es auf sensible Daten deutscher Firmen abgesehen. Unternehmen fürchten sich vor Wirtschaftsspionage und Patentraub. Mehr als ein Drittel der Firmen verspricht sich mehr Sicherheit durch einen System-Check.

Immer mehr Firmen wollen ihre IT aus Angst vor Lauschangriffen abhörsicher machen. Wirtschaftsspionage bildet einen Aspekt des Abhörskandals, der in der Sorge um abgehörte Handygespräche von Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Hintergrund geraten ist. Trotz gelegentlicher und oberflächlicher Problematisierung in Polit-Talkshows hat das Bundesinnenministerium seine Ende August angekündigte Strategie zum Wirtschaftsschutz noch nicht vorgestellt.

Dabei ist das Problembewusstsein bei Industrieverbänden und Verfassungsschutz groß: Lange vor Edward Snowdens Enthüllungen warnte das Bundesamt für Verfassungsschutz in seinem Jahresbericht 2010 vor elektronischen Angriffen von „großer Intensität“ auf Wirtschaftsunternehmen und Bundesbehörden. Deren zunehmendes Auftreten registrierte das Amt bereits seit 2005.

Dementsprechend groß sind die Befürchtungen deutscher Betriebe: Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers Deutschland (PwC) plant jedes dritte Unternehmen, die Sicherheit seiner IT-Systeme zu überprüfen, jedes sechste Unternehmen erwägt sogar eine Umstellung von amerikanischen oder britischen auf europäische IT-Dienstleister. Ralph Noll, Anti-Betrugs-Experte im Bereich IT-forensischer Dienste bei PwC, interpretiert die bei ihm in immer größerer Zahl eingehenden Anfragen betroffener Unternehmen als einen breiten Bewusstseinswandel.

„Viele Unternehmen merken erst viel zu spät, dass sie ausgespäht wurden“, so Noll. „Die Dunkelziffer ist sehr hoch, zumal viele Unternehmen Schadensfälle nicht zur Anzeige bringen, um Reputationsschaden abzuwenden.“ Besonders gefährdet sei laut Noll der deutsche Mittelstand als Vorreiter in Spitzentechnologien.

Wirtschaftsspionage tritt in unterschiedlichen Formen auf: Sie reicht von der Teilnahme von Spionen an öffentlich zugänglichen Veranstaltungen über Einschleusen von verdeckten Ermittlern als Praktikanten oder Zeitarbeiter bis hin zur Erpressung von Mitarbeitern des betroffenen Unternehmens oder der Installation von ausspähender Malware.

Als besonders anfällig gegenüber elektronischen Spionageangriffen schätzen Wirtschaftsführer die Auslagerung von Firmendaten ins Internet ein: 54 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen im sogenannten „Cloud Computing“ ein hohes oder sogar sehr hohes Sicherheitsrisiko für firmeneigene Daten. Vor der Aufdeckung des NSA-Skandals waren es lediglich 31 Prozent.

Optimistisch zeigte sich PwC hinsichtlich der Reaktion der Unternehmen: Einer Umfrage der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zufolge setzen bereits jetzt 37 Prozent der Firmen auf stärkere Verschlüsselungsmaßnahmen im E-Mail- und Mobilfunk-Verkehr.

Kommentare

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  1. lesefuchs sagt:

    So ein Unsinn! Die Spezies die das schreiben, sollten sich mal ansehen welche Zugriffsrechte Unternehmensberater bekommen, die nur einen Vertrag für ein paar Monate haben!!! Da rufen Leute bei der IT an (bei mir), deren Namen man nie gehört hat und wenn man nicht alle Daten in Kürze liefert hat man eine direkte rote Leitung zum Vorstand um sich über die böse IT zu beschweren. Sicher unterschreiben die irgendwelche Papiere, aber wer will denn 2 Jahre später beschwören wo die ihr Wissen herhaben? Ich meine, dass die meisten IT Truppen nach Aussen sehr gut abgesichert sind. Aber wenn dann der „Berater“ kommt, von dem man nie weiss woher er kommt und wohin er geht und alles absaugen kann was er will, muss ihm alles zur Verfügung gestellt werden. Für mich sind die Unternehmensberater, die im Monatsrythmus die Firmen wechseln, dass wirkliche Sicherheitsproblem! was nützt die dickste Firewall wenn der „Berater“ in aller Ruhe mit dem Stück rausmarschieren kann??? Aber davon haben die Vorstände natürlich keine Ahnung, denn die reden nicht mit den dummen IT Nerds!!!

  2. Monaco Franco sagt:

    „Viele Unternehmen merken erst viel zu spät, dass sie ausgespäht wurden“, so Noll. „Die Dunkelziffer ist sehr hoch, zumal viele Unternehmen Schadensfälle nicht zur Anzeige bringen, um Reputationsschaden abzuwenden.“

    Cloud wird nicht umsonst „klaut“ (von klauen) gesprochen, und genau darum geht es, die Deppen sterben nur nicht aus.

    Und ein Update der Windows-Systeme wird es auch nicht bringen, ein Wechsel auf Linux dürfte unvermeidbar sein.

    Es könnte sein, dass MS daran bankrott geht.

    Aber selbst die Hardware ist nicht immer sicher, denn viele Prozessoren können weitere Prozessoren enthalten, die, solange Strom verfügbar ist, von außen erreichbar sind und dem, der diesen Zugriff hat, alle Optionen erlaubt: http://stopesm.blogspot.de/2013/10/datenschutz-wird-zum-verbrechen-intel.html

    „…Um es ganz klar zu sagen: Damit wird jede Form von Datenschutz und Privatsphäre aus­ra­diert. Diese Technologie ermöglicht IT-Spezialisten, Festplatten auszulesen, Spei­cher­in­hal­te zu checken und Probleme auf der Maschine zu verfolgen, ohne dass dies von außen wahrnehmbar wäre. Nichts auf Ihrem Computer wird jemals wieder privat sein. Andere werden in der Lage sein, eigene Software zu installieren, ohne dass es dem Eigentümer des Rechners bewusst wäre….“

    Es kann immer wieder nur überraschen, wie naiv die Politik und die Wirtschaft ist, es werden nicht selten Leute umgelegt, die Firmen, Patente, den Eintritt von angloamerikanischen „Investoren“ verhindern wollen, aber auf der anderen spielt man lächerliche Nummer „vom Freund“, und dass man „so etwas unter Freunden“ nicht tut.

    Lachhaft, wie verblödet kann man sein?

    Es gibt einen Wettbewerb bis aufs Blut.
    Aufwachen, Leute, und mit allem rechnen.
    Naivität und political correctness bringen nur dem Angreifer Vorteile.
    Wenn die Irren in Berlin TAFTA unterschreiben, haben sie nicht nur nichts gelernt, sondern sind noch schlimmer Huren und Deppen als befürchtet.