Reformen Fehlanzeige: Konzern-Manager sind gegen „soziale Wohltaten!“

Die Manager internationaler Auto-Konzerne warnen vor „sozialen Wohltaten“ durch die Koalition. Sie drohen unverhohlen mit der Verlagerung der Arbeitsplätze in Ausland. Vor allem die Beibehaltung der Leiharbeit ist den Managern sehr wichtig. Die angestellten Manager präsentieren sich als politische Erpresser - sie selbst riskieren nichts, weil kein Cent ihres eigenen Geldes in die Unternehmen geht.

Mehrere deutsche Manager warnen die künftige Bundesregierung vor einer Schwächung des Standorts Deutschland durch zu weitreichende Zugeständnisse an Arbeitnehmer. In einem Interview der Bild am Sonntag klagen Daimler -Chef Dieter Zetsche, BMW -Chef Norbert Reithofer, VW -Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn und Opel-Chef Karl-Thomas Neumann über Pläne für einen Mindestlohn oder Einschränkungen bei der Leiharbeit.

EADS -Chef Tom Enders springt den Automanagern bei. Der Fokus der Verhandlungen liege auf „neuen sozialen Wohltaten“, kritisierte der Chef des europäischen Flugzeugbauers in der FAZ: „Wenn das alles so beschlossen würde, wie es derzeit in Berlin diskutiert wird, dann sind wir in zehn Jahren mit einiger Wahrscheinlichkeit wieder der ‚kranke Mann Europas‚“, sagte Enders.

Die Flexibilität am Arbeitsmarkt müsse erhalten bleiben und Energie müsse bezahlbar bleiben, fordert BMW-Chef Reithofer. „Wenn sich die Bedingungen am Standort Deutschland weiter verschlechtern, müssen wir über die Verlagerung von Produktion an andere Standorte nachdenken“, drohte Daimler-Chef Zetsche. Pläne zur Einschränkung der Leih- und Zeitarbeit nannte er „hoch gefährlich“. Deutschland dürfe seine wirtschaftliche Stärke nicht „leichtfertig aufs Spiel setzen“, warnte Winterkorn. Allerdings ist die Stärke der deutschen Wirtschaft inzwischen zum Zankapfel zwischen der Regierung und EU-Institutionen sowie den USA geworden, die Deutschland vorwerfen, nichts gegen seine hohen Exportüberschüsse zu tun.

Opel-Chef Neumann hat mit dem Mindestlohn keine Probleme – anders als die drei anderen Konzernlenker. „Von der Einführung eines Mindestlohns erwarte ich keine negativen Folgen“, sagte Neumann. Daimler-Chef Zetsche hält einen Mindestlohn dagegen für „ordnungspolitisch absolut falsch“, er sei schlecht für den Arbeitsmarkt. Winterkorn und Reithofer plädierten dafür, weiter den Tarifparteien die Festlegung der Löhne zu überlassen.

Gegen Veränderungen bei der Leiharbeit präsentieren sich die Manager dagegen als eine geschlossene Front: Es sei schwierig, in Deutschland ohne Leiharbeit wirtschaftlich zu arbeiten, sagte Reithofer. „Oder wir könnten hier nicht mehr produzieren“, sekundierte Zetsche. Leiharbeit sei nötig, um flexibel zu reagieren und werde gebraucht in Bereichen, die nicht zum Kerngeschäft gehörten.

Die CDU will die Wünsche der Industrie umgehend mit der SPD diskutieren. „Die Wirtschaft braucht Flexibilität. Deshalb werden wir über die Leih- und Zeitarbeit noch einmal sehr ernsthaft mit der SPD reden müssen“, sagte Unionsfraktions-Chef Volker Kauder der Bild am Sonntag und versprach: Ein Kompromiss werde Arbeitnehmern und Wirtschaft gerecht werden.

In der Metall- und Elektroindustrie arbeiten dem Spiegel zufolge über eine Million Beschäftigte als Leiharbeiter oder mit Werkverträgen. Unter Berufung auf eine Studie der IG Metall berichtet das Magazin, das entspreche fast einem Drittel der Beschäftigten der Branche. Am auffälligsten sei der Trend in der Automobilindustrie. Das Magazin zitiert den designierten IG-Metall-Chef Detlef Wetzel, es handele sich um einen „Anschlag auf die soziale Marktwirtschaft“.

Die Industrie bleibt hart: Sollten Mindestlohn und Einschränkung der Leiharbeit kommen, setze Deutschland seinen Vorsprung bei der Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel, sagt Zetsche. Und BMW-Chef Reithofer fasst zusammen: „Alle diese Maßnahmen würden in eine Richtung zielen: Der Staat reguliert die Wirtschaft. Das ist nicht gesund.“

Alle diese Manager sind Angestellte mit Verträgen mit mehrjähriger Laufzeit. Sie tragen keinerlei unternehmerisches Risiko – außer, dass der Bonus mal höher und weniger hoch sein soll. Noch nie wurde in diesem System ein Manager wegen Unfähigkeit bestraft: Die wahnwitzigen Fusions-Aktivitäten Daimlers mit Chrysler haben Milliarden an Werten vernichtet – Geld, das man ohne weiteres an die Arbeiter hätte auszahlen oder in Forschung und Entwicklung stecken können.

Die Unternehmen sind alle längst nicht mehr im deutschen Eigentum – sondern notieren an den Börsen. Die Manager haben – aus ihrer Sicht – nur eine Aufgabe: Den Aktien-Kurs des Unternehmens hochzuhalten. Keiner der nun auf die Regierung ausübenden Manager hat eines der von ihm vertretenden Unternehmen mit seinem eigenen Geld aufgebaut.

Erfindungen wie die Leiharbeit kommen ihnen da sehr gelegen: Eine unternehmerische Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter gibt es in dieser Welt der abstrakten Verantwortung nicht mehr.

Die Regierung ist Gefangener der Erpressungs-Politik: Mit ihrem dauerhaften Interventionismus hat sie sich zu Sklaven der Manager gemacht.

Das einzige, was am Ende bliebt, sind Jobs in der Industrie für die willfährigen Politiker, wie das Beispiel von Merkels Ex-Minister Ekart von Klaeden beweist. Gegen den Merkel-Vertrauten kommen nun neue Vorwürfe ans Tageslicht: Der ehemalige Staatsminister Eckart von Klaeden (CDU) war dem Daimler-Konzern möglicherweise behilflich, einen Milliardendeal mit dem Bund einzufädeln. Nach Informationen des Spiegel traf sich Klaeden insgesamt 25-mal mit dem Goldman-Sachs-Banker Christoph Brand. Goldman Sachs zeigen war in dieser Zeit als sogenannter Joint Bookrunner von Daimler beauftragt, dessen Anteile am Luft- und Raumfahrtkonzern EADSzu veräußern. Am Ende kaufte der Steuerzahler über die KfW die Anteile.

Brand und Klaeden behaupten, sie hätten niemals über das Thema gesprochen.

Das System demaskiert sich selbst.

Kommentare

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  1. HolgerJahndel sagt:

    Ich möchte darauf hinweisen, dass die Freihandelstheorie nach Adam Smith samt ihren Verfälschungen seit Ricardo im Grunde schon lange widerlegt ist, siehe dazu auch Franz Groll in seinem Buch „Wie das Kapital die Wirtschaft ruiniert“!

    http://franzgroll.de/CMS/

    Manfred Julius Müller schlägt auf seinen zahlreichen Internetauftritten und Buchveröffentlichungen eine Lohnkostenreform nach dänischem Vorbild vor – das skandinavische Modell!
    Entlastung des Faktors Arbeit durch eine Senkung der Sozialabgaben als Lohnnebenkosten, Umfinanzierung des Sozialstaates über die Mehrwertsteuer – durch den auftretenden protektionistischen Effekt, da deutsche Arbeit und Produkte verbilligt werden und ausländische Importe relativ verteuert, werden das globalistische Lohn- und Sozialdumpingsystem mit seiner durch den Zollabbau erzwungenen Standortkonkurrenz beendet. Die Erpressungsmöglichkeit der Unternehmer ist vorüber, deutsche Betriebe und Produkte sind auf dem Weltmarkt wieder konkurrenzfähig. Dennoch aber steigen die Preise für deutsche Produkte zumindest nicht stark, da das Geld ja wieder an produzierende Unternehmer und Beschäftige über die Senkung der Sozialabgaben als Lohnnebenkosten zurückgegeben wird!
    Dies wurde schon erfolgreich von der Merkel Regierung der grossen Koalition 2005 bis 2009 mit der 2005 beschlossenen Mehrwertsteuererhöhung auf 19%, welche 2007 in Kraft trat, bei gleichzeitiger Senkung der Lohnnebenkosten durchgeführt! (in Skandinavien meist 25% Mehrwertsteuer).

    http://mehrwertsteuererhoehung-pro-contra.de/

    Jobwunder durch Konsumsteuer – erste erfolgreiche Ansätze unter Merkel

    http://www.direktzu.de/kanzlerin/messages/jobwunder-durch-konsumsteuer-21923

  2. Miesmacher sagt:

    Die „deutsche Wirtschaft“ ist fremdgesteuert. Sie ist überwiegend nicht mehr in deutschem Besitz! Die DAX-Industrie hat überwiegend ausländische Eigentümer und vertritt deren Profitinteressen!!

  3. Gerdi sagt:

    Selbstverständlich.
    Statt dem Bürger soziale Wohltaten zu finanzieren ist das Geld in Subventionen für die Auto-Konzerne wesentlich besser angelegt. Meinen die Manager und unsere Politiker!
    Denn bei dieser nicht zukunftsfähigen Modellpolitik muss sicher die Automobilindustrie bald wieder einmal „gerettet“ werden.

  4. Loewe sagt:

    Mit Zöllen hätte sich keine Firma erlaubt, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Zölle sind Strafmittel, Schutzwall gegen solche Drohungen.

    Wenn im Ausland produzierte Güter durch Einfuhrzölle verteuert werden, lohnt es sich für kein Unternehmen mehr, im Ausland zu produzieren.
    „Autos kaufen keine Autos“ (Henry Ford), und schlecht bezahlte oder arbeitslose Deutsche kaufen keine Waren, die können noch so billig im Ausland produziert werden.

    • Frank sagt:

      Der einst mündige Bürger hat heute und in Zukunft nur noch die Rolle als Konsument zu spielen.

  5. Rob sagt:

    Hatten nicht genau diese Mannager von der Abwrackprämie profitiert.
    Wenn ich so die Kommentare lese, habe ich den Eindruck das Einige nicht wissen, dass wir im Kapitalismus leben. Im Kapitalismus wird der Mensch ausgebeutet und seit dem Zusammenbruch des Ostblocks gibt es keinen Grund mehr für diese sogenannte soziale Marktwirtschaft. Es wird ohne eine Revolution nicht mehr besser für die Mehrheit der Bevölkerung. Wahlen sind nur zur Wahrung der Scheindemokratie noch erforderlich, eben ein notwendiges Übel.

  6. Gautier Irgendwo sagt:

    Alles klar, eine recht Ordentliche Besoldung steht nur denen zu, welche selber nicht- sondern Andere für sich arbeiten lassen.

  7. wartemal sagt:

    Deutschland wird von allen ausgebeutet die es können. Wann begreift der deutsche Michel mal, dass er nur ausgenutzt wird und immer mehr an Rechte verliert.

  8. Rudolf Steinmetz sagt:

    Ceterum censeo Carthaginem esse delendam: im Falle einer Abwanderung bzw. Verlagerung von Arbeits-, Produktions- oder Entwicklungskapazitäten müssen die betreffenden Konzerne sämtlichen Steuervorteile und Forschungssubventionen zurückzahlen. Das wäre doch eine Kolalitionsforderung, Herr Gabriel, oder meinen Sie nicht?

    • Hülsensack sagt:

      Eine gute und fundierte Forderung.
      Aber die wollen weiter bestimmen, was unsere Volkskasper machen dürfen.
      Regierung für das Volk ist eh schon lange nicht mehr erkennbar.

  9. Frank sagt:

    Klasse Artikel!

    Das Problem ist nur – das System demaskiert sich selbst, allerdings ohne sichtbare Konsequenzen beim Dummbürger, der hat ja die Bundesliga, Heidi Klum und die BIldzeitung.

  10. Cuibono sagt:

    Die durch die Globalisierung vorangetriebene „Haftungslosigkeit“ von Juristischen Kapitalkonstrukten wie AGs und GmbHs muss zurückgebildet werden.
    Diese Konstrukte haften – im Unterschied zu persönlich haftenden Unternehmerschaften- mit praktisch nichts.
    Mit internationalen Verschachtelungen werden Löhne gedumpt und Gewinne in Steueroasen abgepumpt.

    DAS sind nicht die Sorte Betriebe, die die realen Arbeitsplätze schaffen, und die geschützt werden sollen.