Wirtschafts-Weise haben Krise nicht erkannt

Die von der Regierung beauftragten Wirtschafts-Weisen sagen ein gutes Wachstum für 2014 vorher. Vergleicht man die Prognosen der Vergangenheit mit der Realität, muss man sagen: Diese Prognosen können eine echte Krise nicht im Ansatz erkennen.

Alle Jahre wieder hängen Politiker und die Öffentlichkeit an den Lippen der Wirtschafts-Weisen. Sie sollen die Experten sein, an deren Vorhersagen man sich orientieren möchte.

Dieses Jahr sind die Weisen wieder sehr optimistisch.

Die fünf klugen Männer, die von der Regierung bestellt werden, sagen Deutschland eine positive wirtschaftliche Entwicklung voraus. Allerdings warnen sie Union und SPD vor der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns und einer Mietpreisbremse.

„In ihrer Gesamtheit drohen die derzeit diskutierten wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Reformfortschritte, die Deutschland in den vergangenen Jahren erzielen konnte, zunichte zu machen“, schreibt der Sachverständigenrat in seinem Jahresgutachten.

Mit der Mietpreisbremse werde versucht, ein gewünschtes Marktergebnis gesetzlich zu erzwingen. „Gleiches gilt für neue wachstums- und beschäftigungsfeindliche Maßnahmen, wie den Mindestlohn“, warnen die Wissenschaftler. Künftige Herausforderungen dürften viel schwerer zu bewältigen sein, wenn vergangene Reformen verwässert oder in Teilbereichen sogar ganz zurückgenommen würden.

In dem Gutachten sagen die Experten der deutschen Wirtschaft ein robustes Wachstum voraus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll 2014 um 1,6 Prozent zulegen – viermal so stark wie in diesem Jahr. Zum Vergleich: Die Bundesregierung rechnet mit 0,5 Prozent für dieses und 1,7 Prozent für nächstes Jahr.

Diese Prognosen der Weisen zum BIP sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Wie die Erfahrungen des Jahres 2009 zeigen, eignen sie sich nicht zur Krisen-Vorhersage: Die Krise von 2009 haben die Weisen schlicht nicht erkannt. Der Einbruch kam aus heiterem Himmel – zumindest was diejenige betrifft, die offiziell für Vorhersagen zuständig sind. Auch die Erholung danach setzten die Weisen viel zu optimistisch an (siehe Grafik).

Laut den Weisen soll die Beschäftigung 2014 um rund 200.000 auf den Rekordwert von 42,1 Millionen Erwerbstätige klettern. Die Zahl der Arbeitslosen wird sich demnach in beiden Jahren bei 2,95 Millionen einpendeln. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von knapp unter 7 Prozent.

In dem über 530 Seiten starken Papier mit dem Titel „Gegen eine rückwärtsgewandte Wirtschaftspolitik“ warnen die Experten nicht nur vor einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro, sondern auch vor Steuererhöhungen, Mütterrente und Mietpreisbremse.

Die vergleichsweise gute Lage sei das Ergebnis früherer Reformen wie der Agenda 2010, die zu Rekordbeschäftigung und sinkender Arbeitslosigkeit geführt habe.

Den von der SPD geforderten Mindestlohn verglich Schmidt mit einem Medikament, dessen Nebenwirkungen nicht bekannt seien und das trotzdem zugelassen und verteilt werde. Ein Mindestlohn drohe vor allem die Chancen von Geringqualifizierten, Langzeitarbeitslosen und Jugendlichen auf einen Job zu verringern.

Mit der Einführung des Mindestlohns wird eine halbe Million Geringverdiener die Arbeit verlieren. Zudem werden aufgrund der höheren Lohnkosten die Preise für die Konsumenten steigen (mehr hier).

Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt Union und SPD wegen der massiven Kritik der fünf Wirtschaftsweisen an teuren Koalitionsvorhaben vor falschen Weichenstellungen. „Wir werden die Hinweise ernst nehmen“, sagte die CDU-Vorsitzende am Mittwoch in Berlin bei der Übergabe des Jahresgutachtens durch die fünf Regierungsberater. Falsche Entscheidungen könnten die Entwicklung über Jahre beeinflussen. „Insofern kommt dieses Gutachten zu einem richtigen Zeitpunkt.“

Die SPD sieht in dem Gutachten dagegen ein „Trauerspiel“. „Dass zunehmende gesellschaftliche Spannungen und Unterschiede mit der Zeit auch zu ökonomischen Beeinträchtigungen führen, wird von der Mehrheit des Sachverständigenrates ignoriert“, sagte Fraktionsvize Joachim Poß.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sprach von einem Armutszeugnis für die Zunft der Ökonomen. „Mindestlöhne werden als ‚beschäftigungsfeindlich‘ verunglimpft“, sagte DGB-Vorstand Claus Matecki. „Dabei ist lange klar, dass sie keine Arbeitsplätze vernichten, sondern das Einkommensniveau stabilisieren und damit die Binnennachfrage stärken.“

Unterstützt wird diese Gewerkschaftssicht auch vom Wirtschaftsweisen Peter Bofinger, der mit dieser Haltung allerdings in dem Gremium isoliert ist. „Ich bin der Meinung, dass ein Mindestlohn von 8,50 Euro vertretbar ist“, sagte Bofinger. Gemessen am Durchschnittslohn nehme Deutschland damit lediglich „einen Platz im internationalen Mittelfeld“ ein. Auch in den USA und Großbritannien gebe es einen Mindestlohn, ohne dass dieser Jobs vernichtet habe.

Prognose und Reaktionen zeigen: Beim Jahres-Gutachten der Weisen geht es mehr um ein politisches Schaulaufen als um eine echte Vorhersage, auf die sich Unternehmen verlassen könnten.

Die Wirtschafts-Weisen geben eher eine Stimmung wieder, wie sie gerade herrscht. Im Hinblick auf die Zahlen der vergangenen Jahre kann man sagen: Die Prognose unserer Weisen ist nur dann verlässlich, wenn sie für die Vergangenheit gemacht wird. 

Kommentare

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  1. LarsLonte sagt:

    Ich möchte sie auf Manfred Julius Müller und seine ökonomischen Ideen zur Umfinanzierung des Sozialstaates über die Mehrwertsteuer hinweisen, nach dem Vorbild Dänemark! Dann können die Lohnnebenkosten gesenkt werden – und das globalistische Lohn- und Sozialdumpingsystem ausgehebelt werden…da die Mehrwertsteuer protektionistisch wie eine Zollgrenze wirkt!!!

    http://www.neo-liberalismus.de/

    http://www.anti-globalisierung.de/

    http://www.das-kapital.eu/manfred-mueller.html

    http://www.grundeinkommen-buergergeld.de/publikationen.html

    Gegen die deflatorische Austeritätspolitik bzw. Sparpolitik a la Brüning

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-04/rog off-reinhart-sparpolitik-kritik

    Harvard-Ökonomen geben Fehler bei folgenreicher Staatsschulden-Studie zu
    Auf mehr als 90 Prozent Staatsschuldenquote folgen Stagnation und Krise, hatten Reinhart und Rogoff 2010 in einem Paper konstatiert und wurden damit zu den wissenschaftlichen Bannerträgern der öffentlichen Austerität

    http://www.heise.de/tp/blogs/8/154129

    Austerität bringt Menschen um: Neue Studie vergleicht 30er Jahre und heute
    30. April 2013 * 18:06 Uhr

    http://www.bueso.de/node/6432

    Negative Beschäftigungseffekte zur 1 Euro Jobs

    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36016/1 .html

    Volksprotest http://www.volksprotest.de/ die wahren Zahlen!

    Zeit-Fragen > 2013 > Nr. 12 vom 18.3.2013 > Griechenland braucht weiteren Schuldenschnitt

    Griechenland braucht weiteren Schuldenschnitt

    «Mit den gewählten Sparmassnahmen mehr Schaden als Nutzen erzielt»

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1396

    In Griechenland setzt sich der Hunger fest…

    In Griechenland setzt sich der Hunger fest – Zeit-Fragen

    http://www.zeit-fragen.ch/  Zeit-Fragen  2012  Nr.13 vom 26.3.2012

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=777

    http://www.ethikbank.de/fileadmin/ethikbank/dokumente/E-Briefe/Zeitfragen-Laenderportraet-Griechenland.pdf

    http://www.eu-skeptiker.de/

    «Eine erweiterte Freihandelszone Efta als das wirkliche Europa anbieten»

    von Beat Kappeler Die Welt bewegt sich, manche Köpfe weniger, das zeigt der Rückblick auf einige Themen der «Standpunkte» hier.Sozusagen von unten nach oben beginnen wir bei den Hundehalterkursen. Ge…

    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=88

  2. hugin sagt:

    KAFFESUD-PROGNOSEN
    Die „Weisen“ sollen im Auftrag der Politik Optimissmus und Euphorie vortäuschen.
    Eine Aufwärtsentwicklung muss eine handfeste Ursache haben, aber die gibt es nicht !
    Eine Vorhersage auf Zehntel-Prozent ist bereits unseriös. Keine Firma kann den Umsatz für das nächste Jahr nicht einmal auf ganze Prozent-Zahlen vorhersagen.
    Die üblichen Auftrags-Polit-Lügen.

  3. Hans von Atzigen sagt:

    Tja die Berufsprognostiker? Da wäre die Bezeichnung Berufsschamanen treffender.
    Die einen ermitteln ihre Prognosen auf der Basis von Monetären Zahlen und entsprechenden Hochrechnungen. Bei den anderen grassiert das Wunschdenken.
    Als Folge der Irren Geldmengenausweitung liefern die Monetären Zahlen eh nur noch ein total verzerrtes Bild der tatsächlichen Realität. Die anderen orientieren sich an real nicht erfüllbarem Wunschdenken. Auf dieser Basis sind nur sehr Kurzfristige Prognosen möglich und selbst die liegen zumeist daneben. Da wird einfach sehr vieles längerfristig wirkendes ausgeklammert. Bei den langfristigen Prognosen wird das ganze vollends Absurd. Da grassiert der nackte Realitätsfremde Schamanismus.
    Prognosen sind sehr wohl Möglich jedoch nur innerhalb einer variablen Band und Zeitbreite dies auf der Basis knallharter Realfakten und nicht auf Hochrechnungs und Wunschbasis.

  4. Stefan Wehmeier sagt:

    Der einzige Zweck eines VWL-Studiums in einer staatlichen Verdummungsanstalt (so genannte „Universität“) besteht darin, dass die Insassen die Volkswirtschaft und insbesondere das „liebe Zinsgeld“ NICHT verstehen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/anfang-und-ende-von-gut-und-bose.html