Bulgarische Ärzte verdienen zehn Mal mehr in Deutschland

Acht von zehn Ärzten in Bulgarien suchen aktiv nach Arbeit in anderen Ländern der EU. In Deutschland, Österreich und Großbritannien verdienen sie bis zu zehn Mal mehr als in der Heimat. Die Korruption treibt die Mediziner vor allem nach Deutschland, wo sie dringend gebraucht werden. In Bulgarien ist die medizinische Versorgung gefährdet.

In Deutschland fehlen Fachkräfte, in Bulgarien verlassen sie die Heimat. Etwa 80 Prozent der jungen bulgarischen Ärzte wollen aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen und der niedrigen Gehälter das Land verlassen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Medical University of Sofia, berichtet die BBC. Das gefährdet die medizinische Versorgung in Bulgarien.

Die meisten müssen nicht lange nach einer Stelle suchen. Bulgarien ist EU-Mitglied, jeder kann sich frei innerhalb der EU bewegen und überall Arbeit aufnehmen. „Es gibt zu viel Korruption im Gesundheitssystem“, sagte der bulgarische Arzt Radislav Nakov. Die Vetternwirtschaft nimmt Überhand. Die neue Regierung stand im Sommer kurz vor Neuwahlen (mehr hier).  „Unser einziger Vorteil besteht darin, dass wir Mitglied in der EU sind und uns leicht über die Landesgrenzen hinaus bewegen können.“

Vielen Ärzten bleibt keine Chance. Das Durchschnittseinkommen für Mediziner in Bulgarien liegt bei 950 Euro. Bulgarien hat die niedrigsten Löhne in der EU. Da stellen sich nicht einmal moralische Fragen: „Wenn ich hier bleibe, muss ich Dinge tun, die ich nicht tun will“, sagte Dimitar Balezkov, Gefäßchirurg. Er muss Menschen operieren, die vielleicht gar keine Operation brauchen, nur um über die Runden zu kommen.

Eine ähnliche Entwicklung ist in Griechenland zu beobachten. Ärzte wandern in Massen aus oder behandeln Patienten nur noch gegen Barzahlung (hier).

Ein schlechtes Gewissen haben die Mediziner daher nicht, wenn sie das Land verlassen. Der Brain Drain der Mediziner ist eine Folge der Arbeitsmarktpolitik der Regierung. Dabei wollen die Bulgaren gar keine westlichen Löhne, vielmehr wollen sie eine Anpassung der Löhne an die Standards in Polen oder Tschechien.

Im Juli forderten Demonstranten in Massenprotesten den Rücktritt der Regierung. Das Parlament wurde belagert. Es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. In der vergangenen Woche besetzten Studenten die Universität in Sofia und forderten den Rücktritt der Regierung (hier).

In Deutschland werden die Mediziner aus Bulgarien gerne empfangen (hier). In vielen ländlichen Regionen fehlt es an qualifiziertem Pflege- und Ärztepersonal. Die deutschen Ärzte zieht es verstärkt in Ballungszentren.

Eine Verbesserung auf dem bulgarischen Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht. Daher denken viele Mediziner nicht daran, nach einem Aufenthalt in Deutschland wieder in die Heimat zurückzukehren.

Kommentare

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  1. Viggebob sagt:

    Korruption? Auch wenn die Korruption bei Null läge, würde es dem Land nicht einfach so gut gehen und jeder könnte toll bezahlt werden, das ginge, wenn sich Bulgarien zum Schuldsklaven machen würde, wie die meisten es in Europa getan haben, mit entsprechendem Resultat. Die Preise sind halt auf irgendeinem imaginären EU Niveau, obwohl das ganze Land soviel erwirtschaftet wie Hamburg in einem Jahr. Die 10 Milliarden von 50 Milliarden Korruption ändern auch nichts. Deutschland könnte ja mal an seinen 600 Milliarden ( in Wirklichkeit 1.5 Billionen) Korruption jährlich was ändern. Ah, passiert ja genau das Gegenteil, Subventionen, Privatisierungen, ach stimmt ja, das ist keine Korruption, das ist ja was anderes, sowas ähnliches wie Stiftungen, was, was sich besser anhört, als Korruption jedenfalls.
    Deutschland erwirtschaftet jährlich mehr Korruption in halb Europa mittlerweile, als der ganze Osten als BIP angibt. Man sollte die Dimensionen nicht vergessen und vielleicht mal grunsätzlich darüber nachdenken, ob man selbst nciht am reichsten wird, wenn die anderen um einen herum auch nur so überall ihr Geld hinscheissen. Eigentlich ganz einfach, aber wenn man auf Kapital sitzt überwiegt dann meist doch die Angst vor Verlust, oder Kontrollsucht.

  2. Hülsensack sagt:

    Sollte es über uns wirklich einen geben, der ALLES lenkt und leitet, so soll er mich davor verschonen, in ein „deutsches Krankenhaus“ zu müssen.
    Wie sagten wir schon in jungen Jahren, als uns der Pastor noch die Ohren beseuselt hat:
    „Der Mensch denkt(können heut leider nur nochwenige), Gott lenkt, aber in unserer Gegend kennt er sich nicht aus, so lenken wir allein.

  3. Fritz sagt:

    Bulgarische Ärzte und deutsche Patienten. Dazu braucht man dann noch einen Dolmetscher, das habt ihr vergessen. Ausländische Ärzte müssen in den meisten Bundesländern keine deutschen Sprachkenntnisse vorweisen. Darauf wird nicht einmal geprüft. Ebenso bezweifle ich die Gleichwertigkeit der Ärzteausbildung in Bulgarien oder anderen vergleichbaren Ländern mit der Ausbildung in Deutschland.
    Man sollte deutsche Ärzte in Deutschland halten, durch anständige Bezahlung, weniger unbezahlte Dienste. Es gibt genügend deutsche Ärzte aber viele wandern ab ins Ausland, z.B. in die Schweiz oder nach Norwegen, wo Ärzte bei weniger Arbeitsstunden ein doppelt so hohes Einkommen haben, wie in Deutschland. Das regt niemand auf, darüber sollte NMN einen Artikel schreiben!
    Die deutschen Patienten dürfen die Misere ausbaden. Leider ist den Politikern das Wohl der deutschen Patienten zweitrangig. Hauptsache ist denen der Dienstwagen und die hohen Diäten.

  4. rundertischdgf sagt:

    Erst kommen die bekannten Wirtschaftsflüchtlinge in unser Sozialsystem (die sind beweglicher als die seßhafte bulgarische Bevölkerung), dann kommen die Ärzte (und nicht nur die) und danach natürlich auch die kranken Bulgaren, weil es daheim keinen mehr gibt, der sie behandelt. Diese EU wird nicht gebraucht.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/11/21/eu-versagen-am-beispiel-bulgarien-erst-kommen-die-bekannten-wirtschaftsfluchtlinge-dann-die-arzte-und-dann-die-kranken-weil-es-in-bulgarien-keine-arzte-mehr-gibt/