Airbnb schwächt Gastgewerbe: Finanzämter verschlafen Einnahmen

Das Gastgewerbe verzeichnet einen weiteren Umsatzrückgang. Während dessen wachsen Onlineplattformen wie Airbnb in Deutschland rasant. Den Finanzämtern entgehen durch die private Vermietung über solche Portale Millionen-Einnahmen.

Das deutsche Gastgewerbe beklagte im Monat September einen weiteren Umsatzrückgang von 2,7 Prozent. Das geht aus einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes Destatis hervor. Zum Gastgewerbe zählen die Hotellerie und die Gastronomie. Ein Grund für den Rückgang ist die wachsende Konkurrenz durch Online-Plattformen wie Airbnb, Wimdu und 9flats. Dort können Urlauber und Reisende nach günstigen Übernachtungsmöglichkeiten suchen. Den Finanzämtern entgehen dadurch Beträge in Millionenhöhe. Doch für die Behörden ist das Thema Untervermietung über das Internet komplettes Neuland.

Online-Portale wie Wimdu, 9flats oder Airbnb machen dem Hotelgewerbe zunehmend Marktanteile streitig. Das Hotelgewerbe ist sich der Konkurrenz aus dem Internet bewusst und leidet stark darunter.

„Damit geht der Hotellerie rund ein Viertel der jährlich rund 370 Millionen Übernachtungen in Deutschland verloren, wobei die Dunkelziffer noch deutlich höher liegen könnte“, Willy Weiland, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), der Wirtschaftswoche.

Für Airbnb zählt Deutschland zu den größten Wachstumsmärkten. Das Portal erfreut sich hierzulande zunehmender Beliebtheit und verzeichnet hohe Zuwachsraten.

„Durchschnittlich schlafen in Deutschland jede Nacht 6.000 Gäste in einer Airbnb-Unterkunft. Die Zahl der Gäste, die nach Deutschland reisen, ist im letzten Jahr um 302 Prozent gestiegen. Die Anzahl der Airbnb-Unterkünfte in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr um 72 Prozent gestiegen“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens dem Focus.

In den Metropolen Berlin, München und Hamburg nimmt zudem die Zahl der professionellen Vermieter auf Airbnb stetig zu. Allein in Berlin sind mehr als 9.000 Wohnungen auf dem Portal inseriert. Einer Studie des Unternehmens zufolge, trug Airbnb mit 100 Millionen Euro zur Wirtschaft Berlins bei. Ob die Nebeneinkünfte durch die Untervermietung dabei immer korrekt versteuert werden, bleibt zweifelhaft. Die Finanzämter sind sich der Thematik überhaupt nicht bewusst und sehen keinen Grund, den Markt genauer unter die Lupe zu nehmen.

„Der Berliner Finanzverwaltung liegen keine Erkenntnisse vor, dass in Berlin die Untervermietung von Wohnraum in signifikanter Weise nicht versteuert wird.“, sagte eine Sprecherin des Finanzamtes.

Anders liegt der Fall in Hamburg. Ein Sprecher der Finanzbehörde fasst die Problematik zusammen:

„Die Thematik der kurzfristigen Untervermietung ist bekannt. Daher prüft das Finanzamt für Prüfungsdienste und Strafsachen in Hamburg, wie derartige Fälle systematisch ermittelt werden können. Nähere Angaben zu den Ermittlungen können jedoch nicht gemacht werden, um deren Erfolg nicht zu gefährden.“

Die Online-Plattform Airbnb war jüngst in den USA in die Schlagzeilen geraten. Dort ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft in New York gegen professionelle Vermieter der Plattform, die im Verdacht stehen, große Summen an der Steuer vorbei zu erwirtschaften. Deshalb fordert die Staatsanwaltschaft nun die Nutzerdaten von Airbnb.

In der Schweiz formiert sich derweil zunehmend Widerstand aus dem Hotelgewerbe gegen die Konkurrenz aus dem Internet. Die Hoteliers sehen sich durch die privaten Vermieter benachteiligt. Private Vermieter, die Airbnb nutzen, arbeiten in einer Grauzone zwischen Untermiete und Hotellerie und müssten damit viele Steuern, Auflagen und Gebühren nicht erbringen. Die Schweizer Hoteliers wollen sich nun zusammen mit Behörden und Verbänden beraten und das Problem auf nationaler Ebene angehen (mehr hier).

Eine Sprecherin des Unternehmens beteuert, Airbnb sei bereit mit Regierungen und Gesetzgebern zusammen zu arbeiten. Das Online-Portal ist der Meinung, dass die Gastgeber Steuern zahlen sollen. In einem Blogpost schrieb Brian Chesky, der CEO von Airbnb, kürzlich: „Unsere Gastgeber sind zwar keine Hotels, allerdings sind wir der Meinung, dass es für unsere Community Sinn macht, Kurtaxen zu bezahlen – mit Ausnahme für diejenigen Gastgeber, die weniger als einen bestimmten Schwellenbetrag verdienen.“

Kommentare

Dieser Artikel hat 7 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Marlene Polter sagt:

    Noch ein Beispiel : Ein großes Musikschulen-Sterben geht in unserem Lande um, weil Gesamtschulen kostenlosen Musikunterricht anbieten. Interessiert auch niemanden.

  2. Talea sagt:

    Und noch was….es ist Wahnsinn wie schnell die Politik handeln kann….in Berlin wird in Null Komma Nix ein Gesetz erlassen – Zweckentfremdungsverbot- soll nächsten Monat verabschiedet werden und das alles nur um die normalen Menschen klein zu halten….auf der anderen Seite wird Ewigkeiten rumgeeiert wegen dem Mindestlohn….hier sollten mal die Putzfrauen der Hotels bei der Regierung auflaufen…

  3. Talea sagt:

    Hallo,

    Das airbnb User keine Steuern zahlen, würde ich ganz klar als Verleumdung bezeichnen. Wir haben in Deutschland ganz klare Steuergesetze wo sowas geregelt wird und im Normalfall unter Vermietung/Verpachtung angegeben wird. Wenn das nicht getan wird muss er von anderer Stelle strafrechtlich verfolgt werden. Wer sagt denn, dass das Hotelgewerbe seine Steuern brav zahlt!? Könnte man genauso fragen!

    Des weiteren sollte man diese Entwicklung auch mal aus anderer Sicht betrachten….
    1. Wenn mir als Eigentümer vorgeschrieben wird was ich mit meinem Eigentum machen darf und was nicht, verstößt das schonmal gegen das Grundgesetz und wo kämen wir da überhaupt hin!?

    Hier beschwert sich jetzt das Hotelgewerbe über Umsatzrückgang….a. Wer sagt denn, dass das an solchen Plattformen liegt und b. Wenn die Zahl der Deutschlandbesucher letztes Jahr um 302% gestiegen ist, wie oben erwähnt, ist das doch für Deutschland eine tolle Entwicklung.Vielleicht sind ja durch solche Plattformen Menschen das Reisen ermöglicht worden die sich ein Hotel nicht leisten können…wie mir z.Bsp….. Gebe es airbnb nicht, hätte ich aus finanziellen Gründen zu Hause bleiben müssen.

    Dass das Internet mit diesen Plattformen den Hotels Unsatz streitig macht bezweifle ich zum einen und vor allem die Zahlen.

    Lustig ist auch….in Deutschland beschwert auch ein „Großer“ weil ihm ein Ministück vom Kuchen ggf weggenommen wird, sofort wird die Politik aufs Tablett gerufen die eingreifen soll….was in meinen Augen gem unserer Marktwirtschaft in diesem Fall gar nicht sein darf.

    Umgedreht der Fall…was war/ist wenn die „Kleinen“ von den „Großen“ verdrängt werden!? Ich denke hier an die Tante Emmaläden die von den Supermärkten verdrängt wurden, der lokale Bäcker, der Metzger vor Ort oder der kleine Kleidungsladen der durch die Internetanbieter ruiniert wurde und dessen Existenz vernichtet wurde….man könnte hier die Reihe weiterführen….wo war da die Hilfe aus der Politik…Gesetzesänderungen???!!!

    Das nennt man Entwicklung… Angebot und Nachfrage.

    Traurig nur, dass die Politik nur eingreift wenn es die „Großen“ betrifft!!!!!

    • Jürgen Kremser sagt:

      24.11.2013

      Seitdem es Schröder mit dem beamteten, von allen Sozialabgaben befreiten, Professor Rürup gelungen ist die Sozialrenten zu deckeln und insoweit durch die beabsichtigte Inflation immer stärker an Wert verlieren, muß dieser Personenkreis sich nach alternativen Wegen der Lebenserhaltung suchen. Da nach der Wende 1989 durch das Einzäunungsverbot privater Immobilien schon ein massiver Schlag gegen die Selbstversorgung erfolgte, sollte man den immer mehr verarmenden älteren Menschen solche günstige Übernachtungsmöglichkeiten wie AirBnB erlauben.

      Die Politiker sind sich immer einig, wenn es um ihre Diäten geht. Wenn jedoch das Bäckerhandwerk vor die Hunde geht, weil die Discounter sie mit ihren Back-Shops kaputt machen, interessiert das die Politiker rein gar nicht.

      Die großen amerikanischen Hotelketten in Deutschland, die schon die FDP zu ihren steuerlichen Gunsten intervenieren ließen, wollen hier ein marktkonformes Geschäft verhindern und stoßen bei unseren Politikern selbstverständlich auf große Resonanz!

  4. Michael Maier sagt:

    Schwächt das Gastgewerbe? Gegenfrage: Wer kann sich 80 Euro für eine Übernachtung leisten? Wo sind die innovativen Angebote des Gastgewerbes?

  5. Carsten Gersdorf sagt:

    Hallo lieber Redakteur,
    die angegebene Zahl von 87 Millionen Übernachtungen pro Jahr ist viel zu hoch gegriffen, auch wenn Sie von der Dehoga kommt und vielfach zitiert wird.
    Ein paar Zeilen später wird dann von durchschnittlich 6.000 Gästen pro Nacht geschrieben. Hochgerechnet wären dass dann etwas mehr als 2 Mio. Übernachtungen bim Jahr und nicht 87 Millionen.
    Ich denke diese Zahl ist sehr viel realistischer, auch wenn von den weiteren (kleineren) Portalen auch noch Übernachtungen dazu kommen.
    Viele Grüße
    Carsten Gersdorf
    http://www.bestfewo.de