Produktivität stagniert: Exporte der Schweiz rückläufig

Absatzeinbußen in Europa und Asien belasten die Exportindustrie der Schweiz. Der aktuelle Länderreport der OECD bescheinigt der Schweiz zwar eine robuste Wirtschaftsentwicklung, warnt aber vor langfristig stagnierender Produktivität der Schweizer Unternehmen.

Der Export der Schweiz kommt nicht in Schwung. Die Ausfuhren sind nominal um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen. Besonders in Europa und Asien ist die Nachfrage nach Waren aus der Schweiz zurückgegangen. Dies geht aus einem Bericht der NZZ hervor. Zudem stagniert die Produktivität der Schweizer Unternehmen, wie es die OECD in ihrem aktuellen Länderbericht darstellt. Sie empfiehlt der Schweiz eine „Produktivitäts-Kommission“, um die Ursachen dafür zu identifizieren.

Wenn man die einzelnen Industriezweige der Schweiz betrachtet, so schneidet die Maschinen- und Elektroindustrie mit einem Exportzuwachs von 7 Prozent zum Vormonat am besten ab, berichtet die BAZ. Darauf folgt die Nahrungs- und Genussmittelindustrie, die ihre Ausfuhren um 2,3 Prozent steigern konnte. Die chemisch-pharmazeutische Industrie konnte dagegen nur ein Exportplus von einem Prozent verbuchen. Grund dafür waren vor allem starke Einbrüche beim Export von Roh- und Grundstoffen (-26 Prozent) sowie Agrochemikalien (-16 Prozent). Die Umsatzgewinne aus dem Export von pharmazeutischen Wirkstoffen (+ 8 Prozent) konnten diese Einbrüche kaum kompensieren.

Der Absatz von Exportprodukten in Europa ging um 2 Prozent zurück. Vor allem Deutschland und Spanien fragten weniger Waren aus der Schweiz nach als noch im Vormonat. Auch die Absatzmärkte in Asien liefen für die Schweiz insgesamt schwächer und verloren 4 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Zwar konnten mehr Waren in China (+19 Prozent) und Südkorea (+36 Prozent) verkauft werden, dafür sanken die Ausfuhren nach Indien (-69 Prozent) und Japan (-22 Prozent) deutlich. Die Exporte nach Lateinamerika blieben konstant, während in Nordamerika ein leichtes Exportplus von 4 Prozent verbucht werden konnte.

Die OECD bescheinigt der Schweiz dennoch eine robuste Wirtschaftsentwicklung und solide Staatsfinanzen, berichtet die Schweizer Eidgenossenschaft. Im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn stehe die Schweiz mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent für das laufende Jahr gut da.

Dennoch sieht die OECD Probleme auf die Wirtschaft der Schweiz zukommen. Einerseits gefährde ein zu starker Schweizer Franken weiterhin die Exportindustrie. Andererseits warnt die OECD vor einer schwachen langfristigen Entwicklung der Produktivität von Schweizer Unternehmen. Dadurch gehöre die Schweiz nicht mehr zur Gruppe der Spitzenreiter innerhalb der OECD.

Dem Länderreport zufolge sei das Wirtschaftswachstum der Schweiz vor allem auf ein erhöhtes Arbeitsangebot und eine starke Binnennachfrage zurückzuführen. Dadurch werde jedoch die schwächelnde Produktivität verschleiert, die in der Schweiz seit Jahren zu beobachten sei. Es gelte die Ursachen der schwachen Produktivitätsentwicklung in einer „Produktivitäts-Kommission“  zu identifizieren, wie es sie bereits in Dänemark, Australien oder Neuseeland gäbe. Verbesserungspotenzial sieht die OECD zudem im Bereich der Steuerpolitik (Innovationsförderung und einheitliche Mehrwertsteuer) und beim Abbau bürokratischer Hürden für Firmenneugründungen. Zudem könne die Schweiz die Produktivität durch eine Marktöffnung in Landwirtschaft erhöhen.

Kommentare

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  1. Angie sagt:

    Auf die Zahlen und Prognosen der OECD würde ich mich nicht verlassen, denn diese lagen schon allzu oft daneben.
    Sicher bekommt die Schweiz eben so die Weltwirtschafts- und besonders die europäische Wirtschaftskrise zu spüren, aber das hat dieses Land schon mehrmals durchgemacht und sich wieder mit ihren Qualitätsprodukten hochgerappelt. Das wird es diesmal auch wieder schaffen.
    Doch vorher müsste man den Blind- und Taubgehorsamen pro EU-Politiker der Schweiz die Augen und Ohren öffnen, damit sie endlich einmal mitbekommen, dass das, was größtenteils in der EU an politischem Wahnsinn abläuft, der Schweiz nicht gut tun würde.

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Eigentlich einfach und logisch das sich die Sache auch durch die Schweiz frisst.
    Das ganze auf dem Hintergrund einer absaufenden Europäischen und Globalen Wirtschaft. Immer mehr Faktische Pleitestaaten rund um den Globus mit maroder Realwirtschaft. Ohne solvente Kunden geht es auch der Schweiz ans Eingemachte.
    Da grassiert Weltrealitätsblinde Nabelschau. Ohne solvente Kunden sind auch die besten und Wettbewerbsfähigsten Exportprodukte für die Katze.
    Müsste grundsätzlich jeder Unternehmer wissen ohne solvente Kunden kann der Laden nicht laufen. Tja Mega einfach oder???
    So nebenbei auch die Schweiz hat keinen Zugang zu irgendwelchen Ausserirdischen Absatzmärkten. Das ist lediglich Einbildung und Unterstellung.

  3. Bruno sagt:

    Was man nicht alles erfindet?! Um das einzige Land in Europa, das noch gut da steht, in die Pfanne zu hauen! Warum schickt ganz Europa Arbeiter in die Schweiz, wenn im eigenen Land genügend Arbeit vorhanden wäre. Zum Glück haben wir eine sehr schwache Regierung, die auf jeden Sch…zug aufsteigt!!

  4. Hülsensack sagt:

    Aber die Waffenexporte werden doch noch flutschen, oder?

    • Hans von Atzigen sagt:

      Die Volumina machen lediglich einen Bruchteil der Gesamtexporte aus.
      Auch die Schweiz hat in den 90 iger Jahren massiv abgerüstet.
      Damals wurden 80-90 % des Ursprünglichen, rein Defensiven Verteidigungspotentials verschrottet.