Österreichs Mittelstand profitiert vom China-Boom

China will Milliarden in die Verbesserung der Luftqualität und in Infrastrukturprojekte investieren. Zusätzlich ist die Nachfrage nach Luxusgütern und Dienstleistungen ungebrochen hoch. Ein Umstand, den der österreichische Mittelstand ausnutzen kann.

Der soziale Wandel in China ist eine Chance für mittelständische Firmen in ganz Europa. So auch in Österreich: Umwelttechnologie, qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen werden langfristig auf hohem Niveau nachgefragt werden. Umweltschutz und die Verbesserung der Energieeffizienz stehen im Fünfjahresplan der Chinesen ganz oben auf der Agenda. Österreich ist einer der erfolgreichsten Produzenten grüner Technologie.

Noch immer sind die Hauptstädte der Republik China mit Smog belastet. Die Regierung will nun dagegen vorgehen. Auch ökologische Landwirtschaft wird gefördert. Wer in „Clean Technology“ investieren will, der wird auf den Finanzmärkten schnell fündig. Der Markt wird in den nächsten Jahren weiter wachsen.

Die Energiepolitik ist noch nicht viel sauberer geworden. China hat zwar in der Solartechnologie weltweit die besten Absatzzahlen. Der Energiehunger daheim kennt jedoch keine Grenzen. Für die nächsten Jahre ist der Bau von rund 40 neuen Atomkraftwerken geplant.

Zahlreiche Unternehmen aus Österreich bewegen sich bereits auf dem chinesischen Markt. Unter ihnen „voestalpine, Andritz, Vamed, AT &S, Swarovski, Silhouette, Lenzing, RHI, Staud’s. Selbst im brandneuen Modell der chinesischen Automarke Qoros steckt österreichische Maschinentechnik von Magna Steyr, berichtet der Kurier.

Allein über Hongkong laufen 30 Prozent des österreichischen Außenhandels mit China. Jede dritte Schweizer Uhr wird in Hongkong verkauft. Auch der österreichische Uhrband-Hersteller Hirsch profitiert davon.

Bis 2020 soll China die USA als Wirtschaftsmacht überholt haben. Bereits jetzt melden die Chinesen mehr Patente an, als die Amerikaner. Die chinesische Mittelschicht wächst, und mit ihr auch der Bedarf an europäischen Waren und Gütern, Dienstleistungen und Tourismus. „Chinesen wollen eine Küche, die europäisch aussieht“, sagte Maarten de Vries, Geschäftsführer des Vorarlberger Küchenbeschlägeherstellers Blum in Schanghai.

Die voranschreitende Urbanisierung ist ein weiterer Aspekt, indem österreichische Firmen in China punkten können. Bis 2035 sollen 70 Prozent der Bevölkerung in Städten untergebracht sein, in den 90er Jahren waren es nur 25 Prozent, berichtet die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Die WKÖ veranstaltet diese Woche gemeinsam mit dem österreichischen AußenwirtschaftsCenter Peking eine Marktsondierungsreise für österreichische Firmen in mehreren chinesischen Großstädten zum Thema Urbanisierung. „Österreichische Unternehmen haben in diesen Branchen Vieles zu bieten, haben einen guten Ruf und sollten ihre Chance ergreifen“, sagte Walter Koren, Leiter der Aussenwirtschaft Austria, der Nachrichtenagentur apa.

Besonders gefragt sind deren Know-how und Produkte aus den Branchen Stadtentwicklung, Bau und Infrastruktur, Kommunaltechnik, Energiewirtschaft sowie Verkehr, Transport und Logistik.

Auch Lebensmittel und Weine sind in China sind sehr gefragt. Die Importe in diesem Bereich wachsen so schnell wie sonst nirgendwo auf dieser Welt. „China ist für Lebensmittelproduzenten ein interessanter Markt, insbesondere auch für österreichische Winzer. China importierte im Jahre 2010 über 260 Millionen Liter Wein“, sagte Raymund Gradt, österreichische Wirtschaftsdelegierter. Für das nächste Jahr erwartet Gradt, dass der Weinimport noch um über 50 Prozent zunehmen werde.

China ist Österreichs zweitwichtigster Exportmarkt und wichtigster Handelspartner in Asien. Im vergangenen Jahr erreichten die österreichischen Exporte nach China ein Rekordergebnis von etwa 3 Milliarden Euro, das entspricht einem Plus von 4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2011. Insgesamt sind mehr als 600 österreichische Firmen mit knapp 1.000 Niederlassungen auf dem chinesischen Markt vertreten.

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  1. ThorstenB sagt:

    Unternehmen, die einen Einstieg ins Chinageschäft planen, rät der Personal- und China-Experte Tobias Busch zu Sinodirektoren. Damit bezeichnet er eine neue Managerriege von chinesisch-stämmigen Fach- und Führungskräften, die in China aufgewachsten sind und im Westen studiert und Berufserfahrung gesammtelt haben.

    Mit diesen bikulturell geschulten Managern würde der erfolgreiche Start in China erleichter werden. Weitere Infos zu den Sinodirektoren gibt es in diesem Artikel: http://www.business-on.de/saarlorlux/internationales-management-sinodirektoren-sorgen-fuer-ein-erfolgreiches-chinageschaeft-_id16819.html